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"Weiter
zurückliegende Beziehungen Polens zur Bukowina und zur Stadt
Czernowitz gehen in der Erinnerung der Polen auf den Zeitraum ab
1340 zurück, als das westukrainische Fürstentum Halytsch-Wolhynien,
dem zu damaliger Zeit auch Territorien der Nordbukowina angehörten,
seine Souverenität verlor und in das Gefüge des mächtigen
litauisch-polnischen Herrschaftsbereiches einging. Erst etwa um 1500
klärten sich die endgültigen Besitzverhältnisse bezüglich dieser
nordbukowinischen Teilgebiete zu Gunsten des Fürstentums Moldawien."
( 7 ) sh. S. 143
Die Zahl
der Polen vermehrte sich in österreichischer Zeit durch Zugänge von
Beamten, Geistlichen, Handwerkern und Soldaten,
hauptsächlich also durch Personen
des dienenden Standes.
Gefördert wurde diese Entwicklung
durch die 1786 vom Kaiser verfügte
Union der Bukowina mit Galizien,
die erst 1849 aufgelöst wurde.
Auf diese Zeit ist auch die
Schreibweise der Bukowiner Ortsnamen
polnischer Orthographie
zurückzuführen, so Czernowitz statt
Tschernowitz, Suczawa statt
Sutschawa oder rumänisch Suceava.
"Das schwere Schicksal der
Flüchtlinge aus dem russischen Teilungsgebiet, die nach der
Niederlage des polnischen Aufstandes von 1863 (polnischer
Januaraufstand im russisch besetzten Kongreßpolen) in die Bukowina
gelangten, sowie die Tatsache, dass das Polnische
nicht zu den Landessprachen zählte,
führte dazu, dass sich die
polnische Intelligenz, insbesondere auch die Geistlichkeit, die
Stärkung der ethnischen Bindungen
und die Förderung der polnischen
Sprache und Geschichte zum
vornehmsten Ziele setzte.
Immerhin hatte das Polnische das Prestige, im moldawischen
Fürstentum als eine der ehemaligen
Kanzleisprachen gegolten zu
haben. Die polnische Sprache gewann dadurch zu Zeiten Österreichs
in der Stadt eine inoffizielle Position und ein gewisser Grad an
Kenntnis gehörte zum sogenannten guten Ton in den
Oberschichten." ( 3 ) sh. S. 132 - 137
"Fast die Hälfte der gesamten polnischen Gemeinde in Czernowitz
bildeten die Handwerker, die auch
den Kern der übernationalen
Zunftorganisationen stellten."
(3 ) S. 136
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"Die Dörfer in der Umgebung
der Stadt Czernowitz sind, wie die Mehrzahl der Dörfer in der
Nordbukowina, vorwiegend ukrainisch besiedelt
gewesen"---------------
"Die meisten Ukrainer waren im 18. Jahrhundert Handwerker, Arbeiter,
Kleinhändler und abhängige Bauern und konnten dieser Herkunft halber
auf die Stadtverwaltung keinen großen Einfluß ausüben."
( 2 ) S. 45 In
vorösterreichischer Zeit gab es in der Bukowina praktisch kaum eigenständige
Bauernhöfe. Der Grundbesitz befand sich bis auf wenige Ausnahmen in
den Händen zumeist in der südlichen Moldau residierender überwiegend
rumänischer Großgrundbesitzer und der griechisch - orthodoxen
Klöster.
Zu den zahlenmäßig großen
Volksgruppen des Landes
zählten die bereits seit Jahrhunderten dort ansässigen Ethnien der
Ruthenen (Ukrainer) und Rumänen. Beide haben geschichtliche Wurzeln
auf Bukowiner Boden, die
im Falle der Ruthenen bis vor den Übergang vom ersten zum
zweiten Jahrtausend und in die Zeiten der Zugehörigkeit von
Bukowiner Territorien zum Gefüge des damaligen Reiches der Kyjiwer
Rus' sowie des nachfolgenden ruthenischen (ukrainischen) Fürstentums
Halytsch-Wolhynien und im Falle der Rumänen bis zur zweiten Hälfte
des 12. Jahrhunderts (erste Spuren der rumänischen Ethnie östlich
der Karpaten) und der Gründung des Fürstentums Moldawien im Jahre
1359, sowie dessen Erweiterungen und Höhepunkt unter Stefan dem
Großen (1457-1504) zurückreichen.
