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Hildesheimer
Allgemeine Zeitung – Reise
Urlaub vom 15. Mai 2004 – NR. 113
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Das jüngste Gericht als Weltkulturerbe: Ordensschwester
Gabriela vom Kloster Voronet erklärt die Wandgemälde auf
den historischen Außenmauern.
Poch
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von
markus poch
Wer herzliche Menschen mag,
ist im Norden Rumäniens goldrichtig. Wer einen Sinn hat für urwüchsige
Naturlandschaften und gewachsene Dörfer, für Pferdefuhrwerke auf
Kopfsteinpflasterallee, der wird sich wohlführen. Wer neugierig ist auf
einige der weltweit schönsten Klosteranlagen, und wer- nach einem
erlebnisreichen Tag - gerne dort eigkehrt, wo kräftige Hausmannskost mit
viel Gemüse und selbstgebrannten Obstschnäpsen auf den Tisch kommt, der muss
in die Bukowina (deutsch: Buchenland) fahren.
Rumäniens reizvoller Norden öffnet jetzt seine Pforten für internationale
Besucher, beansprucht 14 Jahre nach dem Sturz des Diktators Ceausescu sein
Stückchen vom europäischen Tourismuskuchen. Von Deutschland aus ist das
vielfältige Urlaubsziel an der Grenze zur Ukraine genau so leicht erreichbar
-wie Südfrankreich oder Nordspanien. Es ist auch noch preiswerter.
Die Bukowina, das alte Bauernland am Fuße der Ostkarpaten, rund 500
Kilometer nördlich der Hauptstadt Bukarest, zeigt sich als Region von
sanfter Schönheit und bescheidenen Ansprüchen. Die oft deutschsprachigen
Rumänen rund um die Kreisstadt Suceava (sprich:
Sutschawa) leben in kleinen,
gepflegten Holzhäusern mit eigenen Brunnen, sind im wesentlichen
Selbstversorger. Ackerbau, Viehzucht sowie die dazugehörigen Maschinen und
Geräte sehen notgedrungen oft noch so aus wie in
Mitteleuropa vor 100 Jahren.
Die Erträge, die bei harter
körperlicher Feldarbeit entstehen, sind entsprechend klein, aber die
Familien können davon leben. So überstanden sie die ökonomische
Wirtschaftskrise unter Ceausescu auch besser als die Menschen andernorts im
Land.
Der ewige Mangel an
Düngemitteln wirkt sich für die Bauern der Bukowina heute positiv aus: Ihre
Böden sind bestens geeignet für den Anbau biologischer Produkte. In
Kooperation mit dem Rumänischen Landwirtschaftsministerium will die deutsche
GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) neue Märkte erschließen und die Zertifizierung rumänischer Ökoprodukte nach
EU-Richtlinien erreichen. In
Aufbruchstimmung haben viele rumänische
Familien damit begonnen, die eigenen Höfe zu gemütlichen Pensionen oder
Gasthäusern umzurüsten. Manchmal ist dort ein Zimmer schon für 20 Euro zu
haben.
Wer so günstig und in so netter Umgebung wohnt, der freut sich morgens umso
mehr auf die Bergwanderung, die Kajak- oder Floßfahrt, einen Ausflug mit dem
Mountainbike, eine winterliche Fahrt mit dem Pferdeschlitten oder eine frühe
Wildbeobachtung. Die rumänischen Karpaten sind das Zuhause für mehr als 5000
Braunbären, 3000 Wölfe und 1500 Luchse. Das entspricht 30 Prozent aller
europäischen Großraubtiere, die hier in den weitläufigen, nahrungsreichen
Bergwäldern leben, ohne dass es zu nennenswerten
Konflikten mit der Bevölkerung käme.
Die Bukowina ist für ihre Gastfreundschaft bekannt und für ihre
Kulturschätze. 19 einmalige Klosteranlagen aus dem 15. und 16. Jahrhundert
verschlagen jedem Kunsthistoriker die Sprache. Das Besondere an den
weltberühmten und von deutschen Urlaubern relativ unentdeckten Bauwerken ist
vor allem deren äußere Bemalung, die es sonst nirgendwo auf der Welt so
gibt. Deshalb wurden sie 1973 von der Unesco in die Liste der Kulturerben
der Menschheit aufgenommen. Die Außenmauern der schönsten Klöster, egal ob
nun Moldovita, Putna, Humor, Dragomirna oder Sucevita, sind nahezu komplett
mit biblischen Geschichten verziert. Wer damals keinen Platz in der Kirche
fand oder die (slawonische) Sprache der Gottesdienste nicht verstand, sollte
auf diese Weise trotzdem an Messen teilhaben können.
Chemiker grübeln heute über die Zusammensetzung der alten Farben. Viele der
Fresken beeindrucken auch nach fünf Jahrhunderten - nach 500 heißen Sommern
und 500 eisigen Wintern - noch immer im Originalzustand mit ungebrochener
Leuchtkraft.
Ordensschwester Gabriela ist besonders stolz auf die Abbildung des Jüngsten
Gerichts an der Rückwand des Klosters Voronet, in dem sie betet. Mit einem
liebenswerten Sprachmix aus Rumänisch und Deutsch hat sie noch jeden
Kulturbanausen für ihre heiligen Mauern begeistert: „Kommense wieda,
bittescheen."
BUKOWINA-TIPPSAnreise:
Täglich Tarom-Flüge von Frankfurt nach Bukarest/Otopeni (ca. 2,5 Stunden, ab
255 Euro), weiter von Bukarest/Baneasa nach Suceava mit Angel Airlines (ab
130 Euro). Leihwagen für Euro 30 bis 40 Euro/Tag. Alternativ: entspannte
mehrtägige Autoanreise über Wien, Budapest, Satu Mare - etwa 2100 Kilometer
von Hannover. Pauschale Reiseangebote bei Studiosus und Dr. Tigges.
Essen:
Typische Gerichte aus der Bukowina (Krautwickel). Speisen generell
preiswert, gutes Abendessen im Restaurant für sechs Personen (mit Wein)
schon ab 30 Euro.
Souvenirs:
kunstvoll bemalte Hühnereier, schwarze Keramik, Stickereien,
Holzschnitzereien, handgewebte Teppiche.
Auskunft:
bei der „Asociatia Pentru Turism Bucovina" (sehr freundlich u.
deutschsprachig) unter E-Mail: contact@bucovinaturism.ro oder beim
Rumänischen Tourismusamt (Adresse siehe oben auf der Seite unter
Rumänien-Tipps).
Mit freundlicher Genehmigung von
markus poch
(Nov. 2009)
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Aus dem deutschen Jahrbuch für Rumänien 2008:
Dan
Cărămidariu
Pfarrer Proschinger bei der Hl. Messe in Cacica
Auf das Gespräch „mit der
Zeitung" freut er sich sichtlich und lädt uns in die Sakristei ein. Kurz
davor verabschiedet er sich noch von den Gläubigen, die sich nach der
Abendmesse vor der geräumigen katholischen Pfarrkirche von Suczawa/Suceava
versammelt haben. Pater Johann Proschinger will wissen, was er denn gemacht
habe, dass „die Zeitung" über ihn schreiben möchte, er lächelt breit und
freundlich und bringt schnell auch noch zwei Stühle zum großen
Sakristei-Tisch.
Er sei der einzige deutsche römisch-katholische Pfarrer, den es derzeit in
der Bukowina noch gibt, hatte man mir gesagt. Die hier lebende deutsche
Gemeinschaft sei - wenn die Heilige Messe noch in der Muttersprache
zelebriert werden soll - allein auf ihn angewiesen. Das weiß Pater Proschinger und deshalb ist er noch immer da. Er zelebriert den Gottesdienst
auf Deutsch jede zweite Woche in Suczawa, fährt nach Gura Humora/Gura
Humorului und spricht zu den dortigen Deutschen einmal im Monat, ist in
Sereth/Siret, in Radautz/Rădăuţi und in Katschika/ Cacica dabei, er besucht
die Kranken in Itcani, einem ehemals deutschen Viertel von Suczawa, nimmt an
Kirchweihfesten oder Gemeinschaftstreffen teil und ist beim Demokratischen
Forum der Deutschen im Buchenland ein gern gesehener Gast. Er ist der
Seelsorger, der mit 82 in das eigene Auto steigt und sich auf den Weg zu
seinen Gläubigen macht. Das „macht Freude und gibt Mut für die Zukunft, denn
früher ist man ja als Priester-.auch nicht in Rente gegangen, sondern
sorgte für seine Gläubigen bis ans Ende seines Lebens", so Pater Proschinger.
Dem Grundsatz scheint er treu bleiben zu wollen.
Weil
der in Fălticeni als Sohn eines Handwerkers und einer Hausfrau geborene
Johann Proschinger sich voll und ganz als Bukowina-Deutscher fühlt, kam er
nach seiner Pensionierung aus Galatz/Galati, wohin ihn der Franziskanerorden
1990 versetzt hatte, sofort nach Suczawa zurück. Als Seelsorger für die
Deutschen, aber auch weil es ihn in die buchenländische Heimat zurückzog. Es
war auch seine frühere Kirchengemeinschaft, die ihn interessierte, hatte er
doch vor seiner Tätigkeit in Galatz über Jahre hinweg in Suczawa gedient.
Man kannte ihn, er war jener, der zahlreiche Gemeindemitglieder getauft,
getraut und begraben hatte, die Leute mochten ihn und freuten sich, als er
wieder in der Bukowina war, wie uns ein Gläubiger nach der Messe sagte.
Proschinger besuchte ab dem Alter von 12 Jahren das
Seminar des Franziskanerordens, denn er habe bereits damals den Drang zum
Priestertum gespürt. "Ich wollte immer Priester werden", sag er, doch die
Ereignisse des Zweiten Weltkriegs und das bittere Schicksal seiner Gemeinschaft,
von dem er nicht verschont blieb, machten ihm zunächst einen Strich durch
die Rechnung. Der 20-Jährige wurde 1945 bei Arad von den Russen aus der
rumänischen Armee herausgeholt und nach Tscheljabinsk im Ural-Gebirge
verschleppt. Mit Banater Schwaben, Bessarabiern. Deutschen und Österreichern
interniert, befreundete sich Proschinger mit einem Österreicher und
gemeinsam mit ihm plante er seine Flucht aus dem sowjetischen Lager. Ein
äußerst risikoreiches Unterfangen, wie er 61 Jahre danach zugibt, doch er
konnte „den sibirischen Winter" einfach nicht mehr ertragen, erzählt er
schmunzelnd. Hauptgrund für seinen geglückten Fluchtversuch war jedoch ein
anderer: „Ich musste zurück in die Bukowina, weil ich Priester werden
wollte". Die abenteuerliche Flucht führte den 20-Jährigen über die Ukraine,
über
Chişinău und Czernowitz/Cernăuţi zurück in die Heimat. In Rumänien
angekommen, das bald darauf eine Volksrepublik wurde, musste sich der
Buchenlanddeutsche zunächst als Fahrer und Buchhalter durchschlagen, ehe er
das Studium der Theologie wieder aufnehmen konnte und 1952 in Karlsburg/Alba lulia von Bischof Alexandru Cisar die Priesterweihe empfangen. (Cisar, 1880
- 1954, Sohn eines Tschechen und einer Banater Schwäbin, folgte dem
Deutschen Raymund Netzhammer im Amt des römisch-katholischen Erzbischofs von
Bukarest).
