Wappen - Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen (Bukowina) e.V.

     

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Hildesheimer Allgemeine Zeitung – Reise  Urlaub vom 15. Mai 2004 – NR. 113

Bukowina: Wie bei Freunden

 

 

Das jüngste Gericht als Weltkulturerbe: Ordensschwester Gabriela vom Kloster Voronet
erklärt die Wandgemälde auf den historischen Außenmauern.                               Poch



von markus poch

Wer herzliche Menschen mag, ist im Norden Rumäniens goldrichtig. Wer einen Sinn hat für urwüchsige Naturlandschaften und gewachsene Dörfer, für Pferdefuhrwerke auf Kopfsteinpflasterallee, der wird sich wohlführen. Wer neugierig ist auf einige der weltweit schönsten Klosteranlagen, und wer- nach einem erlebnisreichen Tag - gerne dort eigkehrt, wo kräftige Hausmannskost mit viel Gemüse und selbstgebrannten Obstschnäpsen auf den Tisch kommt, der muss in die Bukowina (deutsch: Buchenland) fahren.    Rumäniens reizvoller Norden öffnet jetzt seine Pforten für internationale Besucher, beansprucht 14 Jahre nach dem Sturz des Diktators Ceausescu sein Stückchen vom europäischen Tourismuskuchen. Von Deutschland aus ist das vielfältige Urlaubsziel an der Grenze zur Ukraine genau so leicht erreichbar -wie Südfrankreich oder Nordspanien. Es ist auch noch preiswerter.

     Die Bukowina, das alte Bauernland am Fuße der Ostkarpaten, rund 500 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bukarest, zeigt sich als Region von sanfter Schönheit und bescheidenen Ansprüchen. Die oft deutschsprachigen Rumänen rund um die Kreisstadt Suceava (sprich: Sutschawa) leben in kleinen, gepflegten Holzhäusern mit eigenen Brunnen, sind im wesentlichen Selbstversorger. Ackerbau, Viehzucht sowie die dazugehörigen Maschinen und Geräte sehen notgedrungen oft noch so aus wie in Mitteleuropa vor 100 Jahren.

    Die Erträge, die bei harter körperlicher Feldarbeit entstehen, sind entsprechend klein, aber die Familien können davon leben. So überstanden sie die ökonomische Wirtschaftskrise unter Ceausescu auch besser als die Menschen andernorts im Land.

    Der ewige Mangel an Düngemitteln wirkt sich für die Bauern der Bukowina heute positiv aus: Ihre Böden sind bestens geeignet für den Anbau biologischer Produkte. In Kooperation mit dem Rumänischen Landwirtschaftsministerium will die deutsche GTZ (Gesellschaft für Technische
 Zusammenarbeit)  neue Märkte erschließen und die Zertifizierung rumänischer Ökoprodukte nach EU-Richtlinien erreichen. In Aufbruchstimmung haben viele rumänische Familien damit begonnen, die eigenen Höfe zu gemütlichen Pensionen oder Gasthäusern umzurüsten. Manchmal ist dort ein Zimmer schon für 20 Euro zu haben.

 Wer so günstig und in so netter Umgebung wohnt, der freut sich morgens umso mehr auf die Bergwanderung, die Kajak- oder Floßfahrt, einen Ausflug mit dem Mountainbike, eine winterliche Fahrt mit dem Pferdeschlitten oder eine frühe Wildbeobachtung. Die rumänischen Karpaten sind das Zuhause für mehr als 5000 Braunbären, 3000 Wölfe und 1500 Luchse. Das entspricht 30 Prozent aller europäischen Großraubtiere, die hier in den weitläufigen, nahrungsreichen Bergwäldern leben, ohne dass es zu nennenswerten Konflikten mit der Bevölkerung käme. Die Bukowina ist für ihre Gastfreund­schaft bekannt und für ihre Kulturschät­ze. 19 einmalige Klosteranlagen aus dem 15. und 16. Jahrhundert verschlagen jedem Kunsthistoriker die Sprache. Das Besondere an den weltberühmten und von deutschen Urlaubern relativ unentdeckten Bauwerken ist vor allem deren äußere Bemalung, die es sonst nirgendwo auf der Welt so gibt. Deshalb wurden sie 1973 von der Unesco in die Liste der Kulturerben der Menschheit aufgenommen. Die Außenmauern der schönsten Klöster, egal ob nun Moldovita, Putna, Humor, Dragomirna oder Sucevita, sind nahezu komplett mit biblischen Geschichten verziert. Wer damals keinen Platz in der Kirche fand oder die (slawonische) Sprache der Gottesdienste nicht verstand, sollte auf diese Weise trotzdem an Messen teilhaben können.


Chemiker grübeln heute über die Zusammensetzung der alten Farben. Viele der Fresken beeindrucken auch nach fünf Jahrhunderten - nach 500 heißen Sommern und 500 eisigen Wintern - noch immer im Originalzustand mit ungebrochener   Leuchtkraft.   Ordensschwester Gabriela ist besonders stolz auf die Abbildung des Jüngsten Gerichts an der Rückwand des Klosters Voronet, in dem sie betet. Mit einem liebenswerten Sprachmix aus Rumänisch und Deutsch hat sie noch jeden Kulturbanausen für ihre heiligen Mauern begeistert: „Kommense wieda, bittescheen."

BUKOWINA-TIPPSAnreise:
Täglich Tarom-Flüge von Frankfurt nach Bukarest/Otopeni (ca. 2,5 Stunden, ab 255 Euro), weiter von Bukarest/Baneasa nach Suceava mit Angel Airlines (ab 130 Euro). Leihwagen für Euro 30 bis 40 Euro/Tag. Alternativ: entspannte mehrtägige Autoanreise über Wien, Budapest, Satu Mare - etwa 2100 Kilometer von Hannover. Pauschale Reiseangebote bei Studiosus und Dr. Tigges.

Essen: Typische Gerichte aus der Bu­kowina (Krautwickel). Speisen generell preiswert, gutes Abendessen im Restaurant für sechs Personen (mit Wein) schon ab 30 Euro.
Souvenirs:
kunstvoll bemalte Hühnereier, schwarze Keramik, Stickereien, Holzschnitzereien, handgewebte Teppiche.
Auskunft:
bei der „Asociatia Pentru Turism Bucovina" (sehr freundlich u. deutschsprachig) unter E-Mail: contact@bucovinaturism.ro oder beim Rumänischen Tourismusamt (Adresse siehe oben auf der Seite unter Rumänien-Tipps). 

Mit freundlicher Genehmigung von markus poch      (Nov. 2009)                                                    

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Das Märchen vom Buchenland

für Erwachsene und Kinder
von Alfred Wanza

 

  Die sagenumwobenen Berge Adam und Eva in Pojorata/Bukowina

 
Die sagenumwobenen Berge Adam und Eva in Pojoria BukowinaEs  war  einmal  eine  Kaiserin,  die  kaufte  vor  vielen,  vielen  Jahren  auf  Anraten  ihres  Sohnes  und Mitregenten  vom  Sultan  in  Konstantinopel  ein  Stück Land.  Es  war  nicht  sehr  groß,  aber  es  war  ein wunderschönes Stück Erde mit Bergen und Wäldern. Wenige Menschen lebten dort in Armut.

Nur eine Religion  hatte  größere  Besitztümer  angehäuft.  Die  Kaiserin  und  ihr  Sohn  waren  der  Meinung,  dass dieses  Land  es  Wert  war,  mehr  daraus  zu  machen.  Sie  baten  ihre  Generäle,  sich  um  das  Land  zu kümmern. Es waren kluge Köpfe, die sehr schnell erkannten, dass es hier große Buchenwälder gab und viele  Schätze  in  der  Erde  begraben  lagen.

 
Sie  überlegten,  was  sich  die  Kaiserin  und  ihr  Sohn  wohl gedacht hatten, als sie dieses Land kauften. Sie kamen auf den Gedanken, kluge und fleißige Menschen in das Land zu holen, die es aufbauen sollten. Das Land wurde vermessen und man schmiedete Pläne. Da  in  dieser  Zeit  viele  arme  und  verzweifelte  Menschen  in  den  Ländern  drum  herum  lebten,  war  es nicht  schwer,  diese  zu  bitten, gemeinsam  diese  große  Aufgabe  anzufassen.  Jeder  der  kam,  erhielt  ein Stück  Land,  eine  Kuh,  einen  Pflug  und  Handwerkzeug.  Und  sie  kamen  von  überall  her.  Mit  ihren Beamten  und  Handwerkern  baute  die  Kaiserin  und  ihr Sohn  Straßen,  auf  denen  die  Menschen  in  das Land kamen. Diese Menschen waren Siedler, die sich mit ihren Familien hier niederließen. Sie nahmen große  Strapazen  auf  sich,  um  für  ihre  Familien  eine  neue  Zukunft  aufzubauen.  Was  sie  aber  nicht wussten, war, dass es noch kein freies Land gab. Sie mussten erst Bäume roden um darauf Platz für ihre Hütten  und  für  ihre  Äcker  zu  schaffen.  Es  war  ein  sehr  mühsames  arbeitsreiches  Leben.  Später entstanden   aus   den   Hütten   Häuser,   die   zu   Dörfern   und   Städten  zusammenwuchsen.  Es  kamen Handwerker,  Glasmacher,  Bergleute  und  Kaufleute  aus  anderen  Ländern.  Auch  vertriebene  Gläubige ließen sich nieder. Erst die dritte Generation konnte die Früchte dieser harten Arbeit ernten. Nachdem die Kaiserin und ihr Sohn verstarben, übernahmen nachfolgende Kaiser diese Aufgaben. Sie kümmerten sich  mit  ihren  Beamten  weiter  um  das  Land  und  nahmen  ihre  Pflichten  sehr  ernst.  Das  Kaiserreich wuchs und wuchs, auch an anderer Stelle.  Die  Menschen  wünschten  sich  mehr  Freiheit.  Ein  neuer  Kaiser  nahm  diesen  Wunsch  auf.  Das Buchenland  blühte  unter  seiner  Herrschaft  auf  und  wurde  ein  Herzogtum.  Er  ließ  Schulen  bauen.  Im Norden  des  Landes  entstand  eine  moderne  Hauptstadt,  der  er  eine  Universität  schenkte.  Mit  seinem Geschick   und   seiner   Toleranz   entstand   die   erste   europäische   Demokratie.   Viele   Völker   mit unterschiedlichen  Religionen  lebten  friedlich  zusammen.  In  den  Städten  entwickelten  sich  Kultur  und Kunst. Auf dem Lande lebten fleißige Bürger im gegenseitigen Respekt friedlich miteinander. Glaube, gegenseitige  Hilfe,  Bescheidenheit  waren  wichtige  Tugenden.  Das  Leben  bescherte  ihnen  neben anstrengender Arbeit eine schöne Natur, die ihnen mit mitgebrachten Traditionen den Alltag lebenswert machten. Neid und Hass waren ihnen fremd.  Eines  Tages  sollte  sich  aber  die Welt  verändern.  Ein  großer  Krieg  brach  herein  und  brachte  Leid  und Sorgen  in  diese  stille  Landschaft.  Vor  Gram  starb  der  beliebte  Kaiser.  In  einer  kurzen  Regentschaft musste der letzte Kaiser das Land abgeben und neue Herrscher übernahmen die Regierung. Danach war es für die Menschen nicht mehr so wie es einmal war. Der neue Herrscher war ein König, der das Land geschenkt  bekam.  Ihm  fehlte  die  feste  Hand  und  so  veränderte  sich  das  Land  einseitig.  Beamte  und Handwerker,  die  das  Land  aufgebaut  hatten,  verließen  es  wieder.  Die farbige Vielfalt entwickelte sich zur Einseitigkeit. Den Buchenländern, die dort blieben, ging es zunehmend schlechter. Ihre Sprache und ihr Lebensraum wurde eingeschränkt. Trotzdem lebten sie so, wie sie es vorher kannten, friedfertig und hilfsbereit weiter, bis sich eines Tages abermals die Welt veränderte. Die Menschen wussten nicht, ob es Donner oder ein Silberstreif am Horizont war, was sie aus der Ferne vernahmen. Die Lage spitzte sich zu.  Die Herrschaft aus dem fernen Land gab vor, einen Großteil der Menschen aus dieser Situation zu befreien. Im Blick standen allerdings starke eigene Interessen, für die diese Menschen herhalten sollten. Sie  konnten  sich  zwischen  Pest  und  Cholera  entscheiden.  Sie  haben  sich  für  die  Freiheit  entschieden, obwohl  es  am  Ende  doch  die Pest war. In großen Transporten verließen sie die einmal liebgewordene Heimat  in  unbekannte  Richtung.  Während  die  alten  Menschen  traurig  waren,  schöpften  die  Jungen Hoffnung.  Eine  unsichere  Zeit  mit  einer  ungewissen Zukunft  brach  für  diese  Menschen  herein.  Die vielen  jungen  Männer  wurden  in einem sinnlosen Krieg verheizt. Die Familien bekamen ein neues zu Hause, das man anderen weggenommen hatte. Am Ende war alles vergebens, weil Krieg, Not und Elend über alle hereinbrach. Erst nach vielen Jahren bekamen die Überlebenden wieder festen Boden unter die Füße. Ihre alte Heimat haben sie aber bis heute nicht vergessen.           

  

 

Erläuterungen zum Märchen

 

Bei der Kaiserin handelte es sich um Maria Theresia von Österreich (1717-1780), die nach dem österreichischen Herrscher und deutschen Kaisers Karl VI. im Jahre 1740 die Herrschaft über die österreichische Monarchie übernahm.  Ihr Sohn und Mitregent war Joseph II., Erzherzog im Erzherzogtum Österreich und  gleichzeitig römisch-deutscher König.

 

Durch die erste Teilung Polens und den Anschluss Galiziens an Österreich, bekam die spätere Bukowina eine besondere Bedeutung für Österreich. Besonders Kaiser Joseph II. war daran interessiert, dieses Durchgangsland für Österreich zu sichern. Neben der militärischen Bedeutung, kam später die wirtschaftliche hinzu.

 

Glückliche Umstände erlaubten den Österreichern 1774 die militärische Besetzung der Nördlichen Moldau und die Vereinbarung der Übernahme mit den Osmanen. Hier lebten damals 60zigtausend Einwohner, überwiegend landlose Bauern, Hirten, Nomaden und Walachen, die auf Pachtland der Bojaren sowie der Kirchen und Klöster angewiesen waren.

 

Damit begann in den östlichen Waldkarpaten eine neue Ära für das Deutschtum und die römlisch-katholische Kirche.

 

Die Generäle Gabriel Freiherr von Splény (1774-1778) und Karl Freiherr von Enzenberg (1778-1786) übernahmen die Entwicklung der Bukowina als Landesteil Österreichs, die im Verlauf der nachfolgenden Jahrzehnte ein Musterland der Monarchie wurde. Mit ordentlicher wirtschaftlicher Versorgung, einem ausgefeilten Verwaltungs- und Schulsystem, einem blühenden Kultur- und Vereinswesen, einem breitgefächerten Pressewesen sowie einem Landtag mit einem Nationalitätenparlament, das dem Kronland den Bukowiner Ausgleich erarbeitete. Kurz gesagt, ein Europa im Kleinformat.

 

Unter Kaiser Franz Joseph I., der die Bukowina liebte, bekam sie als autonomes Kronland den Titel eines Herzogtums zugesprochen. 1875 schenkte er der Hauptstadt Czernowitz die östlichste deutschsprachige Universität, die er ursprünglich in Salzburg errichten lassen wollte.

 

Durch Aufteilung der Grundstücke auf die vielen Kinder war der Boden der Siedler schon Ende des 19. Jh. knapp geworden. Dies führte dazu, dass deutsche Familien bereits ab 1886 den Werberufen aus USA und Kanada folgten und aus der Bukowina nach Übersee auswanderten. Auch in Venezuela, Brasilien und anderen Ländern strandeten Buchenlanddeutsche. Heute sind sie über die gesamte Welt verteilt.

 

Gemäß der Volkszählung von 1910 gab es über 800.000 Bewohner. Die Anzahl der Deutschen lag bei 9,2 %. Weitere Landesbewohner stellten die Ruthenen (Ukrainer) mit 38,4 %, die Rumänen mit 34,4 %, die Juden mit 12,0 % und Bewohner anderer ethnischer Zugehörigkeit wie Polen, Armenier, Ungarn, Lippowaner, Slowaken u.a. 6,0 %. Mit Beginn der rumänischen Herrschaft hatte die Bukowina 850tausend Bewohner, davon 70tausend Deutsche.

 

Noch vor Ende des Ersten Weltkrieges verstarb Kaiser Franz Joseph I.. Böse Zungen meinten, aus Gram. Kaiser Karl I. übernahm nur für kurze Zeit die Regentschaft. Nach dem Ersten Weltkrieg (1918) ging die Habsburger Monarchie unter und die Bukowina wurde Rumänien zugesprochen. Danach verschlechterte sich die Situation für die Deutschen, obwohl die Lebensgewohnheiten der Bewohner untereinander bestehen blieben. Die sprichwörtliche Toleranz der Bewohner hatte eine Atmosphäre geschaffen, die die neuen Machthaber mittragen mussten, obwohl die deutsche Amtssprache und die deutschen Schulen abgeschafft wurden. Durch nationalistische Tendenzen verschlechterte sich die Situation abermals.

 

Nach  Besetzung der Nordbukowina und der Hauptstadt Czernowitz 1940 durch die Sowjetunion, wurden die Deutschen aus der Nord- und später auch aus dem rumänischen Teil der Südbukowina von den Nationalsozialisten heim ins Reich geholt. Hierüber waren zwischen Deutschland der Sowjetunion und Rumänien Verträge ausgehandelt worden. 1940 wurden ca. 100tausend Deutsche umgesiedelt. 

 

Mit der Umsiedlung verfolgte Hitler eigene Interessen. Die Besiedlung Polens, die Verstärkung beim Bau von Rüstungsgütern und neue Soldaten für die Front. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits weitere Kriegspläne. Viele von den in der Bukowina verbliebenen oder zurückgekehrten Deutschen wurden dagegen von den Sowjets nach Sibirien deportiert.

 

1945 erfolgte nach Kriegsende die große Fluchtwelle aller Deutschen aus den Ostgebieten Richtung Westen.

Heimat

 

Heimat kann viel sein: Ein Ort, ein Zuhause, Kindheit, Sicherheit, nette Menschen, schöne Erinnerung, ein gutes Gefühl und noch viel mehr.

Heimat kann aber auch verloren gehen und nie wieder kommen. Buchenlanddeutsche und viele andere Menschen haben ihre Heimat gleich mehrmals verloren. Trotzdem haben sie eine neue Heimat gefunden. Buchenländer sind in der ganzen Welt zuhause. In Europa und in Übersee.