"Die alten
ukrainisch-moldawischen, d. h. ukrainisch-rumänischen Beziehungen
gehen vor allem auf den gemeinsamen orthodoxen Glauben zurück.
Die rumänische Kirche des Fürstentums Moldowa war bis zu Beginn des
15. Jahrhunderts der Metropolie von Halytsch unterstellt. Aber auch
nach Gründung einer eigenen orthodoxen Metropolie im Fürstentum
Moldowa, etwa um 1400, haben zwischen den bukowinischen Klöstern und
galizischen orthodoxen Zentren gute Beziehungen bestanden. Dies
rührte auch von engen familiären Verbindungen zwischen ukrainischen
und moldauischen Bojarenfamilien her, die bis etwa ins 17.
Jahrhundert fortbestanden haben“
( 5 ) S. 115-116
Die Unterstellung Moldawiens unter die Oberhoheit der Türkei
(ab 1514) und die Verlagerung des moldawischen Regierungssitzes von Sučava nach Jassy (ab 1564) brachten die Einflussmöglichkeiten
ruthenischer Kreise am moldawischen Fürstenhofe zum Erliegen. zurück
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Wesentliche Bezüge des Rumänentums zur Stadt Czernowitz
Nach Besitzergreifung der
Bukowina durch Österreich (1774) und nachfolgender vertraglicher
Besiegelung dieses Schrittes stellte sich die Lage für die Rumänen,
nach einer mehrjährigen Übergangszeit, in der eine Anzahl von
Bewohnern das Land Richtung Moldawien verließ, insofern bevorzugt
dar, "als die Bojaren und der hohe Klerus ihr Interesse, an der
Verwaltung des Landes mitzuwirken, vorbringen konnten, wobei der
Garantie bisheriger überkommener Rechte und Privilegien keine
unmaßgebliche Rolle zukam. Vasile Bals, der vom Kaiser
zum Mitglied des Militärrates in Czernowitz und von 1783 an zum
Hofkriegsrat in Wien berufen wurde, wurde zum wichtigsten
politischen Vertreter der Bukowiner Rumänen und Vorreiter ihrer
Autonomiebestrebungen“. ( 1 ) sh. S. 69-71
"1821 wurde
Czernowitz der Zufluchtsort vieler Moldauer, die vor den Aktionen
der griechischen "Eteria" bzw. der türkischen Armee
flohen...........Der unmittelbare Kontakt zwischen den
Repräsentanten der bukowinischen Rumänen und der moldauischen
politischen Elite belebte den politischen Gedankenaustausch und
trug, wie zumindest aus den Berichten einiger ausländischer
Reisender hervorgeht, die am Ende der 1830er Jahre in Czernowitz
weilten, zur beiderseitigen Weckung des Nationalbewusstseins bei."
( 1 ) S. 73 u. 74
"Die Bedeutung
von Czernowitz für das Rumänentum geht auch auf das theologische
Institut zurück, das auf Betreiben des rumänischen orthodoxen Klerus
und besonders Bischof Isaia Balosescu 's im Oktober
1827 seine Pforten öffnete. Es übte auf die kulturelle Emanzipation
der bukowinischen Rumänen einen starken Einfluss aus". ( 1 )
S. 74
Zusatzanmerkung:
"Als im Jahre 1789 Daniel Wlachowicz, ein von den Österreichern aus
Karlowitz zum Lehrer an die Klerikalschule berufener gelehrter
serbischer Theologe, zum Bischof der Bukowina ernannt wurde,
verlegte er diese Priesterschule von Suczawa nach Czernowitz. 1818
wurde die Schule geschlossen. 1827 erfolgte dann die Einbeziehung
der seinerzeitigen Priesterschule in die neue theologische
Lehranstalt. Beide wurden 1875 als Theologische Fakultät der
Francisco-Josephina-Universität eingegliedert." ( 12 )
S. 22
"Das Jahr 1848
und dessen direkte Folgen haben Czernowitz zum Zentrum der
politischen Bewegung im
bukowinischen Rumänentum gemacht."