1960
bekam Pater Proschinger in der Gemeinde Cotnari (Kreis Jassy/Iaşi) seine
erste Stelle als Pfarrer, sieben Jahre später wechselte er nach Suczawa, wo
er in der Pfarrkirche im Stadtzentrum bis 1990 diente.
In
der Bukowina wurde Johann Proschinger bereits 1940 von seiner Familie -
Eltern, Schwester und Bruder - getrennt, die nach Deutschland umgesiedelt
wurde und dort auch blieb. Erst 1969 durfte der inzwischen 44-Jährige die
Verwandten in der Bundesrepublik besuchen. Obwohl man ihm mehrmals angeboten
hatte, dort zu bleiben, kehrte er jedes Mal in seine Heimat zurück. „Die
Pflicht, meine Aufgaben hier zu erfüllen, habe ich nie bereut", sagt der
rüstige Pater und seine hellblauen Augen leuchten jugendlich.
. Aus Deutschland habe er nicht nur Bücher („Eine
ganze Bibliothek!") mitgebracht, sondern in Gesprächen mit dortigen Pfarrern
auch Vieles dazugelernt, zum Beispiel wie man Messen gestalten oder eine
menschliche Beziehung zu den Gläubigen aufbauen kann. „So was hatte man ja
uns an der Fakultät nicht beigebracht," so Proschinger. Ob in seinen
bundesdeutschen Erkenntnissen das Rezept seines Erfolges als Pfarrer und
Seelsorger zu suchen sei? „Vielleicht auch da", sagt er. Seine freundliche,
offene Natur, sein Entgegenkommen und seine Redlichkeit sind sicherlich
weitere Erfolgsingredienzen.
In
all den Jahren hat sich Johann Proschinger nicht nur für seine deutsche
Gemeinde eingesetzt, sondern für die Katholiken der Bukowina im Allgemeinen.
Für die Polen, die jetzt zusammen mit den katholischen Rumänen die im 19.
Jahrhundert gebaute Pfarrkirche von Suczawa füllen, hatte er vor 1989 eine
eigene Kirche gebaut, nach wiederholten Verhandlungen mit den
kommunistischen Behörden. Proschinger, dem man eine gewisse Altersschlauheit
vom Gesicht abliest, führte eine Politik der kleinen Schritte: Zunächst ließ
er, selbstverständlich mit Genehmigung, ein Leichenhaus bauen, dann
argumentierte er, man brauche doch auch eine Kirche für die polnische
Gemeinschaft, die hatte nämlich keine. Und zuletzt wurde auch dies
genehmigt, in einer Zeit, in der die katholische Kirche sich keineswegs der
Unterstützung des Regimes erfreute. Voller Bescheidenheit erzählt er das,
was aus heutiger Sicht banal klingen könnte, es aber durchaus nicht ist.
Er wolle weitermachen, so lange er könne, so lange ihm Gott Gesundheit
schenkt und so lange sein VW Passat noch fahrtüchtig ist. Um die alten und
kranken Gläubigen der Bukowina besuchen zu können. Auch wenn sich vieles
verändert habe und vieles komplizierter geworden sei im Vergleich zu früher.
„Was denn?", will ich wissen; Pater Johann Proschinger lächelt breit und in
seinen Augen funkt es schelmisch: „Na, heute gibt es zum Beispiel das
Internet" Ein katholischer Pfarrer alten Schlages eben.
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Am 5. Juni 2010 beging der Österreichisch-Deutsche Kulturverein
im Deutschen Haus,
in der ehemaligen Herrengasse der Stadt Czernowitz, die
Jubiläumsfeier anläßlich des 100-jährigen Bestehens des
Deutschen Hauses.
Bereits am Eingang erhielt jeder Besucher zur Erinnerung an
diesen Tag ein Abzeichen mit dem Bild des Deutschen Hauses und
der Beschriftung “Czernowitz - Deutsches Haus 1910 - 2010”.
Die musikalische Einleitung wurde vom Vorsitzenden des Deutschen
Vereins der ukrainischen Stadt Kolomyja,
Sinovij
Schmidl und seinem Sohn Dieter vollzogen, die beide
mit Berghörnern auftraten und für diese seltene Darbietung mit
großem Applaus bedacht wurden.
Nach dieser schönen Einleitung hielt der neue Vorsitzende des
Vereins der Österreichisch - Deutschen Kultur im Czernowitzer
Gebiet, Herr Alexander
Schlamp, die Festrede, die von seinem Stellvertretrer, Herrn
Paul Pivtorak für die
ukrainischen Gäste synchron übersetzt wurde.
Der Redner richtete seine Worte “an alle heutigen und ehemaligen
Czernowitzer, an alle Bukowiner und alle, die Czernowitz lieben
und die Stadt in ihrem Herzen tragen” und gratulierte im Namen
der deutschen Gemeinde der Bukowina zum Jubiläum. Dabei wies er
auf die Geschichte dieses Hauses hin, das bei der Festigung des
deutschen Nationalbewusstseins und der Entwicklung des
kulturellen Lebens der Deutschen innerhalb der gesamten Bukowina
eine exponierte Rolle innehatte.
Er dankte dem Czernowitzer Stadtrat und Bürgermeister
Mykola Fedoruk dafür,
dass dem Deutschen Haus -analog zu den Nationalhäusern anderer
Nationalitäten - die dauerhafte Nutzung des Hauses und die
Wiederaufnahme der kulturellen Tätigkeit ermöglicht worden ist. Das Hauptziel des Vereins sei natürlich die Bewahrung und
Wiederbelebung der Kultur, Sprache und Traditionen der
seinerzeitigen Österreichisch-Deutschen Ära.
Im
Jahre 1998 wurde für die deutschsprachige Czernowitzer Jugend im
Deutschen Haus die Organisation “Bukowiner Phönix” gegründet.
Darin haben die jungen Leute die Möglichkeit, Sprache und Sitten
ihrer Eltern und
Vorfahren näher kennenzulernen. Mit Unterstützung des “Bukowiner
Phönix” wird im Deutschen Haus auch ein Sonntagskindergarten
“Kleiner Phönix“gegründet.
Der Vorsitzende dankte allen, die - sei es durch aktive
Tätigkeit oder Mitwirkung, sei es durch finanzielle oder
logistische Unterstützung - zum Werden und Gedeihen des Vereins
der Österreichisch - Deutschen Kultur beigetragen haben,
insbesondere Herrn Johannes Klein (seinerzeitiger
Gründungsvorsitzender des Vereins), Herrn Franz Keller, dem
langjährigen Vorsitzenden des Vereins, Frau Inge Wittal, der
bisherigen Leiterin des Vereins, der Regierung von Kärnten, der
Stadt Klagenfurt und den Herren Mag. Udo Peter Puschnig und
Werner Platzer, der Georg-Drozdowski-Gesellschaft, der
Gesellschaft für Technische
Zusammenarbeit und GfE Odessa und Herrn Dr. Tilman Hess,
der Firma Arnika, der Firma Triumph
und Frau Direktorin Kozlowa, dem Bukowina-Institut
Augsburg und Herrn Luzian Geier, dem Zentrum für
Bukowinaforschungen an der Universität Czernowitz und Herrn Dr.
Serhij Osatschuk , der Landesregierung, Herrn Bürgermeister
Mykola Fedoruk und allen aktiven Mitgliedern des Vereins.
Die Rede endete mit den Sätzen “Wir wissen nicht, was der
Festredner, der in 100 Jahren an meiner Stelle steht, sagen
wird. Diese Geschichte muß erst noch geschrieben werden. Fest
steht nur, dass wir unseren Teil dazu beitragen und dafür sorgen
werden, dass es - zumindest was das Deutsche Haus betrifft -
eine Erfolgsgeschichte bleibt.”
Es folgte die
Präsentation des neuen
Buches “Hundert Jahre Deutsches Haus in Czernowitz”,
die vom Verfasser
Dr. Serhij Osatschuk
vom Zentrum für Bukowina - Forschungen an der Jurij -
Fedkowytsch - Universität Czernowitz
vorgenommen wurde.
Den nächsten Programmpunkt bestritten zwei Mädchen der Gruppe
“Bukowiner Phönix“, die
- begleitet vom Saxophonsolisten
Sergij Malischtschuk
- das moderne Lied “Tag der Liebe” sangen.
Professor Dr. Peter Rychlo -
Doktor der Philologie und Professor am Lehrstuhl für
ausländische Literatur und Literaturtheorie an der Czernowitzer
Universität, sowie Mitarbeiter am Zentrum für Bukowina -
Forschungen in Czernowitz,
hielt eine kurze Begrüßungsrede, in der er die Gäste der
Veranstaltung willkommen hieß.
Er gab er einen kurzen
Überblick über die Literatur in der Bukowina des 19.
Jahrhunderts und zitierte aus Werken von Karl Emil Franzos,
Georg Drozdowski, Rose Ausländer und weiterer Schriftsteller.
Grüße aus Österreich und der Stadt Klagenfurt überbrachten
anschließend die
Herren Mag. Udo Peter
Puschnig und Werner Platzer aus Klagenfurt.
Vor der Begrüßung der Anwesenden
durch den Bürgermeister der Stadt Czernowitz, Herrn
Mykola Fedoruk,
und anschließender Auszeichnung mehrerer Mitglieder des
Czernowitzer Vereins
der Österreichisch - Deutschen Kultur trat Frau
Zoja Schmück mit drei
gesungenen Liedern in Akkordeonbegleitung auf.
Im Anschluss daran
verlieh der Bürgermeister den Vereinsmitgliedern Edmund
Wittal und Alexander Schlamp die Medaille “Zum Czernowitzer
Ruhm” (Na Slavu Czernivziv)
Frau Katharina Schlamp sowie die Herren Konstantin Grigel und
Paul Pivtorak erhielten Ehrenurkunden.
Seitens der Gebietsverwaltung
überbrachte der Leiter für Kultur und Tourismus der Stadt Czernowitz
Grüße.
Von den Vorsitzenden des Polnischen und des Rumänischen Vereins der
Stadt wurden Grüße und Geschenke übermittelt.
Der ortsansässige Kunstmaler
Oleg Ljubkiwskij schenkte dem Deutschen Haus eines seiner
Bilder, das er
als
Vorlage für die Titelblattgestaltung der Jubiläumsfestschrift gemalt
hat.
Vom Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien,
Regionalforum Buchenland, Suczawa, waren acht Mitglieder unter der
Leitung von Frau
Corina Derla
angereist, die Grüße überbrachten
und die Festgemeinschaft mit ihren Liedern sowie einem
Geschenk an den Verein überraschten. Bei dem Lied “Wir sind die
Buchenländerleut” (Oskar Schäfer) sangen viele der Gäste begeistert
mit.
Zum Schluss trug Corina
Komolova von der Kindergruppe “Kleiner Phönix” Friedrich
Schillers “Ode an die Freude” vor.
Die Deutschen Vereine “Deutsches Heim” aus Lwiw (Lemberg),
“Deutsches Kulturzentrum im Lwiwer Gebiet”, Verein “Deutsche der
Ukraine” (Iwano - Frankiwsk), “Deutscher Verein” (Kolomyja)
und der Verein “Wiedergeburt” (Shitomyr) hatten
Gastdelegationen entsandt.
Nach Beendigung des offiziellen Teils begaben sich die Gäste zum im
Restaurant “Kärnten” (“Karintija”) angerichteten Bufé wo Teilnehmer
und Gäste nähere Kontakte knüpfen konnten und wo der inoffizielle
Teil der Veranstaltung den Abend bei Speise und Trank sowie Gesang
und guter Stimmung bis in die Nacht verlängerte.