Legenda din Bucovina pentru adulţi şi copii de Alfred Wanza

 Cu mulţi, Die sagenumwobenen Berge Adam und Eva in Pojoria Bukowinamulţi ani în urmă, a fost o data o împărăteasă care a cumpărat la sfatul fiului şi al coregentului ei, o bucată de pămant de la Sultanul din Constantinopol. Nu se întindea pe o suprafaţă foarte mare, însă era un tărâm deosebit de frumos cuprins de munţi şi păduri. Un loc unde puţini oameni locuiau în sărăcie.Numai o singura religie era de  mare posesie.  Împărăteasa împreună cu fiul, au fost de părere că acest tărâm era foarte valoros şi că s-ar putea face foarte multe cu acesta.  Asfel le-au cerut generalilor lor să se ocupe de acest teritoriu. Au fost minţi luminate, care au realizat foarte repede că în pădurile mari de fag se aflau  îngropate  numeroase comori.Ei s-au întrebat, oare ce doreau împărăteasa şi fiul ei înainte de a cumpăra acest pământ. Ajungând la concluzia că, gandul a fost de a aduce oameni deştepţi şi harnici care să îl fructifice, să construiască pe suprafaţa acestuia. Aşadar pământul a fost măsurat şi s-au întocmit planurile. Deoarece în aceea vreme trăiau foarte mulţi oameni săraci şi disperaţi, nu a fost greu de a-i  ruga pe aceştia să îndeplinescă împreună cerinţele. Fiecare care venea, primea o bucăţică de pământ, o vacă, un plug şi unelte de mână. Iar astfel, au venit de peste tot. Cu ai lor  funcţionari  şi artizani, împărăteasa şi fiul ei au construit drumuri pentru ca oamenii să  poată venii în ţară. Aceşti oameni fiind colonişti care s-au stabilit aici cu familiile lor şi care au preluat multe greutăţi asupra lor cu dorinţa de a construi un viitor nou. Ceea ce nu au ştiut, a fost faptul că nu era un tărâm liber. Ei au fost nevoiţi să doboare copaci pentru a avea spaţiu unde să işi stabilească locuinţa şi unde să îşi construiască casele. Astfel mai târziu au apărut mici căsuţe, mai apoi case mari ce au dus la formarea unor sate şi în cele din urmă oraşe. Au venit meşteşugari, sticlari, mineri şi negustori din alte tărâmuri. Până şi cei strămutaţi s-au stabilit aici cu credinţă. Abia a treia generaţie s-a putut bucura de rodul acestei munci grele. După ce împărăteasa şi fiul au murit, sarcinile au fost preluate de împăraţii care au urmat. Împreună cu funcţionarii lor s-au ocupat  în continuare de ţară şi au tratat totul cu mare responsabilitate. Imperiul a crescut, a crescut şi s-a întins şi pe alte meleaguri. Oamenii îşi doreau mai multă libertate. Un nou împărat a avut grijă de această dorinţă. Ţara a înflorit sub conducerea sa şi a devenit un ducat. A construit şcoli. În partea de Nord a ţării a creat o capitală modernă, în care a construit o universitate. Cu talentul şi toleranţa sa, s-a îndreptat astfel spre prima democraţie europeană. Multe popoare cu diferite religii au ajuns să trăiască paşnic împreună. În oraşe s-a dezvoltat cultura şi arta. Pe acest teritoriu locuiau acum cetăţeni harnici care trăiau împreună în respect şi pace. Credința, ajutorul reciproc şi modestia fiind virtuțile principale. Pe lângă munca grea, viaţa le-a oferit însă o natură frumoasă şi tradiţii care au alcătuit în cele din urmă o adevărată valoare.  Invidia şi ura le-au fost străine . Însa într-o zi lumea a trebuit să se schimbe.  Un război mare a izbucnit şi a adus numai suferinţă şi durere în acest peisaj liniştit. Din cauza durerii, iubitul împărat  a murit. Noi conducători au preluat conducerea. După aceea pentru oameni, nimic nu a mai fost ca înainte. Noul conducător a fost un rege care a primit tărâmul în dar. Lui îi lipsea devotamentul şi astfel ţara s-a schimbat într-un mod unilateral.     Funcţionarii şi meşteşugarii care au construit ţara, în cele din urma au lăsat-o. S-a dezvoltat unilateralitatea. Locuitorilor rămaşi a început să le meargă din ce în ce mai rău. Limba cât şi modul de viaţă devenind o povară. Dar  cu toate acestea, ei au continuat să traiăscă aşa cum au ştiut de la bun început şi au  ajuns să schimbe din nou lumea. Oamenii nu au ştiut dacă e fulger sau dacă sunt  linii de argint ceea ce se afla la orizont. Situaţia s-a încheiat. Regula ţării devenise aceea de a elibera majoritatea oamenilor . Din nefericire, au apărut  şi  numeroase interese puternice din partea oamenilor care ar fi trebuit să servească.  Ciuma sau  holera. Deoarece doreau  libertate, puteau decide “liberi”, dar cu toate acestea, holera avea să fie răspunsul. Pe căi mari de transport şi-au părăsit casele şi au plecat spre necunoscut. În timp ce bătrânii erau trişti, cei tineri încă şi-au păstrat speranţa. În viaţă acestor oameni a apărut un timp necunoscut, cu un viitor nesigur. Majoritatea tinerilor au fost răniţi într-un război lipsit de sens. Familiie au primit câte o casă, care la rândul ei fusese luată de la altă familie. În cele din urma totul dovedindu-se  a fi în zadar, peste tot era numai sărăcie şi mizerie. Numai după mulţi ani supravieţuitorii au primit un teren sub picioarele lor.  Însă prima lor casă, a fost cea care le-a rămas cu adevărat în inimă. Domnul Zachmann, preşedintele federal al LM privind germanii din Bucovina spune astfel: Legendele oferă o istorie concisă şi excelentă a Bucovinei şi a germanilor.  În moştenirea rămasă, care acum e cenuşă datorită unei societăţi diverse aflată pe balanţa dintre Est şi Vest, străluceşte mai mult jarul, atât timp cât oamenii şi-o mai amintesc. Explicaţiile referitoare la legendă:Împărăteasa amintită în basm, a fost Maria Tereza de Austria (1717-1780) care, după conducătorii austrieci şi după împăratul german Carol al VI (  1740 ) a preluat Monarhia Austriacă. Fiul ei şi în acelaşi timp co-conducătorul a fost Iosif al II-a intitulat arhiduce de Austria şi totodată regele romano-german. upă prima împărţire a polonilor şi a galilor din Austria,  Bucovina de mai târziu a devenit de o deosebită importanţă pentru Austria. Mai ales împăratul Iosif al II-a care dorea ca acest tarâm să devină un loc de tranzit pentru Austria. Pe lângă importanţa militară, mai târziu se poate vorbi şi de o importanţă economică.Circumstanţele norocoase din 1774 au permis ocuparea militară din Nordul Moldovei şi acordul de achiziţie cu otomanii. Mai apoi aici trăind 60 de mii de locuitori din care cea mai mare parte din ei fară să deţină pământ, astfel fiind agricultori, păstori, nomazi și vlahi, care arendau terenurile boierilor, ale bisericii și ale mănăstirilor.Astfel în Carpaţii Orientali a început o nouă eră pentru germani şi pentru Biserica romano-catolică.Generalii Gabriel Freiherr von Splény (1774-1778) și Karl Freiherr von Enzenberg (1778-1786) s-au preocupat de dezvoltarea Bucovinei, deoarece era văzută ca teren ce aparţinea Austriei văzută ca un model de monarhie  pentru următoarele decenii. Cu o putere economică corespunzătoare, cu un sistem de administrare  şi cu şcoli sofisticate, cu un sector cultural înflorit  şi cu terenuri fructificate. Pe scurt, o Europă în miniatură. Sub conducerea împăratului Franz Joseph I care a iubit foarte mult Bucovina, aceasta a devenit un teren autonom, Kronland, însuşi titlul unui ducat.La sfârşitul sec. al IX-lea după ce teritoriul s-a împărţit numeroşilor copii,  totul a devenit limitat. Fapt ce a atras după sine emigrarea familiilor aflate în Bucovina în 1886 spre locuri precum SUA, Canada,  rămânând  de asemenea şi în Venezuela, Brazilia şi alte tări germanice. Astăzi răspândiţi în întreaga lume.Conform recensământului din 1910, au existat mai mult de 800.000 de locuitori. Numărul de germani fiind de 9,2%. Alţi locuitori au fost:  38,4%  ucraineni, 34,4%  români, 12,0%  evrei  și alte etnii precum : polonezi, armeni, unguri, lipoveni, slovaci și mulţi alții, cu un procent de  6.0%. O dată cu întemeierea României,  Bucovina a avut 850.000 de locuitori, din care 70.000 de germani.Înainte de sfârșitul Primului Război Mondial, împăratul Franz Joseph I a murit…o veste primită cu multă durere. După o perioada scurtă, împăratul Karl I a fost cel care a preluat conducerea. După  Primul Război Mondial (1918) Monarhia Habsburgica şi Bucovina au devenit teren românesc. Deşi obiceiurile au rămas la fel, situaţia germanilor aflaţi pe aceste meleaguri s-a deteriorat deoarece din tendinţe naţionaliste şi din lipsă de toleranţă, şcolile germane cât şi limba germană au fost eliminate şi astfel situaţia s-a înrăutăţit din nou.Dupa ce Bucovina de Nord a devenit Cernauţi, în anul 1940,  în timpul Uniunii Sovietice, germanii din partea de Nord iar mai târziu cei din partea de Sud a Bucovinei  au fost aduşi de către naţionalişti în Imperiul “ Reich”. În urma negocierilor dintre Germania, Uniunea Sovietică și România,  în jurul anului 1940, aproximativ  100.000 de germani au fost aduşi înapoi.O data cu reinstalarea sa, Hitler a urmărit unele interese. Colonizarea Poloniei a presupus un câştig de arme şi soldaţi pentru front. Din acest moment formandu-şi alte planuri de război. Mulţi dintre cei care au rămas în Bucovina sau care au fost returnaţi de germani, au sfârşit a fi deportaţi de către sovietici în Siberia.În anul 1945, la sfârşitul războiului, s-a efectuat un exod al germanilor din teritoriile de Est spre Vest.

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Liebe Freude,

ich muss eine traurige Mitteilung machen:

Herr Johann Proschinger Pfarrer der roem.-kath. deutschen
  Gemeinde in der Bukowina ist heute nach schwerer Krankheit verstorben. Es ist ein großer Verlust für alle christlichen Gemeinden in der Bukowina. Mit Freude nahm er an ökonomischen Gottesdiensten teil. 

Gott gebe ihm die ewige Ruhe! Wir werden ihn nicht vergessen

Corina Derla, Bukowina – Mai 2013



Herr, gib ihm die ewige Ruhe,
und dein ewiges Licht leuchte ihm!

Wir trauern mit der katholischen Gemeinde um Herrn Pfarrer Johann Proschinger und beten:
Gott, lass ihm Dein Antlitz leuchten! Lass ihn schauen, was er geglaubt!

In brüderlicher Verbundenheit und christlicher Anteilnahme
der evangelische Kirchenbezirk Schäßburg

Johannes Halmen

Bezirksdechant

 

Für die Gläubigen bis ans Ende des Lebens sorgen"
Der 82-jährige Johann Proschinger ist der letzte
deutsche Pfarrer in der Bukowina

 

  Pfarrer Proschinger bei der Hl. Messe in Cacica



Pfarrer Proschinger bei der Hl. Messer in der Wallfahrtskirche von Cacica Auf das Gespräch „mit der Zeitung" freut er sich sichtlich und lädt uns in die Sakristei ein. Kurz davor verabschiedet er sich noch von den Gläubigen, die sich nach der Abendmesse vor der geräumigen katholischen Pfarrkirche von Suczawa/Suceava versammelt haben. Pater Jo­hann Proschinger will wissen, was er denn gemacht habe, dass „die Zeitung" über ihn schreiben möchte, er lächelt breit und freundlich und bringt schnell auch noch zwei Stühle zum großen Sakristei-Tisch. 

     Er sei der einzige deutsche römisch-katholische Pfarrer, den es derzeit in der Bukowina noch gibt, hatte man mir gesagt. Die hier lebende deutsche Gemeinschaft sei - wenn die Heilige Mes­se noch in der Muttersprache zelebriert werden soll - allein auf ihn angewiesen. Das weiß Pa­ter Proschinger und deshalb ist er noch immer da. Er zelebriert den Gottesdienst auf Deutsch jede zweite Woche in Suczawa, fährt nach Gura Humora/Gura Humorului und spricht zu den dortigen Deutschen einmal im Monat, ist in Sereth/Siret, in Radautz/Rădăuţi und in Katschika/ Cacica dabei, er besucht die Kranken in Itcani, einem ehemals deutschen Viertel von Suczawa, nimmt an Kirchweihfesten oder Gemeinschaftstreffen teil und ist beim Demokratischen Forum der Deutschen im Buchenland ein gern gesehener Gast. Er ist der Seelsorger, der mit 82 in das eigene Auto steigt und sich auf den Weg zu seinen Gläubigen macht. Das „macht Freude und gibt Mut für die Zukunft, denn früher ist man ja als Priester-.auch nicht in Rente gegangen, son­dern sorgte für seine Gläubigen bis ans Ende seines Lebens", so Pater Proschinger. Dem Grundsatz scheint er treu bleiben zu wollen.

     Weil der in Fălticeni als Sohn eines Handwerkers und einer Hausfrau geborene Johann Proschinger sich voll und ganz als Bukowina-Deutscher fühlt, kam er nach seiner Pensionierung aus Galatz/Galati, wohin ihn der Franziskanerorden 1990 versetzt hatte, sofort nach Suczawa zurück. Als Seelsorger für die Deutschen, aber auch weil es ihn in die buchenländische Heimat zurückzog. Es war auch seine frühere Kirchengemeinschaft, die ihn interessierte, hatte er doch vor seiner Tätigkeit in Galatz über Jahre hinweg in Suczawa gedient. Man kannte ihn, er war je­ner, der zahlreiche Gemeindemitglieder getauft, getraut und begraben hatte, die Leute mochten ihn und freuten sich, als er wieder in der Bukowina war, wie uns ein Gläubiger nach der Messe sagte.
  

    Proschinger besuchte ab dem Alter von 12 Jahren das Seminar des Franziskanerordens, denn er habe bereits damals den Drang zum Priestertum gespürt. "Ich wollte immer Priester werden", sag er, doch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs und das bittere Schicksal seiner Gemeinschaft, von dem er nicht verschont blieb, machten ihm zunächst einen Strich durch die Rechnung. Der 20-Jährige wurde 1945 bei Arad von den Russen aus der rumänischen Armee herausgeholt und nach Tscheljabinsk im Ural-Gebirge verschleppt. Mit Banater Schwaben, Bessarabiern. Deutschen und Österreichern interniert, befreundete sich Proschinger mit einem Österreicher und gemeinsam mit ihm plante er seine Flucht aus dem sowjetischen Lager. Ein äußerst risikoreiches Unterfangen, wie er 61 Jahre danach zugibt, doch er konnte „den sibirischen Winter" einfach nicht mehr ertragen, erzählt er schmunzelnd. Hauptgrund für seinen geglückten Fluchtversuch war jedoch ein anderer: „Ich musste zurück in die Bukowina, weil ich Priester werden wollte". Die abenteuerliche Flucht führte den 20-Jährigen über die Ukraine, über Chişinău und Czernowitz/Cernăuţi zurück in die Heimat. In Rumänien angekommen, das bald darauf eine Volksrepublik wurde, musste sich der Buchenlanddeutsche zunächst als Fahrer und Buchhalter durchschlagen, ehe er das Studium der Theologie wieder aufnehmen konnte und 1952 in Karlsburg/Alba lulia von Bischof Alexandru Cisar die Priesterweihe empfangen. (Cisar, 1880 - 1954, Sohn eines Tschechen und einer Banater Schwäbin, folgte dem Deutschen Raymund Netzhammer im Amt des römisch-katholischen Erzbischofs von Bukarest).
 

    1960 bekam Pater Proschinger in der Gemeinde Cotnari (Kreis Jassy/Iaşi) seine erste Stelle als Pfarrer, sieben Jahre später wechselte er nach Suczawa, wo er in der Pfarrkirche im Stadtzentrum bis 1990 diente. 

     In der Bukowina wurde Johann Proschinger bereits 1940 von seiner Familie - Eltern, Schwester und Bruder - getrennt, die nach Deutschland umgesiedelt wurde und dort auch blieb. Erst 1969 durfte der inzwischen 44-Jährige die Verwandten in der Bundesrepublik besuchen. Obwohl man ihm mehrmals angeboten hatte, dort zu bleiben, kehrte er jedes Mal in seine Heimat zurück. „Die Pflicht, meine Aufgaben hier zu erfüllen, habe ich nie bereut", sagt der rüstige Pater und seine hellblauen Augen leuchten jugendlich. . Aus Deutschland habe er nicht nur Bücher („Eine ganze Bibliothek!") mitgebracht, sondern in Gesprächen mit dortigen Pfarrern auch Vieles dazugelernt, zum Beispiel wie man Messen gestalten oder eine menschliche Beziehung zu den Gläubigen aufbauen kann. „So was hatte man ja uns an der Fakultät nicht beigebracht," so Proschinger. Ob in seinen bundesdeutschen Erkenntnissen das Rezept seines Erfolges als Pfarrer und Seelsorger zu suchen sei? „Vielleicht auch da", sagt er. Seine freundliche, offene Natur, sein Entgegenkommen und seine Redlichkeit sind sicherlich weitere Erfolgsingredienzen.

     I
n all den Jahren hat sich Johann Proschinger nicht nur für seine deutsche Gemeinde eingesetzt, sondern für die Katholiken der Bukowina im Allgemeinen. Für die Polen, die jetzt zusammen mit den katholischen Rumänen die im 19. Jahrhundert gebaute Pfarrkirche von Suczawa füllen, hatte er vor 1989 eine eigene Kirche gebaut, nach wiederholten Verhandlungen mit den kommunistischen Behörden. Proschinger, dem man eine gewisse Altersschlauheit vom Gesicht abliest, führte eine Politik der kleinen Schritte: Zunächst ließ er, selbstverständlich mit Genehmigung, ein Leichenhaus bauen, dann argumentierte er, man brauche doch auch eine Kirche für die polnische Gemeinschaft, die hatte nämlich keine. Und zuletzt wurde auch dies genehmigt, in einer Zeit, in der die katholische Kirche sich keineswegs der Unterstützung des Regimes erfreute. Voller Bescheidenheit erzählt er das, was aus heutiger Sicht banal klingen könnte, es aber durchaus nicht ist.

      Er wolle weitermachen, so lange er könne, so lange ihm Gott Gesundheit schenkt und so lange sein VW Passat noch fahrtüchtig ist. Um die alten und kranken Gläubigen der Bukowina besuchen zu können. Auch wenn sich vieles verändert habe und vieles komplizierter geworden sei im Vergleich zu früher. „Was denn?", will ich wissen; Pater Johann Proschinger lächelt breit und in seinen Augen funkt es schelmisch: „Na, heute gibt es zum Beispiel das Internet" Ein katholischer Pfarrer alten Schlages eben.