Der Siebenbürger Lehrer für
rumänische Sprache und Literatur,
Aron Pumnul
( Begründer der phonetischen rumänischen Schreibweise), der sich zu
jener Zeit in Czernowitz niederließ, "wurde zu einem der
Hauptakteure des rumänischen Kulturlebens und beeinflußte das
Nationalbewußtsein vieler jugendlicher Intellektueller aus der
Bukowina und aus den übrigen rumänischen Gebieten."
( 1 ) sh. S. 74 u. 75
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Die Bedeutung der Stadt
Czernowitz für die Ruthenen (Ukrainer)
Von nicht
minderer Bedeutung war Czernowitz aber auch für die ruthenischen
(ukrainischen) Kreise der Bukowina. "Sie hatten im Gegensatz zu den
Rumänen im neuen Kronland Bukowina anfangs kaum etwas zu sagen
(Zusätzliche Anmerkung, nicht vom Verfasser: weil sie im Laufe
der moldawischen Periode und damit einhergehender, teilweiser
Assimilierung ihre oberen Führungsschichten verloren hatten, ihrer
Sprache kein gleichwertiger Platz eingeräumt wurde und sie so gut
wie gar nicht unter dem stimmberechtigten Adel und den
Großgrundbesitzern vertreten waren) und erst die österreichische
Verwaltung und die Deutschen ermöglichten es ihnen, ihr eigenes
kulturelles Leben zu entfalten, das ihnen sowohl in dem von Polen
beherrschten Galizien als auch in der russischen Ukraine weitgehend
versagt war."
( 12 ) S. 142
Während der Unterstellung der Bukowina unter die Verwaltung
Galiziens mit seiner Hauptstadt Lemberg gab es - vor allem ab 1815 -
keinen Raum für das Ruthenische, das nicht als Landessprache
anerkannt wurde. Wie die Rumänen, so gehörten auch die Ruthenen der
griechisch-orthodoxen Kirche an. Da die Rumänen die Hand auf dem
Säckel des orientalisch-orthodoxen Religionsfonds hielten - sie
betrachteten ihn als ihr spezifisches Eigentum - und
ihren bisherigen Einfluß in der kirchlichen Organisation nicht mit
den Ruthenen teilen wollten, waren die Ruthenen gezwungen, eigene
finanzielle Strukturen zum besseren Unterhalt ihrer Kichengemeinden
zu entwickeln und sich in kirchlichen und häufig auch in kulturellen
und politischen Angelegenheiten auf ihnen zustehende gesetzliche
Rechte zu berufen. Der Frühling der Völker,
die Revolution von 1848 und deren Nachwirkungen in den
Folgejahren, rückten hier, wenn auch zunächst recht zäh, einiges
zurecht.
"An der 1875
gegründeten deutschsprachigen Universität haben die Lehrstuhlinhaber des neuen
leistungsstarken Lehrstuhls für die ruthenische Sprache und
Literatur sehr viel zur Entwicklung der ukrainischen Sprache und
Literaturwissenschaft beigetragen.
Professor Smal'-Stockyj
verfasste das Buch Bukovynska Rus' (Die bukowinische Rus'), das die
erste geschichtliche Darstellung des
nationalkulturellen Lebens der
bukowinischen Ukrainer darstellt." ( 2 ) sh. S. 50"Am Anfang des 20. Jahrhunderts
war die Bukowina - und hier speziell Czernowitz - jener Ort, wo der
Druck und die Verbreitung der Werke ukrainischer Schriftsteller von,
jenseits des Dnjepr und aus Galizien herauskamen bzw. wo zahlreiche
Werke der westeuropäischen und amerikanischen Literatur ins
Ukrainische übersetzt worden sind. Dies hatte umso mehr Bedeutung,
als die Herausgabe von ukrainischen Büchern im benachbarten
Zarenreich seit 1876 so gut wie verboten war". ( 2 ) S. 49
An der Universität studierten
bekannte ukrainische Literaten, Wirtschaftler und Politiker. Diese
Möglichkeiten standen ebenso rumänischen Kreisen aus dem In- und
Ausland offen.
