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"Das Gebiet der
Bukowina
(ukr. Bukovyna) liegt am östlichen Karpatenbogen, der in Galizien
nach Süden schwenkt. Konkret befindet es sich im Nordosten Rumäniens,
südlich von Galizien ---- Die Karpaten
verlaufen im rumänischen Bereich nach Süden, um sich dann inmitten Rumäniens
noch einmal in Richtung Westen zu wenden.
Die Bezeichnung Bukowina bedeutet Buchenland,
buk ist eine alte
ostslawische Entlehnung des Namens für die germanische Buche. Die Endung -vina,-vyna
hat im Ukrainischen wie auch in anderen slawischen
Sprachen eine kollektive Mehrzahlfunktion." (2)
S. 114 -
Bereits seit Zeiten
Fürst Oleh's (882-912), der alle auf
ukrainischem Boden angesiedelten und weitere slawische Stämme des Nordens
vereinte, ist bekannt, dass das Gebiet der späteren Bukowina dem Gefüge des
Reiches der Kyjiwer Rus'
angehörte.
"Vom Feldzug Fürst Ihor's (912-945) gegen Byzanz 941
(Friedensvertrag 944) berichtet der
Chronist, dass daran auch die Bewohner des Bukowiner Gebietes, die Tewerzen
teilnahmen." (16) S. 95 - Zu Zeiten
Fürst Volodymyr's I., des Großen (980-1015),
der die ukrainischen Gebiete 988 von Kyjiw aus christianisierte, erstreckte
sich die Kyjiwer Rus' von den Karpaten bis zur Wolga und vom Finnischen
Meerbusen bis zum Schwarzen Meer und zum Kaukasus.
Anfang des 12. Jahrhunderts zerfällt dieses, inzwischen aufgrund seiner
Größe schwer zu beherrschende Reich, infolge von vorhergehenden Teilungs-
und Nachfolgeauseinandersetzungen und
der ständigen, immer heftigeren Tatarenangriffe in mehrere eigenständige
Fürstentümer. 1169 zerstört der Suzdaler Fürst Andrij Boholjubskyj die Stadt
Kyjiw. Das Schwergewicht des ukrainischen Staatswesens verlagert sich in die
ruhigere Westukraine. "Die dort entstehenden Fürstentümer vereinigen sich im
Jahre 1199 und bilden Mitte des 13. Jahrhunderts das machtvolle
Fürstentum Halytsch-Wolhynien, dem aus staatsrechtlicher Sicht auch
das
Bukowiner Territorium
angehört." (16) S. 103 - Bereits vor der Vereinigung
gewinnt die Stadt Halyč immer mehr Bedeutung aufgrund ihrer günstigen
Lage an der Kreuzung der Handelsstraßen, die vom Baltischen Meer zum
Schwarzen Meer und von Kyjiw über Krakau, Prag und Regensburg nach
Westeuropa führen. Beide Wege berühren bzw. kreuzen das Territorium der
späteren Bukowina.
1241 gerät der gesamte Osten Europas und demgemäß auch das
Fürstentum Halytsch-Wolhynien für fast 100 Jahre unter die Oberhoheit der
Tataren. Die Bukowina verliert unter immer stärker werdendem Druck
der Tataren allmählich ihre Verbindungen zum Fürstentum und wandelt sich in
ein Gebiet mit vielen kleinen Gemeinden. Ein Teil davon, der auch die
Nordbukowina umfasst, schließt sich zu einem größeren, politisch
selbständigen Gebilde unter dem Namen „Schypyns´ka Zemlja“
zusammen.
"Die ersten Spuren der rumänischen Ethnie östlich der Karpaten machen sich in
der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts bemerkbar, als die Gebiete zwischen
dem Dnister und den Karpaten noch zum Fürstentum Halytsch gehörten." (16)
S. 141 - Ab Mitte des 13.
Jahrhunderts ziehen - trotz Verbotserlasses des
ungarischen
Königs Bela IV.
(1235-1270)-
immer mehr Rumänen aus Siebenbürgen in die Südbukowina, wo sie in der Nähe
der Flüsse siedeln. "Der
ungarische König Ludwig der Große (1342-1382), der
häufige Kriege mit den Tataren führt, fördert diese Ansiedlungen.
Nachdem es ihm 1342 gelingt, die Tataren zu schlagen
und aus dem
von Ungarn beherrschten Gebiet zurückzudrängen, wobei er sich vorübergehend
die Bukowina einverleibt, bestimmt er den Führer der mit ihm verbündeten
rumänischen Kämpfer aus dem Maramuresch-Gebiet, Fürst Dragosch, zum
Administrator über die neu eroberten Grenzgebiete im Bereich Bukowina und
Moldawien." (16) S. 142 - Die Besetzung läuft nicht ohne Widerstand der örtlichen
Bevölkerung ab.
Zur gleichen Zeit
(1340) endet die Fürstenperiode, in deren Verlauf das
ukrainische
Staatswesen fast 500
Jahre selbständig war. Hauptgrund für die
Auflösung des
Halytsch-Wolhynischen
Fürstentums war die Abhängigkeit von den Tataren sowie das Tauziehen
zwischen Ungarn und Polen um die Herrschaft über ukrainische
Gebiete. Das westukrainische Fürstentum verliert seine Souveränität
an Polen (1340) und geht in den Folgejahren in das Gefüge des mächtigen
litauisch-polnischen Herrschaftsbereiches ein (Union zwischen Polen und
Litauen 14.08.1385)."Die Schypyns´ka Zemlja anerkennt 1349 die
Oberhoheit des polnischen Königs Kazymyr des Großen (1333-1370)."
(16) sh. 143
"Bohdan I. (1359-1365), unter ungarischer Hoheit stehender
Wojewode des Maramuresch, rebelliert gegen den ungarischen König,
überschreitet mit seinem Militär die Karpaten, verjagt die ungarischen
Staatsbediensteten aus der Bukowina und
gründet 1359 ein neues
Fürstentum,
das er nach dem örtlichen Fluss Moldava
"Moldawien"
benennt." (16) S. 143
"In der rumänischen
Geschichte wird der Beginn des Moldawischen Fürstentums, das in der Bukowina
seinen Anfang nahm, als rein rumänische Gründung der nordsiebenbürgischen
Rumänen dargestellt. Sie wird mit einer romantischen Jagdlegende des
Gründers Dragosch-Voda verbunden, von dem eine etwa 150 Jahre herrschende
Wojewodendynastie ausging." (2) S.
114
Das neue Fürstenturm etabliert sich an den Flüssen Seret, Sučava und
Moldava. Nach Norden grenzt es an die Schypyns´ka Zemlja. "Um diese Schypyns´ka
Zemlja gehen bis Ende des 15. Jh. die Bemühungen zwischen
Polen und Moldawien, dessen Oberhoheit
über diese Teile der Bukowina von Polen bis dahin noch nicht endgültig
anerkannt worden war." (16) S. 110 u. S. 154 - "Gegen Ende des
14. Jh. nimmt Moldawien den nordöstlichen Teil dieses Gebietes - bis zum Dnister - und ab 1499 den südwestlichen Teil am
Čeremos in endgültigen
Besitz." (16) sh. S. 143 u. 154 - Da die Bedrohung
für Moldawien von drei Seiten kam (Türkei, Ungarn, Polen), entscheidet sich
Moldawien für den Schutz durch Polen und leistet 1387 den Treueeid. Die ca
100 Jahre währende Abhängigkeit war mehr formal-moralischer Natur und wurde
beiderseits nicht immer eingehalten.
Das 15. Jahrhundert war die machtvollste und berühmteste Periode
Moldawiens. Eine derartige Größe verdankte das moldawische
Fürstentum zwei hervorragenden Wojewoden: Alexander dem Guten und Stefan dem
Großen.
Alexander der Gute (1401-1433) bemüht sich, sein Land auf
friedlichem Wege zu konsolidieren. "1408 schließt er eine Vereinbarung mit Lemberger Kaufleuten, aufgrund der er ihnen bedeutende Privilegien beim
Warentransport durch moldawische Städte gewährt. Die diesbezügliche Urkunde
ist deswegen wichtig, weil in ihr sechs Mal die Stadt
Černivci erwähnt wird.
Die Urkunde ist in der damaligen ukrainischen Sprache verfasst." (16) S. 148
- Die größte
Aufmerksamkeit widmet Alexander der Gute kirchlichen Angelegenheiten.
Um die moldawische Kirche von der Halytscher Metropolie unabhängig
zu machen schafft er 1401 die selbständige Metropolie Sučava,
begründet bzw. erneuert das Bistum Radautz und begründet ein neues
Bistum in Roman. Zur Hebung des religiösen Prestiges lässt er den Leib des
Heiligen Ivan Nowi, der Patron des ganzen Landes wurde, nach Sučava
überführen. Seit seiner Zeit datieren auch die ersten Schulen in Radautz und
Sučava.
Stefan der Große (1457-1504)
ordnet im Verlauf seiner
48-jährigen Regentschaft die Angelegenheiten seiner Vorgänger, führt das
Land zur kulturellen Blüte, erweitert die Grenzen
Moldawiens,
führt die Unabhängigkeit von Polen herbei und nutzt nach
dem Tode des ungarischen Königs Missverständnisse in der Innenpolitik
Ungarns, um auch von Ungarn unabhängig zu werden. Er war in
langwierige Kriege mit den Ungarn, Türken, Tataren, Polen und Walachen
verwickelt, in denen er aus nahezu allen als Sieger hervor ging.
Als 1497 der polnische
König Jan Olbracht Moldawien überfällt,
in der Bukowina wütet und die .Stadt Sučava einen Monat lang erfolglos
belagert, gerät er beim Rückzug in einen Hinterhalt Stefans und wird
vernichtend geschlagen. Zur Vergeltung überfällt Stefan 1498 Podolien (ukr.
Podillja) und Ost-Halytsch, unterwirft das Halytscher Vorkarpatenland
Pokutien (ukr. Pokuttja) und nimmt viele Gefangene (Männer, Frauen, Kinder),
die er in Moldawien ansiedelt. "Er erwies sich als Freund der ukrainischen
Bevölkerung, schützte ihre Ansiedlungen in Moldawien und war ein bedeutender
Bewahrer ihrer Kultur." (16) S 155 - 1463 heiratet Stefan
die
Kiewer Fürstin Jewdokia, mit der er vier Jahre zusammen lebt.
"Auf der Grabsteinplatte
seiner Mutter, in der Klosterkirche in Putna, wo er ebenfalls begraben ist,
steht eingemeißelt ein altukrainischer Text: „Hier ruht die Mutter des
Wojewoden Stefan, Fürstentochter von Kicman“. Kicman liegt unweit der
bukowinisch-galizischen Grenze, nahe der Ortschaft Schypynci, das etwa im
12.- 13. Jh. als Schypynivs´ka Zeml´a eine eigenständige administrative
Einheit darstellte. Die Spuren der
alten ukrainisch-moldawischen, d. h. ukrainisch-rumänischen engen
Beziehungen sind nicht nur in zahlreichen handschriftlichen altukrainischen religiösen
Werken, wie Evangelarien, Apostelschriften und Urkunden nachweisbar, die in
den bukowinischen Klöstern von rumänischen und ukrainischen Forschern seit
dem ausgehenden 19. Jahrhundert entdeckt und bearbeitet worden sind. Die
alten engen ukrainisch-rumänischen Beziehungen gehen vor allem auf den
gemeinsamen orthodoxen Glauben zurück. Die rumänische Kirche des Fürstentums
Moldowa war bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts der Metropolie von Halytsch
unterstellt. Aber auch nach der Gründung einer eigenen orthodoxen Metropolie
im Fürstentum Moldowa, etwa 1400, haben zwischen den bukowinischen Klöstern
und galizischen orthodoxen Zentren gute Beziehungen bestanden. Dies rührte
auch von engen familiären Verbindungen zwischen ukrainischen und
moldawischen Bojarenfamilien her, die bis etwa ins 17. Jahrhundert
fortbestanden haben." (2) S. 115 u. 116 -
Am 17.01.1510 gelobt Fürst Bohdan III. (1504-1517) nach verlorener
Schlacht dem polnischen König die Treue und verzichtet auf das Pokuttja-Gebiet.
Um sich gegen neue Ansprüche Ungarns bezüglich Moldawiens abzusichern,
wendet er sich an die Türkei um Hilfe und anerkennt Sultan Selim als seinen
Herrn. Von 1514 an - im Verlauf von 260 Jahren - unterstand
die Bukowina als Bestandteil
Moldawiens der Oberhoheit
der Türkei.
Diese äußerte sich darin, dass Moldawien den Türken immer höhere Tribute
zahlte, die Wahl der moldawischen Wojewoden gegen entsprechende Bezahlung
bestätigt werden musste, Moldawien der Türkei bei deren Kriegszügen in an
Moldawien grenzenden Gebieten beizustehen hatte und die Türken berechtigt
waren, Militärgarnisonen auf dem gesamten Territorium Moldawiens zu
stationieren. Von den vielen Wojewoden, die nach Bohdan III. herrschten,
sind erwähnenswert Petru Rares (1527-1538 und 1541-1546), der mehrere Kämpfe
gegen Polen führte, Alexander Lopusneanul (1552-1561 und 1564-1568), der
freundschaftliche Beziehungen zu westukrainischen Gebieten anknüpfte (zu
seiner Zeit wurde 1564 der Regierungssitz Moldawiens von Sučava nach Jassy
verlegt und der Einfluss, den die ukrainische Sprache und Kultur bei Hofe,
in der Kirche, in den Schulen und allen Publikationen hatte, wurde in immer
stärkerem Maße durch die rumänische Sprache ersetzt) und "Vasile Lupul (1634-1653), zu dessen Regierungszeit die
rumänische Sprache die ukrainische Sprache offiziell abgelöst hatte."
(16) S 161 -
"In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts begann ein neuer politischer
und militärischer Akteur auf die geschichtliche Entwicklung Moldawiens einzuwirken, das ukrainische Kosakentum. Gegründet im 15. Jahrhundert, an der unteren Donau, von
Bewohnern, die Freiheit liebten und den Druck der polnischen Herren nicht
ertragen wollten, wandelte sich das Kosakentum
Mitte des 16. Jahrhunderts in
eine organisierte Formation, die bei der Befriedung dieses Teils Europas
aktiv mitwirkte. Nachdem die Kosaken anfangs das Hauptaugenmerk auf den
Kampf mit den Tataren und Türken richteten und deshalb - nicht nur einmal -
Moldawien, den Vasallenstaat der Türkei, überfielen, bemühten sie sich
später darum, ukrainische Gebiete von der polnischen Herrschaft zu befreien
und ein unabhängiges Fürstentum zu gründen.