Dan Cărămidariu -  aus dem deutschen Jahrbuch für Rumänien 2008

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Gespräch mit Peter Lehner - geboren in Czernowitz mit Stationen in Pommern (heute Polen), Österreich, Deutschland und der Schweiz

 Peter Lehner
Anlässlich eines Berlinaufenthaltes besuchte ich im Juni 2012 Peter Lehner,
Dipl. Ing. und Architekt, der seit 10 Jahren, neben seinem Hauptwohnsitz in der Schweiz, in Berlin, bei seiner Frau Gabi, seinen zweiten Wohnsitz etabliert hat. Peter Lehner wurde 1926 in Czernowitz geboren und hat als Czernowitzer Jugendlicher zusammen mit seinen Eltern die Umsiedlung erlebt. Er kann sich gut an die Erlebnisse aus seiner Kindheit in Czernowitz erinnern. Gespannt hörte ich den Erzählungen von Peter Lehner zu. Seine Erinnerungen gehen in eine Zeit zurück, in der im täglichen Leben in der Stadt noch die Ausprägungen der alten Bukowiner Zeit wahrnehmbar waren. Der Glanz und die Einmaligkeit, die das Herzogtum aus der Österreichischen Zeit hinterlassen hatte, waren noch überall spürbar, obwohl der Einfluss der Rumänen zunehmend neue Akzente setzte. Die Unterschiede im täglichen Leben zwischen der österreichischen und der rumänischen Zeit waren nur noch von Zeitzeugen aus der alten Kaiserzeit wahrnehmbar. Die jetzt hier lebenden Deutschen, wie auch die anderen Ethnien, akzeptierten diesen Zustand und stellten ihr Leben darauf ein. So auch die Eltern und Großeltern von Peter Lehner. Mehrsprachigkeit, Toleranz und kultureller Austausch gehörten nach wie vor zum täglichen Leben.  Die gute wirtschaftliche und finanzielle Situation seiner Eltern trug sicherlich auch dazu bei, mit dieser Situation gut zu recht zu kommen. Sein Vater war angesehener Architekt, Bau- und Lehrmeister in der Stadt. Neben einem Lehrstuhl an der örtlichen Gewerbeschule, die heute eine Fachhochschule ist, konnte er seine gestalterische Freiheit beim Planen und Bauen neuer Häuser ausleben und sein Wissen an seine Studierenden weitergeben. 1930 baute der Vater von Peter Lehner für seine Familie in der Nähe des Volksgartens in Czernowitz ein modernes großes Haus im Bauhausstil. In Czernowitz und der Umgebung, sowie im Kurort Dorna Vatra entstanden Häuser nach seinen Plänen. Ein wesentlicher Auftraggeber war der vermögende Religionsfond der orthodoxen Kirche. Seine Mutter war Malerin und Puppenmacherin, die mit ihrer Kunst nicht an die Öffentlichkeit trat. Die gute Reputation, die vielen multinationalen Kontakte und das große Interesse am kulturellen und künstlerischen Leben in der Stadt bescherten der Familie eine interessante und sorglose Zeit. Die Tatsache, dass die Verwaltungen und das Schulwesen in rumänischen Händen lag, hatte keinen wesentlichen Einfluss auf das wirtschaftliche und kulturelle Leben der dort lebenden Deutschen. Auch die Juden pflegten die Deutsche Kultur und fühlten sich auch sonst den Deutschen zugeneigt. Einflüsse aus dem fernen Deutschland kamen hier nur abgeschwächt an und waren auch nicht von großem Interesse. Wien war gefühlsmäßig immer noch näher, als Bukarest. Die Dramatik des Geschehens bekamen die Menschen später zu spüren.  

Der aus Wien stammende Großvater von Peter Lehner wurde 1891 von den Sozialdemokraten Österreichs nach Czernowitz beordert. Sicher um das Gedankengut der seinerzeitigen Sozialdemokraten in der Hauptstadt der Bukowina zu präsentieren. Wie weit ihm das als Buchdrucker einer Deutschen Tageszeitung gelungen sein mag, lässt sich heute nicht mehr ermitteln. In Czernowitz heiratete er jedenfalls 1893 eine Frau polnischer und ukrainischer Abstammung, die sich sehr schnell mit der deutschen Sprache und der deutschen Kultur identifizierte. Schon ein Jahr später wurde der Vater von Peter Lehner geboren. Dieser besuchte später das Gymnasium und begann 1913 das Architekturstudium an der T. H. in Wien. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldete er sich freiwillig, um die Waffengattung wählen zu können. Er kämpfte ab 1916 in den Dolomiten und war dort mit Luis Trenker im Einsatz, mit dem er bis zu seinem Tod Kontakt pflegte. Er war bei Kriegsende Oberleutnant und setzte dann sein Studium in Wien fort. Nach Abschluss des Studiums in Wien kehrte er 1922 wieder nach Czernowitz zurück und heiratete Margarethe Olszewski, die Schwester seines gefallenen besten Schulfreundes. Deren Eltern waren Elisabeth geb. Mathias und Anton Olszewski, der aus Wijnitz stammte, wo sein Vater Bürgermeister war und eine Schmiede  betrieb, die er später zu einem Wagen- und Kutschenbau ausbaute, die auch in Czernowitz eine Filiale besaß. Peters Vater startete seine berufliche Laufbahn, die er, wie eingangs geschildert, durch ein Lehramt an der Gewerbeschule in Czernowitz begann und im Rahmen seiner Tätigkeit als freier Architekt fortsetzte. Die Erziehung von Peter Lehner und seinem älteren Bruder Reinhold wurde in der Folgezeit  auch von seiner polnischen Großmutter geprägt, die großen Wert darauf legte die Buben deutsch zu erziehen. Noch heute denkt er gern an die Zeit zurück, die er mit der Mutter seines Vaters verbrachte. Die Eltern  mütterlicherseits lebten in dem kleinen bukowinischen Dorf  Usziriki, nahe Wijnitz, 80 km von Czernowitz entfernt, in dem der weiße und schwarze Czeremosz zusammenfließen. Der Großvater beschäftigte sich mit der Holzwirtschaft und nebenbei mit der Malerei und Musik und finanzierte das Studium der Malerei seines 20 Jahre jüngeren Bruders in München. Dieser Bruder wurde  der weit über die Grenzen bekannte Maler Karl Ewald Olszewski,  der als Vogelmaler berühmt wurde. Leider vollzog er nicht den „Sprung ins kalte Wasser“, also in die „Moderne“. Ein schönes Jugendbild von seiner Mutter besitzt er noch heute. Diese, aber auch Peter selbst, haben ein Stück dieser künstlerischen Veranlagung geerbt. Von seiner Mutter filigran gefertigte Scherenschnitte und Bilder von seinem Großvater, aber auch von Peter Lehner selbst gemalte Bilder sind erhalten.  

Als Peter Lehner eingeschult wurde, kam er als kleiner Bub bereits nach dem ersten Schultag weinend nach Haus, um seiner Großmutter und seinen Eltern zu erzählen, dass er niemanden verstanden habe. Und wie auch, er konnte nicht rumänisch und wurde als Erstklässler in eine rumänische Schule eingeschult. Sein Vater wusste aber sehr schnell diesen Zustand zu heilen. Er schulte den kleinen Peter in eine Privatschule ein. Diese kleine Schule, in der hauptsächlich Deutsch unterrichtet wurde, umfasste mit vier Klassen insgesamt etwa 100 Schüler. Neben Polen, Italiener und Deutsche gingen überwiegend jüdische Kinder auf diese Schule. Hier fühlte er sich verstanden. Während die Deutschen, Polen und Italiener eher zu den Wohlhabenderen zählten, entstammten die jüdischen Schüler ärmeren Familien. Es machte für Peter Lehner überhaupt keinen Unterschied, dass sich unter seinen Schuldfreunden wohlhabendere Deutsche und Polen oder ärmere Juden befanden. Er erinnert sich noch sehr gut an seinen jüdischen Freund, der Klassenprimus war. Sein Vater hatte in einem Kellergeschoss im unteren Teil von Czernowitz, in dem überwiegend die ärmeren jüdischen Familien lebten, eine Flickschusterei. Wenn er heute daran denkt, kommen ihm die Gerüche von Leder, Farbe und Leim wieder in den Sinn. Die vier Jahre Grundschule waren schnell vorbei und Peter kam auf das sogenannte Deutsche Gymnasium, bei dem es sich aber inzwischen um ein staatliches rumänisches Gymnasium handelte. Aber immerhin, hier gab es noch einige Fächer, die in Deutsch unterrichtet wurden. Um sein strapaziertes Deutsch wieder einigermaßen zu reparieren, bekam Peter einen „reichsdeutschen“ Hauslehrer und als Weihnachtsgeschenk einen Duden statt der erhofften Märklin-Eisenbahn. Um später die Aufnahmeprüfung für das Rumänische Gymnasium zu umgehen, wechselte er bereits in der letzten laufenden Klasse auf das neue Gymnasium: Liceul Aron Pumnul. 

Peter Lehner kann sich noch sehr gut an das Leben in Czernowitz erinnern, dass sehr vielfältig und interessant war. Seine Eltern hatten viele Kontakte zu Künstlern und gebildeten Leuten verschiedenster Nationalitäten in der Stadt. Das färbte auch auf Peter ab. Er hatte ebenfalls viele Freunde in den unterschiedlichsten Schichten der Stadt. Sein Vater war Mitglied der „Czernowitzer Schlaraffen“ - eine in Prag gegründete, weltweite deutschsprachige Vereinigung zur Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor - und, vielleicht als Ausgleich, Mitglied und später auch Obmann des Deutschen Turn- und Sportvereins Jahn, obwohl er selbst kein großer Sportler war. Aber dafür seine beiden Söhne, die jeweils schon mit sieben Jahren dabei waren. Peter war nicht nur ein begeisterter Karl-May Leser, er interessierte sich bereits in jungen Jahren für Theater, Kunst und Kultur. Er hat gute Erinnerungen an die ersten Vorstellungen im wunderschönen Czernowitzer Theater, in dem zu dieser Zeit Gastveranstaltungen von Wiener Künstlern stattfanden, während draußen rumänische nationalistische Studenten dagegen protestierten. Auch die im Deutschen Haus abgehaltenen deutschen Kulturveranstaltungen besuchte er regelmäßig, spielte auch bei Theateraufführungen im großen Theatersaal des Hauses mit, wie z. B. als Sohn von Wilhelm Tell oder als Schubert im „Drei-Mäderl-Haus“. Es war ein vielfältiges und spannendes Leben, dass sich aber ändern sollte. Sein älterer Bruder, damals 16 Jahre alt, wurde im Frühjahr 1940 zu einem Sportfest nach Breslau eingeladen um anschließend ohne Wissen oder Einwilligung der Eltern, zur Waffen-SS nach Krakau verpflichtet zu werden. Zunächst wurde er in einem Musikkorps und anschließend für den Russlandfeldzug „Aktion Barbarossa“ eingesetzt. Sein Vater wurde in der Zwischenzeit zum rumänischen Militärdienst einberufen, so dass Peter Lehner mit seiner Großmutter und seiner Mutter allein in dem großen Haus lebte. Irgendwie machte sich in dieser Zeit Unruhe breit, die ihn aber nur am Rande berührte. Als am 28. Juni 1940 die Russen in Czernowitz einmarschierten, trieb Peter Lehner die Neugierde an die Siebenbürgerstraße, um den Einmarsch zu beobachten. Er kann sich gut daran erinnern, wie das russische Militär singender Weise zu Fuß in die Stadt einmarschierte. Es war kein Fahrzeug, kein Geschütz zu sehen, nur singende russische Soldaten. Am Straßenrand standen nicht viele Menschen und niemand jubelte den Einmarschierenden zu. Wie man hinterher erfahren hat, hat die Besetzung durch das russische Militär unter Duldung der deutschen Regierung stattgefunden.  

Einige Tage später bekam die Familie Lehner diese neue Zeit zu spüren. Es wurden drei junge russische Fliegeroffiziere mit ihren Frauen in ihrem Haus einquartiert. Sie belegten die unteren Räume des Hauses. Da sie sich auch mit Peter Lehner abgaben, wusste er schon bald, was Machorka oder Papirosse sind und was der Duft von Juchtenleder war, den man im ganzen Haus zu riechen bekam. Russisch zählen konnte er sehr schnell bis tausend. Da das Haus groß genug war, entstand kein Notstand. Die Familie begab sich auf die obere Etage des Hauses, wo noch genügend Platz vorhanden war, jeder hatte sein eigenes Zimmer, nur die Küche wurde gemeinsam  benutzt. Was aber auffiel war, dass die Soldaten nach ihrem Eintreffen als erstes sämtliche Türschlüssel einsammelten und auf diese Weise für ein „offenes“ Haus sorgten. Peter Lehner hat aus dieser Zeit keine besonderen negativen Erlebnisse in Erinnerung. Einmal hat er eine Frau auf der Straße schreien hören: „Die Russen haben meinen Mann umgebracht“. Offensichtlich hat sich dass russische Militär nicht besonders auffällig verhalten und in aller Stille die Anpassungen durchgeführt. Allein die Anwesenheit der Russen hat aber für Unruhe in der Bevölkerung gesorgt. In der Folgezeit flammten immer mehr die Gerüchte auf, dass die Deutsche Bevölkerung Czernowitz verlassen müsse.  


Nach dem Molotow-Ribbentrop-Abkommen von August 1939 mit Erweiterung vom 07.09.1940  wurden dann ab September 1940 die Deutschen aus der Nordbukowina umgesiedelt. Aufgrund eines zweiten Abkommens zwischen den Regierungen in Berlin und Bukarest vom 22.10.1940 fand ab November 1940 auch die Umsiedlung der Deutschen aus der Südbukowina  sowie der Dobrodscha-Deutschen aus dem Raum Constanza, Galatz und Mangalia statt. Innerhalb weniger Monate wurden so  insgesamt 95.770 Deutsche aus der Nord- und Süd-Bukowina nach Deutschland und Deutsche Ostgebiete umgesiedelt
.


Als die Umsiedlung feststand, versuchte der Rest der Familie, wie viele Deutsche, zumindest die Wertgegenstände zu veräußern. Großmutter, Mutter und Peter Lehner versuchten die vielen Bücher und andere Dinge zu verkaufen. Allerdings konnten in dieser Zeit hierfür keine großen Erlöse erzielt werden. Die drei russischen Soldaten im Haus empfahlen den Dreien, in Czernowitz zu bleiben, ihnen würde hier nichts geschehen. Jüdische Freunde der Familie wären hingegen gern mit umgesiedelt, wussten sie jedoch, dass es das Todesurteil bedeutet hätte. Ende September begann die Umsiedlung der Deutschen aus der Nordbukowina. 

Am 10. Oktober, Peters vierzehntem Geburtstag, war der Tag der Abreise gekommen. Etwas beklommen versuchte man, sich mit dem ausgegebenen Spruch „Heim ins Reich!" Mut zu machen. In Personenzügen, mit dem zugelassenen 50 kg Handgepäck, verließ man die Heimat. Nach viertägiger Bahnfahrt gelangte die unvollständige Familie ins Auffanglager in Bad Langenau. Das Lagerleben in einem umfunktionierten Kurhotel war durchaus erträglich. Bald stieß auch der Vater Lehner, der in Bukarest mit Hilfe der Deutschen Botschaft, aus der rumänischen Armee entlassen worden war, zur Familie. Bei der dann erfolgenden „Einbürgerung" durch eine SS-Einbürgerungskommission wurde die Familie Lehner als „nicht ganz zuverlässig" eingestuft und mit dem Buchstaben „A" versehen, was „Altreich" bedeutete - im Gegensatz zu „O" - Osten! Dies obwohl Reinhold, der ältere Bruder von Peter, gerade siebzehn Jahre geworden, seit fast einem Jahr bei der Waffen-SS in Krakau Dienst tat. Der Grund dieser Einschätzung war ein skurriler. Auf die Frage eines Hauptsturmführers an die Großmutter: "Und was sind sie?" antwortete diese - ob verdattert oder absichtlich — „Polin"! Das sie mit diesem Wort und der darauf erfolgten Einschätzung „A" das weitere Schicksal der Familie Lehner ganz wesentlich und sehr glücklich beeinflusst hatte, stellte sich erst später heraus. Schon Anfang 1941 erhielt Vater Lehner eine Anstellung als Lehrer an der Staatsbauschule in Deutsch Krone in Pommern, heute Polen. Hier erlebte Peter eine ganz andere Welt, die - trotz der Kürze - prägend auf ihn wirkte. Kameradschaft, Disziplin und Pünktlichkeit waren groß geschrieben. Die Freunde dieser doch sehr kurzen Zeit treffen sich - soweit sie noch leben - auch heute noch jedes Jahr zu einem dreitägigen Klassentreffen, meistens am Steinhuder Meer. 

Peter Lehner erinnert sich an einen Ausspruch seines Vaters, als bei Beginn des Russlandfeldzuges im Juli 1941 die Panzerkolonnen durch das kleine Städtchen gen Osten rollten. Aktion „Barbarossa"! Dieser lautete: „Behalte das bitte für dich, Bub - dieser Krieg ist verloren!" Peters Bruder, gerade siebzehn geworden, musste diesen unsinnigen und ver­brecherischen Feldzug mitmachen und wurde mit leichten Verletzungen und schweren Erfrierungen schließlich in ein Prager Lazarett eingeliefert, mit der Folge, dass er als vorübergehend dienstuntauglich in Berlin sein Abitur nachholen konnte. 

Josef Lehner, also Peters Vater, wurde - nicht ohne eigenes Dazutun - nach Krems a. d. Donau versetzt, um dort als Direktor einer neu gegründeten Staatsbauschule zu wirken - ein Wunder, wenn man die Kriegslage zu Ende 1942 bedenkt. Peter besuchte hier die sechste und siebente Gymnasialklasse und gewöhnte sich schnell an die etwas legerere Auffassung von Disziplin und Pünktlichkeit seiner Schulkameraden. Es waren herrliche zwei Jahre. Der obligate Dienst bei der Hitler-Jugend bestand hauptsächlich aus Wanderungen in der schönen Wachau oder Skiausflügen auf die Rax und Heimabenden an denen Volkstanz und Volkslied vorherrschten. 

Drei Monate Luftwaffenhelfer in Pilsen und weitere drei Monate beim Arbeitsdienst in Krosno bei Kutno überstand der sportliche Jüngling ohne Schwierigkeiten. Er konnte noch mit seinem Bruder, der vor der Wiedereinstellung zwei Wochen Urlaub hatte, einen mehrtägigen Ausflug in die Wachau machen. Das war ihr letztes Zusammensein. Reinhold musste wieder zur Truppe und fiel im April 1945 in der Nähe von Putzig bei Danzig zusammen mit Kameraden einer Kompanie, die als Schutzschild für die Einschiffung der Division abkommandiert und zurückgelassen - also geopfert wurden.