„Häufige Besuche politischer und
kultureller Größen aus Galizien und aus der russischen Ukraine
zeugten von zunehmender Wichtigkeit der Stadt Czernowitz für das
Ukrainertum.( 2 ) S. 51
Die für die
Nationalbewegungen geltenden Rahmenbedingungen innerhalb Österreichs
trugen somit nicht nur dazu bei, Czernowitz zum Zentrum der
politischen Bewegung der Rumänen zu machen, sondern führten auch
dazu, dass sich Czernowitz zu Beginn des 20. Jahrhunderts,nach Kiew
und Lemberg, zum drittwichtigsten Zentrum des Ukrainertums
entwickelte. zurück
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Die Juden waren bereits vor
Beginn der österreichischen Ära
in der Stadt sesshaft.
Die günstigen Rahmenbedingungen in
der Bukowina führten - vor
allem in Czernowitz - insbesondere zwischen 1850 und 1890,
zu einem starken Ansteigen ihrer
Zahl. Die Hauptherkunftsländer waren Galizien, Bessarabien und die
Moldau.
"Sie kamen - wie übrigens auch
viele Zuwanderer anderer Ethnien -wegen der wirtschaftlichen
Prosperität, die die Bukowina nach ihrer Trennung von Galizien im
Jahre 1849 genoss, wegen der
rechtlichen Gleichstellung, die durch die neue Verfassung vom
März 1849 garantiert wurde und
wegen der üppigen
Bildungsmöglichkeiten." ( 10 ) sh. S. 109 u. 110
In der Bukowina gab es ab 1841
zwei deutlich voneinander getrennte Glaubensrichtungen. Auf der
einen Seite standen die Chassidim und die strenggläubigen
Konservativen auf der anderen Seite die Maskilim (Aufgeklärten).
"Die Maskilim, von denen viele Geschäftsleute waren, begannen
zunehmend Deutsch als tägliche Umgangssprache zu verwenden.......................... Das
Deutsche gewann sowieso in allen Bereichen des jüdischen
öffentlichen Lebens an
Boden". ( 10 ) sh. S. 112 - 113
"Seit der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts identifizierte sich die jüdische Intelligenz
der Bukowina - insbesondere in der Landeshauptstadt Czernowitz - mit der deutschen Sprache und Kultur
und wurde um die Jahrhundertwende zu einem ihrer Hauptträger.
Verwiesen sei auch auf das reichhaltige literarische
Schaffen und die umfangreiche Pressearbeit.
"Mit dem Ausgleich,
der neuen Verfassung vom Dezember 1867, der die administrative
Teilung des Habsburgerreiches in die österreichische Region
Cisleithanien und die ungarische Region Transleithanien
anerkannte, wurde die Autonomie der jüdischen Gemeinden auf der
österreichischen Seite ausgeweitet.
§ 6 der Verfassung garantierte
allen Bürgern des Reiches einschließlich der Juden volle
Gleichberechtigung, das Recht zum Erwerb von Land und unbeschränkte
Freizügigkeit. Viele Beschränkungen bezüglich der Aufnahme in den
öffentlichen Dienst wurden aufgehoben."
( 10 ) S. 117
Gegen Ende der
Österreichischen Ära hatten die Juden in Czernowitz praktisch ein
Monopol im Einzel- und Großhandel und hielten die Mehrheit an
kleinen Industriebetrieben. Sie stellten außerdem einen
beträchtlichen Anteil in den freien Berufen, wie Rechtsanwälte,
Privatärzte etc. und waren auch in Vorständen verschiedenster
Organisationen und Verbände tätig.