Die Gäste und Vereinsmitglieder bedankten sich für die Einladung und
waren von der
Festveranstaltung
begeistert. Aus Städten der Ukraine und aus Rumänien trafen eine
Reihe von Briefen ein, in denen die schöne und gute Organisation der
Feier gelobt wurde.
Czernowitz, Frühjahr 2010
- F/P
Unter dem Vorsitz
der Deutschlehrerin Teodora Ramona Greciuc existiert beim Deutschen
Forum in Suczawa ein Jugendforum für Kinder und Jugendliche, das
sich unter dem Namen „Jugendlust“, der Förderung der deutschen
Kultur und der deutschen Sprache verschrieben hat. Wie Frau Corina
Derla berichtet, hat sie verschiedene Projekte initiiert, die sie
mit Freude gemeinsam mit den Jugendlichen gestaltet. Bei den Kindern
und Jugendlichen besteht ein großes Interesse an der deutschen
Kultur und der deutschen Sprache. Rund 25 Jugendliche kommen aus
verschiedenen Schulen und Gymnasien in Suczawa, wo sie auch die
deutsche Sprache lernen. Zu den
Projekten, in die sie sich aktiv einbringen können, gehören
Tanzgruppen, die u. a. auch als Projektpartnerschaft zwischen dem
deutschen Forum und der Infostelle Schwaben, in der Frau Valeria
Moscaliuc die Leiterin ist, gegründet wurden. Es schließen sich
weitere Aktivitäten an, wie Basteln, Vorlesungen aus Büchern
Deutscher Autoren, Teilnahme durch eigene Beiträge (z. B.
Faust-Vorträge) an Kulturveranstaltungen, wie beim
Goethetag oder die Organisation und Durchführung von Studienreisen
und Ferienlagern und vieles mehr. Frau Corina Derla plant noch
weitere Projekte, wie die Bildung eines deutschen Jugendchors oder
die Gründung einer Puppentheatergruppe, in der sich die deutsche
Sprache und Kultur niederschlagen soll. Für diese Projekte möchte
sie auch Kinder von weiteren Schulen gewinnen. Als unmittelbares
Projekt ist die Teilnahme der Tanzgruppe und des Chors an den
Feierlichkeiten zum diesjährigen 100-jährigen Bestehen des
„Deutschen Hauses“ in Czernowitz geplant. Das ganze Jahr über gibt
es Veranstaltungen (Kirchweihfeste, Europatage u. m.) in Suczawa
oder in der Umgebung, bei denen die Jugendlichen ihr Können unter
Beweis stellen und von der Bevölkerung bewundert werden. Auch die
anderen Bereiche des Deutschen Forums leisten eine hervorragende
Arbeit hinsichtlich deutscher Kultur, deutscher Sprache
und deutschem Liedgut.

Mitglieder des Jugendforums Suczawa
An dieser Stelle sei auch der Kirchenchor des Deutschen Forums
erwähnt, der mit seinen traditionellen deutschen Bukowiner
Kirchenliedern nicht nur für Aufmerksamkeit sorgt, sondern auf diese
Weise auch für den Erhalt des historischen deutschen Liedgutes des
Buchenlades. Das gilt auch für die Arbeit in den gesamten Deutschen
Foren der Bukowina. Es besteht eine gute und partnerschaftliche
Verbindung und Zusammenarbeit innerhalb der Mitglieder der Deutschen
Foren und den verschiedenen Institutionen. Mitunter müssen wir uns
in Deutschland fragen lassen, ob unsere Unterstützung und Kontakte
zur „alten Heimat“ wirklich ausreichen.
Corina Derla |
Frau Corina Derla entstammt einer deutschen Familie aus der Nähe von
Jakobeny, in die sich ihre Vorfahren aus der Zips angesiedelt hatten.
Sie hat in den Jahren 1998 und 1999 an der Universität Suczawa
Geschichte und Erdkunde studiert und im Rahmen eines Stipendiums an der
Universität Augsburg ihre Deutschkenntnisse verbessert und sich dort mit
der Geschichte der Bukowina in der Habsburger Zeit (1774-1918)
beschäftigt. Heute arbeitet Frau Corina Derla in einem
Computerunternehmen in Suczawa. Nebenberuflich ist sie als Übersetzerin
sowie als Kulturassistentin des Deutschen Forums für die gesamte
Bukowina tätig. Ihr besonderes Interesse gilt der Arbeit mit
Jugendlichen und ihrem Engagement bei Mithilfe und Organisation in
verschiedenen kirchlichen und kulturellen Bereichen. In ihrer Freizeit
nimmt sie an Fortbildungsseminaren teil oder steht den Menschen mit Rat
und Tat zur Seite. Es ist nicht immer ganz einfach, mit den bescheidenen
vorhandenen Mitteln zu recht zu kommen. Neben weiterer personeller
Unterstützung vor Ort, wünscht sie sich eine Vertiefung der
länderübergreifenden Zusammenarbeit.
Mai 2010 - Alfred Wanza
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Die
Entstehungsgeschichte der Bukovina Society of the Americas
von O. M. Windholz und Werner Zoglauer
Die Ursprünge der
Bukovina Society of the Americas
mit Sitz in Ellis, Kansas (USA) reichen zurück in das Jahr 1988, als sich
vom 26. bis 29. September drei Personen mit einem besonderen Interesse am
Erbe der Bukowiner Bevölkerungsgruppe deutscher Volkszugehörigkeit zum ersten mal getroffen
haben. Paul Polansky, dessen Großvater Schneller zu den deutschen
Auswanderern aus der Bukowina gehörte, die sich im Kreis Yuma im Staate
Colorado angesiedelt haben, hatte bereits Informationen über seine Vorfahren
gesammelt. Er wusste von Schnellers, die in Kansas leben und wollte diese
kennen lernen. Irmgard Hein Ellingson, die wie Paul aus Iowa stammt und
deren Mann Wayne von 1980 bis 1983 Pastor an der etwa 10 km nördlich von
Ellis gelegenen St. John Lutheran
Church war, traf sich mit Paul, der damals in Spanien lebte, in Ellis.
Irmgard war und ist sehr an der Besiedlung des Staates Kansas interessiert,
und dieses Interesse beschränkt sich nicht nur auf ihre wolhyniendeutschen
Vorfahren. Der Dritte im Bunde war Oren Windholz, damals technischer Leiter
des Krankenhauses in der Kreisstadt Hays etwa 30 km östlich von Ellis. Er
stand mit Paul Polansky in Verbindung, der bei der
American Historical Society for the
Germans from Russia einen Stammbaum gefunden hatte, der Orens
Abstammung aus der Bukowina belegte.
Obgleich nur durch eine
kurze Notiz in der Zeitung angekündigt, wurde Paul im Festsaal der St. Mary
Schule von einer großen Menschenmenge empfangen. Fasziniert verfolgte diese
Pauls Diaschau über seine Reisen in die Bukowina, welche in den Zeiten des
Kommunismus noch ein riskantes Unternehmen waren. Nach der Vorführung ließen
sich viele Besucher ihren Stammbaum auf Pauls Laptop zeigen, der tausende
von bukowinadeutschen Namen enthielt. Um dem vielfachen Wunsch nach mehr
Informationen nachzukommen, wurde das Treffen am nächsten Tag fortgesetzt,
und ebenso wie am Vortag standen die Leute Schlange um die „Wunder“ auf
Pauls Computer zu sehen. Dies war die erste landsmannschaftlich geprägte
Zusammenkunft der Bukowinadeutschen aus der Gegend von Ellis seit der
Einwanderung vor über hundert Jahren. Dementsprechend hatten die meisten
Teilnehmer ein nur auf mündliche Überlieferung basierendes und damit oft
sehr begrenztes Wissen über ihre Herkunft und ihr kulturelles Erbe.
Während in Deutschland
damals bereits seit 40 Jahren eine Organisation der Deutschen aus der
Bukowina, die Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen, existierte, war in
der Neuen Welt wenig über diese Volksgruppe bekannt. Irmgards Buch über die
protestantischen Schwaben in Kansas und einige Veröffentlichungen von Dr.
Sophie Welisch, einer in New York lebenden Geschichtsprofessorin und Tochter
deutscher Einwanderer aus der Bukowina, waren
die einzigen Quellen, die es in englischer Sprache gab. Paul, Irmgard und
Oren beschlossen, im Frühsommer des kommenden Jahres am 40. Jahrestreffen
der Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen in Augsburg teilzunehmen. Dort
wollten sie die Nachkommen derjenigen Bukowinadeutschen treffen, die nicht
aus der Bukowina ausgewandert waren, sondern dort geblieben sind, bis sie
1940 dem Ruf ‚Heim ins Reich’ folgend von den Nationalsozialisten kollektiv
umgesiedelt worden sind und nach dem Wirrungen des Zweiten Weltkriegs, nach
Umsiedlung, Flucht und Vertreibung in Deutschland schließlich eine neue
Heimat gefunden haben.
Nach den inspirierenden
Tagen des Austauschs von Wissen um und über die Bukowina ermutigte Paul
Irmgard und Oren, über die Einrichtung einer bukowinadeutschen Organisation
in Ellis nachzudenken. Auch planten die Drei im kommenden Jahr nach ihrer
Rückkehr aus Augsburg ein Bukowinafest zu veranstalten. Im Dezember 1988
reiste Irmgard erneut nach Ellis, um mit Oren ein Programm für das Fest
sowie den Plan für die Gründung eines Vereins auszuarbeiten. Zusammen mit
Bernie Zerfas, Darrell Seibel, Joe Erbert und Ernie Honas (alle aus Ellis
bzw. Hays) bildeten sie ein Organisationskomitee, das sich am Nachmittag des
10. Dezember traf und die Pläne weiter detaillierte. Eine Ankündigung in der
Zeitung führte dazu, dass eine große Anzahl Interessierter an einem
öffentlichen Treffen teilnahm, auf dem die Satzung der Vereinigung
verabschiedet wurde. Diese erhielt den offiziellen Namen
Bukovina Society of the Americas.
Das Organisationskomitee wurde zu einem Vorstand erweitert, dem zusätzlich
Dr. Sophie Welisch, Paul Polansky, Bob Schoenthaler und Raymond Haneke
angehörten. Der neue Vorstand wählte Oren Windholz als Präsident, Darell
Seibel als Vizepräsidenten, Joe Erbert als Schriftführer und Bernie Zerfas
als Kassenwart.
Im März 1989 trafen sich
die Mitglieder der Bukovina Society
zur weiteren Planung des Bukowinafestes, das vom 19. bis zum 22. Juli
stattfinden sollte. Nach der Rückkehr der Delegation aus Augsburg wurde
dieser Plan in die Tat umgesetzt: von Mittwochabend bis Samstag war die
Festhalle der Oberschule von Ellis gefüllt mit Nachkommen von Bukowinerne sich
an den sprachlichen, musikalischen und kulturellen Darbietungen erfreuten.