Im Mai kam der Stellungsbefehl für Peter Lehner zur Flak-Abteilung einer Panzergrenadierdivision nach München und Anfang Dezember die Abkommandierung an die Westfront, wo dann am 16. Dezember die Ardennenoffensive begann. Wieder gab es Parolen, Eine davon hieß: „in zehn Tagen müssen wir Paris erreichen! Abgeprotzt wird nicht mehr, wir schießen nur noch von der Lafette!" Wie anders sah die  Wirklichkeit aus! Es fehlte an Vielem, vor allem an Treibstoff für die Panzer, Zugmaschinen und, vor allem, für die Luftwaffe. Ende Februar war die Offensive völlig festgefahren, die amerikanischen Invasionstruppen rückten vor. Peter Lehner wurde durch einen Granatsplitter leicht verwundet und erkrankte an einer starken Bronchitis. Der Batteriechef scheint Mitleid gehabt zu haben und sorgte für eine Versetzung des Kranken zu einem Offiziervorbereitungslehrgang nach München. Dass es so etwas, so kurz vor dem vorauszusehenden Kriegsende noch gab, war verwunderlich, aber beim Militär ist alles möglich. Erst Ende März wurde der Lehrgang aufgelöst. Peter Lehner wurde einer Stoßkompanie zugeteilt - früher hieß das „verlorener Haufen“ -. Und wieder Parolen: „Berlin bleibt deutsch, Wien wird wieder deutsch!" In der Nähe von Kirchheim am Wagram wurde er von seinem ehemaligen Batteriechef gesehen, der ihn sofort und ohne große Formalitäten wieder in seine Truppe übernahm. Die Division war zur Verteidigung Wiens an die Ostfront geworfen worden und hat in den Kämpfen um und in Wien sehr schwere Verluste erlitten. Von den ursprünglich hundert Mann der Batterie waren nur noch sechs vorhanden.

Es kam zu keinen Feindberührungen mehr, am 8. Mai kapitulierte die geschrumpfte Division in der Nähe von Amstetten. Die Militärköpfe ließen es sich nicht nehmen, zusammen mit amerikanischen Offizieren und stramm salutierend, einen Vorbeimarsch der entwaffneten Division abzunehmen. Peter Lehner hatte das Gefühl, seine Pflicht mehr als genug erfüllt zu haben. Das gar nicht ferne zu Hause in Krems lockte. In der Nähe von Enns, in den Donauauen, war das nunmehr gefangene Heer zusammengezogen. Man konnte das Rauschen der Donau hören. Lehner wundert sich heute noch mit welcher unglaublichen Selbstverständlichkeit er den Uniformrock auszog, am amerikanischen Wachposten mit einem „goodbye", das dieser verblüfft mit demselben Worten quittierte, vorbeiging und mit dem Wissen, die Donau fließt in Richtung Krems, eine viertägige Flucht begann. Die Gefährlichkeit dieses Unterfangens lässt Peter Lehner noch heute einen Schauer über den Rücken laufen und er glaubt seither fest an Schutzengel. Am 12. Mai, es war Muttertag, erreichte er die elterliche Wohnung, der Jubel war unbeschreiblich. 

Mit der russischen Besatzung gab es in Krems keine größeren Schwierigkeiten, der komman­dierende General mit dem deutschen Namen Wolkenstein sorgte weitgehend für Disziplin. Im September wollte sich Peter an der Technischen Hochschule in Wien inskribieren. Der Pedell verlangte einen „Entlassungsschein", ohne den eine Inskription nicht möglich sei. Da entdeckte Peter auf einer Tafel mit Namen des Lehrkörpers einen, der ihm bekannt vorkam. Prof. Merinski, Dekan der Fakultät für Architektur, war ein ehemaliger Studienfreund des Vaters - und schon war dieses Problem gelöst. Schutzengel, Schicksal, oder nur Glück? Im Jahr 1951 beendete Peter Lehner sein Studium und wurde von seinem Professor Boltenstern in sein Architekturbüro aufgenommen. Im gleichen Jahr heiratete er die Wienerin Alice Breuner - die kirchliche Trauung fand am 24. Dezember in Oberndorf bei Salzburg statt, dem Ort wo einst das Weihnachtslied „Stille Nacht" entstanden ist. 

Vater Lehner war inzwischen von seinem Posten in Krems, mit der Begründung er sei „Deutscher Staatsbürger", entlassen worden. Sein Einwand, er sei in Österreich geboren, sein Vater sei Wiener gewesen und er selbst österreichischer Offizier im Ersten Weltkrieg, wurde mit der Begründung abgelehnt, er sei 1941 Deutscher geworden. Dass die Österreicher zu diesem Zeitpunkt auch „Deutsche" waren, hatten die amtierenden Beamten damals am liebsten vergessen. Ein Wohnungstausch ermöglichte ihm den Umzug nach dem geliebten Wien, „Die Stadt aller Träume!". Die beruflichen Veränderungen begleiteten Peter Lehners Vater und damit auch die Familie ein Leben lang. Die nun folgenden Jahre bei Baufirmen in Wien und Salzburg nutzte er nebenbei, um an der T. H. in Wien sein Doktorat zu machen. Er bewarb sich um die ausgeschriebene Stelle des Direktors der Fachhochschule für Bauwesen in Regensburg, die er auch erhielt und bis zu seiner Pensionierung 1959 innehatte. Es folgten danach sieben Jahre in Laufen an der Salzach, dann zogen Josef und Margarethe Lehner in ein von Peter gebautes Haus in den Weinbergen von Grenzach ein, am deutschen Rheinufer liegender Nachbarort von Basel. Mutter Lehner starb 1966, Peters Vater 1980. Sie liegen beide am Friedhof am „Hömli" in Riehen bei Basel. 

Nun wieder zu Peter Lehner. Er folgte 1953 dem Ruf des Vaters, der ihn gern nicht nur bei sich, sondern auch in seinem Lehrkörper gehabt hätte, nach Regensburg. Aber die Stadt schien ihm nach den neun Jahren Wien, die er trotz Zerstörungen, Vier-Mächte-Besatzung, und Lebensmittelknappheit als eine herrliche Zeit empfand, zu eng. Dem Angebot eines Schweizer Studienkollegen, eine Bauleitung bei dem Verwaltungsgebäude der Basler Lebensversicherung am Opernplatz in Frankfurt zu übernehmen, dass das Architekturbüro vom Vater des Freundes geplant hatte, konnte er nicht widerstehen. Es kamen zwei schwere berufliche Jahre, weil er ohne Erfahrung in Bauleitung, höllisch aufpassen musste, privat weil seine Frau, infolge eines Doktorfehlers, ihr Kind verlor. Es wäre ein Alexander geworden. 

Als der Auftrag in Frankfurt beendet war, bot das Büro in Basel Peter Lehner eine Stelle als Entwurfsarchitekt an. Die Chance, eine Anstellung als Dozent an der Fachhochschule in Konstanz anzutreten, ließ er ungenutzt. Das mag ein Fehler gewesen sein, erlaubt er sich zu bemerken.. Nach zwölf sorglosen Jahren im Büro Vischer hatte Lehner das Gefühl, sich selbständig machen zu müssen. Das war vielleicht auch ein Fehler, denn sein Freund verstarb wenig später und er hätte das alt eingesessene Büro übernehmen können. Ohne Beziehungen durch Schul- und Studienfreundschaften, Militärfreunde, Großfamilie, etc. war die Auftragslage nicht immer gesichert. Es waren trotzdem sehr schöne und befriedigende Jahre". sagt Peter Lehner lächelnd und fährt fort: „Die pflege der Freundschaft ist etwas äußerst wichtiges im Leben!" Auch in dieser Zeit pflegte er Kontakt mit den in alle Winde zerstreuten Familienangehörigen. Mit seinen „Jahnern", an deren alljährlichen Treffen er öfters teilnahm, mit bukowiner Landsleuten, seinem Patenonkel, dem Dichter Georg v. Drozdowski, sowie mit Freundschaften seiner Eltern, die inzwischen der demographischen Entwicklung zum Opfer gefallen sind, wie z.B. der jüdischen Familie Zappler, die den Krieg überlebt hatte, und mit Hilfe von Peters Vater 1949 nach Wien gekommen war. Zum 100. Geburtstag der Witwe, die in einem Altersheim in Wien lebte - Prof. Zappler war schon 1980 verstorben - fuhr Peter Lehner mit seiner Frau Gabriele 2003 nach Wien.   Frau Lilly übergab ihm ihr Fotoalbum mit interessanten Bildern aus der Kriegszeit, weil sie annahm, ihre Verwandten in Israel hätten andere Sorgen als dieses zu beschauen.

Im Februar 2000 verstarb seine erste Frau. Seine Tochter lebt in Kanada, wo er sie und ihre zwei Söhne früher fast jedes Jahr besuchte, sein Sohn, der inzwischen verstorben ist, hatte andere Pläne und zog in die Ost-Schweiz und so ergab es sich von selbst, dass er seinen geliebten Beruf weitgehend „an den Nagel hängte!" Er war inzwischen 74 Jahre. 

Auf einer Kreuzfahrt mit Freunden auf der Elbe lernte er seine jetzige Frau kennen, heiratete im Jahr 2003 und lebt nun abwechselnd in ihrem Haus in Berlin oder in seinem Schweizer Domizil.
 

Peter Lehner ist aber bei all seinem Schicksal und all seiner Bescheidenheit ein schöner Lebensabend vergönnt. Auch hier in Berlin hat er sehr schnell Fuß gefasst. Die Familie seiner Frau, die hier ansässigen „Schlaraffen", die Bukowiner Landsleute in Berlin, zu denen auch die verstorbene Schriftstellerin Genunea Musculus gehörte, haben einen Beitrag dazu geleistet. Auch  die vielen Freunde in Süddeutschland und der Schweiz sind keinesfalls vergessen. Seit Jahren ist er - ganz ungewollt - Vorsitzender der nur 20 Mitglieder der Landsmannschaft der Bukowiner in Berlin. Einmal im Jahr kommen sie zu einem Gedankenaustausch im Hause der Familie Lehner zusammen. Mit seinen 86 Jahren lebt Peter Lehner bei guter Gesundheit zusammen mit seiner Frau in einem schönen Ambiente und genießt viele Reisen, die von seiner Frau organisiert werden.
 

Auch Czemowitz hat das Ehepaar schon häufiger besucht und dabei vor drei Jahren, in der ehemaligen „Burg der Schlaraffen" im Deutschen Haus, der „Buchenfeste", die jetzt als Gedenkstätte für seinen Paten ,,den Dichter Georg Drodzdowski“ dient, mit befreundeten Schlaraffen aus Deutschland und Österreich und drei Professoren der Czemowitzer Universität, eine Gedenkfeier veranstaltet. Das Czernowitzer „Reych" der Schlaraffen, die „Pruthana", ist 1940, als Folge der Umsiedlung, untergegangen. Im Augenblick arbeitet er an einer Chronik über die Pruthana und das alte Czernowitz. Er setzt sich nach wie vor mit der Geschichte seiner ersten Heimat auseinander, malt, schreibt und musiziert. 

Als mir Peter Lehner den Inhalt seines noch nicht verlegten Krimis erzählte, wurde mir deutlich, dass das ein Erfolgsroman werden könnte. Ich habe ihm Mut gemacht, diese Roman zu veröffentlichen. 

Peter Lehner hat sich die drei „Ideale" der Schlaraffen, die da sind: „Freundschaft, Kunst und Humor" auch im profanen Leben zu eigen gemacht, wobei er die Freundschaft für das Wichtigste hält. Er findet: „Wer sich diese Ideale zu eigen macht, bei dem kann nichts schief gehen!" 

Alfred Wanza, Juni 2012

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Bericht über die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum
des Deutschen Hauses in der Herrengasse in Czernowitz 

Am 5. Juni 2010 beging der Österreichisch-Deutsche Kulturverein im Deutschen Haus,  in der ehemaligen Herrengasse der Stadt Czernowitz, die Jubiläumsfeier anläßlich des 100-jährigen Bestehens des Deutschen Hauses.

Bereits am Eingang erhielt jeder Besucher zur Erinnerung an diesen Tag ein Abzeichen mit dem Bild des Deutschen Hauses und der Beschriftung “Czernowitz - Deutsches Haus 1910 - 2010”.  

Die musikalische Einleitung wurde vom Vorsitzenden des Deutschen Vereins der ukrainischen Stadt Kolomyja, Sinovij  Schmidl und seinem Sohn Dieter vollzogen, die beide mit Berghörnern auftraten und für diese seltene Darbietung mit großem Applaus bedacht wurden. 


Nach dieser schönen Einleitung hielt der neue Vorsitzende des Vereins der Österreichisch - Deutschen Kultur im Czernowitzer Gebiet, Herr Alexander Schlamp, die Festrede, die von seinem Stellvertretrer, Herrn Paul Pivtorak für die ukrainischen Gäste synchron übersetzt wurde.
 

Der Redner richtete seine Worte “an alle heutigen und ehemaligen Czernowitzer, an alle Bukowiner und alle, die Czernowitz lieben und die Stadt in ihrem Herzen tragen” und gratulierte im Namen der deutschen Gemeinde der Bukowina zum Jubiläum. Dabei wies er auf die Geschichte dieses Hauses hin, das bei der Festigung des deutschen Nationalbewusstseins und der Entwicklung des kulturellen Lebens der Deutschen innerhalb der gesamten Bukowina eine exponierte Rolle innehatte.
Er dankte dem Czernowitzer Stadtrat und Bürgermeister Mykola Fedoruk dafür, dass dem Deutschen Haus -analog zu den Nationalhäusern anderer Nationalitäten - die dauerhafte Nutzung des Hauses und die Wiederaufnahme der kulturellen Tätigkeit ermöglicht worden ist. Das Hauptziel des Vereins sei natürlich die Bewahrung und Wiederbelebung der Kultur, Sprache und Traditionen der seinerzeitigen Österreichisch-Deutschen Ära.  

Im Jahre 1998 wurde für die deutschsprachige Czernowitzer Jugend im Deutschen Haus die Organisation “Bukowiner Phönix” gegründet. Darin haben die jungen Leute die Möglichkeit, Sprache und Sitten ihrer Eltern  und Vorfahren näher kennenzulernen. Mit Unterstützung des “Bukowiner Phönix” wird im Deutschen Haus auch ein Sonntagskindergarten “Kleiner Phönix“gegründet.

Der Vorsitzende dankte allen, die - sei es durch aktive Tätigkeit oder Mitwirkung, sei es durch finanzielle oder logistische Unterstützung - zum Werden und Gedeihen des Vereins der Österreichisch - Deutschen Kultur beigetragen haben, insbesondere Herrn Johannes Klein (seinerzeitiger Gründungsvorsitzender des Vereins), Herrn Franz Keller, dem langjährigen Vorsitzenden des Vereins, Frau Inge Wittal, der bisherigen Leiterin des Vereins, der Regierung von Kärnten, der Stadt Klagenfurt und den Herren Mag. Udo Peter Puschnig und Werner Platzer, der Georg-Drozdowski-Gesellschaft, der Gesellschaft für Technische  Zusammenarbeit und GfE Odessa und Herrn Dr. Tilman Hess, der Firma Arnika, der Firma Triumph  und Frau Direktorin Kozlowa, dem Bukowina-Institut Augsburg und Herrn Luzian Geier, dem Zentrum für Bukowinaforschungen an der Universität Czernowitz und Herrn Dr. Serhij Osatschuk , der Landesregierung, Herrn Bürgermeister Mykola Fedoruk und allen aktiven Mitgliedern des Vereins. 


Die Rede endete mit den Sätzen “Wir wissen nicht, was der Festredner, der in 100 Jahren an meiner Stelle steht, sagen wird. Diese Geschichte muß erst noch geschrieben werden. Fest steht nur, dass wir unseren Teil dazu beitragen und dafür sorgen werden, dass es - zumindest was das Deutsche Haus betrifft - eine Erfolgsgeschichte bleibt.”


Es folgte  die Präsentation des neuen  Buches “Hundert Jahre Deutsches Haus in Czernowitz”, die vom Verfasser  Dr. Serhij Osatschuk  vom Zentrum für Bukowina - Forschungen an der Jurij - Fedkowytsch - Universität Czernowitz  vorgenommen wurde. 

Den nächsten Programmpunkt bestritten zwei Mädchen der Gruppe “Bukowiner Phönix“, die  - begleitet vom Saxophonsolisten Sergij Malischtschuk - das moderne Lied “Tag der Liebe” sangen.          
 

Professor Dr. Peter Rychlo
- Doktor der Philologie und Professor am Lehrstuhl für ausländische Literatur und Literaturtheorie an der Czernowitzer Universität, sowie Mitarbeiter am Zentrum für Bukowina - Forschungen in Czernowitz,  hielt eine kurze Begrüßungsrede, in der er die Gäste der Veranstaltung willkommen hieß. Er gab er einen kurzen Überblick über die Literatur in der Bukowina des 19. Jahrhunderts und zitierte aus Werken von Karl Emil Franzos, Georg Drozdowski, Rose Ausländer und weiterer Schriftsteller.  

Grüße aus Österreich und der Stadt Klagenfurt überbrachten anschließend  die Herren Mag. Udo Peter Puschnig und Werner Platzer aus Klagenfurt. Vor der Begrüßung der Anwesenden durch den Bürgermeister der Stadt Czernowitz, Herrn Mykola Fedoruk, 
und anschließender Auszeichnung mehrerer Mitglieder des Czernowitzer Vereins  der Österreichisch - Deutschen Kultur trat Frau Zoja Schmück mit drei gesungenen Liedern in Akkordeonbegleitung auf.

Im Anschluss daran verlieh der Bürgermeister den Vereinsmitgliedern Edmund Wittal und Alexander Schlamp die Medaille “Zum Czernowitzer Ruhm” (Na Slavu Czernivziv)                                                                                                 Frau Katharina Schlamp sowie die Herren Konstantin Grigel und Paul Pivtorak erhielten Ehrenurkunden.

Seitens der Gebietsverwaltung überbrachte der Leiter für Kultur und Tourismus der Stadt Czernowitz Grüße.  

Von den Vorsitzenden des Polnischen und des Rumänischen Vereins der Stadt wurden Grüße und Geschenke übermittelt.
 

Der ortsansässige Kunstmaler
Oleg Ljubkiwskij schenkte dem Deutschen Haus eines seiner Bilder, das er  als Vorlage für die Titelblattgestaltung der Jubiläumsfestschrift gemalt hat.

Vom Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien, Regionalforum Buchenland, Suczawa, waren acht Mitglieder unter der Leitung von Frau Corina Derla angereist, die Grüße überbrachten  und die Festgemeinschaft mit ihren Liedern sowie einem Geschenk an den Verein überraschten. Bei dem Lied “Wir sind die Buchenländerleut” (Oskar Schäfer) sangen viele der Gäste begeistert mit. 