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Weitere
ethnische Minderheiten in Czernowitz
Neben den vorab erwähnten größeren ethnischen Gruppen lebten in
Czernowitz noch kleinere Gruppen von Russen, Ungarn Tschechen,
Slowaken, Kroaten, Serben, Slowenen, Bulgaren, Griechen, Armeniern,
Türken, Zigeunern u. a. ( 7 ) sh. Seite 899 Die Volkszählung
von 1910 wies diese Bewohner unter der Position "andere
Nationalitäten: 2,5 %" aus.
Wer sich eingehender mit der Bukowiner und der Czernowitzer
Bevölkerung und der Art ihres Zusammenlebens zu Zeiten der
Habsburger Monarchie befaßt, wird überrascht sein.
Nachtrag
Gegen Ende des
19. Jahrhunderts begann unter der Bevölkerung der Bukowina das
Nationalbewusstsein deutlich zu wachsen und jede Ethnie war darauf
bedacht, ihr Volksbewusstsein zu kräftigen und ureigenste Interessen
zu schützen. Dies geschah jedoch auf kultivierte Art und Weise und
nicht mit politischen Methoden von Verboten und Vernichtungen.
Näheres kann dem geschichtlichen Teil "Die österreichische Periode
in der Bukowina" entnommen werden.
Anmerkung
Nur wer das vorab Erwähnte zusammenhängend betrachtet kann erahnen
von welchem Menschenschlag der inmitten dieser Ethnien aufgewachsene
Czernowitzer Bürger gewesen sein mag. Mit Sicherheit zeichnete ihn
ein gutes Quantum an Offenheit, Neugier, Verständnis für den
Mitmenschen, kulturellem Interesse und Bildung, Einsatzfreude und
beruflicher Tüchtigkeit sowie Gastfreundschaft aus. Und letztendlich
darf man ruhig festhalten: "Er war bestimmt kein Kind von
Traurigkeit".
Links:. Angehörige
der deutschen Ethnie im
Stadtbild von Czernowitz
Aufnahme Mitte der 30 - er Jahre des 20 Jh.
Photo im
Familienbesitz
Einmalige Verwendung exclusiv im Portal bukowinafreunde.de
*****************************************************
Mit dem Ende des für Österreich verlorenen 1. Weltkrieges endete
auch die 143-jährige Herrschaft Österreichs in der Bukowina.
Als Österreich 1918 die Bukowina samt ihrer Hauptstadt Czernowitz an
die Rumänen abtreten mußte hinterließ es ein gut bestelltes Haus
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Schlußwort
Dieser Beitrag
schließt bewusst mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges und geht weder
auf die Kriegszeit noch auf die Folgezeit näher ein (Näheres
dazu findet der Leser unter dem geschichtlichen Teil "Die
nachösterreichische Zeit in der Bukowina"), denn mit dem Ende der
österreichischen Herrschaft endet in der Bukowina auch die Phase der
aufgeklärten, liberalen und toleranten Entwicklungsjahre des
Zeitraums 1848 - 1918.
Zwar zehrte
die Schicksalsgemeinschaft der Minderheiten der Bukowina im Verlauf
der rumänischen Periode ( 1918 - 1940 und 1941 - 1944 ) - bis
zum Einmarsch der Sowjets und der vom Deutschen Reich organisierten
Umsiedlung der Deutschen der Bukowina Ende 1940 - trotz rigoroser
Romanisierungspolitik, die auch vor Teilbereichen der orthodoxen
Kirche nicht Halt machte, noch von etlichen, verbliebenen
Errungenschaften aus der österreichischen Zeit und auch der
nachbarschaftliche Zusammenhalt der Bukowiner untereinander sowie
die gegenseitigen gewachsenen Beziehungen der Ethnien zueinander
konnten bis 1940 nicht ausgeschaltet werden. In kulturellen
Teilbereichen, im Vereinswesen und in der Literaturszene wurden bis
Mitte der 30-er Jahre sogar neue Höhepunkte erreicht, doch
hatten die Minderheiten in politischen Angelegenheiten nicht mehr
viel zu bestellen. Die maßgebenden Entscheidungen fielen in
Bukarest. Das Rumänische wurde zur Nationalsprache erhoben. Zwecks
Durchsetzung dieses Ziels, das auch mit kultureller
Benachteiligung der Minderheiten verfolgt wurde, bediente sich die
damalige rumänische Verwaltung recht ausgeklügelter, zum Teil
drastischer Methoden.
