Wappen - Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen (Bukowina) e.V.
     

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Bukowina-Reiseberichte  

               

Buchenlandkanal 
              

   Buchenlandreise 2006 von Alfred Wanza

     

                   Reisegruppe vor der Wallfahrtskirche                 Reisegrupe vor dem Hotel    

       Der Reisebus                                   Gäste und Gastgeber in Cacica              Reisegruppe bei Stop in Budapest
                                                      

Dem unermüdlichen Einsatz von Herrn Alfred Wenzel, dem Vorsitzenden des Landesverbandes Niedersachsen der Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen, ist es zu verdanken, dass auch in diesem Jahr, in der Zeit vom 17.07. bis 27.07.2006, wieder eine Fahrt in die alte Heimat, das Buchenland und die heutige Bukowina stattfinden konnte. Es war sehr schwierig die erforderliche Mindestzahl an Mitreisenden zusammenzubekommen und das Busunternehmen zu überzeugen, die Reise nur mit der halben Belegungszahl anzutreten. An dieser Stelle ein Dankeschön an das Busunternehmen Schmidt aus Salzgitter, dessen Inhaber ein Freund der Bukowina ist. Auch den hervorragenden Fahrern, die mit ihren Rumänisch- und Landeskenntnissen und sehr viel Fingerspitzengefühl die Reisenden immer wieder gut nach Hause bringen, gilt ein besonderer Dank.   Das Reiseunternehmen führt seit langem die Fahrten für die Landsmannschaft durch. So werden bei der Festlegung der Reiseroute auch Umwege hingenommen, um unterwegs Mitreisende aus verschiedenen Landesteilen aufzunehmen. Die Unterbringung im Hotel Bradul in Vatra Dornei entspricht westlichem Standard. Einige Mitreisende wohnten bei Bekannten und Verwandten in verschiedenen Orten. Für die Mitreisenden bestand die Möglichkeit, neben den angebotenen und im Preis enthaltenen vier Ausflugsfahrten nach Rădăuţi, Suceava, Gura Humorului oder das Rodnagebirge sowie Cacica mit Besichtigungen der bekannten Klöster, Kirchen, Museen, Märkte und vielem mehr, die freien Tagen für Besuche in den Heimatorten zu nutzen. Krönender Abschluss war ein gemeinsamer Gottesdienst in der Wallfahrtskirche von Cacica, der von dem deutschen Pfarrer Proschinger abgehalten und vom Chor des deutschen Forums  aus Suceava mit wunderschönen buchenländischen Kirchenliedern begleitet wurde. Anschließend fand ein gemütliches Beisammensein mit Essen und Gesang statt. Auch diese Reise war wieder ein voller Erfolg.    zurück zum Seitenanfang

 Buchenlandreise 2006 – Besuch in der Heimat ihrer Vorfahren  

                                                                                                                                

  Besuch bei einer Deutschen      Besuch bei einer rumänischen Freundin         In einem rumänischen Haus          

     

  Haus vor den Bergen Adam und Eva         Vor dem Wasserbrunnen          Gemeinsamer Gottesdienst          

    Haus vor den Bergen Adam und Eva             Frau Moroşan vor dem Brunnen             Gemeinsamer Gottesdienst                           