Zum Schluss trug Corina Komolova von der Kindergruppe “Kleiner Phönix” Friedrich Schillers “Ode an die Freude” vor. 

Die Deutschen Vereine “Deutsches Heim” aus Lwiw (Lemberg), “Deutsches Kulturzentrum im Lwiwer Gebiet”, Verein “Deutsche der Ukraine” (Iwano - Frankiwsk), “Deutscher Verein” (Kolomyja)  und der Verein “Wiedergeburt” (Shitomyr) hatten Gastdelegationen entsandt. 

Nach Beendigung des offiziellen Teils begaben sich die Gäste zum im Restaurant “Kärnten” (“Karintija”) angerichteten Bufé wo Teilnehmer und Gäste nähere Kontakte knüpfen konnten und wo der inoffizielle Teil der Veranstaltung den Abend bei Speise und Trank sowie Gesang und guter Stimmung bis in die Nacht verlängerte. 
 

Die Gäste und Vereinsmitglieder bedankten sich für die Einladung und waren von der  Festveranstaltung  begeistert. Aus Städten der Ukraine und aus Rumänien trafen eine Reihe von Briefen ein, in denen die schöne und gute Organisation der Feier gelobt wur
de.
  

Czernowitz, Frühjahr 2010  - F/P

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Förderung der deutschen Kultur und der
deutschen Sprache in der Bukowina als
Beitrag des Deutschen Forums in Suczawa
Unter dem Vorsitz der Deutschlehrerin Teodora Ramona Greciuc existiert beim Deutschen Forum in Suczawa ein Jugendforum für Kinder und Jugendliche, das sich unter dem Namen „Jugendlust“, der Förderung der deutschen Kultur und der deutschen Sprache verschrieben hat. Wie Frau Corina Derla berichtet, hat sie verschiedene Projekte initiiert, die sie mit Freude gemeinsam mit den Jugendlichen gestaltet. Bei den Kindern und Jugendlichen besteht ein großes Interesse an der deutschen Kultur und der deutschen Sprache. Rund 25 Jugendliche kommen aus verschiedenen Schulen und Gymnasien in Suczawa, wo sie auch die deutsche Sprache lernen. Zu den Projekten, in die sie sich aktiv einbringen können, gehören Tanzgruppen, die u. a. auch als Projektpartnerschaft zwischen dem deutschen Forum und der Infostelle Schwaben, in der Frau Valeria Moscaliuc die Leiterin ist, gegründet wurden. Es schließen sich weitere Aktivitäten an, wie Basteln, Vorlesungen aus Büchern Deutscher Autoren, Teilnahme durch eigene Beiträge (z. B. Faust-Vorträge) an Kulturveranstaltungen, wie beim Goethetag oder die Organisation und Durchführung von Studienreisen und Ferienlagern und vieles mehr. Frau Corina Derla plant noch weitere Projekte, wie die Bildung eines deutschen Jugendchors oder die Gründung einer Puppentheatergruppe, in der sich die deutsche Sprache und Kultur niederschlagen soll. Für diese Projekte möchte sie auch Kinder von weiteren Schulen gewinnen. Als unmittelbares Projekt ist die Teilnahme der Tanzgruppe und des Chors an den Feierlichkeiten zum diesjährigen 100-jährigen Bestehen des „Deutschen Hauses“ in Czernowitz geplant. Das ganze Jahr über gibt es Veranstaltungen (Kirchweihfeste, Europatage u. m.) in Suczawa oder in der Umgebung, bei denen die Jugendlichen ihr Können unter Beweis stellen und von der Bevölkerung bewundert werden. Auch die anderen Bereiche des Deutschen Forums leisten eine hervorragende Arbeit hinsichtlich deutscher Kultur, deutscher Sprache und deutschem Liedgut.

               
                                                                      
                                                                                            Mitglieder des Jugendforums Suczawa

An dieser Stelle sei auch der Kirchenchor des Deutschen Forums erwähnt, der mit seinen traditionellen deutschen Bukowiner Kirchenliedern nicht nur für Aufmerksamkeit sorgt, sondern auf diese Weise auch für den Erhalt des historischen deutschen Liedgutes des Buchenlades. Das gilt auch für die Arbeit in den gesamten Deutschen Foren der Bukowina. Es besteht eine gute und partnerschaftliche Verbindung und Zusammenarbeit innerhalb der Mitglieder der Deutschen Foren und den verschiedenen Institutionen. Mitunter müssen wir uns in Deutschland fragen lassen, ob unsere Unterstützung und Kontakte zur „alten Heimat“ wirklich ausreichen.

 

Corina  DerlaFrau Derla

Frau Corina Derla entstammt einer deutschen Familie aus der Nähe von Jakobeny, in die sich ihre Vorfahren aus der Zips angesiedelt hatten. Sie hat in den Jahren 1998 und 1999 an der Universität Suczawa Geschichte und Erdkunde studiert und im Rahmen eines Stipendiums an der Universität Augsburg ihre Deutschkenntnisse verbessert und sich dort mit der Geschichte der Bukowina in der Habsburger Zeit (1774-1918) beschäftigt. Heute arbeitet Frau Corina Derla in einem Computerunternehmen in Suczawa. Nebenberuflich ist sie als Übersetzerin sowie als Kulturassistentin des Deutschen Forums für die gesamte Bukowina tätig. Ihr besonderes Interesse gilt der Arbeit mit Jugendlichen und ihrem Engagement bei Mithilfe und Organisation in verschiedenen kirchlichen und kulturellen Bereichen. In ihrer Freizeit nimmt sie an Fortbildungsseminaren teil oder steht den Menschen mit Rat und Tat zur Seite. Es ist nicht immer ganz einfach, mit den bescheidenen vorhandenen Mitteln zu recht zu kommen. Neben weiterer personeller Unterstützung vor Ort, wünscht sie sich eine Vertiefung der länderübergreifenden Zusammenarbeit.   


                                                                        Mai 2010 - Alfred Wanza
        

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Die Entstehungsgeschichte der Bukovina Society
of the Americas

von O. M. Windholz und Werner Zoglauer
Die Ursprünge der Bukovina Society of the Americas mit Sitz in Ellis, Kansas (USA) reichen zurück in das Jahr 1988, als sich vom 26. bis 29. September drei Personen mit einem besonderen Interesse am Erbe der Bukowiner Bevölkerungsgruppe deutscher Volkszugehörigkeit  zum ersten mal getroffen haben. Paul Polansky, dessen Großvater Schneller zu den  deutschen Auswanderern aus der Bukowina gehörte, die sich im Kreis Yuma im Staate Colorado angesiedelt haben, hatte bereits Informationen über seine Vorfahren gesammelt. Er wusste von Schnellers, die in Kansas leben und wollte diese kennen lernen. Irmgard Hein Ellingson, die wie Paul aus Iowa stammt und deren Mann Wayne von 1980 bis 1983 Pastor an der etwa 10 km nördlich von Ellis gelegenen St. John Lutheran Church war, traf sich mit Paul, der damals in Spanien lebte, in Ellis. Irmgard war und ist sehr an der Besiedlung des Staates Kansas interessiert, und dieses Interesse beschränkt sich nicht nur auf ihre wolhyniendeutschen Vorfahren. Der Dritte im Bunde war Oren Windholz, damals technischer Leiter des Krankenhauses in der Kreisstadt Hays etwa 30 km östlich von Ellis. Er stand mit Paul Polansky in Verbindung, der bei der American Historical Society for the Germans from Russia einen Stammbaum gefunden hatte, der Orens Abstammung aus der Bukowina belegte. 

Obgleich nur durch eine kurze Notiz in der Zeitung angekündigt, wurde Paul im Festsaal der St. Mary Schule von einer großen Menschenmenge empfangen. Fasziniert verfolgte diese Pauls Diaschau über seine Reisen in die Bukowina, welche in den Zeiten des Kommunismus noch ein riskantes Unternehmen waren. Nach der Vorführung ließen sich viele Besucher ihren Stammbaum auf Pauls Laptop zeigen, der tausende von bukowinadeutschen Namen enthielt. Um dem vielfachen Wunsch nach mehr Informationen nachzukommen, wurde das Treffen am nächsten Tag fortgesetzt, und ebenso wie am Vortag standen die Leute Schlange um die „Wunder“ auf Pauls Computer zu sehen. Dies war die erste landsmannschaftlich geprägte Zusammenkunft der Bukowinadeutschen aus der Gegend von Ellis seit der Einwanderung vor über hundert Jahren. Dementsprechend hatten die meisten Teilnehmer ein nur auf mündliche Überlieferung basierendes und damit oft sehr begrenztes Wissen über ihre Herkunft und ihr kulturelles Erbe.  

Während in Deutschland damals bereits seit 40 Jahren eine Organisation der Deutschen aus der Bukowina, die Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen, existierte, war in der Neuen Welt wenig über diese Volksgruppe bekannt. Irmgards Buch über die protestantischen Schwaben in Kansas und einige Veröffentlichungen von Dr. Sophie Welisch, einer in New York lebenden Geschichtsprofessorin und Tochter deutscher Einwanderer aus der Bukowina,  waren die einzigen Quellen, die es in englischer Sprache gab. Paul, Irmgard und Oren beschlossen, im Frühsommer des kommenden Jahres am 40. Jahrestreffen der Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen in Augsburg teilzunehmen. Dort wollten sie die Nachkommen derjenigen Bukowinadeutschen treffen, die nicht aus der Bukowina ausgewandert waren, sondern dort geblieben sind, bis sie 1940 dem Ruf ‚Heim ins Reich’ folgend von den Nationalsozialisten kollektiv umgesiedelt worden sind und nach dem Wirrungen des Zweiten Weltkriegs, nach Umsiedlung, Flucht und Vertreibung in Deutschland schließlich eine neue Heimat gefunden haben. 

Nach den inspirierenden Tagen des Austauschs von Wissen um und über die Bukowina ermutigte Paul Irmgard und Oren, über die Einrichtung einer bukowinadeutschen Organisation in Ellis nachzudenken. Auch planten die Drei im kommenden Jahr nach ihrer Rückkehr aus Augsburg ein Bukowinafest zu veranstalten. Im Dezember 1988 reiste Irmgard erneut nach Ellis, um mit Oren ein Programm für das Fest sowie den Plan für die Gründung eines Vereins auszuarbeiten. Zusammen mit Bernie Zerfas, Darrell Seibel, Joe Erbert und Ernie Honas (alle aus Ellis bzw. Hays) bildeten sie ein Organisationskomitee, das sich am Nachmittag des 10. Dezember traf und die Pläne weiter detaillierte. Eine Ankündigung in der Zeitung führte dazu, dass eine große Anzahl Interessierter an einem öffentlichen Treffen teilnahm, auf dem die Satzung der Vereinigung verabschiedet wurde. Diese erhielt den offiziellen Namen Bukovina Society of the Americas. Das Organisationskomitee wurde zu einem Vorstand erweitert, dem zusätzlich Dr. Sophie Welisch, Paul Polansky, Bob Schoenthaler und Raymond Haneke angehörten. Der neue Vorstand wählte Oren Windholz als Präsident, Darell Seibel als Vizepräsidenten, Joe Erbert als Schriftführer und Bernie Zerfas als Kassenwart.
 

I
m März 1989 trafen sich die Mitglieder der Bukovina Society zur weiteren Planung des Bukowinafestes, das vom 19. bis zum 22. Juli stattfinden sollte. Nach der Rückkehr der Delegation aus Augsburg wurde dieser Plan in die Tat umgesetzt: von Mittwochabend bis Samstag war die Festhalle der Oberschule von Ellis gefüllt mit Nachkommen von Bukowinerne sich an den sprachlichen, musikalischen und kulturellen Darbietungen erfreuten. Irma Bornemann aus Stuttgart überbrachte die Grüße der deutschen Bukowina Organisationen. Am Samstag wurde ein ökumenischer Gottesdienst mit Liedern und Gebeten in deutscher Sprache abgehalten. Den Abschluss bildete ein deutsches Abendessen mit anschließendem Tanz. Das Fest war eigentlich als eine einmalige Veranstaltung gedacht gewesen, jedoch beschloss der Vorstand aufgrund der großen Nachfrage für 1990 und danach jährlich bis 1998 ebenfalls zu einem solchen Treffen einzuladen. Seit 1998 fand das Treffen nur alle drei Jahre statt bis heute, wenn im September das 20-jährige Bestehen unserer Gesellschaft gefeiert wird. Die Gesellschaft bedankt sich bei einer langen Liste von Sprechern und Vortragenden, einige davon aus dem Ausland, die auf eigene Kosten angereist sind, um ihre interessanten Vorträge zu präsentieren. Die Bande nach Deutschland, die zuerst über Irma Bornemann geknüpft wurden, werden nun von Michael Augustin aus Leonberg weiter gepflegt, der Ellis sehr oft besucht hat und sowohl aus persönlichem Interesse an der Bukowina als auch als Repräsentant unserer Gesellschaft weit herumgekommen ist. 

Ü
ber die Veranstaltungen am Sitz unserer Gesellschaft in Ellis hinaus hat diese auch andere, auf die Bukowina bezogene Veranstaltungen unterstützt oder an diesen teilgenommen. Van und Mary Massirer haben Mitglieder unserer Gesellschaft anlässlich einer Konferenz von Gruppen mit deutschem Hintergrund in Waco in Texas beherbergt. In Zusammenarbeit mit der Federation of East European Family History Societes (FEEFHS) wurde  unter der Leitung von Laura Hanowski und Irmgard Ellingson ein Kongress in Regina in Kanada veranstaltet. Kontakte bestehen auch zu den Nachfahren einer Gruppe von Bukowinadeutschen in Brasilien, die sich unter der Leitung von Prof. Ayrton Gonçalves Celestino zusammengeschlossen haben. Ihr alljährliches Treffen nennen sie ‚Haluschkifest’. Im Jahre 2001 haben Vertreter unserer Gesellschaft an diesem Fest in der Doppelstadt Rio Negro/Mafra teilgenommen und sich auch mit Verwandten der Nachkommen jener Deutschböhmen aus der Bukowina getroffen, die sich in Ellis angesiedelt haben. Die Bukovina Society hat zusammen mit dem Sunflower Capter (= Landesverband im Staate Kansas) der American Historical Society for the Germans from Russia an deren Stammsitz ein deutsches Weihnachtsfest gefeiert. Paul und Dorothy Massirer repräsentierten unsere Vereinigung zusammen mit Irmgard Ellingson bei einer Feier der Deutschböhmen in Oregon. Im September 1996 nahmen 28 Mitglieder unserer Gesellschaft aus Kanada und den Vereinigten Staaten an einer Reise in die ehemalige Heimat teil, die vom Bukowina Institut in Augsburg veranstaltet wurde. Professor Kurt Rein lud zu der Tour ein, die von Dr. Ortfried Kotzian geleitet wurde - beide Besucher und Vortragende bei früheren Veranstaltungen unserer Gesellschaft in Ellis. 

I
m Oktober 1994 erlangte die Bukowina Society den Status einer gemeinnützigen Einrichtung und am 11. September 1997 wurde sie vollständig von der Steuer befreit. Damit sind auch Spenden an die Gesellschaft in vollem Umfang steuerlich abzugsfähig. Von den Mitgliedern wurde ein neues Leitungsgremium gewählt, um die Geschäfte der Gesellschaft zu führen und um ihrer breiten Verankerung Rechnung zu tragen, wurde gleichzeitig ein international besetztes Beratergremium eingerichtet. 

Das Emblem der Bukovina Society ist, ebenso wie für viele andere Bukowina-Organisationen in der Welt, das Wappen des Heimatlandes unserer Vorfahren. Es wurde 1862 von Kaiser Franz Josef I dem damaligen Kronland Bukowina verliehen und zeigt den Kopf eines Auerochens, einem ausgestorbenen europäischen Urrind, das als Stammvater des heutigen Hausrindes gilt. Während unserer Reise in die Bukowina im Jahr 1996 erfuhren wir, dass derzeit Anstrengungen unternommen werden, durch Rückzüchtung Rinderrassen zu züchten, die dem Auerochsen sehr stark ähneln. 

Gründungspräsident Oren Windholz veröffentlichte ein Nachrichtenblatt, aus dem der Newsletter der Bukowina Society wurde, der nun bereits im 19. Jahr vierteljährlich erscheint. Herausgeber dieser sowie zahlreicher anderer Publikationen ist Dr. Sophie Welisch. Der Newsletter steht den Mitgliedern sowohl in gedruckter als auch in elektronischer Form zur Verfügung. Unsere Gesellschaft hat sieben Bücher veröffentlicht und unterstützt die Autoren von 15 weiteren Büchern mit bukowinabezogenen Themen bei der Vermarktung ihrer Publikationen. Ferner werden verschiedene Andenken mit dem Bukowina Wappen zum Verkauf angeboten. Neben anderen Institutionen haben die Universität von Kansas sowie drei weitere Universitäten viele Forscher und Studenten nach Ellis geschickt, um unsere Geschichte und die bei uns noch vorhandenen Reste von deutschen Dialekten zu erforschen und zu dokumentieren.


Unser Mitglied Larry Jensen aus Ithaca, New York kannte sich schon früh mit dem aus, was später als das Internet bekannt werden sollte. 1996 richtete er in eigener Regie eine Bukowina Internetseite ein, was zu einer Steigerung unserer Wahrnehmbarkeit und unseres Bekanntheitsgrades führte und uns zahlreiche neue Mitglieder einbrachte. Er führte die Pionierarbeit fort, bis die Bukowina Society im Jahre 2002 den Internetauftritt der Gesellschaft in ihre eigene Regie übernahm und Werner Zoglauer und Rebecca Hageman die alte Internetseite durch eine vollständig neu gestaltete unter der Adresse www.bukovinasociety.org ersetzten. Mit dem Ziel, die erste Adresse im Internet für Informationen über die Bukowinadeutschen zu werden, war die Einrichtung der neuen Internetseite damals ein sehr ambitioniertes Unternehmen. Am 1. Mai 2002 war die neue Seite verfügbar mit damals 62 Seiten, darunter dem ebenfalls neu geschaffenen Internet-Store, einer Seite, auf der man Bücher und Andenken mit Bezug zur Bukowina bestellen kann. Inzwischen ist die Anzahl der Seiten auf über 300 angewachsen und es ist eine genealogische Datenbank dazugekommen, die allerdings nur für Mitglieder zugänglich ist. Heute zieht die Internetseite täglich 1.500 bis 1.700 Besucher an. Auch wenn die meisten Artikel in Englisch verfasst sind, so gibt es doch auch viele deutsche Beiträge und einige sogar in portugiesischer Sprache. Viele freiwillige Mitarbeiter haben tausende von Stunden investiert, um die Internetseite aufzubauen und für unsere Mitglieder und andere Nutzer ständig weiter zu entwickeln. Wir schätzen uns sehr glücklich, dass wir Forscher und andere Autoren aus Amerika, Deutschland und Brasilien haben, die aktiv und in uneigennütziger Weise dazu beigetragen haben, die Internetseite in so reichem Maße mit Inhalten über die Geschichte und die Kultur unserer Vorfahren aus der Bukowina zu füllen. 