Weder die rumänische Periode noch die lange, entbehrungsreiche
sowjetische Herrschaft konnten die unter Österreich verankerte
geistige Basis gänzlich verändern. Gleich unter nassem Sand
konservierten Phosphorstückchen haben bestimmtes Gedankengut und
bestimmte Einstellungen, vor allem in den die Stadt umgebenden
Dörfern, die Zeit überdauert und tragen nun verstärkt zur geistigen
und kulturellen Öffnung und wirtschaftlicher Prosperität der Stadt
und ihrer Umgebung bei.
Die Verbindungen der Stadt zur rumänischen Südbukowina beginnen
langsam aber stetig zu wachsen. Der bukowinische Gedanke wird durch
mannigfaltige Aktivitäten und gegenseitige Kontakte der
Bukowina-Institutute in Augsburg (Deutschland) und Radautz
(Rumänien) sowie des Zentrums für Bukowina-Forschungen in Czernowitz
(Ukraine), die sich vor allem mit der Erforschung und Dokumentation der
Geschichte, Landeskunde und Kultur der Bukowina befassen und mit
regionalen Universitäten in fortwährendem, engem Kontakt stehen,
bzw. mit ihnen liiert sind, gefördert.
Ein guter Teil
der bukowinischen Vergangenheit, wie auch der aktuellen Geschehnisse
wird - auch über den deutschen Sprachraum hinaus - im monatlich
erscheinenden Presseorgan der „Landsmannschaft der
Buchenlanddeutschen (Bukowina) e. V.“
Der Südostdeutsche
(Augsburg) veröffentlicht.
Auch die
Deutschen der Stadt Czernowitz, deren Interessen im Verband der
„Österreichisch-Deutschen Kultur“ gebündelt sind, haben erste
Kontakte zu den Deutschen der Südbukowina aufgenommen. 2008 trafen
sich im Deutschen Haus in Czernowitz anlässlich des 600-jährigen
Jubiläums der Stadt erstmalig Angehörige der deutschen Ethnie aus
Czernowitz und der Südbukowina (Radautz) mit Buchenlanddeutschen aus
der Bundesrepublik Deutschland in Czernowitz. 2010 bereicherten
anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Deutschen Hauses in
Czernowitz Mitglieder des „Demokratischen Forums der Deutschen in
Rumänien“, Regionalforum Buchenland aus Suzcawa mit ihren
musikalischen Darbietungen den Festakt.
Eine besondere Rolle fällt auch dem Bezirk Schwaben zu, der am 2.
Mai 1997 im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses eine gemeinsame
Partnerschaftsurkunde mit Vertretern der Staatlichen Administration
des Gebietes Czernowitz (Ukraine) und dem Rat des Bezirkes Suczawa
(Rumänien) unterschrieben hat, also mit Vertretern derjenigen
Regionen, die das Gebiet des seinerzeitigen Habsburger Kronlandes
Bukowina umfassen. Bereits am 17. Juli 1955 übernahm der Bezirk
Schwaben auch die Patenschaft für die "Volksgruppe der
Buchenlanddeutschen".
Die Bukowina
ist zum Objekt zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen
geworden, die sich unter anderem mit der Art und Weise des
Zusammenlebens verschiedenster Ethnien und Religionen, der
kulturellen Szene und der Habsburger Ära sowie der Rolle der
Deutschen im gewesenen Kronland befassen.
Die Stadt Czernowitz selbst ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht
und beginnt wieder ins Scheinwerferlicht zu rücken.