Irma Bornemann aus Stuttgart überbrachte die Grüße der deutschen Bukowina
Organisationen. Am Samstag wurde ein ökumenischer Gottesdienst mit Liedern
und Gebeten in deutscher Sprache abgehalten. Den Abschluss bildete ein
deutsches Abendessen mit anschließendem Tanz. Das Fest war eigentlich als
eine einmalige Veranstaltung gedacht gewesen, jedoch beschloss der Vorstand
aufgrund der großen Nachfrage für 1990 und danach jährlich bis 1998
ebenfalls zu einem solchen Treffen einzuladen. Seit 1998 fand das Treffen
nur alle drei Jahre statt bis heute, wenn im September das 20-jährige
Bestehen unserer Gesellschaft gefeiert wird. Die Gesellschaft bedankt sich
bei einer langen Liste von Sprechern und Vortragenden, einige davon aus dem
Ausland, die auf eigene Kosten angereist sind, um ihre interessanten
Vorträge zu präsentieren. Die Bande nach Deutschland, die zuerst über Irma
Bornemann geknüpft wurden, werden nun von Michael Augustin aus Leonberg
weiter gepflegt, der Ellis sehr oft besucht hat und sowohl aus persönlichem
Interesse an der Bukowina als auch als Repräsentant unserer Gesellschaft
weit herumgekommen ist.
Über die Veranstaltungen
am Sitz unserer Gesellschaft in Ellis hinaus hat diese auch andere, auf die
Bukowina bezogene Veranstaltungen unterstützt oder an diesen teilgenommen.
Van und Mary Massirer haben Mitglieder unserer Gesellschaft anlässlich einer
Konferenz von Gruppen mit deutschem Hintergrund in Waco in Texas beherbergt.
In Zusammenarbeit mit der Federation
of East European Family History Societes (FEEFHS) wurde
unter der Leitung von Laura Hanowski
und Irmgard Ellingson ein Kongress in Regina in Kanada veranstaltet.
Kontakte bestehen auch zu den Nachfahren einer Gruppe von Bukowinadeutschen
in Brasilien, die sich unter der Leitung von Prof. Ayrton
Gonçalves
Celestino zusammengeschlossen haben. Ihr alljährliches Treffen nennen sie ‚Haluschkifest’.
Im Jahre 2001 haben Vertreter unserer Gesellschaft an diesem Fest in der
Doppelstadt Rio Negro/Mafra teilgenommen und sich auch mit Verwandten der
Nachkommen jener Deutschböhmen aus der Bukowina getroffen, die sich in Ellis
angesiedelt haben. Die Bukovina
Society hat zusammen mit dem
Sunflower Capter (= Landesverband im Staate Kansas) der
American Historical Society for the
Germans from Russia an deren Stammsitz ein deutsches Weihnachtsfest
gefeiert. Paul und Dorothy Massirer repräsentierten unsere Vereinigung
zusammen mit Irmgard Ellingson bei einer Feier der Deutschböhmen in Oregon.
Im September 1996 nahmen 28 Mitglieder unserer Gesellschaft aus Kanada und
den Vereinigten Staaten an einer Reise in die ehemalige Heimat teil, die vom
Bukowina Institut in Augsburg veranstaltet wurde. Professor Kurt Rein lud zu
der Tour ein, die von Dr. Ortfried Kotzian geleitet wurde - beide Besucher
und Vortragende bei früheren Veranstaltungen unserer Gesellschaft in Ellis.
Im Oktober 1994 erlangte
die Bukowina Society den Status
einer gemeinnützigen Einrichtung und am 11. September 1997 wurde sie
vollständig von der Steuer befreit. Damit sind auch Spenden an die
Gesellschaft in vollem Umfang steuerlich abzugsfähig. Von den Mitgliedern
wurde ein neues Leitungsgremium gewählt, um die Geschäfte der Gesellschaft
zu führen und um ihrer breiten Verankerung Rechnung zu tragen, wurde
gleichzeitig ein international besetztes Beratergremium eingerichtet.
Das Emblem der
Bukovina Society ist, ebenso wie
für viele andere Bukowina-Organisationen in der Welt, das Wappen des
Heimatlandes unserer Vorfahren. Es wurde 1862 von Kaiser Franz Josef I dem
damaligen Kronland Bukowina verliehen und zeigt den Kopf eines Auerochens,
einem ausgestorbenen europäischen Urrind, das als Stammvater des heutigen
Hausrindes gilt. Während unserer Reise in die Bukowina im Jahr 1996 erfuhren
wir, dass derzeit Anstrengungen unternommen werden, durch Rückzüchtung
Rinderrassen zu züchten, die dem Auerochsen sehr stark ähneln.
Gründungspräsident Oren
Windholz veröffentlichte ein Nachrichtenblatt, aus dem der
Newsletter der
Bukowina Society wurde, der nun
bereits im 19. Jahr vierteljährlich erscheint. Herausgeber dieser sowie
zahlreicher anderer Publikationen ist Dr. Sophie Welisch. Der
Newsletter steht den Mitgliedern
sowohl in gedruckter als auch in elektronischer Form zur Verfügung. Unsere
Gesellschaft hat sieben Bücher veröffentlicht und unterstützt die Autoren
von 15 weiteren Büchern mit bukowinabezogenen Themen bei der Vermarktung
ihrer Publikationen. Ferner werden verschiedene Andenken mit dem Bukowina
Wappen zum Verkauf angeboten. Neben anderen Institutionen haben die
Universität von Kansas sowie drei weitere Universitäten viele Forscher und
Studenten nach Ellis geschickt, um unsere Geschichte und die bei uns noch
vorhandenen Reste von deutschen Dialekten zu erforschen und zu
dokumentieren.
Unser Mitglied Larry
Jensen aus Ithaca, New York kannte sich schon früh mit dem aus, was später
als das Internet bekannt werden sollte. 1996 richtete er in eigener Regie
eine Bukowina Internetseite ein, was zu einer Steigerung unserer
Wahrnehmbarkeit und unseres Bekanntheitsgrades führte und uns zahlreiche
neue Mitglieder einbrachte. Er führte die Pionierarbeit fort, bis die
Bukowina Society im Jahre 2002
den Internetauftritt der Gesellschaft in ihre eigene Regie übernahm und
Werner Zoglauer und Rebecca Hageman die alte Internetseite durch eine
vollständig neu gestaltete unter der Adresse
www.bukovinasociety.org
ersetzten. Mit dem Ziel, die erste Adresse im Internet für Informationen
über die Bukowinadeutschen zu werden, war die Einrichtung der neuen
Internetseite damals ein sehr ambitioniertes Unternehmen. Am 1. Mai 2002 war
die neue Seite verfügbar mit damals 62 Seiten, darunter dem ebenfalls neu
geschaffenen Internet-Store, einer Seite, auf der man Bücher und Andenken
mit Bezug zur Bukowina bestellen kann. Inzwischen ist die Anzahl der Seiten
auf über 300 angewachsen und es ist eine genealogische Datenbank
dazugekommen, die allerdings nur für Mitglieder zugänglich ist. Heute zieht
die Internetseite täglich 1.500 bis 1.700 Besucher an. Auch wenn die meisten
Artikel in Englisch verfasst sind, so gibt es doch auch viele deutsche
Beiträge und einige sogar in portugiesischer Sprache. Viele freiwillige
Mitarbeiter haben tausende von Stunden investiert, um die Internetseite
aufzubauen und für unsere Mitglieder und andere Nutzer ständig weiter zu
entwickeln. Wir schätzen uns sehr glücklich, dass wir Forscher und andere
Autoren aus Amerika, Deutschland und Brasilien haben, die aktiv und in
uneigennütziger Weise dazu beigetragen haben, die Internetseite in so
reichem Maße mit Inhalten über die Geschichte und die Kultur unserer
Vorfahren aus der Bukowina zu füllen.
An Personen, die die
Internetseite durch Veröffentlichungen, die Ergebnisse ihrer
Familienforschung oder sonstige Aktivitäten unterstützen, gebühren Dank und
Anerkennung insbesondere unseren Mitarbeitern aus den USA: Rebecca Hageman,
Irmgard Hein Ellingson, Steve Parke, Doug Reckmann, Dr. Sophie Welisch, Oren
Windholz und Werner Zoglauer;
aus Deutschland: Michael Augustin, Renate Geschwentner und Gertrud Siewi;
und aus Brasilien: Dr. Ayrton Celestino. Außerdem gebührt unsere Anerkennung
den Freiwilligen, die an unserem Sitz in Kansas die Unterstützung für den
Internetstore leisten. Die nur für Mitglieder zugängliche genealogische
Datenbank auf unserer Internetseite hat sich zu der attraktivsten
Dienstleistung für unsere Mitglieder entwickelt und in den letzten vier
Jahren über 700 Besucher veranlasst, unserer Gesellschaft beizutreten. Die
Datenbank enthält gegenwärtig 291.000 Einträge von unseren Vorfahren aus der
Bukowina und deren Nachkommen. Sie ist die Summe aller Datenbanken, die uns
diejenigen unserer Mitglieder zur Verfügung gestellt haben, die aktiv
Familienforschung betreiben, und enthält deshalb auch einige doppelte
Einträge.
Die
Mitglieder, die eine Freischaltung für die Datenbank beantragt haben, kommen
aus 25 Ländern und geben fast alle familiäre Verbindungen zur Bukowina an,
jenem kleinen Staatsgebilde, das heute nicht mehr existiert und das einst
das östlichste Kronland des österreichisch-ungarischen Kaiserreiches war.
Wir sind sehr stolz darauf, dass unsere Mitglieder die Internetseite der
Bukowina Society als den Ort
ausgewählt haben, an dem man sich trifft und an dem man mehr über die
Geschichte und das Brauchtum seiner Vorfahren erfahren kann. Im Laufe dieses
Jahres werden wir die Datenbank durch eine neue Softwareversion verbessern,
die den Nutzern mehr Such- und Auswertemöglichkeiten bietet.
Beverly Mountain aus Saskatchewan in Kanada hat eine Mailingliste
eingerichtet, bei der die per E-Mail gestellten Fragen und Beiträge von
hunderten von Teilnehmern dieser Liste gelesen werden. Neulinge in der
Familienforschung profitieren ebenso wie alte Hasen Tag für Tag von diesem
kostenlosen Service. Mehr Informationen, insbesondere wie man Mitglied wird,
findet man unter
www.Bukovina-gen@yahoogroups.com.
Die Bukowina war ein
Land mit vielen Volksgruppen, in dem die Deutschen zahlenmäßig nur eine
Minderheit darstellten. Der Schwerpunkt unserer Gesellschaft, unserer
Internetseite und unserer Veröffentlichungen ist die deutsche Volksgruppe
und wurde von dieser zu diesem Zweck eingerichtet. Unsere Gesellschaft
anerkennt die reiche Tradition der übrigen Volksgruppen, die sich dieses
wundervolle Land geteilt haben. Einige dieser Bukowiner sind ebenfalls
Mitglieder unserer Gesellschaft und wir berücksichtigen ihre Anregungen bei
unseren Aktivitäten.
Die Zentrale und das Museum der
Bukovina Society sind in der ehemaligen ‚Ersten Kongregationskirche’
untergebracht, der ersten registrierten Kirche in Ellis. Als wir uns zum
ersten Mal nach geeigneten Räumlichkeiten umsahen, bot uns die
St. Johns Lutheran Church
großzügigerweise eines der
in ihrem Besitz befindlichen Gebäude an. Es stellte sich jedoch heraus,
dass dieses zu weit abseits lag, um genügend Besucher anzuziehen. Oren
Windholz und Ray Haneke arbeiteten zusammen mit Jack Nicholson, dem
Ortsvorsteher von Ellis daran, dass wir den heutigen Standort bekommen
haben.
Wir verzeichnen einen
großen und stetigen Zuwachs an Mitgliedern, der weitgehend auf unsere
Präsenz im Internet zurückzuführen ist und inzwischen zu einer
Mitgliederzahl von fast 500 Personen aus aller Herren Länder geführt hat.