A
n Personen, die die Internetseite durch Veröffentlichungen, die Ergebnisse ihrer Familienforschung oder sonstige Aktivitäten unterstützen, gebühren Dank und Anerkennung insbesondere unseren Mitarbeitern aus den USA: Rebecca Hageman, Irmgard Hein Ellingson, Steve Parke, Doug Reckmann, Dr. Sophie Welisch, Oren Windholz und  Werner Zoglauer; aus Deutschland: Michael Augustin, Renate Geschwentner und Gertrud Siewi; und aus Brasilien: Dr. Ayrton Celestino. Außerdem gebührt unsere Anerkennung den Freiwilligen, die an unserem Sitz in Kansas die Unterstützung für den Internetstore leisten. Die nur für Mitglieder zugängliche genealogische Datenbank auf unserer Internetseite hat sich zu der attraktivsten Dienstleistung für unsere Mitglieder entwickelt und in den letzten vier Jahren über 700 Besucher veranlasst, unserer Gesellschaft beizutreten. Die Datenbank enthält gegenwärtig 291.000 Einträge von unseren Vorfahren aus der Bukowina und deren Nachkommen. Sie ist die Summe aller Datenbanken, die uns diejenigen unserer Mitglieder zur Verfügung gestellt haben, die aktiv Familienforschung betreiben, und enthält deshalb auch einige doppelte Einträge. 

D
ie Mitglieder, die eine Freischaltung für die Datenbank beantragt haben, kommen aus 25 Ländern und geben fast alle familiäre Verbindungen zur Bukowina an, jenem kleinen Staatsgebilde, das heute nicht mehr existiert und das einst das östlichste Kronland des österreichisch-ungarischen Kaiserreiches war. Wir sind sehr stolz darauf, dass unsere Mitglieder die Internetseite der Bukowina Society als den Ort ausgewählt haben, an dem man sich trifft und an dem man mehr über die Geschichte und das Brauchtum seiner Vorfahren erfahren kann. Im Laufe dieses Jahres werden wir die Datenbank durch eine neue Softwareversion verbessern, die den Nutzern mehr Such- und Auswertemöglichkeiten bietet.  

Beverly Mountain aus Saskatchewan in Kanada hat eine Mailingliste eingerichtet, bei der die per E-Mail gestellten Fragen und Beiträge von hunderten von Teilnehmern dieser Liste gelesen werden. Neulinge in der Familienforschung profitieren ebenso wie alte Hasen Tag für Tag von diesem kostenlosen Service. Mehr Informationen, insbesondere wie man Mitglied wird, findet man unter www.Bukovina-gen@yahoogroups.com
. 

Die Bukowina war ein Land mit vielen Volksgruppen, in dem die Deutschen zahlenmäßig nur eine Minderheit darstellten. Der Schwerpunkt unserer Gesellschaft, unserer Internetseite und unserer Veröffentlichungen ist die deutsche Volksgruppe und wurde von dieser zu diesem Zweck eingerichtet. Unsere Gesellschaft anerkennt die reiche Tradition der übrigen Volksgruppen, die sich dieses wundervolle Land geteilt haben. Einige dieser Bukowiner sind ebenfalls Mitglieder unserer Gesellschaft und wir berücksichtigen ihre Anregungen bei unseren Aktivitäten.  

Die Zentrale und das Museum der Bukovina Society sind in der ehemaligen ‚Ersten Kongregationskirche’ untergebracht, der ersten registrierten Kirche in Ellis. Als wir uns zum ersten Mal nach geeigneten Räumlichkeiten umsahen, bot uns die St. Johns Lutheran Church großzügigerweise eines der in ihrem Besitz befindlichen Gebäude an. Es stellte sich jedoch heraus, dass dieses zu weit abseits lag, um genügend Besucher anzuziehen. Oren Windholz und Ray Haneke arbeiteten zusammen mit Jack Nicholson, dem Ortsvorsteher von Ellis daran, dass wir den heutigen Standort bekommen haben. 

Wir verzeichnen einen großen und stetigen Zuwachs an Mitgliedern, der weitgehend auf unsere Präsenz im Internet zurückzuführen ist und inzwischen zu einer Mitgliederzahl von fast 500 Personen aus aller Herren Länder geführt hat. Wir danken an dieser Stelle dem Vorstand, unseren internationalen Beratern und allen anderen Mitstreitern - insbesondere auch all jenen, die in diesem Rückblick auf die Geschichte unserer Gesellschaft nicht namentlich erwähnt worden sind - für all das, was sie zu der Erfolgsgeschichte der Bukovina Society of the Americas beigetragen haben.

Herausgegeben von der Bukovina Society of the Americas - übersetzt von Michael Augustin
2009
                                                                                                                                       
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Die „Austria“  kehrt zurück !

 

Zusammenfassung der Ereignisse um die Austria-Statue von Czernowitz (Bukowina) und die künstlerischen– und kulturellen Aktivitäten des Instituts für Kulturresistente Güter aus Österreich.Anlässlich der Hundertjahrfeier der Zugehörigkeit der Bukowina zu Österreich am 4. Oktober 1875 erlebte Czernowitz einige bedeutende Ereignisse, wie die Gründung der Franz Josef Universität und am damaligen Hauptplatz der Stadt, welcher 1790 angelegt und zuerst Holzmarkt, später „Criminalplatz“ hieß, die Enthüllung der Austria-Statue. An dieser Feier sollte auch der Kaiser Franz Josef teilnehmen, aber aus irgendeinem Grund war er verhindert und an seiner Stelle kam der Bildungsminister Karl Stremeier nach Czernowitz. Von ihrem Standort konnte die „Austria“ über die ganze Stadt blicken, denn der Platz, welcher fortan in Austria-Platz umbenannt wurde, war die höchste Stelle von Czernowitz, mit einer Höhe von 218 m ü. d. Meeresspiegel.   Das Austria-Denkmal, eine Allegorie der Mater Austria, die auf einem dreigeschossigen Aufbau stand, wurde von dem in Wien geborenen Bildhauer Karl Peckary (1848 – 1996), der bereits mit 24 Jahren, nach Arbeiten für das Wiener Arsenal und die Weltausstellung 1873 zum Professor an der k. u. k. Staatsgewerbeschule (Neue Weltgasse) in Czernowitz ernannt wurde, geschaffen. Ihm zur Seite standen bei der Gestaltung und Fertigstellung des Denkmals der Bildhauer Carl Worak (in einigen Quellen als Carl Morak bezeichnet), der Architekt Carl Hofer, der Steinmetz Carl Hoffmannn und der Gießer Carl Turbain.Die Statue hatte eine Gesamthöhe von etwa 8,2 Meter. Das Denkmal bestand aus einem Sockel, der aus einem grünen Stein bestand, welcher im Gebirge der Bukowina abgebaut wurde,  einem Basisrelief und der Hauptfigur, die etwa 2,37 Meter hoch war. Die Statue wurde aus einem Block Cararischen Marmor herausgehauen, welcher aus Neapel stammte und 184 Zentner schwer war. Die „Austria“ trug antike Kleidung und manche sagten, dass der Gesichtsausdruck wie der von Maria Theresia sei, zu deren Regierungszeit die Bukowina an Österreich angeschlossen wurde. In der linken Hand trug sie das lorbeerumrankte Schwert und in der rechten Hand hielt sie die Friedenspalme segnend über die Stadt. Dieser Palmenzweig ist auf Fotoaufnahmen nach 1905 schon nicht mehr zu sehen.

Nach der Machtübernahme im Jahre 1918 durch das Königreich Rumänien verschwand die Statue (wahrscheinlich 1919) auf seltsame Weise und niemand wusste wo sie abgeblieben war.In dieser Zeit wurden durch die Rumänen viele Denkmäler demontiert, die die Donaumonarchie symbolisierten. Zum Glück sind aber noch einige Denkmäler aus dieser ruhmreichen und für die Bukowina bedeutendsten Zeit erhalten geblieben, wenn auch einige davon nicht mehr komplett sind. Die „Austria“ blieb Jahrzehnte verschollen, bis man sie zufällig bei Bauarbeiten unter dem Betonboden auf dem Hof des ehemaligen Bukowina Gewerbemuseums, an der Ecke Liliengasse / Mickiewiczgasse, heute die UkrSozBank (Ukrainische Soziale Bank), am 8.Mai 2003 wieder gefunden hat, allerdings ohne Kopf.

Eine eingesetzte Kommission sollte entscheiden, was mit der Statue passieren soll.Wenn man die Fotos betrachtet, die bei der Bergung gemacht wurden und die „Technik“, die dabei verwendet wurde, um die „Austria“ zu transportieren, muss ich an meine Kindheit zurückdenken, wo in den  fünfziger Jahren auch noch Rundhölzer für schwere Lasten benutzt wurden, was für den Transportgegenstand nicht vorteilhaft war. Wie ich von der bildenden Künstlerin, Frau Barbara Zeidler, erfuhr, hat sie zusammen mit dem Künstler Abbé Libansky eine internationale Aktion ins Leben gerufen, welche die Bedeutung dieser wieder gefundenen Statue als eine Brücke zwischen den Völkern und Kulturen darstellen soll. Die 2003 wiederentdeckte Statue der Czernowitzer Austria soll als Beispiel und Ausgangsbasis für eine künstlerische und wissenschaftliche Auseinandersetzung über politische Symbole und europäische Identitäten werden.International anerkannte Kuratoren wählten 10 KünstlerInnen aus Österreich, Ungarn, der Slowakei, Polen und der Ukraine, die je eine Kopie der Statue in Originalgröße erhielten  und aufgefordert wurden, sie mit den unterschiedlichsten künstlerischen Ideen neu zu interpretieren und zu gestalten.

Die Stadt Czernowitz hat in diesem und in anderen Fällen Glück, eine Partnerschaft mit Österreich zu besitzen, denn ansonsten glaube ich nicht, dass viel Interesse herrscht, solche Projekte ins Leben zu rufen. Bei vielen Restaurationen kann man leider feststellen, das die Farbe viel zu dick auf das zu Erhaltende aufgetragen wird und so die Ornamente und Figuren nicht mehr das feine und graziöse Aussehen haben, wie es durchaus hätte sein können.

Wie man auch aus Czernowitz erfährt, lässt man Auszubildende (Lehrlinge) diese Arbeiten verrichten. Leider!   
 

Reinhold Czarny Zusammenarbeit mit Oksana Nakonechna
Quellen: Institut für Kulturresistente Güter,               Czernowitzer Archiv               Tageszeitung „Molodyj Bukowynez´“               16.10.2006

 



                                                                    


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Die Charitas von Czernowitz

Mens sana in corpore sano“ - „ein gesunder Verstand in einem gesunden Körper"     

Für das 600-jährige Bestehen der Stadt Czernowitz im Jahr 2008 wurden viele Maßnahmen zur Erhaltung und Verschönerung des historischen Stadtkerns durchgeführt. .In diesem Zusammenhang wurde den Denkmälern, die aus der Zeit der Donaumonarchie stammen, Beachtungen geschenkt, die ihnen sonst nicht zuteil kommen würden. Eines dieser Denkmäler, die restauriert werden, ist die in der ehemaligen Wolan-Gasse (heute Bukowiner Str.) gelegene Statuengruppe „Charitas“ auf dem Gelände des Fischer´schen Kinderspitals in Czernowitz.

Der Grundstein für dieses Krankenhaus wurde am 25.Juni 1908 gelegt und das Denkmal der „Charitas“ wurde nach der Eröffnung des Spitals im Dezember 1910 feierlich enthüllt.Die Skulpturengruppe wurde vom Wiener Bildhauer Theodor Stundl (1875 – 1934) geschaffen, was ein Meisterwerk darstellt. Im Zentrum dieser Gruppe befindet sich die Charitas, das Symbol der Jugend und Gesundheit. Dieser Name bedeutet „schenkende Liebe“ bzw. „Nächstenliebe“, nicht umsonst schmiegen sich die dargestellten Kinder an sie, in der Hoffnung mütterliche Wärme und Zärtlichkeit zu bekommen. Die ganze Komposition ist mit Harmonie erfüllt, die nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch körperlich ist. Das wird durch die gut leserliche Inschrift auf der Rückseite des Obelisken hervorgehoben „Mens sana in corpore sano“, was aus dem Lateinischen übersetzt heißt „
ein gesunder Verstand in einem gesunden Körper".

Die Skulpturengruppe ist aus Bronze und hat das knappe Jahrhundert gut überstanden, so dass sie ohne großen Aufwand restauriert werden kann. Es muss nur der Schmutz und die Oxydation beseitigt werden, danach kann die Statuengruppe an den alten Platz zurück.Wenn man die Skulptur betrachtet, gewinnt man den Eindruck, dass sie aus einem Stück gegossen und nicht aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt wurde. Während ihrer Herstellung in Wien, haben ihre Schöpfer perfekt alle Teile der Skulptur mit Schrauben, ebenfalls aus Bronze, verbunden, so dass keine einzige Fuge zu erkennen ist.Im Gegensatz zur Skulptur hat der Sockel die lange Zeit schlecht überwunden. Er besteht aus dem Gestein Dolomit, welches auf die Umwelteinflüsse anfälliger reagierte und in Folge dessen sehr beschädigt wurde, so dass mehrere Details nicht mehr erkennbar sind.  Das Denkmal hatte weitere sehenswerte Details anzubieten, die heute nicht mehr Bestandteil des Denkmals sind und dadurch in Vergessenheit gerieten.

Dazu gehörten das Medaillon mit dem Abbild von Franz-Josef I, sowie die Kaiserkrone an der Spitze des Obelisken, welche durch die Russen entfernt wurden,wie durch die Überlieferung zu hören ist. Man möchte hierbei hoffen, dass der alte Zustand wieder hergestellt wird und das Denkmal in voller Pracht dem Betrachter erscheint.
 

Oksana Nakonechna
         (Czernowitz)           31.10.2006

                                                                         

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Heimattreffen im Böhmerwald
(heute Tschechische Republik)

 Frau Gertrud Siewi, geb. Rankel gehört zu den Bukowiner Familienforschern. Mit Leidenschaft ist sie auf der Suche nach den 29 Ansiedlerfamilien des Dorfes Lichtenberg (Dealu Ederii, Rumänien), Bukowina  im Jahre 1835. Diese Familien haben ihre Wurzeln im Böhmerwald.  Die Recherchen erfordern aufwendiges Forschen in Kirchenbüchern, die direkt zu den Menschen und damit zu den geschichtlichen Zusammenhängen führen.  Ein schöner Lohn bei der Suche nach den eigenen Wurzeln. Eng verbunden mit der Ansiedlungsgeschichte der Bukowina sind die Deutsch-Böhmen aus dem Böhmerwald, auf die Frau Siewi bei der Suche nach ihren Vorfahren gestoßen ist. Über ihre Familienforschung hat sie auf Umwegen Hans Zettl, der aus Stadln stammt , kennen gelernt. Hans Zettl organisiert seit 20 Jahren das „Stadler-Treffen“ mit den ehemaligen Dorfbewohnern Stadln (Stodulky), der vertriebenen Sudetendeutschen. Der Ort zählte zu den Künischen Freigerichten, diese wurden mit Erlass vom 09.10.1854 aufgehoben.


  Frau Siewi
Gertrud Siewi, geb. Rankel und Elfriede Craddock, geb. Winkelbauer
in Lichtenberg geboren) vor der Informationstafel am „Eingang zum
ehemaligen Dorf Stadln“, das nach der schicksalshaften Vertreibung zerstört wurde.



An diesem Treffen hat Frau Siewi auch in diesem Jahr wieder teilgenommen und uns freundlicherweise diesen Bericht, der in den Böhmerwaldzeitungen „Hoam“ und „Glaube und Heimat“ veröffentlicht wurde, zur Verfügung gestellt. 

 
Zum Stadler Treffen 11.-14. Juni 2009 

Es ist schon verblüffend: Zu anderen Heimattreffen kommen immer weniger Leute, zu unseren kommen immer mehr. Fast 100 Teilnehmer waren es diesmal! Das liegt sicher zum einen an dem großen Engagement von Hans Zettl und seiner ausgezeichneten Vorbereitung und Durchführung des alljährlichen Treffens. Zum anderen erhielten wir dieses Jahr aber auch Verstärkung durch eine große Gruppe vom Bund der Galiziendeutschen aus Wolfsburg mit ihrem Vorsitzenden Günter Hönig. Zustande gekommen war dieser Kontakt durch Gertrud Siewi aus Tiefenbach bei Landshut, die für die Bukowina und den Böhmerwald Familienforschung betreibt.  

Gertrud Siewi erläuterte auch den historischen Zusammenhang. Beginnend im Jahre 1803 wanderten aus den künischen Böhmerwalddörfern viele Familien in die Bukowina aus. Einige verließen die Bukowina wieder im Jahre 1811, siedelten sich in der Nähe von Kolomea/Galizien an und gründeten den Ort Mariahilf. Die Nachkommen dieser Galiziendeutschen Familien führte Hans Zettl nun zu den Orten, aus denen ihre Böhmerwald-Vorfahren vor 200 Jahren ausgewandert waren. 200 Jahre lang haben sich sowohl die Namen als auch der Dialekt der Böhmerwäldler bei den Galiziendeutschen erhalten. Zur allgemeinen Überraschung und Erheiterung wurden Verwandtschaften 5. und 6. Grades zwischen den Galiziendeutschen und den Böhmerwäldlern festgestellt. Außerdem konnte Gertrud Siewi unseren Gästen ein detailliertes Verzeichnis der ersten Böhmerwald-Auswanderer präsentieren, das aus dem Wiener Kriegsarchiv stammt (siehe separaten Aufruf unten). Es waren beeindruckende, bewegende Erlebnisse für uns alle. 

Traditionsgemäß dient der erste Abend im Gasthaus Luhan in Petrovice der Begrüßung, dem Austausch von  Erinnerungen  und der Geselligkeit. So war es auch diesmal. Der Geräuschpegel war hoch, die Stimmung hervorragend. Freitag war dann wie immer Wandertag. Je nach Lust, Laune und Schwierigkeitsgrad stellten sich die einzelnen Gruppen und Grüppchen ihre Touren zusammen. Erwandert  wurden beispielsweise der Schwemmkanal bei Rehberg, der Lackaberg oder der sogenannte Farmerweg in der Kocheter Gegend. Meine Gruppe – sofern man bei zwei Leuten von Gruppe sprechen kann – lief das sich hochwindende Sträßchen von Langendorf über Budaschitz nach Plattorn (Dlouhá Ves – Bohdašice – Platoř), das herrliche Blicke auf St. Maurenzen und die Karlsburg freigibt. 