Interessant sind in diesem Zusammenhang die Aussagen, die von
Magister Dr. Kurt Scharr, Innsbruck, im Jahr 2002 in seiner
Forschungsarbeit " Der Strukturwandel in der Bukowina am Beispiel
der Siedlungsentwicklung" festgehalten wurden:
"Obwohl in großen
Teilen der historischen Nordbukowina durch die Deportation während
der ersten Sowjetperiode 1940-41 und durch die Folgen des Krieges
auch im südlichen Landesteil ein weitgehender Bevölkerungsaustausch
(zu Gunsten der russischen, ukrainischen bzw. rumänischen
Bevölkerung) erfolgte (deren Gründe und Phasen hier aber im
Einzelnen nicht aufgezählt werden sollen), konnten sich historische
Strukturen halten............... So lässt sich beispielsweise im städtischen
Bereich etwa am Beispiel von Czernowitz eine im Vergleich zu
sowjetischen Städten sehr hohe Dichte von kleinen und kleinsten
Dienstleistungs- und Handwerks- sowie Gastronomiebetrieben auf engem
Raum nachweisen. Diese oftmals wenige Quadratmeter umfassenden
Betriebe gewinnen heute zunehmend an Bedeutung und bilden den
Grundstock eines mittleren Gewerbes und eventuell eines zu keimen
beginnenden bürgerlichen Bewusstseins. Sie federn so einen
gravierenden Rückfall der Siedlung in die Orientierungslosigkeit,
wie er in anderen Teilen der ehemaligen Sowjetunion durch die
Veränderungen des vergangenen Jahrzehnts gemessen werden kann,
teilweise ab."( 11 )
2008 feierte Czernowitz sein
600-jähriges Stadtjubiläum. Wir sind überzeugt, dass die weitere
Entwicklung der Stadt wie auch der gesamten Bukowina in westlichen
Medien künftig erhöhte Aufmerksamkeit finden wird.
Den Ausführungen von Dr. Serhij
Osatschuk (Bukowina-Forschungszentrum an der Czernowitzer Nationalen
"Jurij-Fedkowytsch-Universität") kann man entnehmen, daß das
Interesse an der deutschen Sprache und der geschichtlichen
Vergangenheit der Bukowina samt ihrer früheren Hauptstadt unter der
Bevölkerung, insbesondere bei den Studenten der Czernowitzer
Universität, wächst.
In
einem Beitrag zur Tagung "Mythos Czernowitz" des Deutschen
Kulturforums „Östliches Europa“, Potsdam 17. 09 - 19. 09. 2004
äußerte sich Dr. Osatschuk u. a. wie folgt.
"Eine erstaunliche Erkenntnis
über die Stellung der deutschen Sprache erbrachte auch die letzte
Volkszählung: In Anbetracht der winzigen Anteile an deutscher
und jüdischer Bevölkerung, haben 3.585 Czernowitzer, davon 2.800
Ukrainer, Deutsch als erste Fremdsprache angegeben, in der sie sich
fließend ausdrücken können.
Es ist ein beträchtliches
kulturelles Potential für den Ausbau der kulturellen Beziehungen zu
Deutschland und Österreich." ............ und "Nicht zuletzt sei
erwähnt, dass Czernowitz in den letzten 14 Jahren den alten Ruhm
einer wichtigen Handels - und Geschäftsstadt wiedergewonnen hat."
.............und weiter "Das Czernowitz von heute gibt Grund zur
Hoffnung. Die Stadt ist mit ihrem kulturellen Erbe geradezu ein
Geschenk des Schicksals und im touristischen Sinne ein Kapital für
die Bürger. Es ist aber auch unsere direkte, nicht mit dem Umweg
über Kiew verbundene Brücke nach Europa, die wir unbedingt weiter
begehen wollen." ( 13 ) Dies stimmt zuversichtlich.
Wir wünschen der Stadt und ihren
Bürgern Beharrlichkeit, Glück und Erfolg bei der Verfolgung
und Durchsetzung von Zielen, die zur Völkerverständigung wie auch
zum Wohle und Gedeihen der gesamten Bukowina beitragen und vor allem
der Stadt Czernowitz einen Teil ihres früheren Glanzes
zurückbringen.