Bei ihren Feldzügen
gegen Polen und ihren Bestrebungen, eine neue Allianz zu bilden, die sich
Polen wie auch der Türkei entgegenstellen konnte, knüpften sie auch
Verbindungen zu moldawischen Wojewoden an----- " (16) S. 161 -
"Zu Zeiten der türkischen Oberhoheit verfiel das moldawische
Fürstentum immer mehr, die Wojewoden
verloren die Autorität, es entbrannten Kämpfe zwischen den verschiedenen
Prätendenten im Kampf um die moldawische Herrschaft, Handel und
Landwirtschaft verfielen. Fremde kamen nicht mehr nach Moldawien, das Volk
verarmte. Es begannen soziale Unruhen, denn die Bojaren und Klosteroberen
übten ständige Repressalien auf die Leibeigenen aus. Dazu kamen Überfälle
benachbarter Länder, die die Städte und Dörfer ausplünderten und
brandschatzten, als Rache für die Kriege, die die Türkei mit Moldawien an
seiner Seite führte. Am Ende der türkischen Herrschaft verarmten auch die
Ansiedlungen in der Bukowina, viele Bewohner verließen das einst verlockende
Land, Moldawien wandelte sich in ein dünn besiedeltes Gebiet." (16) S.
158
In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts machte sich die schwindende
Stärke des osmanischen Imperiums bemerkbar.
In ähnlicher Lage befand sich auch Polen, das nach Übernahme fremder Territorien in allmählicher Selbstauflösung begriffen war.
Auf Rechnung
dieser zwei schwachen Regierungsformationen wuchsen zwei neue Großmächte
heran - Russland und Österreich. Russland bemühte sich, dieses Mal mit der
Vorgabe, ˝Beschützer des orthodoxen Glaubens und des Christentums˝ zu sein,
der Türkei einen vernichtenden Schlag zu versetzten und in Polen Unruhen zu
schüren und deren Besitztümer zu rauben. Sh. (16)S. 204 -
Im Herbst 1768 begann
Zarin Katharina II. (1762-1796) einen neuen
Krieg mit der Türkei. Ihr Ziel waren die Donaufürstentümer
Moldawien und die Walachei. Das russische Militär eroberte zunächst die von
den Türken gehaltene Festung Chotyn und besetzte ohne großen Widerstand ganz
Moldawien und die Walachei. Im Herbst 1769 rief Russland seine Oberhoheit
über diese Länder aus.
Von 1769
an hielt sich russisches Militär in der Bukowina auf und unterhielt die
Kommandantur in der Stadt
Černivci. Der schnelle Sieg der Russen über die Türkei
und die Vorbereitungen zum Vorrücken auf den Balkan beunruhigten Österreich
und daher nahm es im Jahre 1771 den Vorschlag der Türkei willig auf,
zwischen den kämpfenden Parteien zu vermitteln. Grund für die Einmischung
Österreichs in die Angelegenheiten Moldawiens wie auch der Walachei war,
dass diese Länder noch vor der türkischen Oberhoheit über sie, von den
ungarischen Königen abhängig gewesen sind.
Maria Theresia (1740-1780), als Königin Ungarns, protestierte daher
gegen die russische Besetzung dieser Gebiete. Im
Juli 1774 fand
zwischen den kämpfenden Parteien die Friedensabsprache
von Kücüc Kainarci statt, in der die Türkei die Unabhängigkeit der
Krimtataren anerkannte und sich von ihren Besitztümern am Nordufer des
Schwarzen Meeres lossagte und Russland im Gegenzug sein Militär aus
Moldawien und der Walachei zurückzog.
Joseph II. (1780-1790), der Sohn Maria Theresias, erkannte zu jener
Zeit die großen strategischen und politischen Möglichkeiten,
die
eine Einnahme der Bukowina für Österreich bieten würde und setzte durch
Verhandlungen mit der Türkei und vorherige Schaffung vollendeter Tatsachen
eine Übernahme der Bukowina durch Österreich durch.
Der österreichische
Botschafter in Konstantinopel, Freiherr von Thugut, bekräftigte seine
Forderungen auf die Bukowina vor dem Hintergrund, dass diese früher, zu
Zeiten des Halytsch-Wolhynischen Fürstentums rechtmäßiger Bestandteil des
Fürstentums war. "Mit diesem Akt anerkannte die österreichische Seite die
Zugehörigkeit der Bukowina zum Halytsch-Wolhynischen Fürstentum und zwar zur
so genannten Fürstenzeit wie auch zu Beginn der moldawischen Periode."
(16) S. 207
Bereits im März 1775 willigte die Türkei ein, Österreich denjenigen
Teil des nördlichen Moldawiens abzutreten,
den Österreich für die
militärisch-strategische Verbindung Galiziens und Siebenbürgens benötigte.
Am 7. Mai 1775 wurde diese Absprache in Konstantinopel in einem
gesonderten Vertrag zwischen dem Freiherrn von Thugut und dem Großwesir Izet
Mehmet Pascha bekräftigt. Die Absprachen endeten am
2. Juli 1776 mit der
Unterzeichnung der Abgrenzungsurkunde von Balamutka, in der alle Grenzen des
Österreich zugefallenen Gebietes abgesteckt und anerkannt wurden und in der
Österreich dem Territorium die bereits im 14. Jahrhundert zu findende
Bezeichnung "Bukowina" gibt.
Die
vorab gemachten Ausführungen stützen sich auf Inhalte des 1956 in
ukrainischer Sprache erschienenen Werkes "Bukovyna“
dessen Verfasser, Dr. Denys Kwitkowskyj, Prof.
Théophil Bryndzan und
Arkadij Zukowskyj dem Bukowiner Kulturkreis entstammen und dieses Land 1940
verlassen haben.
Die kursiv hervorgehobenen
Teile der vorösterreichischen Periode entstammen einer kulturhistorischen
Darstellung « DIE BUKOWINA EINST UND HEUTE », deren in Deutschland lebende
aus der Südbukowina stammende Verfasserin Dr. Anja-Halja Horbatsch (emeritierte
Slavistin der Universität Frankfurt/Main, namhafte
Übersetzerin ukrainischer Literatur und Verlegerin) uns diese Zeilen
freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
zum Inhaltsverzeichnis
zum Inhaltsverzeichnis
Eräuterungsteil
(zur österreichischen Zeit in der Bukowina)
Kyjiwer Rus'
Mit dem Erscheinen normannischer Waräger begann im Umfeld der zu
damaliger Zeit bereits existierenden Stadt Kyjiw und deren Einflussbereich - es
herrschten dort bereits Regionalfürsten mit ihren Gefolgsleuten - ein
organisiertes Staatsleben, das den Zeitraum von Mitte des 9. Jh. bis zur
Mitte des 14. Jh. umfasst und als "Fürstenperiode" bezeichnet wird. Die
Skandinavier spielten dabei eine nicht unwesentliche Rolle, zumal sie
anfangs die Herrscher stellten. Der erste historisch belegte Fürst dieser
Periode war Askold (856-862), der mit seinen Gefolgsleuten Kyjiw von den
Chasaren befreite und später den Anstoß zur Aufnahme von Handels-und
Kulturbeziehungen zu Byzanz gab. Auch mit westeuropäischen Gebieten und
Zentralasien bestanden Handelsbeziehungen. Allmählich assimilierten sich die
Waräger mit den Bewohnern des Landes und die Zahl der slawischen
Gefolgsleute in der Regierung stieg an. "Zu Zeiten Fürst Jaroslavs des Weisen
(1019-1054) überwogen im Staatsapparat regionale slawische Landesbewohner."
(16) S 100 - Die Zahl
der früheren normannischen Eroberer sank rapide und schwand schließlich..
"Der Kyjiwer Herrschaftsbereich führte zu Zeiten der Kyjiwer Fürstenperiode
die Bezeichnung "Rus'". Dazu zählte anfänglich nur das von Poljanen
besiedelte engere Kiewer Gebiet. Allmählich dehnte sich der Name auf den
gesamten von Kyjiw beherrschten Bereich aus. Nach der Bezeichnung "Rus'"
nannte man deren Bewohner Russenen oder Rus'ki, Benennungen, die sich zwecks
Definition ukrainischer Einwohner bis in die heutigen Zeiten, auch in der
Bukowina, erhalten haben." (16) S 102 - Die Regierungsmacht befand sich in den Händen des
Fürsten, der auch oberster Heerführer, höchster Regierungsrepräsentant und
oberster Richter war. Wie seinerzeit in ganz Europa hatte das Fürstentum
militärischen Charakter. Dem Fürsten zur Seite stand der Rat der
Bojaren, der sich aus älteren Gefolgsleuten, mit Regierungsgeschäften
betrauten verdienten Beamten und der Geistlichkeit zusammensetzte.
Wojewode
"An
der Spitze des moldawischen Staates stand der Wojewode, der sich auch
als Herr (Hospodar) der moldawischen Gebiete bezeichnete. Diese
ukrainische Bezeichnung rührt daher, dass der Wojewode zu jenen Zeiten
Eigentümer des gesamten Landes, insbesondere auch der nicht besiedelten
Gebiete war. In seinen Händen vereinigte er die gesetzgeberische,
richterliche und ausführende Gewalt. In Kriegszeiten führte er das
militärische Oberkommando. Im Laufe der Zeit änderte sich der
Machtumfang der Wojewoden; ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts
mischten sich die Bojaren in immer stärkerem Umfang in die Kompetenzen
der Wojewoden, wodurch deren frühere Machtfülle begrenzt wurde." (16) S.
174 -
zum Inhaltsverzeichnis
Bojaren
"Die Besitzer großer Ländereien und die höheren Regierungsbeamten
bildeten die Oberschicht der Bojaren. Der Wojewode bedachte diejenigen,
die sich im Kampf ausgezeichnet hatten oder höhere Beamte, die sich bei
Regierungsgeschäften positiv hervorgehoben hatten mit Grund und Boden.
Die Bojaren herrschten über ihren Grundbesitz mit Hilfe von Ansiedlern
(Kolonisten) oder Sklaven, die sich vorwiegend aus Kriegsgefangenen
rekrutierten........ " (16) S. 176 -
Sklaven
Sklaven in der Bukowina waren nur Zigeuner und Tataren. Sie waren
absolutes Eigentum der Herren und wurden als Hausangestellte oder
Handwerker eingesetzt. In Fällen von Totschlag waren die Herren ihre
Richter.
Leibeigene
Die größte Zahl an Bauern stellten die Leibeigenen. Sie waren an den
Grund und Boden gebunden und hatten keine Rechte, diesen aus eigenen
Stücken zu verlassen. Der Grundbesitzer verkaufte sie zusammen mit
seinen Untergebenen. Zu letzteren zählten auch freiwillige Siedler aus
Nachbarländern, denen anfangs bestimmte Freiheiten zugesichert wurden.
Anmerkung: Das 1782 für ganz Österreich erlassene Patent über die
Aufhebung der Leibeigenschaft betraf auch die Zigeuner der Bukowina. Sie
wurden besitzlose Bauern.
Bürgerschaft
Eine Bürgerschaft befand sich zu Zeiten der Moldawischen Periode der
Bukowina nur in drei Städten - Černivci, Seret, Sučava - wo sie sich mit
Handel und Gewerbe befasste. Anfang des 16. Jahrhunderts hatte Sučava
etwa 2000 Wohnhäuser und war das Handelszentrum des gesamten Landes Die
Aufwärtsentwicklung der drei Städte dauerte bis zur Mitte des 16.
Jahrhunderts und verfiel aufgrund der türkischen Oberhoheit und der
unklugen Politik der Wojewoden.
Die Geistlichkeit
Anfang des 15. Jahrhunderts gewann die herrschende orthodoxe Kirche in
der Bukowina ihre Selbständigkeit (Bis dahin war sie der Metropolie von
Halytsch unterstellt.) und hatte ihre eigene Organisation. Während die
höhere Geistlichkeit, wie Bischöfe und Klostervorsteher über große
Ländereien verfügte, an den Regierungsgeschäften teilnahm und den Bojaren
rechtlich gleichgestellt war, befand sich der niedere Stand der
Geistlichkeit in gleicher Situation wie die untergebenen Bauern. Da sie
keine reguläre Bezahlung bekamen, mussten sie bei den Herren Land pachten
und es bearbeiten. Nur von Zeit zu Zeit erhielten sie Geschenke von
Gläubigen. Ein ähnliches bzw. noch schwereres Schicksal trugen die Mönche,
von denen es eine ziemlich große Anzahl gab, denn in jener Zeit existierten
in der Bukowina 31 Klöster.
zum Inhaltsverzeichnis
Seit 1514 stand das
rumänische Fürstentum Moldau (Gründung 1359) und somit auch dessen nördlicher Landesteil, die Bukowina,
unter der Oberhoheit der Türkei
und war Konstantinopel gegenüber tributpflichtig.
Österreich – unter
Kaiser
Joseph II – das in den mehrfachen kriegerischen Auseinandersetzungen
zwischen der Türkei und der aufstrebenden Großmacht Russland,
auf wiederholten Wunsch der Türkei hin, Schlichtungsverhandlungen
zwischen den beiden Parteien übernahm, erkannte die großen strategischen und
politischen Möglichkeiten, die eine Einnahme der Bukowina für
Österreich bot und
setzte in
geschickten
Verhandlungen mit der Türkei
und durch vorherige Schaffung vollendeter Tatsachen bereits im Jahre 1774
die Übernahme des Bukowiner Territoriums in eigener Regie durch. Der
Protest des damaligen moldauischen Fürsten Grigore Ghica, eines der Türkei
unterstehenden Vasallen albanischer Herkunft, wurde von den Türken nicht
beachtet.
In
der am 2. Juli 1776 unterzeichneten
Abgrenzungsurkunde von Balamutka, in der alle Grenzen des Österreich
zugefallenen Gebietes abgesteckt und
anerkannt wurden, gab Österreich dem
10.442 qkm großem
Territorium die bereits im 14. Jahrhundert zu findende
Bezeichnung
„Bukowina“ (von den Deutschen „Buchenland“ genannt).
Es
gibt eine Reihe von Daten, die bekräftigen, dass die in der gesamten
Bukowina – in kompakter Menge jedoch vorwiegend im Nordteil des Landes –
ansässigen Ukrainer
die Urbevölkerung
des Landes gewesen sind. Diesbezügliche Ansichten und Argumentationen
zwischen der Mehrheit rumänischer Historiker und ukrainischen
Historikern decken sich nicht und führen häufig zu verhärteten Diskussionen.