Mit einer Rede und einem Gebet gedachten wir auf dem Friedhof von Gutwasser am Samstag unserer Toten. Ein Landsmann aus der Schweiz bereicherte diese kleine  Feier stimmungsvoll mit den Klängen seines Alphorns.  

Was wäre das Stadler Treffen ohne die alljährliche Kiesleitenwanderung? Egal, welche Route man nun wählt, ob man gut zu Fuß ist oder sich mit dem Auto fahren lässt (eine Ausnahmegenehmigung macht letzteres möglich, denn wir befinden uns im Nationalpark) – zur Mittagszeit trifft sich alles oben an der Schutzhütte. Hier stehen wir im ehemaligen Zentrum von Stadln und erinnern uns an das Dorf, das uns und unseren Vorfahren bis 1946 Heimat war. Stadln ist verschwunden, jedoch nicht vergessen. Nach wie vor ist die Aussicht von hier überwältigend: Wiesen, Wälder, Berge, soweit das Auge reicht – und es reicht weit!  

Auch die Begegnung mit Menschen aus Böhmen kam nicht zu kurz. Hier werde ich zwei ganz persönliche Erlebnisse schildern. Am Samstagnachmittag waren wir zu Gast in Rogau (Velký Radkov), einem völlig entlegenen Dorf. Es ist von Hartmanitz aus nur über eine extrem holprige Straße zu erreichen, die diesen Namen gar nicht verdient. Hier stehen noch viele alte Böhmerwaldhäuser, liebevoll und fachkundig renoviert, eines schöner als das andere. Das Haus unserer tschechischen Gastgeber konnten wir sogar in Großaufnahme in einem Böhmerwaldkalender bewundern. Wir wurden äußerst gastfreundlich aufgenommen und trafen bereits beim Eintreten auf eine große Runde von Deutschen und Tschechen, in der wir uns sofort wohl fühlten. Einer von uns hatte auf dem Weg hierher Pech mit seinem Auto (was bei dieser Straße kein Wunder ist); der Wagen gab keinen Mucks mehr von sich. Die Verhandlungen mit dem Abschleppdienst gestalteten sich schwierig. Bis nach Prag musste telefoniert werden! Auf dem Heimweg kam uns dann doch der Abschleppdienst entgegen – gottlob an einer Stelle, an der wir ausweichen konnten.  

Noch einen anderen Besuch machten wir in Rogau. Der Sohn "hiergebliebener" Deutscher empfing uns ebenfalls sehr herzlich und nahm sich Zeit für den unvermuteten Besuch, obwohl er gerade an seinen Bienenstöcken arbeitete und erst ein paar Schichten Imkerschutz ablegen musste. Lange sprachen wir mit ihm, der als Waldarbeiter beschäftigt ist, über den Wald, den Nationalpark, die Landwirtschaft und das Leben in diesem faszinierenden, von der Welt abgeschiedenen Dorf.  

Am Abend ging es sehr vergnügt zu. Der böhmische Musiker Milan unterhielt uns im Gasthaus Luhan mit flotter Tanzmusik. Bis in die frühen Morgenstunden dauerte unser Festabend.  Am Sonntag warteten einige von uns auf die Wallfahrer aus Rinchnach, die in großer Zahl nach Gutwasser strömten, mit uns Gottesdienst in der voll besetzten Kirche feierten und sich anschließend im St.-Gunther-Haus stärkten. 
Leider mussten wir dann schon die Heimreise antreten. Es waren wieder wunderschöne Tage. Vielen Dank, Hans, für deinen unermüdlichen Einsatz und  deine alljährliche organisatorische Meisterleistung! Wir alle freuen uns schon sehr auf das nächste Mal.

Verfasserin: Anne Horn-Braehmer  (September 2009)               zurück zum Seitenanfang     
   

      
Genug der Zurückhaltung – Integration der Buchenländer in der neuen Heimat -
Haben wir unseren Kindern und Enkeln genug weitervermittelt? oder „Wie halte ich's mit der Bukowina?

Anlässlich des diesjährigen gelungenen Buchenländer-Bundestrefffens in Frankenthal bereicherte eine sozial engagierte junge Dame mit Bukowiner Vorfahren die Veranstaltung mit einem spontanen Wortbeitrag, der besonders erwähnenswert scheint und nachdenklich stimmt.

Sie schilderte anschaulich, wie sich ihre -Eltern und Großeltern in den Nachkriegsjahren um eine rasche Integration in den südwestdeutschen Kulturkreis bemühten, indem sie streng darauf bedacht waren, ihre zum Teil abweichenden Lebensgewohnheiten, die sie aus der Bukowina mitgebracht hatten, vor den Einheimischen tunlichst zu verbergen, um sich von jenen nicht zu sehr abzuheben. Dies betraf sogar das gewohnte Mamaliga-Essen.

Dass sie mit diesem Handeln zwar integrationsmäßig sozusagen „den Vogel abgeschossen haben", ist die eine Seite der Medaille, dass sie dadurch aber auch dazu beigetragen haben, ihren Kindern einen Teil ihrer Identität vorzuenthalten und - unbewusst die Rolle, die die Bukowina in ihrem eigenen Leben gespielt hat, zu schwächen, mögen sie damals, nach der Stunde Null, nicht voll bedacht haben. Wer könnte es ihnen verdenken? Und so kann man es einer Reihe von Bukowiner Nachfahren nicht übel nehmen, wenn sie für das Land ihrer Vorfahren keine tieferen Empfindungen hegen - eben weil sie diese manchmal nicht weitervermittelt bekamen.

Derartige Fälle sind wahrscheinlich dort vorgekommen, wo Bukowinaer Familien nicht im Verbund mit mehreren Landsleuten gelebt haben. Bukowiner Gemeinden im Gebiet Salzgitter-Lebenstedt, in dem rund 5.000 Buchenländer angesiedelt wurden, oder im Augsburger Raum boten ihre Mitgliedern mannigfaltigere Möglichkeiten bezüglich der Pflege der Bewahrung der Bukowiner Sitten, Gebräuche und der Lebensart. Doch auch dort nagt inzwischen der Zahn der Zeit und das Interesse an der Heimat der Vorfahren läuft bei Kindern und Enkeln auf Sparflamme. Denn wie könnte man es sonst erklären, dass diese wenig Bereitschaft zeigen, ihre Eltern bzw. Großeltern einmal jährlich zum Bundestreffen zu begleiten.

Handelt es sich wirklich um Desinteresse? Ist vielleicht der sogenannte heutige Zeitgeist schuld daran oder haben manche Eltern und Großeltern es versäumt, diese zarte Pflanze Heimat zu hegen, zu pflegen und den Bukowiner Gedanken an die Nachkommenschaft weiterzugeben. Dies wäre in der Tat ein Fauxpas.

Ich traue mir nicht zu, eine definitive Antwort darauf zu geben, da noch andere Gründe für dieses Abstinenzverhalten ursächlich sein mögen. Da gehe jeder Einzelne in sich und stelle sich die Frage. Dann wird ihm sicherlich eine Antwort zuteil.

Tatsache ist, dass ich an vielen Bundestreffen teilgenommen und stets mitbekommen habe, wie sehr die Buchenländer ihre Heimat, die sie Ende 1940 verließen, liebten, an ihr hingen und wie ein Leuchten über ihre Antlitze huschte, wenn von der Bukowina gesprochen wurde. Dieses mit Gefühlsduselei zu bezeichnen würde der Sache nicht gerecht werden und wäre auch zu einfach. Es muss also „etwas dran gewesen sein" an diesem Ländchen und an der Gemeinschaft der Bukowiner. Gab es ein Geheimnis? Bestimmt nicht nur eines!

In der am Anfang dieses Artikels festgehaltenen Schilderung manifestiert sich ein tiefer Wunsch, dem ich mich ohne zu zögern anschließe:

Wer noch Zeitzeuge aus der Bukowina ist und wer das Glück hatte, von seinen Eltern oder Großeltern vieles über die Bukowina erfahren zu haben, möge dieses unschätzbare und besondere Wissen an seine Nachkommen weiter geben. Sie werden es Ihnen danken.

Das Internetportal www.bukowinafreunde.de leistet eine Hilfestellung. Geben Sie diese Adresse an Kinder, Enkel, Verwandte und Freunde weiter.

Letztendlich sei noch hinzugefügt, dass die Bukowina auf den
 Gebieten Literatur, Musik, Kunst, Tourismus und vielem anderen noch weit mehr bietet. Dies ist ein Grund dafür, dass sich mehr und mehr Nichtbukowiner für dieses Land interessieren.

In seiner Festrede ging der der Schirmherr und „Pate" der Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen, Jürgen Reichert, Präsident des Bezirkstags von Schwaben/Augsburg, sehr detailliert auf die Beziehungen Schwabens zur Bukowina ein, wobei er in seine mit Engagement gemachten Ausführungen einfließen ließ, wie sehr er im Laufe der Jahre das Land samt seinen Bewohnern und deren Kultur zu schätzen gelernt hat. Einen besseren Fürsprecher können wir uns nicht wünschen.


Emilian Fedorowytsch, Oktober 2010                    zurück zum Seitenanfang 

    
    
Das Buchenland, ein vergessener Landstrich – aber mit unvergänglichen Lettern in das Herz Gottes geschrieben

Ein seelsorgerlicher Besuch bei den Evangelischen im Buchenland

Von Pfr. Hans-Dieter Krauss

 

 


Bereits die logistischen Vorbereitungen einer sol­chen Reise sind aufwendig: Vorbereitung des Dienstwagens, Durchgehen der Checkliste, Verstän­digung der Ansprechpersonen, sorgfältige detaillierte Zeitplanung, Einplanung aller Einzelbesuche, Zeit für Unvorhersehbares, um nicht den ganzen Zeitplan platzen zu lassen, usw.

     Am Freitag in den Abendstunden breche ich aus Bistritz auf. Mein erstes Ziel ist das Hotel „Intus“ in Dornawatra, das der Mutter unserer dortigen Kurato­rin gehört, und wo ich Quartier nehmen darf – jeder­zeit!

     Samstag am frühen Morgen breche ich dann nach Radautz auf. Etwa zweieinhalb Stunden Fahrt liegen vor mir. Der Himmel ist bedeckt aber die Straßen sind trocken und ich komme gut voran. Ich lasse links die Kirche von Jakobeni hinter mir – „Ein feste Burg ist unser Gott“ steht über dem Portal, wie bei allen evangelischen Kirchen im Buchenland. Es ist das Bekenntnis dieser Volksgruppe im anderskonfes­sionellen Umfeld... morgen werde ich hier einen Gottesdienst halten.

     Als ich den Mestecăniș-Pass erreiche, beginnt es zu schneien. Weiter oben bleibt der Schnee auf der Straße liegen. Die Sicht ist auf 20 m reduziert. Ich muss langsam fahren. Ob ich rechtzeitig in Radautz ankommen werde?

     Ab Kimpolung herrscht dann wieder Frühlings­wetter und ich kann wieder kräftiger aufs Gaspedal treten. Hinter Gura Humora in Paltinoasa biege ich von der Hauptstraße ab und fahre auf Solka zu. Die sanften Hügel sind mir vertraut, ebenso die Namen der Orte, in denen neben Rumänen Ukrainer und vereinzelt auch Huzzulen leben. Rechtzeitig erreiche ich Radautz und finde die kleine Gemeinde im Hause von Frau Rodica Morosan versammelt. Vier Frauen und ein Mann sitzen in dem schönen Esszimmer mit den Jugendstilmöbeln versammelt. Den Esstisch ziert die Altardecke aus der ehemaligen evangelischen Kirche von Radautz, das Altarkreuz und zwei schwere Messingleuchter. Das silberne Abend­mahlsgerät steht da. Freudig ist die Begrüßung und herzlich wie immer. Wir singen und beten, lauschen dem Wort Gottes. Ich predige in rumänischer Spra­che, damit auch alles verstanden wird. Wir teilen den Leib und das Blut des Herrn. Eine tiefe, innige Fei­erlichkeit und Wärme liegt im Raum, während drau­ßen hand­tellergroße Schneeflocken dicht durch den Garten treiben. Sie sind wenige geworden... nur noch eine Handvoll. Nach dem Gottesdienst plaudern wir noch eine kleine Weile bei Kaffee und Kuchen. Dann geht es eilig weiter nach Sutschawa. Hier wartet die kleine Gemeinde in der schmucken Kir­che. Auch sie sind weniger geworden. Alter und die Leiden des Alters binden einige nun an das Haus. Die Älteste – Frau Ida Adumitracesei suche ich nach dem Gottes­dienst auf und feiere mit ihr und ihrer Tochter das Abendsmahl. Bei einem reichlichen Im­biss plaudern wir noch ein wenig. Es ist spät gewor­den und ich bin zu müde, um noch nach Dornawatra zurückzufahren. Ich suche ein Hotel und ruhe mich aus. Am frühen Morgen geht es zurück nach Dorna. Da wartet ein Mann aus der Gemeinde beim verein­barten Treff­punkt. Wir fahren zusammen nach Jako­beni. Auch hier versammelt sich die Gemeinde. Aus Dorna ist noch die Kuratorin mit ihrem Mann und ih­rer Mut­ter, deren Gastfreundschaft ich im Hotel ge­nossen habe angereist, aber auch Frau Hatneanu und ihre Tochter aus Bukarest. Die Jakobenier sind voll­zählig anwesend, bis auf den kranken Herrn Volk und Frau Huschulei aus Kirlibaba, unsere Älteste hier.

     Frau Volk hat fürsorglich wie immer den Ofen in der Kirche eingeheizt. Nun kommt aber plötzlich ein starker Wind auf und der Ofen beginnt zu rauchen. Wir beginnen trotzdem den Gottesdienst. Nach den Lesungen ist der Rauch in der Kirche so dicht, dass ich unmittelbar zur Abendmahlsfeier überleite. Und dann verlassen wir die Kirche. Zum ersten Mal in 27 Jahren Pfarrdienst muss ich einen Gottesdienst ab­brechen. Die Gefahr der Rauchvergiftung war aber zu groß. Die Teilnehmer sind froh, dass sie nun vor Ostern noch einmal Abendmahl feiern durften. Hier im Buchenland heißt das „Beichten“ – ein Sammel­begriff für Beichte und Abendmahl.

     Ein kurzer Besuch bei Herrn Volk, der schwer krank darniederliegt, folgt noch – auch hier Wort Gottes und Leib und Blut des Herrn. Worte des Trostes und der Stärkung.

     Dann bringe  ich  Herrn  Kwiersfeld  nach  Dorna

zu­rück und weiter geht der Weg nach Kimpolung. Nach einer kurzen Mittagspause und einer kräftigen „Ciorba“ in einer Pension auf dem Mestecăniș-Pass besuche ich Frau Wanzurek in Kimpolung. Wegen ihrer Gleichgewichtsstörungen traut sich die knapp Neunzigjährige nicht mehr zum Gottesdienst nach Poschoritta. Daher besuche ich sie daheim. Die ehe­malige Biologielehrerin empfängt mich fröhlich und aufgeräumt. Auch hier feiern wir Abendmahl und plaudern noch ein wenig. Sie hat so viel zu erzählen. Eigentlich möchte ich bleiben und ihren Erzählungen lauschen. Ein lebendiges Gedächtnis sitzt mir gegen­über, Zeugin von fast einem Jahrhundert bewegter Geschichte dieses Landstrichs. Eigentlich müsste man das alles aufschreiben. Schweren Herzens trenne ich mich von dieser wunderbaren Frau und reise weiter zur einzigen Holzkirche unserer Landes­kirche – nach Poschoritta. Das Ehepaar Kuales und Frau Popa mit Tochter aus Kimpolung, Herr Gai­dosch, Frau Malwine, die beiden Gemeindeglieder aus Poschoritta, Frau Tillika und ihre Schwester aus Watra Moldowitza sind da. Aus Eisenau ist niemand mehr anwesend – in der Woche davor haben wir die letzte Frau von da, Frau Ilse Hermelinde Hrab geb. Hodel zu Grabe getragen.

     Wort Gottes und Mahl des Herrn vereinen die kleine Schar. Herzlicher Gedankenaustausch im Ste­hen folgt noch und dann gehen wir wieder gestärkt und fröhlich auseinander. Viele Hände winken zum Abschied und ich fahre durch dichtes Schneetreiben zurück und komme am Abend erschöpft in Bistritz an, wo mein knapp achtjähriger Sohn begeistert von den Abenteuern dieses Wochenendes berichtet. Ich versuche geduldig der Erzählung zu folgen und im Bett danken wir gemeinsam Gott für das Wochen­ende und den Wochenanfang, für alle Behütung und Bewahrung und seinen Schutz in allen Augenbli­cken. In der Stille lasse ich noch all die vertrauten Gesichter, in die ich blicken durfte, an meinem inne­ren Auge vorbeiziehen und danke für sie alle. Möge Gott sie behüten und segnen, diese seine Kinder in einem vergessenen Landstrich, unter die Räder der Geschichte geraten, zu ihrem Spielball geworden, aber in das Herz Gottes geschrieben mit unverwüst­lichen Lettern!

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 Die große Flut von Czernowitz im Juli 2008
Reise- und Erlebnisbericht von Emilian Fedorowytsch 

Bereits am Dienstag und am Donnerstag hatte es in Czernowitz jeweils den ganzen Tag über kräftig geregnet und auch am Freitag, dem 25. Juli, einem an und für sich schönen Tag, setzte gegen Abend wieder verstärkter Regen ein. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich nichtsahnend in einer Unterhaltung mit einem “echten, im Jahre 1917 im Lande geborenen Bukowiner”. Er beherrscht sechs Sprachen und rezitierte in fehler- und akzentfreiem Deutsch. 

Gerade wollte seine Frau mir einen frisch zubereiteten Kaffee anbieten, als mich aus dem an den Stadtbereich grenzenden Dorf Zszuczka die telefonische Nachricht erreichte, der Fluss Pruth sei über die Ufer getreten, seine Fluten näherten sich mit rascher Geschwindigkeit dem Dorf und drohten auch die Stadt zu gefährden. Ich solle mich sputen, um noch rechtzeitig aus dem Zentrum herauszukommen. Aus war’s mit dem Kaffee! Ein Bursche aus der Nachbarschaft erklärte sich ohne Umschweife bereit, mich zum Treffpunkt an der Philharmonie im Stadtkern zu fahren, wo mich mein Gastgeber mit seinem Auto schon wie “auf heißen Kohlen stehend” erwartete. Da er davon ausging, dass unser regulär  am Bahnhof vorbeiführender Weg aufgrund der Überschwemmungsgefahr schon unpassierbar geworden war, umging er die Czernowitzer Innenstadt zunächst in einem großen Bogen, indem er die  “Russische Gasse” bis zum Ende durchfuhr, um dann Zszuczka vom Dorf Cotul Ostriti aus zu erreichen.
 