Wir danken an dieser Stelle dem Vorstand, unseren internationalen Beratern
und allen anderen Mitstreitern - insbesondere auch all jenen, die in diesem
Rückblick auf die Geschichte unserer Gesellschaft nicht namentlich erwähnt
worden sind - für all das, was sie zu der Erfolgsgeschichte der
Bukovina Society of the Americas
beigetragen haben.
Herausgegeben von der
Bukovina Society of the Americas -
übersetzt von Michael Augustin
2009
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Die „Austria“
kehrt zurück !
Zusammenfassung der Ereignisse um die Austria-Statue von Czernowitz
(Bukowina) und die künstlerischen– und kulturellen Aktivitäten des Instituts
für Kulturresistente Güter aus Österreich.Anlässlich der
Hundertjahrfeier der Zugehörigkeit der Bukowina zu Österreich am 4. Oktober
1875 erlebte Czernowitz einige bedeutende Ereignisse, wie die Gründung der
Franz Josef Universität und am damaligen Hauptplatz der Stadt, welcher 1790
angelegt und zuerst Holzmarkt, später „Criminalplatz“ hieß, die Enthüllung
der Austria-Statue. An dieser Feier sollte auch der Kaiser Franz Josef
teilnehmen, aber aus irgendeinem Grund war er verhindert und an seiner
Stelle kam der Bildungsminister Karl Stremeier nach Czernowitz. Von ihrem Standort konnte die
„Austria“ über die ganze Stadt blicken, denn der Platz, welcher fortan in
Austria-Platz umbenannt wurde, war die höchste Stelle von Czernowitz, mit
einer Höhe von 218 m ü. d. Meeresspiegel.
Das Austria-Denkmal, eine
Allegorie der Mater Austria, die auf einem dreigeschossigen Aufbau stand,
wurde von dem in Wien geborenen Bildhauer Karl Peckary (1848 – 1996), der
bereits mit 24 Jahren, nach Arbeiten für das Wiener Arsenal und die
Weltausstellung 1873 zum Professor an der k. u. k. Staatsgewerbeschule (Neue
Weltgasse) in Czernowitz ernannt wurde, geschaffen. Ihm zur Seite standen bei der
Gestaltung und Fertigstellung des Denkmals der Bildhauer Carl Worak (in
einigen Quellen als Carl Morak bezeichnet), der Architekt Carl Hofer, der
Steinmetz Carl Hoffmannn und der Gießer Carl Turbain.Die Statue hatte eine
Gesamthöhe von etwa 8,2 Meter. Das Denkmal bestand aus einem Sockel, der aus
einem grünen Stein bestand, welcher im Gebirge der Bukowina abgebaut wurde,
einem Basisrelief und der
Hauptfigur, die etwa 2,37 Meter hoch war. Die Statue wurde aus einem
Block Cararischen Marmor herausgehauen, welcher aus Neapel stammte und 184
Zentner schwer war. Die „Austria“ trug antike
Kleidung und manche sagten, dass der Gesichtsausdruck wie der von Maria
Theresia sei, zu deren Regierungszeit die Bukowina an Österreich
angeschlossen wurde. In der linken Hand trug sie
das lorbeerumrankte Schwert und in der rechten Hand hielt sie die
Friedenspalme segnend über die Stadt. Dieser Palmenzweig ist auf
Fotoaufnahmen nach 1905 schon nicht mehr zu sehen.
Nach der Machtübernahme im
Jahre 1918 durch das Königreich Rumänien verschwand die Statue
(wahrscheinlich 1919) auf seltsame Weise und niemand wusste wo sie
abgeblieben war.In dieser Zeit wurden durch die Rumänen viele Denkmäler
demontiert, die die Donaumonarchie symbolisierten. Zum Glück sind aber noch
einige Denkmäler aus dieser ruhmreichen und für die Bukowina bedeutendsten
Zeit erhalten geblieben, wenn auch einige davon nicht mehr komplett sind. Die „Austria“ blieb
Jahrzehnte verschollen, bis man sie zufällig bei Bauarbeiten unter dem
Betonboden auf dem Hof des ehemaligen Bukowina Gewerbemuseums, an der Ecke
Liliengasse / Mickiewiczgasse, heute die UkrSozBank (Ukrainische Soziale
Bank), am 8.Mai 2003 wieder gefunden hat, allerdings ohne Kopf.
Eine eingesetzte Kommission
sollte entscheiden, was mit der Statue passieren soll.Wenn man die Fotos
betrachtet, die bei der Bergung gemacht wurden und die „Technik“, die dabei
verwendet wurde, um die „Austria“ zu transportieren, muss ich an meine
Kindheit zurückdenken, wo in den
fünfziger
Jahren auch noch Rundhölzer für schwere Lasten benutzt wurden, was für den
Transportgegenstand nicht vorteilhaft war. Wie ich von der bildenden
Künstlerin, Frau Barbara Zeidler, erfuhr, hat sie zusammen mit dem Künstler
Abbé Libansky eine internationale Aktion ins Leben gerufen, welche die
Bedeutung dieser wieder gefundenen Statue als eine Brücke zwischen den
Völkern und Kulturen darstellen soll. Die 2003 wiederentdeckte Statue der
Czernowitzer Austria soll als Beispiel und Ausgangsbasis für eine
künstlerische und wissenschaftliche Auseinandersetzung über politische
Symbole und europäische Identitäten werden.International anerkannte
Kuratoren wählten 10 KünstlerInnen aus Österreich, Ungarn, der Slowakei,
Polen und der Ukraine, die je eine Kopie der Statue in Originalgröße
erhielten
und aufgefordert
wurden, sie mit den unterschiedlichsten künstlerischen Ideen neu zu
interpretieren und zu gestalten.
Die Stadt Czernowitz hat in diesem
und in anderen Fällen Glück, eine Partnerschaft mit Österreich zu besitzen,
denn ansonsten glaube ich nicht, dass viel Interesse herrscht, solche
Projekte ins Leben zu rufen.
Bei vielen Restaurationen kann man leider feststellen, das die Farbe viel zu
dick auf das zu Erhaltende aufgetragen wird und so die Ornamente und Figuren
nicht mehr das feine und graziöse Aussehen haben, wie es durchaus hätte sein
können.
Wie man auch aus Czernowitz erfährt,
lässt man Auszubildende (Lehrlinge) diese Arbeiten
verrichten. Leider!
Reinhold Czarny Zusammenarbeit mit Oksana
Nakonechna
Quellen: Institut für Kulturresistente Güter,
Czernowitzer Archiv
Tageszeitung „Molodyj Bukowynez´“
16.10.2006

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Die Charitas von Czernowitz
„Mens sana in corpore sano“ - „ein
gesunder Verstand in einem gesunden Körper"
Für das 600-jährige Bestehen der Stadt Czernowitz im Jahr 2008
wurden viele Maßnahmen zur Erhaltung und Verschönerung des historischen
Stadtkerns durchgeführt. .In diesem Zusammenhang wurde den
Denkmälern, die aus der Zeit der Donaumonarchie stammen, Beachtungen
geschenkt, die ihnen sonst nicht zuteil kommen würden. Eines
dieser Denkmäler, die restauriert werden, ist die in der ehemaligen
Wolan-Gasse (heute Bukowiner Str.) gelegene Statuengruppe „Charitas“ auf
dem Gelände des Fischer´schen Kinderspitals in Czernowitz.
Der Grundstein für dieses Krankenhaus wurde am 25.Juni 1908 gelegt
und das Denkmal der „Charitas“ wurde nach der Eröffnung des Spitals im
Dezember 1910 feierlich enthüllt.Die Skulpturengruppe wurde
vom Wiener Bildhauer Theodor Stundl (1875 – 1934) geschaffen, was ein
Meisterwerk darstellt. Im Zentrum dieser Gruppe befindet sich die
Charitas, das Symbol der Jugend und Gesundheit. Dieser Name bedeutet
„schenkende Liebe“ bzw. „Nächstenliebe“, nicht umsonst schmiegen sich
die dargestellten Kinder an sie, in der Hoffnung mütterliche Wärme und
Zärtlichkeit zu bekommen. Die ganze Komposition ist mit Harmonie
erfüllt, die nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch körperlich ist.
Das wird durch die gut leserliche Inschrift auf der Rückseite des
Obelisken hervorgehoben „Mens sana in corpore sano“, was aus dem
Lateinischen übersetzt heißt „ein
gesunder Verstand in einem gesunden Körper".
Die Skulpturengruppe ist aus Bronze
und hat das knappe Jahrhundert gut überstanden, so dass sie ohne großen
Aufwand restauriert werden kann. Es muss nur der Schmutz und die
Oxydation beseitigt werden, danach kann die Statuengruppe an den alten
Platz zurück.Wenn man die Skulptur betrachtet, gewinnt man den Eindruck,
dass sie aus einem Stück gegossen und nicht aus verschiedenen Teilen
zusammengesetzt wurde. Während ihrer Herstellung in Wien, haben ihre
Schöpfer perfekt alle Teile der Skulptur mit Schrauben, ebenfalls aus
Bronze, verbunden, so dass keine einzige Fuge zu erkennen ist.Im
Gegensatz zur Skulptur hat der Sockel die lange Zeit schlecht
überwunden. Er besteht aus dem Gestein Dolomit, welches auf die
Umwelteinflüsse anfälliger reagierte und in Folge dessen sehr beschädigt
wurde, so dass mehrere Details nicht mehr erkennbar sind.
Das
Denkmal hatte weitere sehenswerte Details anzubieten, die heute nicht
mehr Bestandteil des Denkmals sind und dadurch in Vergessenheit
gerieten.
Dazu gehörten das Medaillon mit dem Abbild von Franz-Josef I, sowie die
Kaiserkrone an der Spitze des Obelisken, welche durch die Russen
entfernt wurden,wie durch die Überlieferung zu hören ist. Man möchte
hierbei hoffen, dass der alte Zustand wieder hergestellt wird und das
Denkmal in voller Pracht dem Betrachter erscheint.
Oksana
Nakonechna
(Czernowitz)
31.10.2006

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Heimattreffen im Böhmerwald (heute Tschechische Republik)
Frau Gertrud Siewi, geb.
Rankel gehört zu den Bukowiner Familienforschern. Mit Leidenschaft ist sie
auf der Suche nach den 29 Ansiedlerfamilien des Dorfes Lichtenberg (Dealu
Ederii, Rumänien), Bukowina im
Jahre 1835. Diese Familien haben ihre Wurzeln im Böhmerwald.
Die Recherchen erfordern aufwendiges Forschen in Kirchenbüchern, die
direkt zu den Menschen und damit zu den geschichtlichen Zusammenhängen
führen. Ein schöner Lohn bei
der Suche nach den eigenen Wurzeln. Eng verbunden mit der
Ansiedlungsgeschichte der Bukowina sind die Deutsch-Böhmen aus dem
Böhmerwald, auf die Frau Siewi bei der Suche nach ihren Vorfahren gestoßen
ist. Über ihre Familienforschung hat sie auf Umwegen Hans Zettl, der aus
Stadln stammt , kennen gelernt. Hans Zettl organisiert seit 20 Jahren das
„Stadler-Treffen“ mit den ehemaligen Dorfbewohnern Stadln (Stodulky),
der vertriebenen Sudetendeutschen. Der Ort zählte zu den Künischen
Freigerichten, diese wurden mit Erlass vom 09.10.1854 aufgehoben.