Dagegen kann man das überwiegend
von
Rumänen besiedelte Gebiet der Südbukowina mit der früheren moldauischen
Hauptstadt Sučava (ab 1564 übernahm Jassy diese Funktion) als
moldauisches Kernland bezeichnen. Hier lagen die wichtigsten
herrschaftlichen und geistlichen Mittelpunkte des Landes. Auch der an den
Gebirgshängen lebende, den Ukrainern zuzurechnende Stamm der
Huzulen und die
der gregorianisch-armenischen Kirche angehörenden
Armenier sowie die
Juden
waren im Lande bereits ansässig.
Gleiches gilt für die Zigeuner, die in der Mehrheit feste
Wohnsitze hatten.
Im
Verlauf der österreichischen Militärregierung (1774-1786) legten die
Generäle
Gabriel Freiherr von Splény
(1774-1778) und Karl
Freiherr von Enzenberg (1778-1786)
die organisatorische Basis für die Entwicklung der
Bukowina zu einem Landesteil Österreichs, der im Verlauf der nachfolgenden
Jahrzehnte zu einem Musterland der Monarchie aufsteigen sollte.
Die zu
Beginn vorhandene Einwohnerschaft von ca 75.000 Menschen (Dazu gibt es auch
abweichende Angaben.) wuchs bis 1910, gemäß damaliger Volkszählung, auf
794.945 Personen an, davon 38,4 % Ruthenen (Ukrainer), 34,4 % Rumänen,
12,0 % Juden, 9,2 % Deutsche, sowie 6,0 % Bewohner anderer
ethnischer Zugehörigkeit, wie Polen,
Armenier,
Ungarn, Slowaken, Tschechen, Lippowaner (Die Lippowaner bzw. Philipponen sind Angehörige einer Sekte der
„Altgläubigen“, die sich im 17. Jh. von der russisch-orthdodoxen Kirche als
konservative Gruppe losgesagt und auf Grund ihrer Verfolgung Russland
verlassen hatten.), Zigeuner u.a. Die ersten Amtshandlungen der Generäle
bestanden in der Vermessung des Landes, in der
Förderung der Besiedlung des relativ menschenarmen Gebietes mit
Kolonisten aus westlichen Teilen des Reiches, im
Aufbau der Infrastruktur
(Verkehr, Nachrichtenübermittlung, Verwaltung, Gemeinwesen,
Sicherheitswesen, Gesundheitswesen), dem
Aufbau des Schulwesens, dem
Ausbau
von Militärstandorten und der Einleitung von Schritten zur
Reformierung des
kirchlichen Systems. Mit Letzterem wurde der
griechisch-orthodoxe Bischof Dositheus Chereskul betraut, dessen Bistum von der Jassyer
Rechtsabhängigkeit gelöst wurde und der seinen Sitz von Radautz nach
Czernowitz
verlegte , wo er im
November 1781 feierlich eingeführt wurde. Das neue Bistum unterstand bis
1873 der Metropolie von Karlovitz in Slawonien, jedoch nur in Fragen des
Dogmas und rein spirituellen Angelegenheiten. Die vielen Klöster wurden –
bis auf drei – säkularisiert und die Klostervermögen nebst Grundbesitz in
eine neue religiös-wirtschaftliche Einheit, den
„Griechisch-Orthodoxen
Religionsfonds“ eingegliedert, aus dem der Unterhalt des gesamten
griechisch-orthodoxen Klerus, einschließlich der
Kirchen, Klöster und – im Bedarfsfall – Schulen und sonstigen
nützlichen Einrichtungen bestritten werden sollte. Die unumgängliche
Durchführung der Säkularisation erfolgte trotz zähestem Widerstand
der Kirche.
"1873 erhielten die Orthodoxen der Bukowina mit dem Erzbistum Czernowitz eine völlig unabhängige Institution. Dem Metropoliten von Czernowitz waren auch die dalmatinischen Bistümer Zara und Cattaro sowie die
orthodoxen Gemeinden von Triest und seit 1883 auch Prag, also alle
Orthodoxen der im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder unterstellt."
(15) S. 17 - Erster Erzbischof und Metropolit
war der
Bukowiner Eugen Hakmann.
Die überwiegende Mehrheit der Landesbewohner, zu der nicht nur die Rumänen
sondern auch die Ukrainer zählten, gehörte schon in vorösterreichischer Zeit
der griechisch-orthodoxen Kirche an (mehr als 70 %). Ein großer Teil der eingewanderten
Deutschen, Ungarn und Polen war römisch katholisch. Die aus Galizien
eingewanderten Ukrainer waren meistens Anhänger der griechisch-katholischen
Konfession. Gleich nach den Katholiken folgte die israelitische
Glaubensgemeinschaft, die ebenfalls schon in vorösterreichischer Zeit im
Lande vertreten war. Weiterhin lebten vor allem in der Südbukowina Deutsche
evangelischen Glaubens. Zu der der dritten Konfession, die schon in
der moldauischen Bukowina vorhanden war, zählten die der
gregorianisch-armenischen Kirche angehörenden Armenier. Letztendlich seien
die ehemals aus Russland ausgewanderten "Altgläubigen", auch Lippowaner
genannt, erwähnt, die sich auch in der Bukowina niedergelassen hatten.
Die Bukowina in ihrer Gesamtheit
verfügt über guten
Ackerboden, Weidegebiete und große Waldflächen. Landwirtschaft und
Holzverarbeitung bilden die Haupterwerbsquellen. Bis zum Beginn der
österreichischen Ära dominierte die Viehwirtschaft.
Im Zuge der Besiedelung
des Landes brachten deutsche Bauern qualitativ hochwertige
landwirtschaftliche Kenntnisse mit, deren Einsatz den damals noch äußerst
bescheidenen Ackerbau so weit voranbrachte, dass die späteren
Ernteerträge der Bukowina die
durchschnittlichen Ernteerträge der anderen österreichischen Länder
übertrafen. Die im militärischen Auftrag betriebene
Pferdezucht im
Staatsgestüt Radautz
setzte positive und nachahmenswerte Beispiele für die ansässige Bevölkerung,
was wiederum der Viehzucht im gesamten Land breiten Auftrieb verschaffte.
Auch der Ackerbau und die Viehhaltung im gesamten Land bekamen durch
fiskalische und technische Unterstützung, Ermunterung und Beispielgebung
starke Entwicklungsimpulse. Dem bis dahin herrschenden Raubbau in der von
großen Waldflächen bedeckten Bukowina
setzte die Regierung von Anfang an (1776) durch eine
neu eingeführte
Waldordnung ein Ende. Die Bewirtschaftung der Forste erfolgte von da an
durch ins Land hereingeholte geschulte Kräfte und förderte zusätzlich die
Errichtung von Sägewerken und Glashütten, wozu weitere Kolonisten aus den
westlichen Teilen der Monarchie eingesetzt wurden. Weil die systematische
Forstwirtschaft erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzte,
befand sich der weitaus größte Teil der Wälder um 1900 im Stadium der Haubarkeit und bildete ein unschätzbares Kapital der Bukowina.
Der
griechisch-orthodoxe Religionsfonds, als größter Grundbesitzer der Bukowina,
dem um 1850
231.370 ha Waldungen
und 23.154 ha
Äcker gehörten,
beschäftigte im Jahre 1918 rund 28.000 Menschen und war der größte
Arbeitgeber in der Bukowina. Sehr große Ländereien und Waldgebiete befanden
sich außerdem in den Händen hauptsächlich rumänischer Großgrundbesitzer.
Seit ältesten Zeiten betätigten sich Armenier und Juden als Händler und
Gewerbetreibende. Letztere fungierten auch häufig als Pächter von Dörfern
oder Landgütern und hielten die Schankrechte. Die wenigen Städte der
Bukowina waren Zentren für die Beamtenschaft, Lehrer, Geistlichkeit,
Handwerker, Gewerbetreibende, Kaufleute und Militärs, die über die gesamte
österreichische Periode hin aus allen Teilen des Reiches ins Land kamen.
Zum
größten Handelszentrum der Bukowina entwickelte sich die Hauptstadt Czernowitz mit ihrer Umgebung. Schließlich war dieser Teil des Landes der am
meisten besiedelte und reichste, insbesondere deswegen, weil sich hier das größte
kommunale Netz befand und die Stadt selbst an der Handelsstraße Rumänien – Lemberg -
Warschau – Krakau nach
Zentral- und Westeuropa lag. Die Linienverbindungen und Verkehrswege
verbanden alle Landesteile der Bukowina und waren auch an die
Nebenverbindungen im Landesinneren gut angeschlossen.
Czernowitz entwickelte
sich auch zu einer großen Garnisonstadt. Zu der wohl bekanntesten
Militäreinheit zählte das "Infanterie-Regiment Erzherzog Eugen Nr. 41". Eine nennenswerte
Montanindustrie konnte sich trotz diverser Erzvorkommen aufgrund nicht
gesicherter Absatzmöglichkeiten und in Ermangelung kostengünstiger und
geeigneter Kohlevorkommen nicht entwickeln. Diesbezüglich hoffnungsvollen
Engagements der ersten Jahrzehnte war kein dauerhafter Erfolg beschieden. Erwähnenswert
ist auf jeden Fall das über 30-jährige Engagement des
Anton Manz
von Mariensee, der zum
Begründer des modernen und
sozial-fürsorglichen Bergbauwesens in der
Bukowina wurde.
"Kennzeichnend für die erste Phase der Landesentwicklung während der Zeit
der Militärverwaltung von 1774 bis 1786 waren die spontanen Zuwanderungen
von deutschen Handwerkern, die die einsetzende Bautätigkeit für Offiziere
und Verwaltungsbeamte und ihre Familien angelockt hatte." (10) S. 222 -
Die Ansiedlung
deutscher Bauern,
landwirtschaftlicher Fachkräfte wie auch von Bergleuten, Glas- und
Waldarbeitern und Waldbauern erfolgte in den ersten Jahrzehnten, 1782 bis
1850, in mehreren Schüben.
Einen
Großteil der Kolonisten stellten Südwestdeutsche, Deutsche aus der Zips
(Oberungarn) und Böhmerwäldler. Im Gefolge der von Österreich
betriebenen Politik ließen sich zusätzlich
Ungarn,
Polen,
römisch-katholische Armenier,
Lippowaner (großrussische Sekte der
„Altgläubigen“), Slowaken und
Zigeuner in der Bukowina nieder.
Da die Bukowina im Vergleich zu den angrenzenden Ländern in Vielem bessere
Lebensbedingungen und vor allem Anschluss an die westliche Kultur und
Zivilisation bot, wanderten ebenfalls viele
Rumänen (aus
der Moldau, aus der türkisch besetzten Enklave Chotyn am Dnister und aus
Siebenbürgen) und
Ukrainer, sowie in bedeutender Anzahl auch
Juden
(beide Gruppen vornehmlich aus Galizien), in das Land ein,
wo sie die Anzahl dieser bereits im Lande ansässigen Ethnien verstärkten. Eine wichtige
Rolle für die Gesamtentwicklung des Landes spielte der zu Beginn besonders
von General von Enzenberg forcierte systematische
Aufbau des Schulwesens, denn
außer 2 nachweisbaren Klerikalschulen – die bedeutendste befand sich im
Kloster Putna – besaßen die Einwohner des Landes keine größeren
Bildungseinrichtungen.
Allerdings dienten die Klerikalenschulen ausschließlich der Ausbildung des
geistlichen Standes. Eine gewisse Basisbildung für das Volk vermittelten die
in ruthenisch (ukrainisch) bewohnten Dörfern existierenden sogenannten
Küsterschulen (Djakiwke) und im ganzen Lande tätige vereinzelte
Privatlehrer. Höhere Bildung konnte man nur auf ausländischen Schulen
erlangen.
Die aufgrund kaiserlicher Verfügung vom 6. August 1786 und gegen den
Mehrheitswillen der Bevölkerung vollzogene verwaltungsmäßige Vereinigung der
Bukowina mit Galizien - allerdings als eigener Kreis – bescherte der
fortschrittlichen Entwicklung des Landes einen
herben Schlag. Die Gründe für die Entscheidung des Kaisers sind nirgendwo
fixiert. Es gibt die These, dass der katholische Klerus in Lemberg
über seine Verbindungen in Wien und einflussreiche Persönlichkeiten in
Galizien gegen die Selbständigkeit der Bukowina agiert haben. (4) sh.
Inhalte S. 90-92 -
Die Polen
spielten vor allem als Beamte eine Rolle. Auf sie ist die polnische
Schreibung der Bukowiner Orstnamen in österreichischer Zeit zurückzuführen,
die im deutschen Sprachgebrauch noch heute angewandt wird (z. B. Czernowitz
statt ursprünglich Tschernowitz). Daneben kamen
viele polnische Geistliche ins Land, ebenso Angehörige städtischer Berufe.63
Jahre lang wurde die Bukowina in der Folgezeit von Lemberg aus regiert. Die
dortige Verwaltung bediente sich vor allem ab 1815, als das gesamte
Bukowiner Schulwesen dem römisch-katholischen Konsistorium in Lemberg
unterstellt wurde, nicht nur einer offenen Polonisierungspolitik, sie hob
auch den von den österreichischen Militärgouverneuren eingeführten
Schulzwang auf und versuchte der Bevölkerung den Katholizismus
überzustülpen.
Dies bewog die Mehrzahl der orthodoxen Bevölkerung sowie teilweise auch
Protestanten und Juden dazu, ihre Kinder nicht mehr zur Schule zu schicken,
was einen Rückgang in der Anzahl der Schulen um über 50% zur Folge hatte.
Die meisten Lehrer waren Deutsche und Polen.
Neben der deutschen, polnischen
und rumänischen Sprache gab es in den Schulen keinen Raum für das
Ruthenische (Ukrainische), das nicht als Landessprache anerkannt wurde.
"Viele von den Polen in der Bukowina getroffenen Maßnahmen hatten das Ziel,
bei den ruthenischen (ukrainischen) Bewohnern keine höhere kulturelle
Entwicklung zuzulassen und auf diese Weise deren Ethnie auf einfachste Art zu denationalisieren."
(16) S. 221 -
In jener Zeit, als die ukrainische Sprache an den Schulen nicht
zugelassen war, wurde jedoch die rumänische Sprache protegiert und es
wurden Unterrichtsbücher in rumänischer Sprache aufgelegt. Auf entsprechende
kirchliche Interventionen aus griechisch-orthodoxen Kreisen hin wurde
erreicht, dass die Oberaufsicht über die Schulen der Bukowina dem Lemberger
römisch-katholischen Konsistorium 1844 entzogen wurde und zunächst für die
Schulbezirke Radautz und Suczawa und später insgesamt auf das
griechisch-orthodoxe Czernowitzer Konsistorium überging.