Am Ortsrand von Zszuczka war bereits eine Menge von Dorfbewohnern und Angehörigen der Miliz versammelt. Alle starrten gebannt auf den Fluss, dessen Fluten die neue breite Schotterstraße zum Kaleniws’kyj - Markt und die Auen überschwemmten. Dort hatten Investoren aus der Ukraine das Gelände vor kurzer Zeit “erschlossen”, indem sie kurzerhand Gemeindeland, trotz heftiger Proteste der Dorfbewohner, gerodet hatten. Dutzende feiner Bäume fielen dieser Aktion zum Opfer. Die Auniederungen waren mit Flusskies aufgefüllt worden und in Richtung des Kaleniws’kyj - Marktes, eines der größten Märkte der Westukraine, der rund 15.000 Menschen Arbeit und Brot verschafft, war eine Trasse vorangetrieben worden, natürlich in der Absicht, auf dem Gelände weitere Erschließungen durchzuführen. Der Widerstand und die Einwände der Bewohnerschaft, das Auland sei für Bebauungen nicht geeignet, es gehöre seit ältesten Zeiten zum Fluss und  dieser werde sich rächen, wurden überheblich belächelt und beiseite gewischt. Wie ich hörte, sollen Einwohner des Dorfes die Investoren daraufhin mit Bannflüchen belegt haben. 

Was sich im Folgenden am Abend des 25. Juli 2008 abspielte glich einer Tragödie. Der normalerweise vom Haus meines Gastgebers weit über  200 Meter entfernte, in einer Niederung fließende, vom Dorf sonst nicht sichtbare Fluss war um 20 Uhr abends schon um 7 Meter über Normalpegel angestiegen. Er hatte sein Bett verlassen, die zum Kaleniws’kyj - Markt führende Schotterstraße und die planierten Flächen einschließlich der Flussauen total überschwemmt und stand bereits kurz vor dem Dorf. Dort wo man die Straße vermuten konnte trieben Büsche und Baumstämme in den reißenden braunen Fluten vorbei. Treibgut vom Großmarkt tauchte auf. Wir trauten unseren Augen nicht - sogar ein großer Container wurde mitgerissen. Am Ort des Geschehens drängten sich die Dorfbewohner und blickten mit Beklommenheit auf die gespenstische Szene. Es dunkelte und allmählich verlief sich die Menge.  Der Wasserstand stieg weiter an.  Wir sahen, wie die Fluten bereits an dem mit Kies bedeckten Hofgrundstück leckten und in Richtung Haus vorrückten. Es fehlten noch 20 Meter. Urplötzlich verdunkelte in der Dämmerung ein großer Schatten die helle Kiesfläche. Ein Dorfbewohner hatte ein Boot organisiert, zog es über den Kies und ruderte mit hastigen Bewegungen ein Stück auf die riesige Wasserfläche hinaus, um Treibgut abzufangen. Die Szene glich einem Ausschnitt aus einem Film, in dem Piraten in einer Sturmnacht Beutestücke aus einem gestrandeten Schiff rauben. Der Wachhund meines Gastgebers, lief entlang der Wasserkante hin und her, plantschte im Wasser und spielte mit einem schon benebelt wirkenden Maulwurf, der seine geflutete Unterwelt verlassen hatte und verzweifelt versuchte, sein Leben zu retten.
 

In einem Telefonat hatte man erfahren, dass es in den etwa 80 km entfernten Karpaten den ganzen Tag über geregnet hatte, in der Nähe des von Huzulen bewohnten Dorfes Putyla ein etwa 300 Meter langes Stück der Bergstraße weggebrochen war und auf dieser Strecke keine Verkehrsverbindung mehr bestand. Es stellte sich die große Frage, wie weit die mit einigen Stunden Verzug aus den Bergen erwarteten Wassermassen den stündlich um 30 cm steigenden Pegel des Pruth noch weiter anheben würden und was dann passieren würde. Wir machten uns zur Evakuierung bereit. Auch die anwesende Miliz riet direkt betroffenen Einwohnern zum Verlassen Ihrer Häuser. Ich packte kurz entschlossen meinen Koffer. 

Es war ein seltsames Gefühl, anzusehen, wie die Hausbewohner das Notwendigste packten, ihre Sachen sicherten, bestimmte Gegenstände auf die Couch oder Schränke deponierten und sich zur Räumung vorbereiteten. Die alte Mutter meines Gastgebers saß - mit ihrer Rechten einen großen Hirtenstock umklammernd - auf den Stufen ihres Hauses und starrte mit steinernem Gesichtsausdruck stoisch in den Regen. Der Himmel war grau in grau und seine  Schleusen waren weit geöffnet. Der Hausherr parkte seinen Bully mit laufendem Motor schon vor der Wohnungstür. Dann brachte er seine Frau, seine Tochter mit Baby, seine Mutter und mich nur mühsam über die schon teilweise unter Wasser stehende Dorfstraße in den höher gelegenen Czernowitzer Vorort Sadagora, wo wir bei einer seiner Schwägerinnen provisorisch untergebracht wurden. Er selbst begab sich zurück zu seinem Haus um dort mit seinem Schwager und seinem Schwiegersohn Sandsack-Barrieren aufzubauen und die Stellung zu halten. Wir “Evakuierten” saßen wie in einem Luftschutzkeller zu Kriegszeiten mit Familienmitgliedern und Verwandten im Wohnzimmer beisammen und teilten uns die vorhandene provisorische Verpflegung. Zwei Kannen mit heißem Tee gingen rund um und verbesserten die angespannte Stimmung, bevor uns unsere Schlafstellen zugewiesen wurden und wir uns zur Ruhe legten. 

Ich hatte ein Schlafzimmer im ersten Stock erhalten. Mein Schlaf war nicht sehr tief. Entferntes Grollen und das vom Wetterleuchten erhellte leicht angelehnte Schlafzimmerfenster mit der wehenden Gardine bewogen mich zum Aufstehen. Ich trat an das Fester und öffnete es weit. In dieser Nacht rauschte der Regen wie eine graue Wand ohne Ende in dicken Schnüren vom Himmel herunter. Die Straßenlaternen verbreiteten eine düstere Beleuchtung. In der Ferne rollte der dumpfe Donner und ließ mich unvermutet an den Geschützdonner einer näher rückenden Angriffsfront denken. Blitze zuckten kreuz und quer über den Himmel. Aus dem Dunkel des schemenhaften Hintergrundes ragten die Berge der näheren Umgebung, an denen beständig Wolkenmassen aufstiegen, drohend empor. Das Firmament war in fahles weiches Licht getaucht. Die Situation vermittelte mir das Gefühl, mich auf einem fremden, feindlichen, größtenteils aus Wasserdampf bestehenden Planeten zu befinden, der durch dauernde elektrische Entladungen alles in seinem Bann hielt. Solche Fluten hatte es in Czernowitz seit 40 Jahren nicht mehr gegeben! Meine Gedanken kreisten um das von uns verlassene Dorf. Was mochte sich dort jetzt abspielen? 

Am nächsten Morgen erfuhren wir, dass die vordringenden Wassermassen nur wenige Meter vor dem Hausportal unseres Gastgebers zum Stillstand gekommen waren und
der Pegel nicht weiter angestiegen war. Der Wasserstand ging quälend langsam zurück. Dennoch noch gab es keine Entwarnung, so dass wir noch eine weitere Nacht “im Exil” verbringen mussten. 

An diesem zweiten Abend war es im Haus plötzlich still geworden und ich begab mich auf die Suche nach den Bewohnern. Beim Verlassen der Wohnung musste ich zunächst an dem den Eingang bewachenden laut kläffenden Hofhund vorbei, was mir Gott sei Dank ohne Blessuren gelang. Und dann hörte ich Stimmengemurmel aus dem Nachbargarten. Als ich auf den Garten zuging eröffnete sich mir eine phantastische Szenerie. Dort saßen die Gesuchten zusammen mit Nachbarn  beim Schein trüber Funzeln beisammen und waren mit irgendetwas emsig beschäftigt. Beim Nähertreten sah ich es: sie wuschen und säuberten Berge von mit Flußschlamm überzogener Handelsware, die vom Kaleniws’kyj - Großmarkt stammte. Zwei Schwägerinnen meines Gastgebers sind Geschäftsfrauen, die am Großmarkt mit Textilien und Elektronikteilen handeln und ihre Ware - ebenso wie viele andere Händler - dort in Containern  lagern. Die Fluten hatten nicht nur Teile der Stadt, vor allem um den tiefer gelegenen Bahnhof herum, sondern auch den gesamten, in einer Senke liegenden Markt und die dort stehenden als Lager- und Verkaufsräume dienenden Container unter Wasser gesetzt und mit feinem Schlamm des Pruth wie mit einer Panade überzogen. Entsprechend sah ein Großteil der Warenbestände aus. Teile dieser Bestände  waren nun in den Garten gebracht worden und wurden “bearbeitet”. Jetzt ging es darum, zu retten was noch zu retten war, Hosen, Elektronikteile oder Sonstiges. Jedes Teil wurde mit Wasser abgespült, einschließlich eventueller Folienverpackung   sorgfältig auf weitere Verwendbarkeit geprüft und anschließend wurden die Textilien an langen Wäscheleinen, die den Garten kreuz und quer durchzogen, zum Trocknen aufgehängt. So viel Jeans und Wäsche habe ich noch nie in meinem Leben  an Wäscheleinen gesehen! Die ganze Arbeit war recht mühevoll und schmutzig und glich einer einzigen Schlammschlacht. Der Regen war zwar vorbei, doch an seiner Stelle flossen jetzt viele Tränen der Verzweiflung - und das bestimmt nicht nur in jenem Garten.
 

Viele Geschäftsleute des Kaleniws’kyj - Marktes hatten in der Vergangenheit zur Ausweitung ihrer Geschäfte und zur Finanzierung ihrer Wareneinkäufe hohe Bankkredite aufgenommen. Ein guter Teil der Waren war aufgrund der Überschwemmung unbrauchbar geworden. Das bedeutete hohe Verluste, die bei vielen in die 10.000 - de US-Dollar gingen. Dass der Pruth über die Ufer steigen würde war von den Behörden aufgrund der Regenfälle vorhergesehen worden und sie hatten am Freitag mittags entsprechende Warnungen an die Bevölkerung und die Geschäftsleute des Großmarktes herausgegeben. Daraufhin hatten die meisten Containerbesitzer ihre Waren in den Containern höher gelagert. Dass die gesamten Container vom Wasser bedeckt werden würden hatten die Händler nicht vorausgesehen, denn die letzte große Flut diesen Ausmaßes lag 40 Jahre zurück. Doch dieses Mal trat der Super-Gau ein: “Rien ne va plus” - nichts ging mehr!
 

Welche Schäden in der Innenstadt entstanden waren konnten wir nur vermuten. Generell kann man sagen, dass die Stadt Czernowitz und die vom Hochwasser betroffenen Regionen stark in Mitleidenschaft gezogen worden sind und die Öffentliche Hand sowie insbesondere die Kaufleute des Großmarktes wahrscheinlich in noch höhere Verschuldung getrieben wurden.  Es bleibt die Hoffnung, dass alle Betroffenen - Stadt, Investoren und Kaufleute des Kaleniws’kyj - Marktes, daraus Schlüsse für die Zukunft ziehen damit sich ein derartiges Spektakel nicht so schnell wiederholt.Seine Macht hat der Pruth allemal behauptet!  

- Emilian Fedorowytsch - im April 2011 –    
   Aktualisiert im Oktober 2011

    
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“NUR  ZWAA  LEERE  HÄND . . .”

ÜBER DIE BESIEDLUNG DER DEUTSCHBÖHMEN IN DER BUKOWINA

 von Claus Stephani (Baldham/Munich, Germany)

 *Printed in Neuer Weg (Bucharest), Vol. 31, No. 9469, Oct. 30, 1979, p. 6.

 

Nach der Besitzergreifung des Buchenlandes durch Österreich (1775) kamen zuerst vorwiegend deutsche Beamte ins Land, die sich in den Städten  Rădăuţi (Radautz), Siret (Sereth am Sereth), Suceava (Sutschawa) ansiedelten und verschiedende Ämter in der Verwaltung und im öffentlichen Leben bekleideten; diese Zuwanderer waren meist Österreicher, Deutschböhmen und Deutsche aus Galizien. Ihnen folgten in den achtziger und neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts grössere Ansiedlergruppen--Zipser Sachsen, Deutschböhmen, Schwaben, die eine Reihe von Ortschaften gründeten, so z. B. Fundu Fieru bei Jacobeni (Eisenthal am Eisenbach), 1784, Cirlibaba Vechi (Mariensee), 1797, Cirlibaba Nouă (Ludwigsdorf), 1797/98 u.a.

Als man im südlichen Buchenland die ersten Glashütten zu errichten begann, importierten die Moldau und die Walachei Glaswaren hauptsächlich aus Böhmen, Schlesien und Norditalien; so hoffte man, hier bedeutende Absatzmärkte erschliessen zu können. Schon 1782 wurden Glasarbeiter aus der Gegend von Göttingen, die Johann Kamm, ein aus Waldheim in Böhmen stammender Glasmacher, zur Ansiedlung in Galizien angeworben hatte, in die Gegend von Crasna (Krassna) gebracht; doch vergingen noch zehn Jahre bis die Siedlung Glăjăria Veche (Althütte) errichten werden konnte: Es kamen nun – “gegen mündliche Zusage von Lohn und Unterkunft” – grössere Gruppen von deutschböhmischen Facharbeitern nach Althütte. Als dann nach einigen Jahren weite Waldstrecken abgeholtz waren und die Holzzufuhr beschwerlich wurde, errichtete man in Tschudiner Wäldchen die Glăjăria Nouă (Neuhütte), wo wieder deutschböhmische Glasarbeiter angesiedelt wurden, nachdem die Althütter sich inzwischen auch mit Landwirtschaft zu beschäftigen gegannen. Die dritte Glashütte entstand – ebenfalls mit Hilfe von deutschböhmischen Einwanderern – 1797 in der Nähe des Klosters Putna. Die meisten Arbeiter kamen aus der alten galizischen Glashütte Lubatschow, die kurz vorher aufgelassen worden war. Die Siedlung Glăjăria Putna (Putnerhütte; Hütte Putnathal) bestand dreissig Jahre lang. Eine vierte Glashütte war1803 im Gemeindebereich der berühmten Töpfersiedlulng Marginea (Mardschina) auch durch deutschböhmische Glasmacher gegründet worden: sie erhielt den Namen Voivodeasa (Fürstenthal).

Bedeutend war die Zahl der deutschböhmischen Einwanderer jedoch erst in den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts – in zeitgenössischen Dokumenten wird ein “Siedlerstrom” vermerkt --, als über zwanzig verschiedene “Ansiedlungswerber im Böhmerwald unterwegs sind.” So meldeten sich am 16. Juni 1835 beim k.u.k. -Wirtschaftsamt Solka 73 Familien zur Ansiedlung auf Staatsgründen, wovon 54 aus dem Prachiner Kreis – aus Langendorf, Seewiesen, Sattelberg, Rehberg, Unterreichenstein u.a. – und die übrigen aus verschiedenen Gemeinden, so auch aus Bayern, stammten.

Die deutschböhmischen Ansiedler die sich im Juni 1835 in Solka gemeldet hatten, waren zum Grossteil Handwerker und Bauern; es gab unter ihnen fünf Holzhauer, vier Weber, zwei Fleischhauer, zwei Maurer und je einen Zimmermann, Fassbinder, Schmied, Tischler, Schumacher, Bäker, Schmelzer, Wagner und Schneider.

Die Abgeordneten der Ansiedler hiessen Christoph Reichhardt, Georg Hellinger und Johannes Schaffhauser; sie handelten mit den Lokalbehörden in Solka die Bedingungen aus, unter denen ihre Landsleute 1835 am Humorabach “untergebracht” wurden und die Siedlung Boureni (Bori) – heute ein Stadtteil von Gura Humorului – gründen durften. Dieses war die erste deutschböhmische Bauernkolonie im Buchenland.

Bald nach der Gründung der deutschböhmischen Siedlung Dealu Ederul (Lichtenberg), 1835, ersuchte die Bukowiner k.u.k.-Bezirksverwaltung das Prachiner Kreisamt (Böhmen), vorläufig keine Ansiedler mehr ins Buchenland zu schicken, da man sie wegen des nahenden Winters nicht unterbringen könne. Doch schon am 28. Dezember 1838 meldete sich wieder eine grössere Anzahl von Deutschböhmen.

Im März 1837 erklärte die Bukowiner Bezirksverwaltung, dass mehrere hundert Familien “in den öde liegenden Waldabschnitten bei Stulpikany und im oberen Humoratale untergebracht werden“ könnten. Gleichzeitig sollten hier auch deutschsprachige slowakische Waldarbeiter aus der Unterzips (Gründlerland) angesiedelt werden. Im September desselben Jahres meldeten sich dann noch einundsechzig “Ansiedlungswerber,” die sich in dem schon bestehenden Walddorf Boureni (Bori) niederliessen.

Die wirtschaftliche Lage der Deutschböhmen war in vieler Hinsicht, wie schon erwähnt, schwieriger als die der Zipser – die am Rande der Ostkarpaten als Holzfäller, Flösser und Bergarbeiter angesiedelt worden waren – und der sogenannten Schwaben, denen man meist guten Ackerboden in der Nähe von Rădăuţi (Radautz) und Suceava (Sutschawa) zugeteilt hatte. So vermerkt Raimund Friedrich Kaindl in einer Schrift über die deutschböhmischen Ansiedler (“Deutsche Arbeit in der Bukowina,” 1902), dass “ihr Los in mancher Hinsicht ein härteres war, als jenes der im 18. Jahrhundert angesiedelten Ackerbauern. Abgesehen davon, dass auch sie erst nach jahrelangem Herumirren und Darben ihre Ansiedlung erreichten, ist ihnen bei weitem nicht jene weitgehende Unterstützung zuteil geworden. Sie erhielten weder Reisegelder noch andere Geldunterstützungen; für die Anschaffung von Wirtschaftsgeräten, Vieh und dergleichen mussten sie selbst Sorge tragen. Für den Hausbau erhielten sie nur das rohe Material unentgeltlich . . .”

Die Deutschöhmen waren jedoch nicht nur Bauern – und darauf soll anschliessend noch einmal hingewiesen werden --, sie waren berühmte Glasmacher, und ihre kunstvollen Erzeugnisse wurden im ganzen Buchenland und auch in der Moldau verkauft. Zu erwöhnen wäre auch der Beitrag deutschböhmischer Holzschläger, Hüttenmaurer und anderer Handwerker, die besonders in der Gegend von Voivodeasa (Fürstenthal) und Marginea (Mardschina) sich als fleissige und begabte Arbeiter bewärt haben. So vermerkte der Zipser Erzähler Johann Schneider-Freudenthal (gest. 1977) in seinen Aufzeichnungen: “Die Pehmer san anders bei mir, beil sie kinnen orpaitn aach dann, bann sie nix hobn zu essn und trinkn, nur zwaa leere Händ . . .”

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