Czernowitzer Jugend von heute
Die einer kirchlichen Gemeinde angehörenden Jugendlichen
besuchen Bewohner von Altenheimen, Kranke und alleinstehende ältere
Personen, um sie mit ihrem Gesang zu erfreuen.
Photo aufgenommen in Czernowitz, Sommer 2008
Verfasst: E.G.F. - Stand Juni 2010
Aktualisiert: Oktober 2011
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Verwendete Literatur und Quellen
( 1)
Ceasu, Mihai-Stefan:
" Czernowitz und die Rumänen" - in "Czernowitz" Die
Geschichte einer ungewöhnlichen Stadt - Harald Heppner
(Hg.), Köln, Weimar, Wien 2000( 2)
Dobrzans'kyj, Oleksandr:
"Czernowitz und die Ukrainer" - in "Czernowitz" Die
Geschichte einer ungewöhnlichen Stadt - Harald Heppner (Hg.),
Köln, Weimar, Wien 2000
( 3)
Feleszko, Kazimierz:
" Die Polen in Czernowitz" - in "Czernowitz" Die
Geschichte einer ungewöhnlichen Stadt - Harald Heppner
(Hg.), Köln, Weimar, Wien 2000
( 4)
Heppner, Harald:
"Czernowitz im städtgeschichtlichen Vergleich" - in
"Czernowitz" Die Geschichte einer ungewöhnlichen Stadt -
Harald Heppner (Hg.), Köln, Weimar, Wien 2000
( 5)
Horbatsch, Anna-Halja:
"DIE BUKOWINA EINST UND HEUTE", Eine kulturhistorische Darstellung
in: "Na Krylach Nauke", Greifswalder Ukrainische Hefte,
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Lehrstuhl für
Ukrainistik, Heft 2 - Aachen 2005
( 6)
Kaindl, Dr. Raimund Friedrich:
"Geschichte von Czernowitz" von den ältesten Zeiten bis zur
Gegenwart - Czernowitz 1908
( 7)
Kwitkowskyj, Denys - Bryndzan, Théophil - Zukowskyj, Arkadij:
"BUKOVYNA
- jiji menule i sutschasne -" (BUKOWINA -
Vergangenheit und Gegenwart) Paris, Philadelphia, Detroit, 1956
( 8)
Masan, Oleksandr:
"Czernowitz in Vergangenheit und Gegenwart" in "Czernowitz" Die
Geschichte einer ungewöhnlichen Stadt, Harald Heppner (Hg.),
Köln, Weimar, Wien 2000
( 9)
Rein, Kurt:
"Czernowitz und die Deutschen" in "Czernowitz" Die Geschichte einer
ungewöhnlichen Stadt, Harald Heppner (Hg.), Köln, Weimar, Wien 2000
(10)
Sha'ary, David:
"Die jüdische Gemeinde in Czernowitz" in "Czernowitz" Die Geschichte
einer ungewöhnlichen Stadt, Harald Heppner (Hg.), Köln,
Weimar, Wien 2000
(11)
Scharr, Mag. Dr. Kurt:
"Der Strukturwandel in der Bukowina am Beispiel der
Stadtentwicklung" ( Forschungsprojekt des österreichischen
Wissenschaftsfonds zur Stadtentwicklung in der Bukowina ),
Innbruck 2002
(12)
Wagner, Rudolf:
"Vom Moldauwappen zum Doppeladler" - Ausgewählte
Beiträge zur Geschichte der Bukowina - Festgabe zu
seinem 80. Geburtstag - Augsburg 1991 -Hg. i. A.
der Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen (Bukowina) e. V. von
Paula Tiefenthaler und Adolf Armbruster
(13)
Osatschuk, Serhij:
"Mythos Czernowitz" - Beitrag - in seiner Funktion als
Geschichtswissenschaftler des Zentrums für Bukowina - Forschungen an
der Staatlichen Jurij-Fedkowytsch-Universität Czernowitz - zur
gleichnamigen Tagung des Deutschen Kulturforums östliches Europa,
Potsdam, September 2004
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