"Von Anbeginn des 19. Jahrhunderts begannen bei den ukrainischen
Bergbewohnen, den Huzulen, soziale Unruhen, die in den 40-er Jahren unter Führung
von Lukjan Kobyletzia beträchtliche Ausmaße annahmen."
(16) S. 216 - Die sich hauptsächlich
im passiven Widerstand tausender Landbewohner äußernden Proteste und darauf
folgenden Klagen richteten sich immer öfter gegen die Grundherren, die aus
ihren Ländereien immer exzessivere Erträge erzielen wollten – u.a. durch
erhöhten Baumschlag und Vergrößerung der Ackerbauflächen – und für die
Nutzung der Felder und Weidegebiete höhere als im Gesetz festgelegte Abgaben
forderten.
Die Revolution in Europa, die am 13. März 1848 auch Wien erfasste,
besiegelte die Existenz der zentralistischen Staatsführung Österreichs. Der
Kaiser war gezwungen, die Zensur abzuschaffen, die Freiheit der Presse und
die Bildung von Nationalgarden in jedem Land der österreichischen Monarchie
zuzulassen, den nationalen Gruppen gewisse Rechte zu geben und den
Frondienst aufzuheben.
In
der Bukowina regte sich schon lange der Wunsch nach einer Abspaltung von
Galizien. Zur Gründung des selbstständigen Herzogtums Bukowina gab der
Rumäne Eudoxius Hormuzaki, Nachkomme einer angesehen Bojarenfamilie
griechischer Herkunft mit Besitz in der Nordbukowina, den Anstoß, indem er
eine an den Kaiser gerichtete Petition verfasste und diese mit zahlreichen
Unterschriften versehen am 3. August 1848 der Reichsverwaltung überreichte.
Die Hauptforderungen beinhalteten „Wahrung der Nationalität“, "Bewilligung
eines eigenen Landtages mit Sitz in Czernowitz" sowie eine „eigene
Provinzialverwaltung“. Nach einer weiteren Petition und Bittschrift
nach der
Thronbesteigung von
Kaiser Franz Joseph I. bekam die Bukowina am 4. März
1849 die Eigenschaft eines autonomen Kronlandes mit dem Titel eines
Herzogtums zugesprochen. Die verwaltungsmäßige Trennung von Galizien
erfolgte 1853.
zum Inhaltsverzeichnis
General von Enzenberg sorgte aufgrund der österreichischen Schulordnung des
Jahres 1774 dafür, dass bereits im Jahre 1784 die ersten Normalschulen in Czernowitz und Suczawa und im darauf folgenden Jahre 1785 auch die ersten
Bezirksschulen in der Bukowina vorhanden waren. Am 16. Dezember 1808 wurde
in Czernowitz das erste Gymnasium eröffnet. 1827 entstanden in der Stadt
anstelle der vorherigen, im Jahre 1789 von Suczawa nach Czernowitz
verlegten Priesterschule, die neue
„Theologische Lehranstalt“ und das Klerikalseminar, die später als theologische Fakultät der Czernowitzer Universität eingegliedert wurden.
Hauptsächlich ab 1860 wurden weitere Gymnasien und Realschulen eröffnet.
1870 folgte in Czernowitz die Errichtung einer staatlichen Lehrer-
und Lehrerinnen-Bildungsanstalt und 1873 die Eröffnung einer
Staatsgewerbeschule. Mittelschulen und Ackerbauschulen komplettierten das
Bild.
"An dieser Stelle muss auch der Musikschule des
„Vereins zur Förderung
der Tonkunst in der Bukowina“ gedacht werden, die im Jahre 1862 in Czernowitz gegründet wurde. Diese Lehranstalt, die für das Musikleben in
diesem Lande von größter Bedeutung war und aus der zahlreiche Musiker
hervorgingen, erreichte unter der Direktion
Adalbert Hrimaly´s
Höchstleistungen auf dem Gebiete der Musikerziehung und der künstlerischen
Produktionen, sodass sie zu den besten musikalischen Ausbildungsstätten
Österreichs gezählt werden konnte." (8) S. 306
Der Wendepunkt für eine zügigere Entwicklung des Volksschulwesens kam erst
nach der Loslösung der Bukowina von Galizien und dank neuer Gesetzgebung im
Schulsektor.
Moses Fuhrmann,
jüdischer Lehrer aus dem Czernowitzer Ortsteil Sadagora hat in seinem
„Schematismus der Bukowiner Volksschulen und Lehrer pro 1904“
1.400 Volksschullehrer namentlich erfasst. Dort ist ersichtlich, dass
die Lehrerschaft – den
Bevölkerungsanteilen entsprechend – aus den Reihen aller
Nationalitäten kam. (13) Band I sh. S. 46 - 118 -Zu Beginn des Ersten Weltkrieges existierten in der Bukowina
488 Volksschulen. Für die Schüler war das Erlernen Ihrer Muttersprache sowie
der deutschen Sprache Pflicht. In ethnisch gemischten Gemeinden wurde in
allen drei Hauptsprachen (Deutsch, Rumänisch, Ukrainisch) unterrichtet.
Die
Amtssprache und die Umgangssprache zwischen den Minderheiten des Landes war
Deutsch. zum Inhaltsverzeichnis
Am
4. Januar 1875 wurde die östlichste - bis 1918 deutschsprachige - Universität, die
„Francisco-Josephina“ gegründet, mit den Fakultäten
Jurisprudenz, Philosophie
und griechisch-orthodoxe Theologie. Bei der Entscheidung für die
Stadt Czernowitz war die politische Gesamtsituation maßgebend in der sich
der Vielvölkerstaat der Habsburger Monarchie befand. Es erscheint
nachvollziehbar, dass die österreichische Regierung mit dem Entschluss zu
Gunsten einer deutschsprachigen Universität in der Bukowina bestrebt war,
das seinerzeitige Nationalbewusstsein der Völker in geordneten Bahnen zu
kanalisieren. Die deutsche Kultur sollte die nichtdeutschen Ethnien der
Bukowina einen und – in positivem Sinne – an Österreich binden. Zum ersten
Rektor wurde der Jurist Dr. Constantin Tomaszczuk, Sohn eines ukrainischen
Vaters und einer rumänischen Mutter, gewählt. An den beiden weltlichen
Fakultäten wurden die deutsche Vortragssprache und die neu geschaffenen
Lehrkanzeln für die rumänische und ruthenische (ukrainische) Sprache und
Literatur gesetzlich festgelegt. An der theologischen Fakultät wurden für
die Lehrkanzeln für praktische Theologie die rumänische und die ruthenische
(ukrainische)
Unterrichtssprache zugelassen.
Für die Ukrainer, deren Schriftsprache im damaligen Russland verboten war
und die in Russland und Galizien unterdrückt wurden, war diese Universität
von besonderer Bedeutung.
Aufgrund der Ausrichtung nach westlichem Muster, den auch international
bekannten, qualifizierten Professoren und der deutschen Vortragssprache,
bildete die Universität und hier vor allem die orthodoxe theologische
Fakultät einen Anziehungspunkt für das benachbarte Ausland und genoss – weit
über die Monarchie hinaus – hohes Ansehen.
Vielen orthodoxen Ländern und deren Kirchen und Theologen diente die Czernowitzer Universität als Beispiel zum Aufbau eigener Strukturen.
zum Inhaltsverzeichnis
In der Periode Ende des
18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts – im Verlauf der Zugehörigkeit des
Landes zum Habsburger Imperium – war das Schicksal der Bukowina
gekennzeichnet durch eine positive dynamische Entwicklung in allen
Lebensbereichen. Die
harmonische geschichtliche Entwicklung der Bukowina führte zur Entstehung einer
multiethnischen, multikonfessionellen Gesellschaftsstruktur. Sie war
ein Konglomerat, in dem jede nationale Gruppe ihre nationalen Besonderheiten
bewahrte und ihre geistige und materielle Kultur entwickelte. Die
Heterogenität der Bukowiner Kultur würde offensichtlich nicht so ein
Interesse hervorrufen, wenn sie nicht zugleich gekennzeichnet wäre durch
eine Integrationsidee, ständigem Streben nach gegenseitigen Kontakten,
jederzeitiger Bereitschaft zur Zusammenarbeit, mit einem Gesamterwachen und
- nicht vom Verfasser: mit dem
Entlehnen von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen, geistig oder
kulturell befruchtenden Beispielen und Ideen. Die deutsche nationale Kultur
hat in der geschichtlichen Genesis der Bukowina eine bedeutende Rolle
gespielt. Ihr gebührt ein besonderer Platz inmitten der anderen Akteure, die
wesentlichen Einfluss auf die Formung der weltanschaulichen Positionen und
die europäische Mentalität der Bukowiner genommen haben.
Die günstige
Entwicklung des Deutschtums in der Bukowina ist dem Zustand zuzuschreiben,
dass sich die Deutschen, erfüllt von altösterreichischen josephinischen
liberalen Überzeugungen, unermüdlich
ihrer Kulturarbeit gewidmet haben und weder nach einer Stellung strebten,
die sie absonderte, noch sich um einen Schutz ihres nationalen
Bestandes bemühten. Auf diese Weise gelang es ihnen, Situationen zu
vermeiden, die Widerstände seitens der autochtonen Bevölkerung hätten
hervorrufen können. In der Bukowina gab es auch nicht jene scharfen Widersprüche zwischen den
Autochtonen und den
Deutschen, die im Verlauf der Jahrhunderte in Ungarn und Galizien
auftauchten. Die Geschichte der
Bukowina Ende des 18. – 19. Jh. hat sich mit nicht allzu starken sozialen
Konflikten zwischen den nationalen aristokratischen Großgrundbesitzern und
der überwiegenden Mehrheit der untergegebenen Bauern ausgezeichnet. Dadurch
hat der durchaus wichtige soziale Faktor hier die nationalen Beziehungen nicht
vergiftet. Die Deutschen waren fraglos die politisch dominierende
Bevölkerung der Bukowina, aus ihrer Mitte kamen die leitenden Verwaltungskader, dennoch haben sie weder große Grundbesitzer gestellt
noch waren sie Repräsentanten einer nicht vorhandenen Großindustrie. Auf
diese Weise besaßen sie keine nationale „Überlegenheit“, sieht man von der
Nutzung im ökonomischen Bereich ab. Durch die Herrschaft der deutschen
Sprache, die als Amtssprache und allgemeine Umgangssprache galt, war die
Stellung der Deutschen weitaus besser, als in anderen Teilen der Monarchie.
Solange das
österreichische Imperium zum Deutschen Bund gehörte, war die vorherrschende Stellung
der Deutschen innerhalb der Monarchie abgesichert. Die österreichische
imperiale Politik hatte ihrem Grunde nach deutschen Charakter, dank dem sich
die Deutschen des Habsburger Reiches freiwillig mit Österreich identifizierten. Nach dem 4.
Prager Friedensschluss vom 23. August 1866, der den für Österreich nicht
erfolgreichen Krieg gegen Preußen abschloss, anerkannte Österreich die
Auflösung des Deutschen Bundes und erklärte sich mit der Neuorientierung
Deutschlands ohne eigene Beteiligung einverstanden.(Anmerkung: 1871 entstand
das Deutsche Reich) Statt nach einer
prodeutschen Einstellung orientiert sich Österreichs Staatsgedanke vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts
an
der übernationalen „großösterreichischen“ Idee eines Vielvölkerstaates. Die
politische Herrschaft der Deutschen in Österreich war von jenem Zeitpunkt an für
immer verloren und sie mussten zusammen mit anderen cisleithanischen Volksgruppen im Rahmen
ihrer nationalen Gleichberechtigung (de jure - S. O.) einem anstrengenden Kampf für ihre
nationalen Interessen führen und zwar auf kultivierte Weise und nicht mit
politischen Methoden von Verboten und Vernichtungen.
(6) sh. S. 12-17 -
zum Inhaltsverzeichnis
Der Zeitraum ab 1861 bis zum Beginn des 1. Weltkrieges war gekennzeichnet
durch eine dynamische Entwicklung in allen Bereichen des politischen,
wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens. Beginnend mit der
Konstituierung des 1. Bukowiner Landtages (28.03.1861), dem weiteren Ausbau
der Verkehrswege (u.a. Bau der Eisenbahn Lemberg-Czernowitz
1865) , Verbesserung der Kreditverhältnisse, über die Ausweitung der
Schulen, die Eröffnung der deutschsprachigen
Universität (1875) bis zur
Gründung von Zeitungen und mannigfachen Vereinigungen und Vereinen jedweder
Art und jedweder ethnischen Zusammensetzung, erfuhr die Bukowina nicht nur
eine volle Einbeziehung im westeuropäischen Geiste, sondern wuchs aufgrund
der ethnischen Struktur, der geistigen Einstellung, der Tüchtigkeit und der
Zielstrebigkeit ihrer Bewohner über sich selbst hinaus. 1914
waren in der Bukowina über 1.300 mittlere und kleine Betriebe und Banken
registriert. Die meisten kleinen Industriebetriebe standen unter jüdischer Leitung.
Obwohl nach 1848, im Gefolge des einsetzenden Nationalbewusstseins,
der Kampf um die Vorherrschaft der Ethnien einsetzte, störte dies im
Allgemeinen selten das friedliche Zusammenleben der unter deutscher Führung
und Verwaltung stehenden Nationen. Ein wichtiges Band des Zusammenhaltes
unter den griechisch-orthodoxen Ukrainern und Rumänen war der gemeinsame
Glaube.
Durch die Gründung der Universität entstanden allen ethnischen
Gruppen des Landes hervorragende Führungskräfte, sei es im kulturellen wie
auch politischen Bereich. Gefördert wurde dies vor allem durch die rasch
entstehenden akademischen Korporationen, von denen es zwischen 1875 und 1940
derer 25 gab. Spezifischer Nachweis sh. (7) S. 18-20 -
Zusatzinformation: 1859 schlossen sich
die Moldau und die Walachei zum selbständigen Staat Rumänien zusammen.
1877/1878 wurde Rumänien nach einem
gewonnen Krieg gegen die Türkei unabhängig. 1881
proklamierten die Kammern das Land, dessen
Entwicklung ständige Fortschritte machte, zum Königreich
Rumänien. Erster König Rumäniens wurde Prinz
Karl von Hohenzollern-Sigmaringen.