Gertrud Siewi, geb. Rankel und Elfriede
Craddock, geb. Winkelbauer
in Lichtenberg
geboren) vor der
Informationstafel am „Eingang zum
ehemaligen Dorf Stadln“, das nach
der
schicksalshaften Vertreibung zerstört wurde.
An diesem Treffen hat Frau Siewi auch in
diesem Jahr wieder teilgenommen und uns freundlicherweise diesen Bericht,
der in den Böhmerwaldzeitungen „Hoam“ und „Glaube und Heimat“ veröffentlicht
wurde, zur Verfügung gestellt.
Zum Stadler Treffen 11.-14.
Juni 2009
Es ist schon verblüffend: Zu anderen
Heimattreffen kommen immer weniger Leute, zu unseren kommen immer mehr. Fast
100 Teilnehmer waren es diesmal! Das liegt sicher zum einen an dem großen
Engagement von Hans Zettl und seiner ausgezeichneten Vorbereitung und
Durchführung des alljährlichen Treffens. Zum anderen erhielten wir dieses
Jahr aber auch Verstärkung durch eine große Gruppe vom Bund der
Galiziendeutschen aus Wolfsburg mit ihrem Vorsitzenden Günter Hönig.
Zustande gekommen war dieser Kontakt durch Gertrud Siewi aus Tiefenbach bei
Landshut, die für die Bukowina und den Böhmerwald Familienforschung
betreibt.
Gertrud Siewi erläuterte auch den
historischen Zusammenhang. Beginnend im Jahre 1803 wanderten aus den
künischen Böhmerwalddörfern viele Familien in die Bukowina aus. Einige
verließen die Bukowina wieder im Jahre 1811, siedelten sich in der Nähe von
Kolomea/Galizien an und gründeten den Ort Mariahilf. Die Nachkommen dieser
Galiziendeutschen Familien führte Hans Zettl nun zu den Orten, aus denen
ihre Böhmerwald-Vorfahren vor 200 Jahren ausgewandert waren. 200 Jahre lang
haben sich sowohl die Namen als auch der Dialekt der Böhmerwäldler bei den
Galiziendeutschen erhalten. Zur allgemeinen Überraschung und Erheiterung
wurden Verwandtschaften 5. und 6. Grades zwischen den Galiziendeutschen und
den Böhmerwäldlern festgestellt. Außerdem konnte Gertrud Siewi unseren
Gästen ein detailliertes Verzeichnis der ersten Böhmerwald-Auswanderer
präsentieren, das aus dem Wiener Kriegsarchiv stammt (siehe separaten Aufruf
unten). Es waren beeindruckende, bewegende Erlebnisse für uns alle.
Traditionsgemäß dient der erste Abend im
Gasthaus Luhan in Petrovice der Begrüßung, dem Austausch von
Erinnerungen
und der Geselligkeit. So war es auch
diesmal. Der Geräuschpegel war hoch, die Stimmung hervorragend. Freitag war
dann wie immer Wandertag. Je nach Lust, Laune und Schwierigkeitsgrad
stellten sich die einzelnen Gruppen und Grüppchen ihre Touren zusammen.
Erwandert wurden beispielsweise der
Schwemmkanal bei Rehberg, der Lackaberg oder der sogenannte Farmerweg in der
Kocheter Gegend. Meine Gruppe – sofern man bei zwei Leuten von Gruppe
sprechen kann – lief das sich hochwindende Sträßchen von Langendorf über
Budaschitz nach Plattorn (Dlouhá Ves – Bohdašice – Platoř), das herrliche
Blicke auf St. Maurenzen und die Karlsburg freigibt.
Mit einer Rede und einem Gebet gedachten
wir auf dem Friedhof von Gutwasser am Samstag unserer Toten. Ein Landsmann
aus der Schweiz bereicherte diese kleine Feier
stimmungsvoll mit den Klängen seines Alphorns.
Was wäre das Stadler Treffen ohne die
alljährliche Kiesleitenwanderung? Egal, welche Route man nun wählt, ob man
gut zu Fuß ist oder sich mit dem Auto fahren lässt (eine Ausnahmegenehmigung
macht letzteres möglich, denn wir befinden uns im Nationalpark) – zur
Mittagszeit trifft sich alles oben an der Schutzhütte. Hier stehen wir im
ehemaligen Zentrum von Stadln und erinnern uns an das Dorf, das uns und
unseren Vorfahren bis 1946 Heimat war. Stadln ist verschwunden, jedoch nicht
vergessen. Nach wie vor ist die Aussicht von hier überwältigend: Wiesen,
Wälder, Berge, soweit das Auge reicht – und es reicht weit!
Auch die Begegnung mit Menschen aus Böhmen
kam nicht zu kurz. Hier werde ich zwei ganz persönliche Erlebnisse
schildern. Am Samstagnachmittag waren wir zu Gast in Rogau (Velký Radkov),
einem völlig entlegenen Dorf. Es ist von Hartmanitz aus nur über eine extrem
holprige Straße zu erreichen, die diesen Namen gar nicht verdient. Hier
stehen noch viele alte Böhmerwaldhäuser, liebevoll und fachkundig renoviert,
eines schöner als das andere. Das Haus unserer tschechischen Gastgeber
konnten wir sogar in Großaufnahme in einem Böhmerwaldkalender bewundern. Wir
wurden äußerst gastfreundlich aufgenommen und trafen bereits beim Eintreten
auf eine große Runde von Deutschen und Tschechen, in der wir uns sofort wohl
fühlten. Einer von uns hatte auf dem Weg hierher Pech mit seinem Auto (was
bei dieser Straße kein Wunder ist); der Wagen gab keinen Mucks mehr von
sich. Die Verhandlungen mit dem Abschleppdienst gestalteten sich schwierig.
Bis nach Prag musste telefoniert werden! Auf dem Heimweg kam uns dann doch
der Abschleppdienst entgegen – gottlob an einer Stelle, an der wir
ausweichen konnten.
Noch einen anderen Besuch machten wir in
Rogau. Der Sohn "hiergebliebener" Deutscher empfing uns ebenfalls sehr
herzlich und nahm sich Zeit für den unvermuteten Besuch, obwohl er gerade an
seinen Bienenstöcken arbeitete und erst ein paar Schichten Imkerschutz
ablegen musste. Lange sprachen wir mit ihm, der als Waldarbeiter beschäftigt
ist, über den Wald, den Nationalpark, die Landwirtschaft und das Leben in
diesem faszinierenden, von der Welt abgeschiedenen Dorf.
Am Abend ging es sehr vergnügt zu. Der
böhmische Musiker Milan unterhielt uns im Gasthaus Luhan mit flotter
Tanzmusik. Bis in die frühen Morgenstunden dauerte unser Festabend.
Am Sonntag warteten einige von uns auf die Wallfahrer aus Rinchnach,
die in großer Zahl nach Gutwasser strömten, mit uns Gottesdienst in der voll
besetzten Kirche feierten und sich anschließend im St.-Gunther-Haus
stärkten.
Leider mussten wir dann schon die Heimreise antreten. Es waren wieder
wunderschöne Tage. Vielen Dank, Hans, für deinen unermüdlichen Einsatz und
deine alljährliche organisatorische Meisterleistung! Wir alle freuen uns
schon sehr auf das nächste Mal.
Verfasserin: Anne Horn-Braehmer (September 2009)
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Haben wir unseren Kindern und Enkeln genug
weitervermittelt? oder „Wie halte ich's mit der Bukowina?
Anlässlich des diesjährigen gelungenen
Buchenländer-Bundestrefffens in Frankenthal bereicherte eine sozial
engagierte junge Dame mit Bukowiner Vorfahren die Veranstaltung mit
einem spontanen Wortbeitrag, der besonders erwähnenswert scheint und
nachdenklich stimmt.
Sie schilderte anschaulich, wie sich ihre -Eltern
und Großeltern in den Nachkriegsjahren um eine rasche Integration in den
südwestdeutschen Kulturkreis bemühten, indem sie streng darauf bedacht
waren, ihre zum Teil abweichenden Lebensgewohnheiten, die sie aus der
Bukowina mitgebracht hatten, vor den Einheimischen tunlichst zu
verbergen, um sich von jenen nicht zu sehr abzuheben. Dies betraf sogar
das gewohnte Mamaliga-Essen.
Dass sie mit diesem Handeln zwar integrationsmäßig
sozusagen „den Vogel abgeschossen haben", ist die eine Seite der
Medaille, dass sie dadurch aber auch dazu beigetragen haben, ihren
Kindern einen Teil ihrer Identität vorzuenthalten und - unbewusst die
Rolle, die die Bukowina in ihrem eigenen Leben gespielt hat, zu
schwächen, mögen sie damals, nach der Stunde Null, nicht voll bedacht
haben. Wer könnte es ihnen verdenken? Und so kann man es einer Reihe von
Bukowiner Nachfahren nicht übel nehmen, wenn sie für das Land ihrer
Vorfahren keine tieferen Empfindungen hegen - eben weil sie diese
manchmal nicht weitervermittelt bekamen.
Derartige Fälle sind wahrscheinlich dort
vorgekommen, wo Bukowinaer Familien nicht im Verbund mit mehreren
Landsleuten gelebt haben. Bukowiner Gemeinden im Gebiet Salzgitter-Lebenstedt,
in dem rund 5.000 Buchenländer angesiedelt wurden, oder im Augsburger
Raum boten ihre Mitgliedern mannigfaltigere Möglichkeiten bezüglich der
Pflege der Bewahrung der Bukowiner Sitten, Gebräuche und der Lebensart.
Doch auch dort nagt inzwischen der Zahn der Zeit und das Interesse an
der Heimat der Vorfahren läuft bei Kindern und Enkeln auf Sparflamme.
Denn wie könnte man es sonst erklären, dass diese wenig Bereitschaft
zeigen, ihre Eltern bzw. Großeltern einmal jährlich zum Bundestreffen zu
begleiten.
Handelt es sich wirklich um Desinteresse? Ist
vielleicht der sogenannte heutige Zeitgeist schuld daran oder haben
manche Eltern und Großeltern es versäumt, diese zarte Pflanze Heimat zu
hegen, zu pflegen und den Bukowiner Gedanken an die Nachkommenschaft
weiterzugeben. Dies wäre in der Tat ein Fauxpas.
Ich traue mir nicht zu, eine definitive Antwort
darauf zu geben, da noch andere Gründe für dieses Abstinenzverhalten
ursächlich sein mögen. Da gehe jeder Einzelne in sich und stelle sich
die Frage. Dann wird ihm sicherlich eine Antwort zuteil.
Tatsache ist, dass ich an vielen Bundestreffen
teilgenommen und stets mitbekommen habe, wie sehr die Buchenländer ihre
Heimat, die sie Ende 1940 verließen, liebten, an ihr hingen und wie ein
Leuchten über ihre Antlitze huschte, wenn von der Bukowina gesprochen
wurde. Dieses mit Gefühlsduselei zu bezeichnen würde der Sache nicht
gerecht werden und wäre auch zu einfach. Es muss also „etwas dran
gewesen sein" an diesem Ländchen und an der Gemeinschaft der Bukowiner.
Gab es ein Geheimnis? Bestimmt nicht nur eines!
In der am Anfang dieses Artikels festgehaltenen
Schilderung manifestiert sich ein tiefer Wunsch, dem ich mich ohne zu
zögern anschließe:
Wer noch Zeitzeuge aus der Bukowina ist und wer
das Glück hatte, von seinen Eltern oder Großeltern vieles über die
Bukowina erfahren zu haben, möge dieses unschätzbare und besondere
Wissen an seine Nachkommen weiter geben. Sie werden es Ihnen danken.