Nach 1893 begann eine Ära, die durch immer größere Forderungen der
Nationalitäten gekennzeichnet war. Die Vorherrschaft des Adels verlor an
Bedeutung. Während Vereinsgründungen zu Beginn der österreichischen
Herrschaft zwischenvölkisch waren und allen Ethnien offen standen,
entstanden nun auch rein deutsche Vereinigungen. Eine der größten
Vereinigungen war der „Verein der christlichen Deutschen“ (gegründet 1897).
In
der Zeit, in der die Deutschen noch multinationale Vereine gründeten,
begannen andere Nationalitäten des Landes, sich bereits ziemlich aktiv nach
nationalen Gesichtspunkten zu organisieren.
"Ende des 19. Jh. begann unter der Bevölkerung der Bukowina das
Nationalbewusstsein deutlich zu wachsen. Besonders zu beobachten war dies
unter den Rumänen, den Ukrainern sowie auch unter den Juden. Bis in die
90-er Jahre des 19. Jh. waren Letztgenannte zu fast 93 % mit den Deutschen
eng verbunden und wirkten auf mannigfache Weise auch in deren politischen
und kulturellen Organisationen mit." (6) S 18 -- "In der Bukowina waren die Juden, die an
Zahl die Deutschen übertrafen, orthodox, eigenvölkisch und zionistisch. Sie wollten nicht
als Deutsche mosaischer Konfession gelten wie etwa die Juden in Berlin oder
Wien. Da sie aber jiddisch und als Schul- und Hochsprache deutsch sprachen,
wurden sie aufgrund der österreichischen Volkszählung, die nur nach der
Umgangssprache, nicht nach der Volkszugehörigkeit fragte, häufig gegen ihren
Willen, zu den Deutschen
gezählt." (5) S. 384
"Bei den aus Galizien, Bessarabien und der Moldau zugewanderten Juden gab es
seit 1841 zwei deutlich voneinander getrennte Glaubensgruppierungen. Auf der
einen Seite standen die Chassidim und die strenggläubigen Konservativen, die
in Sadagora und Bojan zwei wichtige Stützpunkte mit wundertätigen Rabbinern
besa��en, auf der anderen Seite die Aufgeklärten (Maskilim), die sich zunehmend
des Deutschen als Umgangssprache bedienten." ( 10) S 247
"Erst nachdem Ende des 19. Jh. die zionistischen Ideen Theodor Herzels
auftauchten, war im Lande ein Entflammen des jüdischen Nationalismus zu
beobachten, mit dem eine schrittweise Separierung der Juden von der
deutschen Ethnie einher ging. Es ist müßig zu erwähnen, dass
dazu auch die Losungen beitrugen, die damals auftauchten und eine
Trennung des Jüdischen vom Deutschen forderten." (6) S. 18 -
"Die Deutschen wohnten im ganzen Land, in Städten und Dörfern zerstreut. Auch
waren sie nach ihrer Herkunft, ihrer Konfession und ihrem Beruf sehr
verschieden. Es war keine leichte Aufgabe,
trotzdem zu dem für den völkischen Bestand notwendigen
Gemeinschaftsbewusstsein zu kommen. Diese Aufgabe oblag vor allem den
Deutschen in den Städten, besonders in der Landeshauptstadt Czernowitz. Als
Organisation hierfür schufen sie den "Verein der christlichen Deutschen“
.
Er wollte in seinem Namen Klarheit in der Volkszugehörigkeit
gegenüber den Juden, mit denen die Deutschen die Sprache gemeinsam
hatten und in der Konfession gegenüber den Polen, die wie die Mehrheit der
Deutschen der katholischen Kirche angehörten, die infolge der langen
Unterstellung unter das Lemberger Gubernium und Episkopat als "polnische
Kirche" galt und dazu neigte, die Deutschen ihrem Volkstum zu entfernen.
Stand bisher das Staatsbewusstsein und das zwischenvölkische Kulturbestreben
bei den Deutschen weit vor dem Volksbewusstsein, so sollte dieses nun
gleichen Ranges werden.
Der Verein setzte sich die Aufgabe, das Volksbewusstsein zu kräftigen, das
geistige und wirtschaftliche Wohl der Deutschen zu stärken und den Willen zu
pflegen, mit den anderen Volksstämmen in Frieden und Eintracht das Gedeihen
des Landes zu fördern. Seine Entfaltung
im ganzen Land entsprach dieser zweiten Zielsetzung." (5) S. 385
In
diesem Umfeld entsprach der Bukowiner Landtag in seiner Konstruktion im
vielsprachigen Gebiet, in dem parteipolitische und ethnische Gegensätze, vor
allem zwischen den rumänischen und ukrainischen Abgeordneten, oftmals in
Erscheinung traten, bestmöglichst den Verhältnissen.
Am 26. Mai 1910 trat im Landtag der sogenannte
Nationalitätenausgleich in Kraft, der einen wesentlichen Beitrag zur
Befriedung des politischen Lebens in der Bukowina darstellte und einen Weg
wies zur wirklichen Lösung des Nationalitätenproblems im übrigen Österreich,
vor allem in Böhmen und Ungarn. Danach bestand der Bukowiner Landtag aus 6
Kurien, von denen 4 national und 2 übernational waren und sich aus den
Abgeordneten der allgemeinen Wählerklasse zusammensetzten (Vertreter des
Großgrundbesitzes sowie der Handelskammer). Zusätzlich waren der
Metropolit von Czernowitz und der und der Rektor der Universität per Gesetz
stimmberechtigt. Auf diese Weise konnten neben den Ukrainern, den Rumänen
und den Armeno-Polen auch die Deutschen im Lande einen eigenen Wahlkörper
bilden, dem auch die Juden zugerechnet wurden. Bedauerlicherweise wurde dieser Landtag nach Ablösung der
österreichischen Herrschaft in der Bukowina im Jahre 1918 von den Rumänen aufgelöst.
zum Inhaltsverzeichnis
Die Bukowina im
Ersten
Weltkrieg
Schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges konnte die Bukowina aufgrund der
Verlegung aller größeren österreichischen Militäreinheiten an entscheidende
Brennpunkte der Habsburger Monarchie dem Ansturm der Russen nur mit
bescheidenen Kräften begegnen. Durch einen erfolgreichen Kleinkrieg gelang
es dem Chef der Gendarmerie, Oberstleutnant Eduard Fischer, mit seinen
Einheiten die Angreifer über die wirkliche Stärke der Österreicher zu
täuschen und sie erfolgreich zu behindern. Durch Einbeziehung Freiwilliger
aller größeren Volksgruppen der Bukowina konnte er die Anzahl der
Verteidiger bedeutend stärken. Eine seiner Hauptaufgaben war, das Vordringen
der Russen in die Südbukowina und über die Karpaten nach Siebenbürgen zu
verhindern. Zweimal (1914 und 1916) besetzten die russischen Truppen die
Bukowina und zweimal (1915 und 1917) wurden sie zurückgeworfen.
Insbesondere die Nordbukowina, deren Hauptstadt Czernowitz allein dreimal
unter russischer Besetzung stand, wurde stark in Mitleidenschaft gezogen.
"Die Tendenz war, speziell die jüdische Bevölkerung physisch, moralisch und
materiell zu dezimieren." (10) S. 285 -
Mit der 5. Kavalleriedivision griffen erstmals
deutsche Truppen in die Kämpfe ein. "Im August 1916 konnte Rumänien mit den
Alliierten einen Vertrag aushandeln, nach dem im Falle eines Sieges der
Entente die Süddobrudscha, Siebenbürgen, das Banat und die Bukowina bis zum Pruth, einschließlich der Stadt Czernowitz, Rumänien zufallen sollten.
Daraufhin erfolgte am 23. August 1916 der
Kriegseintritt Rumäniens.
Die Versuche rumänischer Truppen, aus der nördlichen Moldau in die Bukowina
einzudringen und so den Anschluss an die Russen in der Nordbukowina
herzustellen, scheiterten an ihrer unzureichenden Ausrüstung. Entscheidend für die Erfolge österreichischer, deutscher und ungarischer
Einheiten im Raum Dornawatra war der aufopfernde Kampf zweier Bataillione
der 10. Bayerischen Division bei Ciocăneşti, die den russischen Großangriff
vom 23. August 1916 auffangen konnten," (10) S. 286 - Die andauernden Widerstände der
Allianz und schließlich der Beginn der russischen Revolution im März 1917
destabilisierten die Kräfte der russischen Armeeeinheiten und führten am
9.
Dezember 1917 zur offiziellen
Waffenstillstandsvereinbarung mit Russland. Im
Februar 1918 räumten auch die rumänischen Truppen aufgrund einer
österreichisch-rumänischen Verständigung die Südbukowina. (9)
zum Inhaltsverzeichnis
Der Erste Weltkrieg führte zu dramatischen Veränderungen.
Im Gefolge der heftigen Niederlagen der zentralen Regierungen in der
zweiten Hälfte des Jahres 1918 entstanden separatistische Bewegungen
unter den von Österreich beherrschten Völkern, insbesondere bei den
Tschechen, Polen, Kroaten und Ungarn. Die Bewegungen erfassten
schließlich Wien und hatten zur Folge, dass Kaiser Karl I. auf alle
seine Rechte verzichtete und die Republik ausgerufen wurde.
"Das vom amerikanischen Präsidenten Wilson versprochene Selbstbestimmungsrecht
der Völker und einige Geheimklauseln des Protokolls von Brest-Litowsk vom 8.
Februar 1918, die unter bestimmten Voraussetzungen die Vereinigung der
Nordbukowina mit dem ukrainisch besiedelten Teil Galiziens und die Bildung einer
autonomen ukrainischen Provinz vorgesehen hatten, veranlassten
verantwortungsbewusste Persönlichkeiten der größeren Ethnien des Landes, eine
zeitgemäße politische Vertretung aller Gruppen zu errichten, um den
Selbstverwaltungsorganen das nötige Gewicht zu geben." (10) S. 286 - Nachdem die
der ukrainischen Ethnie gemachten Zusagen zurückgezogen wurden, verhärteten sich
die Fronten zwischen Rumänen und Ukrainern.
"Da die Regierung in Czernowitz ihre Geschäfte weiterhin mit viel Umsicht
führte, war der überwiegende Teil der Bevölkerung für einen Verbleib der
Bukowina im Habsburger Reich." (10) S. 287
Am 13. Oktober 1918 fand in Czernowitz eine Beratung der ukrainischen
Ethnie statt, bei der die Anwesenden – nachdem bereits frühere
Zusammenkünfte und politische Beschlüsse dieser Volksgruppe
vorangegangen waren – für eine Aufteilung der Bukowina in rumänisches
und ukrainisches Territorium stimmten. Da die Möglichkeit, dieses
Vorhaben auf diplomatischem Wege zu regeln, an der
Weigerung rumänischer Abgeordneter scheiterte, begannen die Ukrainer,
nachdem sie am 25. Oktober aufgrund eines gemeinsamen Beschlusses mit
den Ukrainern in Galizien und Transkarpatien eine Bukowiner Sektion des
Ukrainischen Nationalrates gebildet hatten, mit den Vorbereitungen zur
Machtübernahme. sh. Inhalte (10) S. 305-306 - Am 27. Oktober 1918 hatte
sich unter Baron Flondor eine rumänische Nationalversammlung in
Czernowitz konstituiert und den Anschluss an Rumänien beschlossen.
Der ukrainische Nationalrat seinerseits berief sich auf das unantastbare
Prinzip der freien Selbstbestimmung der Völker, das nicht mit Gewalt
beschnitten werden kann und drückte aus, dass er sich völlig bewusst sei,
dass die Entscheidung über die territoriale Aufteilung des Landes in den
Händen von Richtern einer Friedenskonferenz liegen müsse (siehe
schriftlicher Aufruf vom 5. November
1918 (16) S. 312).
"Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie besetzten zuerst ukrainische
Legionäre das Gebäude der Landesregierung in Czernowitz und erhoben Anspruch auf
die Nordbukowina, die ihnen vorher der rumänische Reichsrat- und
Landtagsabgeordnete Aurel Onciul zugestanden hatte, was aber der rumänische
Nationalrat unter Baron Jancu Flondor nicht anerkennen wollte." (17) S. 43
-
Am 6. November 1918 übergab Josef Graf von Ezdorf, der damalige
letzte Landespräsident der Bukowina – auf Druck – die Macht an Vertreter
der Ukrainer und Vertreter der Rumänen, "und
zwar an jene, die versprachen die Macht im Interesse des Landes in
gegenseitiger Verständigung auszuüben." (16) S. 313 - Bereits
seit Anfang November stand Baron Flondor, Führer der rumänischen
Konservativen und Großgrundbesitzer, in geheimen Verhandlungen mit
Bukarester Entscheidungsträgern, im Bemühen um eine militärische
Intervention gegen die neu eingeführte ukrainische Regierung.
Am
7. November überschritten Teile der Armee des General Zadik, dem König
Ferdinand befohlen hatte, die Bukowina einzunehmen, die südöstliche Grenze
der Bukowina. Am 11. November 1918 nahmen die Rumänen Czernowitz
ohne nennenswerte Kampfhandlungen ein. Die Bukowina war
aufgrund der Ereignisse des Ersten Weltkrieges von Truppen entblößt. Die
ukrainischen Legionäre mussten sich daraufhin,
nachdem sie den Rumänen linksseitig des Pruths zwei Wochen Widerstand
geleistet hatten, nach Ostgalizien zurückziehen, wo viele der
Bukowiner Ukrainer aus nationalpolitischen Beweggründen an der Seite
ihrer dort lebenden Volksgruppe gegen die polnische Armee kämpften. Aufgrund
des zeitgleichen Angriffs der Roten Armee verloren die Nationalukrainer den
Kampf. Die Rumänen in der Bukowina hatten nun freie Hand.
Im eingeführten Ausnahmezustand (1918-1928) wurden die
Kriegskommandanten zu Alleinentscheidenden mit unbegrenzten Rechten.
"Nach der militärischen Okkupation der Bukowina folgte auch der formale
Anschluss des Landes an das Gefüge Rumäniens, der unter nicht normalen
Umständen und bei völliger Abwesenheit der Repräsentanten der Mehrheit der
Bevölkerung stattfand." (16) S. 321 - "Auf dem sogenannten
„Generalkongress der Bukowina“ am 28.
November 1918 in Czernowitz, auf dem die Entscheidung zur „bedingungslosen
und dauerhaften Vereinigung der Bukowina mit dem Königreich Rumänien“
stattfand, nahmen nur Vertreter der Rumänischen Konservativen Partei
des J. Flondor, einige Abgeordnete der Polen und die Deutschen teil. Die
Ukrainer und Juden, die zusammengenommen alle anderen Nationalitäten des
Landes überwogen, nahmen an diesem Kongress nicht teil."
(16) S. 322
Am 19. Dezember 1918 wurde ein Gesetzentscheid über die Vereinigung erlassen
und am 31. Dezember 1919 vom Parlament Großrumäniens bestätigt.
Zur Sicherung der okkupierten Territorien sagte sich Rumänien von der
Absprache los, die am 17. August 1916 zwischen der Entente und Rumänien
vereinbart worden war und auf deren Grundlage die Bukowina nur bis zum Pruth
anerkannt wurde. Auf der Friedenskonferenz von St.
Germain, im Jahre 1919, verzichtete Österreich aufgrund des Artikels
59 auf seine Rechte in dem Gebiet des ehemaligen Herzogtums Bukowina, das an
Rumänien grenzt. Die endgültige Anerkennung der Zugehörigkeit der
gesamten Bukowina zu Rumänien fand am 10. August 1920 in Sévres statt,
wo die entscheidenden Großmächte zusammen mit den befreundeten Regierungen –
jedoch ohne die Teilnahme der USA – die Grenzen Polens, Rumäniens,
Jugoslawiens und der Tschechoslowakei festlegten.
Die Rumänen bemühten sich im Verlauf der 22 Jahre ihrer Herrschaft in
der Bukowina alle administrativen-politischen Besonderheiten rigoros zu
beseitigen und alles auf eine Linie mit der Situation in den rumänischen
Provinzen zu bringen. Ihre Vorstellungen gaben sie klar und
unmissverständlich zu erkennen.
Die Buchenlanddeutschen, die zu österreichischen Zeiten die
staatstragende Basis der Bukowina bildeten, waren plötzlich auf sich allein
angewiesen. Im September 1918 war in der Bukowina als zentrale
Stelle für sämtliche politischen, wirtschaftlichen und kulturellen
Angelegenheiten der
„Deutsche Volksrat“ gebildet worden, der sich
nach Kriegsende zur „Nationalversammlung der Deutschen“ konstituierte. Diese
Vereinigung umfasste alle Deutschen des Landes ohne Unterscheidung ihrer
politischen und konfessionellen Richtung. Berücksichtigt man, dass die
ungarischen Teile der Donaumonarchie, Siebenbürgen und Banat, Rumänien
zugeschlagen wurden und sich
auf diese Weise die Möglichkeit ergab, sich mit den dort lebenden
Deutschen eventuell zusammenzuschließen, im Osten dagegen Revolution das
Geschehen bestimmte, so scheinen die Gründe für die Zustimmung der
Buchenlanddeutschen zum Anschluss an Rumänien verständlich zu sein, zumal
ihnen vor Vertragsunterzeichnung am 28. November 1918 die Erfüllung fast
aller ihrer Wünsche und Forderungen zugesagt wurde. Diese Verpflichtung hat
Rumänien nicht erfüllt. sh. (17) S. 45 -
Durch den Fortgang qualifizierten Lehrpersonals – viele Professoren verließen
die romanisierte Universität – Reduzierung der Lehrstühle für deutsche Sprache
und Literatur, Entfernung der ukrainischen Sprache aus der Universität – auch an
der theologischen Fakultät – wie auch aus allen öffentlichen Institutionen und
Schulen, sowie Einführung des Rumänischen als offizielle Landessprache verlor
die Universität allmählich ihr freies und übernationales Gepräge.
Nur den rumänischen Studentenverbindungen war es zu verdanken, dass die
Studentenkooperationen der Deutschen, Ukrainer, Juden und Polen bis zur Diktatur
König Carols II. erhalten blieben.
"Die theologische Falkultät der Universität Czernowitz behielt ihre
führende Stellung ...... Die Metropolie von Czernowitz verlor indessen ihre
Bedeutung, da ihr seit 1918/1919 nur noch die die Orthodoxie der Bukowina
unterstand." (10) S. 331
In der Kirchensatzung und der Bezeichnung der Bukowinischen Orthodoxen
Kirche wurde eine Änderung von "griechisch-orientalisch" auf
"orthodox-rumänisch" durchgedrückt, obwohl dieser Kirche die
griechisch-orthodoxen Rumänen und Ukrainer angehörten. sh. (16)
S. 236
"Die mit aller Macht einsetzende Politik rücksichtsloser Assimilation
traf speziell das ukrainische, deutsche und jüdische Schulwesen mit
voller Härte, denn das von einem Nationalstaat durch Angliederung der
neuen Provinzen zu einem Nationalitätenstaat gewordene Rumänien glaubte,
durch Zwangsrumänisierung alle Probleme lösen zu können." (10) S. 288 -
Verwaltung und Gerichtsbarkeit waren nach 1918, solange noch ehemalige
österreichische Beamte, auch rumänischer Nationalität, tätig waren, tolerant.
Diese Toleranz schwand durch Versetzungen von Beamten ins rumänische Altreich
und ihre Ersetzung durch Beamte, die aus diesem Gebiet kamen. Zusätzlich holte
die rumänische Verwaltung rumänische Siedler in die Bukowina und lockte
ukrainische Bauern ins Altreich.
"Gegen die Bemühungen, die Bukowina durch Zwang an die Art rumänischen
Lebens anzugleichen, sperrte sich die Mehrheit der Bewohner des Landes.
Nicht nur auf Kongressen der „Abteilung Minderheiten“ bei der Liga der
Nationen, wo bedeutende Bukowiner Politiker auftraten, sondern auch im
englischen und französischen Parlament wurden die Rechte der
Minderheiten der Bukowina – auch von Fremden – verteidigt." (16) S 329
Die Lage der Deutschen verbesserte sich mit dem Erstarken Deutschlands von
selbst. Wirtschaftliche und sicherheitspolitische Probleme Rumäniens
schienen nur zusammen mit Deutschland lösbar. Deshalb schien es opportun,
den Deutschen in der Bukowina wie auch innerhalb Gesamtrumäniens
entgegenzukommen. Als sich die Lage für die Deutschen in der Bukowina
gebessert hatte, folgte 1940 die sowjetische Besetzung der Nordbukowina und
in deren Gefolge die Umsiedlung der Buchenlanddeutschen nach Deutschland. Sh.
(17) S. 47 -
zum Inhaltsverzeichnis
Die
Bukowina im Zweiten Weltkrieg
Nach Abschluss eines Nichtangriffspaktes mit der Sowjetunion (23.08.1939)
begann mit dem Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 der
Zweite Weltkrieg. Am 17. September 1939 überschritten sowjetische
Militärverbände die polnische Ostgrenze. Im Gefolge wurde Polen zwischen
Deutschland und der Sowjetunion geteilt.
Gemäß dem deutsch-russischen Abkommen vom 22. September 1939 fiel ganz
Ostgalizien bis zum San in die sowjetische Interessensphäre, was den Druck
auf Rumänien
erhöhte. Der am 26. Juni 1940 von den Sowjets gestellten Forderung
auf Abtretung Bessarabiens und der Nordbukowina binnen vier Tagen mussten
die Rumänen – situationsbedingt – kampflos zustimmen, da weder
England noch Frankreich ihre seinerzeit im Rahmen der „Kleinen Entente“
abgegebenen Grenzgarantien einlösen wollten.
Auch ein an Deutschland gerichtetes Hilfsersuchen brachte nichts weiter ein,
als den Rat Berlins zur Annahme des Ultimatums. Zwar betrachtete Deutschland
die Nordbukowina als zur deutschen Interessensphäre gehörend, doch
beabsichtigte man damals noch nicht, sich mit den Sowjets zu überwerfen.
Die Besetzung der Nordbukowina durch die Sowjetunion war der Anlass
für die im Rahmen des Molotow-Ribbentrop-Abkommens ausgehandelte Umsiedlung
der Buchenlanddeutschen in das damalige Deutsche Reich. Es war
außerdem festgelegt, dass die Umsiedlung von Beauftragten der
Reichsregierung im Einvernehmen mit den dafür zuständigen Vertretern der
Sowjets durchgeführt wird und dass dabei die Vermögensrechte des für die
Umsiedlung registrierten Personenkreises gewahrt werden sollen. Dieselben
Verpflichtungen übernahm die Reichsregierung
für in diesem Gebiete ansässige Personen ukrainischer oder weißruthenischer
Nationalität.
In der Hoffnung, die
verlorenen Gebiete zurück zu gewinnen,
schloss sich Rumänien 1941 dem Angriff der Achsenmächte gegen die
Sowjets an. Vom 28.06.1941 bis zum 23.08.1944 befand sich die gesamte
Bukowina wieder in rumänischer Hand. Nach der Kapitulation vom 23.
August 1944 mussten die Rumänen auf die nördliche Hälfte der Bukowina
verzichten. Dieses Gebiet mit der Hauptstadt Czernowitz wurde Teil der
sowjet-ukrainischen Republik.
Bereits 1940 hatte man aus der rumänisch-sowjetischen Grenzzone
die jüdische Bevölkerung deportiert, die während des
deutsch-sowjetischen Krieges stark dezimiert wurde, zumal sich Rumänien
Deutschland angeschlossen und am Krieg gegen die Sowjetunion beteiligt
hatte. Erinnert sei auch an die im weiteren Verlauf des Krieges
stattgefundenen Erschießungen und Deportationen nach Sibirien und
Transnistrien (ein Gebiet jenseits des Dnisters, dass am 1. September 1941
in rumänischen Besitz gelangt
war), die von der jüdischen Bevölkerung der Bukowina einen besonders hohen
Blutzoll gefordert haben.
.
zum Inhaltsverzeichnis
Die Umsiedlung der Buchenlanddeutschen aus der Bukowina
"95.770 Personen sind im Jahre 1940 aus der Bukowina umgesiedelt worden.
Nach der amtlichen Volkszählung aus dem Jahre 1930 hatte es aber nur 75.533
Deutsche dort gegeben. Wo kamen also die restlichen 20.000 her?
Die mit der Sowjetunion für die Nordbukowina und mit Rumänien für die
Südbukowina geschlossenen Umsiedlungsverträge vom 5. September bzw. 22.
Oktober 1940 sahen vor, dass auch Deutschstämmige, sofern mindestens ein
Großelternteil sich zum deutschen Volkstum bekannt hat, umgesiedelt werden
mussten, wenn sie den Wunsch dazu äußerten. Von dieser Bestimmung
machten insbesondere in der sowjetischen Nordbukowina viele Personen
Gebrauch, meistens, um der Drangsalierung durch die russischen Kommunisten
zu entkommen. Hauptsächlich aus Czernowitz, wo es noch unter Österreich
zahlreiche Mischehen gegeben hat, kamen diese Auswanderer. Rechnet man die
7.000 anerkannten Deutschen, die in der Südbukowina zurückgeblieben sind und
dann 1944, nach der Kapitulation Rumäniens, über Siebenbürgen nach Deutschland und Österreich
geflohen sind, hinzu, dann waren es über 100.000 Deutsche und
Deutschstämmige, die als Folge der Ereignisse während des Zweiten
Weltkrieges die Bukowina verlassen haben. Nicht enthalten sind in
dieser Zahl zahlreiche rumänische, ukrainische, polnische und jüdische
Emigranten, die in Europa, Israel und in Übersee eine neue Heimat gefunden
haben.
Die Umsiedlung, vom Deutschen Volksrat gut
vorbereitet, erstreckte sich in der
Nordbukowina über einen Zeitraum von drei
Monaten. Eine aus Deutschland eingereiste Umsiedlungskommission leitete das
Unternehmen und sorgte dafür, dass alles pünktlich abrollte. Nur 50 kg
Gepäck durfte jeder Umsiedler mitnehmen, alles andere Vermögen blieb der
Verrechnung zwischen den Regierungen in Berlin und Moskau vorbehalten." (17)
S. 47 u. 48
"Anders als in der nördlichen Bukowina vollzog sich die Umsiedlung in
Südbukowina, denn im damaligen Königreich
Rumänien herrschte weitgehend Freizügigkeit. Ein direkter Zwang zur
Umsiedlung war nicht gegeben. Auschlaggebend war das Argument, dass sich
nach Ausfall der Nordbukowina mit der Hauptstadt Czernowitz ein Teil der
deutschen Volksgruppe ohne den anderen nicht hätte halten können. Die
Entscheidung fiel in Berlin. Die Ausfuhr von persönlichem Gut unterlag nicht
annähernd den Beschränkungen, die für die Nordbukowina gültig waren." (17)sh.
S. 118-119 -
"Die deutschen Umsiedler kamen nach Deutschland in vorbereitete Lager, von
wo aus sie nach und nach, teils als Bauern, teils als Gewerbetreibende und
Angestellte in den Ostgebieten provisorisch ansässig gemacht wurden und von
wo sie dann 1945 zusammen mit den anderen Vertriebenen geflohen sind. Ein
Teil von ihnen aber, in der Hauptsache Handwerker, kam in die
"Hermann-Göring-Werke" nach Salzgitter-Lebenstedt, wo es so gut wie keine
einheimische Bevölkerung gab. Sie waren dort die Aufbaupioniere dieser
mittlerweile großen Stadt, noch ehe sich darin auch andere Vertriebene und
Einheimische niedergelassen haben. Die meisten Männer aber mussten zur
Wehrmacht einrücken. Viele von ihnen sind aus dem Krieg nicht mehr
zurückgekehrt." (17) S. 48 - In den Kriegswirren wurden auch Buchenländer
aufgrund ihrer Herkunft in Arbeitslager nach Sibirien deportiert oder
zwangsweise nach Rumänien zurückgeschickt, wo sie nicht mehr in ihre Häuser
konnten und auch nicht mehr willkommen waren.
zum Inhaltsverzeichnis
Schlussbemerkung
Der Rückblick auf allgemein zugängliche Daten der Vergangenheit der
Bukowina soll der Nachkommenschaft der Buchenlanddeutschen die
ehemalige Heimat ihrer Vorfahren näher bringen und auch weitere
Interessenten dazu anregen, sich mit der Thematik zu beschäftigen. Die
Schilderungen der Zeit ab 1774 erfolgen schwerpunktmäßig aus der Sicht des Deutschtums,
das beim Aufbau des Schulwesens, der Verwaltung und der Wirtschaft sowie
im kulturellen Bereich entscheidende Pionierarbeit geleistet hat und
erheben weder Anspruch auf Vollständigkeit noch gehen sie näher auf die
Leistungen der anderen Ethnien der Bukowina ein, die am Werden und
Gedeihen des Landes gemeinsam mit den Deutschen mitgewirkt haben. Sich
hier weiter zu informieren bleibt der Initiative des Einzelnen
überlassen.