Das Internetportal www.bukowinafreunde.de leistet
eine Hilfestellung. Geben Sie diese Adresse an Kinder, Enkel, Verwandte
und Freunde weiter.
Letztendlich sei noch hinzugefügt, dass die Bukowina auf den
Gebieten
Literatur, Musik, Kunst, Tourismus und vielem anderen noch weit mehr
bietet. Dies ist ein Grund dafür, dass sich mehr und mehr Nichtbukowiner
für dieses Land interessieren.
In seiner Festrede ging der der Schirmherr und „Pate" der
Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen, Jürgen Reichert, Präsident des
Bezirkstags von Schwaben/Augsburg, sehr detailliert auf die Beziehungen
Schwabens zur Bukowina ein, wobei er in seine mit Engagement gemachten
Ausführungen einfließen ließ, wie sehr er im Laufe der Jahre das Land
samt seinen Bewohnern und deren Kultur zu schätzen gelernt hat. Einen
besseren Fürsprecher können wir uns nicht wünschen.
Emilian Fedorowytsch, Oktober 2010
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Ein seelsorgerlicher Besuch bei den
Evangelischen im Buchenland
Von Pfr. Hans-Dieter Krauss
Bereits die logistischen
Vorbereitungen einer solchen Reise sind aufwendig: Vorbereitung des
Dienstwagens, Durchgehen der Checkliste, Verständigung der
Ansprechpersonen, sorgfältige detaillierte Zeitplanung, Einplanung
aller Einzelbesuche, Zeit für Unvorhersehbares, um nicht den ganzen
Zeitplan platzen zu lassen, usw.
Am Freitag in den Abendstunden breche ich aus Bistritz auf.
Mein erstes Ziel ist das Hotel „Intus“ in Dornawatra, das der Mutter
unserer dortigen Kuratorin gehört, und wo ich Quartier nehmen darf
– jederzeit!
Samstag am frühen Morgen breche ich dann nach Radautz auf.
Etwa zweieinhalb Stunden Fahrt liegen vor mir. Der Himmel ist
bedeckt aber die Straßen sind trocken und ich komme gut voran. Ich
lasse links die Kirche von Jakobeni hinter mir – „Ein feste Burg ist
unser Gott“ steht über dem Portal, wie bei allen evangelischen
Kirchen im Buchenland. Es ist das Bekenntnis dieser Volksgruppe im
anderskonfessionellen Umfeld... morgen werde ich hier einen
Gottesdienst halten.
Als ich den Mestecăniș-Pass
erreiche, beginnt es zu schneien. Weiter oben bleibt der Schnee auf
der Straße liegen. Die Sicht ist auf 20 m reduziert. Ich muss
langsam fahren. Ob ich rechtzeitig in Radautz ankommen werde?
Ab Kimpolung herrscht dann wieder Frühlingswetter und ich
kann wieder kräftiger aufs Gaspedal treten. Hinter Gura Humora in
Paltinoasa biege ich von der Hauptstraße ab und fahre auf Solka zu.
Die sanften Hügel sind mir vertraut, ebenso die Namen der Orte, in
denen neben Rumänen Ukrainer und vereinzelt auch Huzzulen leben.
Rechtzeitig erreiche ich Radautz und finde die kleine Gemeinde im
Hause von Frau Rodica Morosan versammelt. Vier Frauen und ein Mann
sitzen in dem schönen Esszimmer mit den Jugendstilmöbeln versammelt.
Den Esstisch ziert die Altardecke aus der ehemaligen evangelischen
Kirche von Radautz, das Altarkreuz und zwei schwere Messingleuchter.
Das silberne Abendmahlsgerät steht da. Freudig ist die Begrüßung
und herzlich wie immer. Wir singen und beten, lauschen dem Wort
Gottes. Ich predige in rumänischer Sprache, damit auch alles
verstanden wird. Wir teilen den Leib und das Blut des Herrn. Eine
tiefe, innige Feierlichkeit und Wärme liegt im Raum, während
draußen handtellergroße Schneeflocken dicht durch den Garten
treiben. Sie sind wenige geworden... nur noch eine Handvoll. Nach
dem Gottesdienst plaudern wir noch eine kleine Weile bei Kaffee und
Kuchen. Dann geht es eilig weiter nach Sutschawa. Hier wartet die
kleine Gemeinde in der schmucken Kirche. Auch sie sind weniger
geworden. Alter und die Leiden des Alters binden einige nun an das
Haus. Die Älteste – Frau Ida Adumitracesei suche ich nach dem
Gottesdienst auf und feiere mit ihr und ihrer Tochter das
Abendsmahl. Bei einem reichlichen Imbiss plaudern wir noch ein
wenig. Es ist spät geworden und ich bin zu müde, um noch nach
Dornawatra zurückzufahren. Ich suche ein Hotel und ruhe mich aus. Am
frühen Morgen geht es zurück nach Dorna. Da wartet ein Mann aus der
Gemeinde beim vereinbarten Treffpunkt. Wir fahren zusammen nach
Jakobeni. Auch hier versammelt sich die Gemeinde. Aus Dorna ist
noch die Kuratorin mit ihrem Mann und ihrer Mutter, deren
Gastfreundschaft ich im Hotel genossen habe angereist, aber auch
Frau Hatneanu und ihre Tochter aus Bukarest. Die Jakobenier sind
vollzählig anwesend, bis auf den kranken Herrn Volk und Frau
Huschulei aus Kirlibaba, unsere Älteste hier.
Frau Volk hat fürsorglich wie immer den Ofen in der Kirche
eingeheizt. Nun kommt aber plötzlich ein starker Wind auf und der
Ofen beginnt zu rauchen. Wir beginnen trotzdem den Gottesdienst.
Nach den Lesungen ist der Rauch in der Kirche so dicht, dass ich
unmittelbar zur Abendmahlsfeier überleite. Und dann verlassen wir
die Kirche. Zum ersten Mal in 27 Jahren Pfarrdienst muss ich einen
Gottesdienst abbrechen. Die Gefahr der Rauchvergiftung war aber zu
groß. Die Teilnehmer sind froh, dass sie nun vor Ostern noch einmal
Abendmahl feiern durften. Hier im Buchenland heißt das „Beichten“ –
ein Sammelbegriff für Beichte und Abendmahl.
Ein kurzer Besuch bei Herrn Volk, der schwer krank
darniederliegt, folgt noch – auch hier Wort Gottes und Leib und Blut
des Herrn. Worte des Trostes und der Stärkung.
Dann bringe ich Herrn
Kwiersfeld nach
Dorna
zurück und weiter geht der Weg nach
Kimpolung. Nach einer kurzen Mittagspause und einer kräftigen „Ciorba“
in einer Pension auf dem Mestecăniș-Pass besuche ich Frau Wanzurek
in Kimpolung. Wegen ihrer Gleichgewichtsstörungen traut sich die
knapp Neunzigjährige nicht mehr zum Gottesdienst nach Poschoritta.
Daher besuche ich sie daheim. Die ehemalige Biologielehrerin
empfängt mich fröhlich und aufgeräumt. Auch hier feiern wir
Abendmahl und plaudern noch ein wenig. Sie hat so viel zu erzählen.
Eigentlich möchte ich bleiben und ihren Erzählungen lauschen.
Ein lebendiges Gedächtnis sitzt mir gegenüber, Zeugin von fast
einem Jahrhundert bewegter Geschichte dieses Landstrichs. Eigentlich
müsste man das alles aufschreiben. Schweren Herzens trenne ich mich
von dieser wunderbaren Frau und reise weiter zur einzigen Holzkirche
unserer Landeskirche – nach Poschoritta. Das Ehepaar Kuales und
Frau Popa mit Tochter aus Kimpolung, Herr Gaidosch, Frau Malwine,
die beiden Gemeindeglieder aus Poschoritta, Frau Tillika und ihre
Schwester aus Watra Moldowitza sind da. Aus Eisenau ist niemand mehr
anwesend – in der Woche davor haben wir die letzte Frau von da, Frau
Ilse Hermelinde Hrab geb. Hodel zu Grabe getragen.
Wort Gottes und Mahl des Herrn vereinen die kleine Schar.
Herzlicher Gedankenaustausch im Stehen folgt noch und dann gehen
wir wieder gestärkt und fröhlich auseinander. Viele Hände winken zum
Abschied und ich fahre durch dichtes Schneetreiben zurück und komme
am Abend erschöpft in Bistritz an, wo mein knapp achtjähriger Sohn
begeistert von den Abenteuern dieses Wochenendes berichtet. Ich
versuche geduldig der Erzählung zu folgen und im Bett danken wir
gemeinsam Gott für das Wochenende und den Wochenanfang, für alle
Behütung und Bewahrung und seinen Schutz in allen Augenblicken. In
der Stille lasse ich noch all die vertrauten Gesichter, in die ich
blicken durfte, an meinem inneren Auge vorbeiziehen und danke für
sie alle. Möge Gott sie behüten und segnen, diese seine Kinder in
einem vergessenen Landstrich, unter die Räder der Geschichte
geraten, zu ihrem Spielball geworden, aber in das Herz Gottes
geschrieben mit unverwüstlichen Lettern!
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Die große Flut von
Czernowitz im Juli 2008
Reise- und Erlebnisbericht von Emilian Fedorowytsch
Bereits am Dienstag und am Donnerstag hatte es in Czernowitz jeweils den
ganzen Tag über kräftig geregnet und auch am Freitag, dem 25. Juli,
einem an und für sich schönen Tag, setzte gegen Abend wieder verstärkter
Regen ein. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich nichtsahnend in einer
Unterhaltung mit einem “echten, im Jahre 1917 im Lande geborenen
Bukowiner”. Er beherrscht sechs Sprachen und rezitierte in fehler- und
akzentfreiem Deutsch.
Gerade wollte seine Frau mir einen frisch zubereiteten Kaffee anbieten,
als mich aus dem an den Stadtbereich grenzenden Dorf Zszuczka die
telefonische Nachricht erreichte, der Fluss Pruth sei über die Ufer
getreten, seine Fluten näherten sich mit rascher Geschwindigkeit dem
Dorf und drohten auch die Stadt zu gefährden. Ich solle mich sputen, um
noch rechtzeitig aus dem Zentrum herauszukommen. Aus war’s mit dem
Kaffee! Ein Bursche aus der Nachbarschaft erklärte sich ohne Umschweife
bereit, mich zum Treffpunkt an der Philharmonie im Stadtkern zu fahren,
wo mich mein Gastgeber mit seinem Auto schon wie “auf heißen Kohlen
stehend” erwartete. Da er davon ausging, dass unser regulär am Bahnhof
vorbeiführender Weg aufgrund der Überschwemmungsgefahr schon
unpassierbar geworden war, umging er die Czernowitzer Innenstadt
zunächst in einem großen Bogen, indem er die “Russische Gasse” bis zum
Ende durchfuhr, um dann Zszuczka vom Dorf Cotul Ostriti aus zu
erreichen.
Am Ortsrand von Zszuczka war bereits eine Menge von Dorfbewohnern und
Angehörigen der Miliz versammelt. Alle starrten gebannt auf den Fluss,
dessen Fluten die neue breite Schotterstraße zum Kaleniws’kyj - Markt
und die Auen überschwemmten. Dort hatten Investoren aus der Ukraine das
Gelände vor kurzer Zeit “erschlossen”, indem sie kurzerhand
Gemeindeland, trotz heftiger Proteste der Dorfbewohner, gerodet hatten.