Zum Thema « Bukowina » findet
der Interessierte eine Fülle von deutsch- und fremdsprachiger Literatur, die
einem Regenbogen gleich das gesamte Spektrum dieses Landes erfasst und zu
interessanten Einsichten führen kann.
Über besonders empfehlenswerte Bücher oder Veröffentlichungen werden wir
berichten.
Es
würde auch den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen, wollte man die
Leistungen, die von den einzelnen Volksgruppen der Bukowina auf kulturellem
Gebiet, insbesondere in den Bereichen Literatur, Musik und Kunst, erbracht
wurden, hier detailliert anführen. Doch lässt sich wohl mit Recht behaupten,
dass neben den spezifisch-ethnischen Beiträgen das Zusammenleben der
Bukowiner Bevölkerung Ergebnisse hervorbrachte, die äußerst respektabel
waren und weit über das Nationale hinausgehen.
Auch sollte nicht vergessen werden, dass sich die jüdische Intelligenz seit
Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - insbesondere in der
Hauptstadt des Landes - mit der deutschen Sprache und Kultur identifizierte
und um die Jahrhundertwende zu einem ihrer Hauptträger wurde. Verwiesen sei
auf das reichhaltige literarische Schaffen und die umfangreiche
Presselandschaft. Auch nach 1918 behielten die Juden in Czernowitz ihre
Verbundenheit mit der deutschen Sprache und Kultur bei. Um so stärker trafen
sie die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges.
zum Inhaltsverzeichnis
Verfasst: E.G.F. - Stand September 2009
(1) Geier, Christian:
Dokumentation In der Broschüre 2005 "Wer sind die
Buchenlanddeutschen?" Landmannschaft der Buchenlanddeutschen
(Bukowina) e, V, (Hg.)
(2) Horbatsch, Anna-Halja:
"DIE:BUKOWINA EINST UND HEUTE“, Eine kulturhistorische Darstellung
in: "Na Krylach Nauke", Greifswalder Ukrainische Hefte,
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Lehrstuhl für Ukrainistik,
Heft 2 - Aachen 2005
(3) Kaindl, Dr. Raimund Friedrich: „
Geschichte von Czernowitz“ von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart
- Czernowitz 1908
(4) Kapri, Emanuel Michael Freiherr von:
"BUCHENLAND": Ein österreichisches Kronland verschiedener
Völkergruppen – Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen (Bukowina)
e. V. (Hg) - Stuttgart-München 1974
(5) Lang, Franz: „Das Vereinwesen
der Deutschen in der Bukowina“ in: „Buchenland 150 Jahre
Deutschtum in der Bukowina" - Franz Lang (Hg) – München 1961 – Band
16 Veröffentlichungen des Südostdeutschen Kulturwerkes – S. 381 –
(6) Osatschuk, Serhij: „„НIMЦI
БУКОВИНИ“ -
Die Deutschen der Bukowina - Geschichte der Vereinsgründungen -"
- 2. Hälfte des 19. Jh.-Anfang des 20. Jh.- Czernowitz 2002 –
Bukowina-Forschungszentrum an der Czernowitzer Nationalen Jurij-Fedkowytsch-Universität
(7) Prelitsch, Hans:
„Student in Czernowitz
Die Korporationen an der Czernowitzer Universität -"
– München 1961 –
Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen (Bukowina) e. V. (Hg)
(8) Prokopowitsch, Erich: „Die
Entwicklung des Schulwesens in der Bukowina“ – Wien – in:
„Buchenland 150 Jahre Deutschtum in der Bukowina" – Franz Lang (Hg.)
- München 1961 – Band 16 Veröffentlichungen des
Südostdeutschen Kulturwerkes – S. 269.
(9) Randa, Alexander: „Die Bukowina
in den Weltkriegen“, Innsbruck – in „Buchenland 150 Jahre Deutschtum
in der Bukowina“ Franz Lang (Hg.) München 1961 – Band 16
Veröffentlichungen des Südostdeutschen Kulturwerkes – S 131.
(10) Turczynski, Emanuel: „DIE
BUKOWINA“ in "Deutsche Geschichte im Osten Europas - Galizien,
Bukowina, Moldau" – Berlin 1999 – Isabel Röskau-Rydel (Hg.)
(11) Wagner, Rudolf: „VOM HALBMOND
ZUM DOPPELADLER“ – Ausgewählte Beiträge zur Geschichte der Bukowina
und der Czernowitzer Universität „Francisco Josephina“ – Augsburg
1996 – Festgabe zum 120. Jahrestag 1995 der Czernowitzer „Francisco-Josephina“
Hg. Mit Unterstützung der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat (Bonn) i.
A. von Prof. Dr. Dr. Reinhold Johann Bartha und Willi Herberth vom
Landesverband Hessen der Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen
(Bukowina) e. V. in Frankfurt/Main
(12) Wagner, Rudolf: „Die
Revolutionsjahre 1848/49 im Königreich Galizien-Lodomerien
(einschließlich Bukowina)“ – Dokumente aus österreichischer Zeit,
München 1983 – Schriftenreihe der Landsmannschaft der
Buchenlanddeutschen (Bukowina) e. V.
(13) Wagner, Rudolf: „Das
multinationale österreichische Schulwesen in der Bukowina“ Band I
und II - München 1985/1986 – Schriftenreihe der Landsmannschaft der
Buchenlanddeutschen (Bukowina) e. V.
(14) Wagner, Rudolf: „Die Umsiedlung
der Buchenlanddeutschen vor 50 Jahren" – in:"Mit Fluchtgepäck
die Heimat verlassen – 50 Jahre seit der Umsiedlung der
Buchenlanddeutschen" – Stuttgart/München 1990 – Hg. Irma Bornemann
und Dr. Rudolf Wagner Schriftenreihe der Landsmannschaft der
Buchenlanddeutschen (Bukowina) e. V.
(15) Weczerka, Hugo: „Die Bukowina.
Eine Landeskundliche Einführung" – Hamburg – in: „Buchenland 150
Jahre Deutschtum in der Bukowina" – Franz Lang (Hg.) München 1961-
Band 16 Veröffentlichungen des Südostdeutschen Kulturwerkes – S. 5.
(16)
Kwitkowskyj Denys -- Bryndzan, Théophil -- Zukowskyj, Arkadij:
"BUKOVYNA - jiji menule i sutschasne -" (BUKOWINA -
Vergangenheit und Gegenwart) 1956 Paris, Philadelphia, Detroit
(17) Wagner, Rudolf: "Vom Moldauwappen zum
Doppeladler" - Ausgewählte Beiträge zur Geschichte der Bukowina - Festgabe
zu seinem 80. Geburtstag - Augsburg 1991 - Hg.i. A. der Landsmannschaft der
Buchlanddeutschen (Bukowina) e. V. von Paula Tiefenthaler und Adolf
Armbruster
zum Inhaltsverzeichnis
1772
Österreich erhält nach der Teilung Polens Galizien als
Kompensation für den Verlust Schlesiens.
1774 Österreichische Truppen besetzen
im Herbst von Galizien aus die Bukowina (10.442 km²), ohne dass es dabei
zu
Kampfhandlungen kommt.
1775 Das Dorf Rosch zählt 146 Familien
(etwa 750 Personen), 1779 schon 204 Familien, 1782 aber 238.
1775 In Konstantinopel unterzeichnet
die Hohe Pforte am 7. Mai die Urkunde der Abtretung der
Bukowina/Buchenland an Österreich. Im
Gefolge des
Militärs und aus diesem bleibt eine erste größere Gruppe
Österreicher/Deutscher in der Bukowina, deren Bevölkerung
hauptsachlich
aus Rumänen und Ruthenen (Ukrainern) bestand (etwa 75.000
Einwohner).
1778 Dem ersten von Wien eingesetzten
obersten Chef der Militärverwaltung, General Gabriel Freiherr von Splény,
folgt im Amt General
Karl Freiherr
von Enzenberg, unter dessen Obhut die ersten deutschen Siedlungen
entstanden, aber auch Armenier, Lippowaner,
Ruthenen,
Rumänen, Magyaren, Juden und Polen ins Land zogen.
1779 Das erste (Militär-)Spital ist
belegt, 1781 erhielt es ein eigenes Gebäude in Czernowitz.
1782 Gründung des Radautzer
militärischen Gestüts.
1782 Am 25. Juni treffen die ersten
deutschen Familien, Bauernsiedler aus dem Banat, in Czernowitz ein;
weitere Familien folgten im
Oktober.
Gemeinsam gründen sie eine der später zahlenmäßig stärksten deutschen
Siedlungen des Buchenlandes, Rosch bei
Czernowitz,
sowie die deutschen Gemeinschaften in Molodia, Mitoka und Zuczka.
1887 Im August macht sich die erste
größere Siedlergruppe (50 Familien) aus Galizien auf den Weg in die
Bukowina. Sie gründen die
ersten
evangelischen deutschen Gemeinden der österreichischen Bukowina.
1782 Deutsche Bergleute aus der
Zips/Slowakei gründen die Bergwerkssiedlungen Mariensee-Kirlibaba,
Poschorita, Luisenthal, Eisenau,
Freudenthal,
Bukschoaia und Stulpikani.
1782 Der Wiener Johann Paul Vogel wird
in Czernowitz erster Postmeister der Bukowina, die ,,ordentliche" Post
wird am 1. Januar 1783 in
Czernowitz
eröffnet.
1783 In Solka beginnt die
Salzgewinnung.
1783 Kaiser Joseph II. besucht die
Bukowina; ein zweiter Besuch erfolgt 1786.
1784 Czernowitz und Suczawa eröffnen
deutsche Volksschulen.
1784 Bei Jakobeny nimmt das erste
Bukowiner Bergbauunternehmen, ein Eisenwerk, seinen Betrieb auf.
1785 Die erste Zivilapotheke der
Bukowina entsteht in Czernowitz, erster namentlich bekannter
Zivilapotheker ist Mathias Winkler.
1785 Die Konskription dieses Jahres
ergab für Czernowitz (ohne Dörfer) 2.686 Einwohner, für Suczawa 2.517
und fur Sereth 1.482.
1786 Czernowitz erhält Stadtordnung.
1786 Suczawa wird zur ,,freien
Handelsstadt" erhoben.
1786 Die Militärverwaltung wird
aufgehoben und die Bukowina durch kaiserliche Verfügung ein
selbständiger Kreis in Galizien (bis 1849).
1787 Ab diesem Jahr erfolgen deutsche
Siedlungsgründungen in Radautz, Badeutz, Fratautz, Satulmare, St. Onufry,
Itzkani, Arbore,
Terebleschti
und Illischeschti (so genannter ,,Erster Schwabenzug", vorwiegend
Pfälzer).
1788 Das erste bürgerliche Spital der
Bukowina wird in Czernowitz seiner Bestimmung zugeführt.
1791 Glasmacher und Holzfäller aus
Böhmen gründen Karlsberg.
1791 Die evangelischen
Buchenlanddeutschen erhalten in Milleschoutz ihren ersten eigenen
Pastor.
1793 Deutschböhmen werden als
Glasmacher ins Land gerufen und gründen Althütte bzw. später auch
Neuhütte.
1797 In die Bergwerkssiedlung
Mariensee-Kirlibaba ziehen weitere Zipser Handwerker zu.
1797 In Czernowitz beginnt die Führung
der Kirchenmatrikel der evangelischen Pfarrei A. B. durch den ersten
Pastor, der in jenem Jahr
seine Stelle
angetreten hat.
1799 Die erste Druckerei wird in
Czernowitz von Peter Eckhard aus Bistritz eingerichtet.
1800 In der Gemeinde Altfratautz wird
eine deutsch-evangelische Volksschule eröffnet.
1801 In Mariensee-Kirlibaba wird eine
Bleischmelzhütte eröffnet.
1804 Die ersten selbständigen Zünfte
der Bukowina werden in Czernowitz nach deutschem Vorbild konstituiert.
1808 Kaiser Franz I. verfügt die
Errichtung des Czernowitzer Obergymnasiums, das erste deutsche Gymnasium
der Bukowina, das am 16.
Dezember 1808
feierlich eröffnet wird.
1809 Die erste Hebammen-Lehranstalt
wird als Staatsanstalt in Czernowitz gegründet.
1814 Die katholische Pfarrkirche in
Czernowitz, auch heute Gotteshaus der Czernowitzer Katholiken, wird
geweiht; Baubeginn war 1787.
1816 In Rosch wird eine Trivialschule
(Volksschule) eröffnet.
1817 Alexander Freiherr von Petrino,
der spätere österreichische Ackerbauminister, wird in Czernowitz
geboren, wo er im Jahre 1877 auch
gestorben
ist.
1818 In der Bukowina wird die erste
Brettersäge errichtet.
1818 In Czernowitz wird eine
Unterrealschule im Anschluss an die Normalschule eröffnet.
1820 Czernowitz erhält seine erste
öffentliche Uhr, die Turmuhr der katholischen Pfarrkirche (ersetzt
1907).
1825 In Czernowitz wird der erste
Bukowiner Schützenverein gegründet.
1832 Czernowitz hat die
10.000-Einwohner-Grenze erreicht.
1834 In der Bukowina werden die
Fahrpostverbindungen eingeführt, bis dahin gibt es nur Reitpost.
1836 Die Vorstadt Rosch zählt 530
Häuser und 703 Familien.
1843 Das bis heute gut erhaltene
Czernowitzer Rathausgebäude wird nach Plänen
des Architekten Andreas von Mikulicz erbaut.
1844 Im Zentrum von Czernowitz wird
der Grundstein für die orthodoxe Kathedrale gelegt.
1848 Wahl der ersten Bukowiner
Reichstagsabgeordneten (insgesamt acht, davon einer für Czernowitz und
sieben aus dem Bauernstand).
1848 Der Choleraepidemie dieses Jahres fallen allein in
Czernowitz über 1200 Personen zum Opfer (von 20.000 Einwohnern).
1849 Die Bukowina wird zu einem selbständigen Herzogtum
erhoben, die Durchführung dauert jedoch bis 1854.
1850 Der später international
bekannteste Arzt aus der Bukowina, Geheimrat Prof. Dr. Johannes von
Mikulicz-Radecki, wird in Czernowitz
geboren
(gest. 1905 in Breslau).
1851 Kaiser Franz Joseph I. besucht
die Bukowina.
1851 Die Landesbibliothek wird in
Czernowitz gegründet und geht später in die Universitätsbibliothek ein.
1855 Der erste gemeinnützige Verein,
der Landeskulturverein, wird in Czernowitz tätig.
1855 Das erste Telegrafenamt der
Bukowina wird in Czernowitz eröffnet.
1857 Czernowitz zählt 12.290
deutschsprachige Einwohner- davon 4.678 Juden -, 4.800 Rumänen, 3.500
Ruthenen, 810 Polen, 188
andere.
1860 In Suczawa wird das orthodoxe
Gymnasium eröffnet, in dem sowohl in rumänischer, als auch in deutscher
Sprache unterrichtet
wurde.
1860 Der ,,Emanzipationsruf der
Bukowina" wird verfasst und gedruckt (24. Dezember).
1860 In Czernowitz öffnet die erste
Bukowiner Sparkasse, 1868 die erste Pfandleihanstalt.
1861 Die neue, eigene Landesverfassung
des Kronlandes Bukowina tritt in Kraft (26. März).
1862 Der ,,Verein zur Förderung der
Tonkunst" in Czernowitz nimmt seine Tätigkeit auf.
1862 Gymnasialprofessor Ernst Rudolf
Neubauer (geb. in Iglau) bringt in Czernowitz die erste deutsche Zeitung
heraus unter dem Titel
,,Bukowina" (bis 5.
Januar 1868).
1863 Das Landesmuseum wird in der
Hauptstadt eingerichtet.
1863 In Czernowitz wird mit dem Bau der
neuen orthodoxen
Bischofsresidenz (heute Universität) nach den Plänen des Prager
Architekten Josef Hlavka begonnen.
1866 Czernowitz wird an das k. u. k.
Eisenbahnnetz angeschlossen. Am 1. September fährt der erste Zug ein.
Das Bahnhofsgebäude war
nach
einjähriger Bauzeit kurz davor fertig gestellt worden.
1866 Raimund Friedrich Kaindl, der
bedeutendste Historiker der Buchenlanddeutschen und spätere
Universitätsprofessor in Czernowitz
und Graz,
wird am 31. August in Czernowitz geboren (gest. 14.Marz 1930 in Graz).
1866 Die erste Eisenbahnbrücke über
den Pruth wird für die Bahnlinie Lemberg - Czernowitz - Jassy ihrer
Bestimmung übergeben (1868
eingestürzt).
1866 Die erste Berufsfeuerwehr der
Bukowina wird in Czernowitz gegründet.
1866 Allein in Czernowitz sterben
1.080 Menschen an Typhus und 1.182 an Cholera (bei 34.000 Einwohnern),
für die ganze Bukowina
werden 5.335
Seuchenopfer angegeben.
1867 Der erste deutsche Turnverein
wird in Czernowitz gegründet.
1868 Die evangelischen
Buchenlanddeutschen erhalten in Czernowitz das erste Seniorat.
1868 Die k. u. k. Landesbehörde bringt
die anfangs amtliche, später halboffizielle ,,Czernowitzer Zeitung"
heraus (erscheint bis 1914).
1869 Der ,,Verein zur Förderung der
wissenschaftlichen Bildung" wird in Czernowitz gegründet.
1869 Die Bahnstrecke Czernowitz -
Suczawa wird ihrer Bestimmung übergeben.
1870 Die erste ,,Freiwillige
Feuerwehr" wird in Czernowitz ins Leben gerufen.
1870 Die ,,Bukowiner Vorschussbank"
wird in Czernowitz eingerichtet.
1870 In der Landeshauptstadt
Czernowitz wird die Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungsanstalt
eingerichtet.
1870 Anton Keschmann, von 1907 bis
1918 Reichsrats- und Landtagsabgeordneter, wird in Gurahumora geboren
(gest. 1947 in Kärnten).
1871 In Czernowitz wird die erste
landwirtschaftliche Mittelschule eröffnet.
1871 In Sereth wird der
,,Museumsverein" ins Leben gerufen und in Czernowitz der Verein
,,Deutsche Lesehalle".
1871 Im Städtchen Radautz wird ein
Gymnasium gegründet, das 1880 zum Obergymnasium erweitert wird.
1874 Von einem Verein wird die erste
"höhere Töchterschule" der Bukowina errichtet, Vorläufer der kommunalen
höheren Töchterschule,
an deren
Stelle trat 1898 das städtische Mädchenlyzeum.
1872 Am 21. August wird in Czernowitz
der später international bekannte Völkerrechtler Julius Hatschek
geboren.
1872 Im Zentrum von Czernowitz wird der
Grundstein zum jüdischen Haupttempel gelegt (8. Mai), der 1941 von
SS-Soldaten in Brand
gesteckt
wurde.
1873 In Czernowitz wird die k. k.
Staatsgewerbeschule eröffnet.
1875 Gründung der Franz-Josephs-Universitat
in Czernowitz, Eröffnung am 4. Oktober.
1875 Hundertjahrfeier der
Zugehörigkeit der Bukowina zu Österreich.
1877 Die Bukowiner Landeshauptstadt
lässt ein eigenes Stadttheater erbauen (nach Plänen des Architekten
Joseph Gregor).
1886 Die erste Ortsgruppe des
,,Deutschen Schulvereins" in der Bukowina entsteht in Czernowitz.
1884 In Rosch werden die Albrechts-
und die Kavalleriekaserne erbaut.
1886 Die neue Landeskrankenanstalt
wird in Czernowitz eröffnet („Bukowiner öffentliche allgemeine
Krankenanstalt"),
1886 Auf der Czernowitzer Schützenhöhe
findet die erste Bukowiner Landesausstellung statt.
1888 Der spätere
Theaterwissenschaftler Prof. Dr. Joseph Gregor wird in Czernowitz
geboren (26.
Oktober).
1888
Das Gewerbemuseum wird in Czernowitz eröffnet.
1891 Die ,,Herz-Jesu-Kirche" des
Jesuitenordens (heute staatliches Bezirksarchiv) wird nach Plänen des
Architekten Josef Leizner erbaut,
Fertigstellung 1894.
1893 Als eine der letzten deutschen
Tochtersiedlungen in der Bukowina entsteht Nikolausdorf.
1895 Czernowitz führt die
Wasserleitung aus Rohozna ein.
1896 Die öffentliche elektrische
Straßenbeleuchtung wird in Czernowitz eingeführt (5. Februar).
1896 In Czernowitz wird die städtische
Kanalisation durchgeführt.
1896 Das zweite Staatsgymnasium mit
deutsch-ruthenischen Parallelklassen wird in Czernowitz eröffnet.
1897 In der Landeshauptstadt der
Bukowina wird die elektrische Straßenbahn eingeführt, Erstfahrt am 18.
Juli.
1897 Der ,,Verein der christlichen
Deutschen" wird in Czernowitz gegründet. Erster Vorsitzender ist Prof.
Dr. Theodor Gartner.
1899 Georg von Drosdowski, später
bekannter Lyriker, wird in Czernowitz geboren (gest.
1987 in Österreich).
1899
Der ,,Verein der christlichen Deutschen" in der Bukowina eröffnet
an der Siebenbürger Straße in Czernowitz das erste ,,Deutsche
Haus" im
Kronland.
1899 Das Städtchen Sereth erhält sein
erstes Gymnasium.
1900 Czernowitz zählt zusammen mit den
fünf Vorstädten 67.622 Einwohner, davon 7.453 in Rosch. Insgesamt werden
in der Bukowina
730.195
Seelen registriert.
1900 In Rosch wird die Pfarrkirche zu
den Erzengeln Michael und Gabriel errichtet.
1901 Der Verein ,,Deutsches
Schülerheim" (mit Sitz in Czernowitz) wird gegründet.
1901 Auf der Siebenbürger Straße in
Czernowitz wird das Denkmal für das Bukowiner Hausregiment (41er
Infanterieregiment, gegründet
1701 als Regiment
Bayreuth) errichtet, die Weihe erfolgt 1902.
1903 In Czernowitz wird der ,,Deutsche
Fußballklub" gegründet, der 1911 seinen Namen in ,,Fußball- und
Turnverein Jahn" änderte.
1905 Das neue Czernowitzer
Stadttheater - heute noch bespielt - wird nach Plänen der Wiener
Architekten Fellner und Helmer errichtet.
1906 Es beginnt der Bau des
,,Deutschen Hauses" in Czernowitz nach Plänen des sudetendeutschen
Architekten Fritsch (an der
Herrengasse,
heute Nr. 53).
1906 Die deutsch-rumänische Filiale
(seit 1901) des Ersten Staatsgymnasiums in Czernowitz wird zum Dritten
Staatsgymnasium
umgestaltet.
1907 Die Volksschule in Rosch-Stinka
wird erbaut.
1907 In Kimpolung wird ein
rumänisch-deutsches Gymnasium eröffnet.
1907 Das städtische ,,Pruthbad" wird
in Czernowitz als viertes Badehaus der Stadt eingerichtet.
1908 Gurahumora erhält ein deutsches
Gymnasium.
1908 Der Grundstein zum ersten
Kinderspital wird am 25. Juni in Czernowitz gelegt.
1908 Die ,,deutsch-christlich-soziale"
Zeitung ,,Bukowiner Volksblatt" beginnt ihr Erscheinen (bis 1913).
1910 Das ,,Deutsche Haus" in
Czernowitz wird seiner Bestimmung übergeben.
1910 In Anlehnung an den mährischen
erfolgt der ,,Bukowiner Ausgleich".
1911 In der Landeshauptstadt wird das
erste deutsche Turnfest der
Bukowina abgehalten.
1911 Im Kur- und Badeort Dorna Vatra
wird der Verein ,,Christlich-Deutsche Wacht" gegründet.
1911 In Czernowitz wird die
Staatsrealschule eröffnet.
1911 Die erste Tagung der
Karpatendeutschen findet in Czernowitz statt, organisiert von Prof. Dr.
Raimund Friedrich Kaindl (,,dem
Karpatendeutschen"), die nächsten folgen 1912, 1913 und 1914.
1911 In Gotha erschien der 3. und
letzte Band der ,,Geschichte der Karpatendeutschen", dem Hauptwerk des
Bukowiner Historikers Rai
mund
Friedrich Kaindl.
1913 In Czernowitz erscheint die
katholische Zeitung ,,Volksfreund" (bis Kriegsbeginn).
1913 Ein christlich-deutscher Verein
entsteht in Suczawa.
1914 Der Ausbruch des Ersten
Weltkrieges führt u. a. dazu, dass auf dem Gebiet der Bukowina schwere,
verlustreiche und entscheidende
Schlachten
ausgetragen werden.
1918 Am 11. November rückt eine
königlich-rumänische Division in die Bukowina
ein.
1919 Der ,,Deutsche Volksrat" der
Bukowina wird gegründet.
1919 Durch den Vertrag von St. Germain
(10. September) verzichtet Österreich
offiziell auf die Bukowina.
1919 Der Verein ,,Katholischdeutscher
Volksbund" der Bukowina wird gegründet.
1920 Einweihung des evangelischen
Waisenhauses in Czernowitz.
1921 Eröffnung des
katholisch-deutschen Waisenhauses in Czernowitz. 1921
1921 Die Sektion Buchenland des
,,Siebenbürgischen Karpatenvereins"
und die ,,Deutsche Frauenvereinigung" werden initiiert.
1921 Gründungstagung des ,,Verbandes
der Deutschen in Großrumänien"
in Czernowitz.
1923 Der Sportverein „Jahn" erwirbt
einen eigenen Sportplatz am Czernowitzer Pruthufer.
1931 Der ,,Deutsche Kulturverein" der
Buchenlanddeutschen führt die Arbeit des ,,Vereins der christlichen
Deutschen" weiter.
1932 Große 150-Jahr-Feier der
Ansiedlung von Deutschen in der Bukowina.
1934 Der Neubau des ,Josephinum"-Waisenhauses
wird abgeschlossen.
1940 Beginn der Umsiedlung der
Buchenlanddeutschen aus dem Norden
der Bukowina nach dem Einmarsch der Sowjets gemäß dem
Molotow-Ribbentrop-Abkommen.
1940/41 Umsiedlung der Deutschen aus dem Süden der
Bukowina (Rumänien) ins Deutsche Reich.
1946 Das ,,Hilfskomitee der
evangelischen Deutschen aus der Bukowina"
nimmt in München unter der Leitung von Senior Edgar Müller
seine
Tätigkeit auf.
1949 In München wird die
Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen gegründet, erster Vorsitzender
ist Dipl. Ing. Jakob Jelinek und
erster
Sprecher Dr. Rudolf Wagner.
1950 Der Landesverband Niedersachsen
der Landsmannschaft der
Buchenlanddeutschen mit dem Schwerpunkt SaIzgitter-Lebenstedt
wird
gegründet.
1951 Gründung des
„Raimund-Friedrich-Kaindl-Bundes" in Sindelfingen.
1951 In Turen/Venezuela entsteht eine
buchenlanddeutsche Siedlung.
1953 50jähriges Gründungsfest des
,,Sportvereins Jahn" in Stuttgart-Büsnau.
1955 Der Bezirk Schwaben/Bayern
übernimmt die Patenschaft über die
,Volksgruppe der
Buchenlanddeutschen" (17. Juli).
1974
In Stuttgart-Büsnau wird unter der Leitung von Prof. Dr. Herbert
Mayer die ,,Raimund-Friedrich-Kaindl-Gesellschaft e.V." gegründet.
1988 Gründung des Trägervereins
Bukowina-Institut Augsburg (27. Juli).
1990 Feierliche Eröffnung des
Bukowina-Instituts Augsburg (13. Februar).
1992 Ab Heft 9 werden die
,,Kaindl-Hefte" vom Augsburger Bukowina-Institut in Zusammenarbeit mit
der ,,Kaindl-Gesellschaft"
herausgebracht. Bisher sind 36 Hefte der neuen Folge erschienen.
1992 In der Geschäftsstelle der
Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen in Augsburg wird die Gründung
des Landesverbandes ,,Neue
Bundesländer"
der
Landsmannschaft beschlossen (Oktober).
1998 Zehnjahrfeier des Augsburger
Bukowina-Instituts.
2001 Erstes Bundestreffen einer
Landsmannschaft in der alten Heimat
(in Suceava) mit internationaler Beteiligung und Eröffnung der
Wanderausstellung (dreisprachig) über die Umsiedlung der
Buchenlanddeutschen ,,ins Reich" 1940.
2003 Erstes Bundestreffen der
Buchenlanddeutschen in den neuen Bundesländern
in Brehna bei Bitterfeld.
2005 Jubiläumsbundestreffen zu Pfingsten
(14.-15. Mai) in Unterelchingen: 50 Jahre
Patenschaft des Bezirks Schwaben/Bayern für die
Volksgruppe der
Buchenlanddeutschen.
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