Dutzende feiner Bäume fielen dieser Aktion zum Opfer. Die Auniederungen
waren mit Flusskies aufgefüllt worden und in Richtung des Kaleniws’kyj -
Marktes, eines der größten Märkte der Westukraine, der rund 15.000
Menschen Arbeit und Brot verschafft, war eine Trasse vorangetrieben
worden, natürlich in der Absicht, auf dem Gelände weitere Erschließungen
durchzuführen. Der Widerstand und die Einwände der Bewohnerschaft, das
Auland sei für Bebauungen nicht geeignet, es gehöre seit ältesten Zeiten
zum Fluss und dieser werde sich rächen, wurden überheblich belächelt
und beiseite gewischt. Wie ich hörte, sollen Einwohner des Dorfes die
Investoren daraufhin mit Bannflüchen belegt haben.
Was sich im Folgenden am Abend des 25. Juli 2008 abspielte glich einer
Tragödie. Der normalerweise vom Haus meines Gastgebers weit über 200
Meter entfernte, in einer Niederung fließende, vom Dorf sonst nicht
sichtbare Fluss war um 20 Uhr abends schon um 7 Meter über Normalpegel
angestiegen. Er hatte sein Bett verlassen, die zum Kaleniws’kyj - Markt
führende Schotterstraße und die planierten Flächen einschließlich der
Flussauen total überschwemmt und stand bereits kurz vor dem Dorf. Dort
wo man die Straße vermuten konnte trieben Büsche und Baumstämme in den
reißenden braunen Fluten vorbei. Treibgut vom Großmarkt tauchte auf. Wir
trauten unseren Augen nicht - sogar ein großer Container wurde
mitgerissen. Am Ort des Geschehens drängten sich die Dorfbewohner und
blickten mit Beklommenheit auf die gespenstische Szene. Es dunkelte und
allmählich verlief sich die Menge. Der Wasserstand stieg weiter an.
Wir sahen, wie die Fluten bereits an dem mit Kies bedeckten
Hofgrundstück leckten und in Richtung Haus vorrückten. Es fehlten noch
20 Meter. Urplötzlich verdunkelte in der Dämmerung ein großer Schatten
die helle Kiesfläche. Ein Dorfbewohner hatte ein Boot organisiert, zog
es über den Kies und ruderte mit hastigen Bewegungen ein Stück auf die
riesige Wasserfläche hinaus, um Treibgut abzufangen. Die Szene glich
einem Ausschnitt aus einem Film, in dem Piraten in einer Sturmnacht
Beutestücke aus einem gestrandeten Schiff rauben. Der Wachhund meines
Gastgebers, lief entlang der Wasserkante hin und her, plantschte im
Wasser und spielte mit einem schon benebelt wirkenden Maulwurf, der
seine geflutete Unterwelt verlassen hatte und verzweifelt versuchte,
sein Leben zu retten.
In einem Telefonat hatte man erfahren, dass es in den etwa 80 km entfernten
Karpaten den ganzen Tag über geregnet hatte, in der Nähe des von Huzulen
bewohnten Dorfes Putyla ein etwa 300 Meter langes Stück der Bergstraße
weggebrochen war und auf dieser Strecke keine Verkehrsverbindung mehr
bestand. Es stellte sich die große Frage, wie weit die mit einigen
Stunden Verzug aus den Bergen erwarteten Wassermassen den stündlich um
30 cm steigenden Pegel des Pruth noch weiter anheben würden und was dann
passieren würde. Wir machten uns zur Evakuierung bereit. Auch die
anwesende Miliz riet direkt betroffenen Einwohnern zum Verlassen Ihrer
Häuser. Ich packte kurz entschlossen meinen Koffer.
Es war ein seltsames Gefühl, anzusehen, wie die Hausbewohner das
Notwendigste packten, ihre Sachen sicherten, bestimmte Gegenstände auf
die Couch oder Schränke deponierten und sich zur Räumung vorbereiteten.
Die alte Mutter meines Gastgebers saß - mit ihrer Rechten einen großen
Hirtenstock umklammernd - auf den Stufen ihres Hauses und starrte mit
steinernem Gesichtsausdruck stoisch in den Regen. Der Himmel war grau in
grau und seine Schleusen waren weit geöffnet. Der Hausherr parkte
seinen Bully mit laufendem Motor schon vor der Wohnungstür. Dann brachte
er seine Frau, seine Tochter mit Baby, seine Mutter und mich nur mühsam
über die schon teilweise unter Wasser stehende Dorfstraße in den höher
gelegenen Czernowitzer Vorort Sadagora, wo wir bei einer seiner
Schwägerinnen provisorisch untergebracht wurden. Er selbst begab sich
zurück zu seinem Haus um dort mit seinem Schwager und seinem
Schwiegersohn Sandsack-Barrieren aufzubauen und die Stellung zu halten.
Wir “Evakuierten” saßen wie in einem Luftschutzkeller zu Kriegszeiten
mit Familienmitgliedern und Verwandten im Wohnzimmer beisammen und
teilten uns die vorhandene provisorische Verpflegung. Zwei Kannen mit
heißem Tee gingen rund um und verbesserten die angespannte Stimmung,
bevor uns unsere Schlafstellen zugewiesen wurden und wir uns zur Ruhe
legten.
Ich hatte ein Schlafzimmer im ersten Stock erhalten. Mein Schlaf war nicht
sehr tief. Entferntes Grollen und das vom Wetterleuchten erhellte leicht
angelehnte Schlafzimmerfenster mit der wehenden Gardine bewogen mich zum
Aufstehen. Ich trat an das Fester und öffnete es weit. In dieser Nacht
rauschte der Regen wie eine graue Wand ohne Ende in dicken Schnüren vom
Himmel herunter. Die Straßenlaternen verbreiteten eine düstere
Beleuchtung. In der Ferne rollte der dumpfe Donner und ließ mich
unvermutet an den Geschützdonner einer näher rückenden Angriffsfront
denken. Blitze zuckten kreuz und quer über den Himmel. Aus dem Dunkel
des schemenhaften Hintergrundes ragten die Berge der näheren Umgebung,
an denen beständig Wolkenmassen aufstiegen, drohend empor. Das Firmament
war in fahles weiches Licht getaucht. Die Situation vermittelte mir das
Gefühl, mich auf einem fremden, feindlichen, größtenteils aus
Wasserdampf bestehenden Planeten zu befinden, der durch dauernde
elektrische Entladungen alles in seinem Bann hielt. Solche Fluten hatte
es in Czernowitz seit 40 Jahren nicht mehr gegeben! Meine Gedanken
kreisten um das von uns verlassene Dorf. Was mochte sich dort jetzt
abspielen?
Am nächsten Morgen erfuhren wir, dass die vordringenden Wassermassen nur
wenige Meter vor dem Hausportal unseres Gastgebers zum Stillstand
gekommen waren und
der Pegel nicht weiter angestiegen war. Der
Wasserstand ging quälend langsam zurück. Dennoch noch gab es keine
Entwarnung, so dass wir noch eine weitere Nacht “im Exil” verbringen
mussten.
An diesem zweiten Abend war es im Haus plötzlich still geworden und ich
begab mich auf die Suche nach den Bewohnern. Beim Verlassen der Wohnung
musste ich zunächst an dem den Eingang bewachenden laut kläffenden
Hofhund vorbei, was mir Gott sei Dank ohne Blessuren gelang. Und dann
hörte ich Stimmengemurmel aus dem Nachbargarten. Als ich auf den Garten
zuging eröffnete sich mir eine phantastische Szenerie. Dort saßen die
Gesuchten zusammen mit Nachbarn beim Schein trüber Funzeln beisammen
und waren mit irgendetwas emsig beschäftigt. Beim Nähertreten sah ich
es: sie wuschen und säuberten Berge von mit Flußschlamm überzogener
Handelsware, die vom Kaleniws’kyj - Großmarkt stammte. Zwei
Schwägerinnen meines Gastgebers sind Geschäftsfrauen, die am Großmarkt
mit Textilien und Elektronikteilen handeln und ihre Ware - ebenso wie
viele andere Händler - dort in Containern lagern. Die Fluten hatten
nicht nur Teile der Stadt, vor allem um den tiefer gelegenen Bahnhof
herum, sondern auch den gesamten, in einer Senke liegenden Markt und die
dort stehenden als Lager- und Verkaufsräume dienenden Container unter
Wasser gesetzt und mit feinem Schlamm des Pruth wie mit einer Panade
überzogen. Entsprechend sah ein Großteil der Warenbestände aus. Teile
dieser Bestände waren nun in den Garten gebracht worden und wurden
“bearbeitet”. Jetzt ging es darum, zu retten was noch zu retten war, Hosen, Elektronikteile oder Sonstiges. Jedes Teil wurde mit Wasser
abgespült, einschließlich eventueller Folienverpackung sorgfältig auf
weitere Verwendbarkeit geprüft und anschließend wurden die Textilien an
langen Wäscheleinen, die den Garten kreuz und quer durchzogen, zum
Trocknen aufgehängt. So viel Jeans und Wäsche habe ich noch nie in
meinem Leben an
Wäscheleinen gesehen! Die ganze Arbeit war recht mühevoll und schmutzig
und glich einer einzigen Schlammschlacht. Der Regen war zwar vorbei,
doch an seiner Stelle flossen jetzt viele Tränen der Verzweiflung - und
das bestimmt nicht nur in jenem Garten.
Viele Geschäftsleute des Kaleniws’kyj - Marktes hatten in der
Vergangenheit zur Ausweitung ihrer Geschäfte und zur Finanzierung ihrer
Wareneinkäufe hohe Bankkredite aufgenommen. Ein guter Teil der Waren war
aufgrund der Überschwemmung unbrauchbar geworden. Das bedeutete hohe
Verluste, die bei vielen in die 10.000 - de US-Dollar gingen. Dass der
Pruth über die Ufer steigen würde war von den Behörden aufgrund der
Regenfälle vorhergesehen worden und sie hatten am Freitag mittags
entsprechende Warnungen an die Bevölkerung und die Geschäftsleute des
Großmarktes herausgegeben. Daraufhin hatten die meisten
Containerbesitzer ihre Waren in den Containern höher gelagert. Dass die
gesamten Container vom Wasser bedeckt werden würden hatten die Händler
nicht vorausgesehen, denn die letzte große Flut diesen Ausmaßes lag 40
Jahre zurück. Doch dieses Mal trat der Super-Gau ein: “Rien ne va plus”
- nichts ging mehr!
Welche Schäden in der Innenstadt entstanden waren konnten wir nur vermuten.
Generell kann man sagen, dass die Stadt Czernowitz und die vom
Hochwasser betroffenen Regionen stark in Mitleidenschaft gezogen worden
sind und die Öffentliche Hand sowie insbesondere die Kaufleute des
Großmarktes wahrscheinlich in noch höhere Verschuldung getrieben wurden.
Es bleibt die Hoffnung, dass alle Betroffenen - Stadt, Investoren und
Kaufleute des Kaleniws’kyj - Marktes, daraus Schlüsse für die Zukunft
ziehen damit sich ein derartiges Spektakel nicht so schnell wiederholt.Seine Macht hat der Pruth allemal behauptet!
- Emilian Fedorowytsch - im April 2011 –
Aktualisiert im Oktober 2011
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