  Zu Besuch          Kath. Kirche          Ev. Kirche                                                                       

Eine Gruppe von sechs Mitreisenden hatte sich in der Pension Christiana in Pojoriâta niedergelassen. Das bedeutete, dass nach der Ankunft um 22:00 Uhr noch ein Transfer mit zwei Privatfahrzeugen über Jacobeny und den 1.295 m hohen Berg Mestecanis absolviert werden musste. Ein Hindernis waren die in Bau befindlichen Straßen. Mit Mitteln der EU wird hier auf einem Abschnitt von ca. 100 km die Straße verbreitert und es werden sämtliche Versorgungsleitungen verlegt, an die später die Orte angeschlossen werden. Mit diesem Hindernis hatte unser Bus schon weit von Vatra Dornei zu kämpfen, was auch zu der späten Ankunftszeit führte. Nach einer herzlichen Begrüßung und Einnahme einer hervorragenden Suppe und einem Begrüßungstrunk fielen wir  alle in die Betten. Am nächsten Morgen eröffnete sich allen Beteiligten der wunderschöne Blick in die Landschaft. Nach einem guten Frühstück standen Besuche von alten Bekannten an. Die herzliche Begrüßung mit Umarmungen und die ebenso herzliche Aufnahme in den Häusern gehören zu den Selbstverständlichkeiten des Landes. Das gilt für die nahestehenden Landsleute und die bekannten rumänische Familien gleichermaßen. Die erstmals Mitreisenden sind beeindruckt von dieser Herzlichkeit. Besucht wurden Familien und alleinstehende Personen deutscher Herkunft sowie rumänische Familien, die man aus alter Zeit kannte oder die in den ehemals deutschen Häusern oder auf deren Grundstücken wohnen. Unsere kleine Reisegruppe hatte den großen Vorteil, von dem Wissen von Angela Eisenhut geborene Vogel, die noch in Pojorâta zur Schule ging und sowohl rumänisch als auch Zipser Mundart spricht, zu profitieren. Folglich schwärmten wir immer mit Angela aus, die den anderen Beteiligten zeigen konnte, wo sie geboren wurde oder wo ihre Eltern wohnten.  Es war schon ein ordentliches Programm zu absolvieren. Bei den Besuchen paarten sich die Wiedersehensfreude bei den Älteren unter uns mit Neugierde und der Erwartungsspannung  bei den Jüngeren. In den kühlen Häusern und den gemütlich eingerichtet Räumen wurde zipserisch und rumänisch gesprochen oder übersetzt. Es wurden aktuelle Informationen ausgetauscht, es wurde gemeinsam gelacht, gesungen und es wurden kleine Geschenke ausgetauscht.

Im nu stellten die Gastgeber etwas zum Essen und zum Trinken auf den Tisch, als hätten sie auf uns gewartet. Der Abschied war ebenso herzlich wie die Begrüßung. An den folgenden nicht mit anderen Programmen belegten Tagen setzten sich die Besuche gleichermaßen fort. Da jeder Mitreisende den Wunsch hatte, entweder alte Bekannte zu treffen oder an den Ort seines Geburtshauses oder denjenigen seiner Eltern zu gelangen, waren viele Kontakte ganz unterschiedlicher Art angesagt. Die Jüngeren unter uns, die nach der Umsiedlung  anderorts geboren wurden, suchten die Häuser ihrer Eltern auf. Die Älteren hingegen hatten ganz gezielte Vorstellungen.  Am Ende kam man zu ganz unterschiedlichen Erkenntnissen. In den vielen Jahren nach der Umsiedlung hatte sich viel verändert. Die noch vorhandenen Häuser wurden von ihren Bewohnern zum Teil baulich verändert. Einige alte Häuser standen leer, weil der Bewohner inzwischen verstorben waren. Andere Häuser wurden bereits durch neue Häuser ersetzt, die inzwischen von jüngeren Familien bewohnt werden.  Die älteren Mitreisenden berichteten, dass sich das Dorfbild durch viele neue und größere Häuser stark verändert hat. So hat Pojorâta inzwischen neben vielen neuen Häusern auch zwei neue große Kathedralen erhalten. Die katholische Kirche befindet sich aufgrund westlicher Unterstützung in einem guten Zustand. Der Zustand der gegenüberliegenden evangelischen  Kirche ist leider wesentlich schlechter. In den Kirchen werden noch in Abständen Gottesdienste abgehalten.  Am Sonntag nahmen die angereisten Gäste zusammen mit der einheimischen Bevölkerung ein einem solchen Gottesdienst in der katholischen Kirche teil. Die Gottesdienste werden hier sonntäglich abwechselnd in deutsch und rumänisch abgehalten. In der evangelischen Kirche findet noch monatlich ein Gottesdienst statt.                  zurück zum Seitenanfang                 

Buchenlandreise 2006 – Ausflugsfahrt nach Rădăuţi und Besuch des deutschen Forums in Câmpulung

                                                  

 Markt in Radautz   Kath. Kirche  Deutscher Kulturverein     Klosterkirche        

                   Markt in Rădăuţi                  Altar der kath. Kirche in Rădăuţi       Haus des dt. Kulturvereins Rădăuţi             Kloster Moldoviţa   
                                                                                                      

 Chor Deutsches Forum         Deutsch-Rumänische Singgemeinschaft             Zu Gast bei Freunden    

                      

Am zweiten Tag vor Ort fand die Ausflugsfahrt nach Rădăuţi statt. Unsere kleine Gruppe ist bei der Durchfahrt des Reisebusses in Pojorâta dazu gestiegen. Im Bus hatte inzwischen Oskar Hajnakowski, den inzwischen alle Buchenlandreisenden kennen, die Reiseleitung übernommen. An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass sich die einheimischen Landsleute rührend um die Belange der Gäste kümmern. Hierzu gehört neben Oskar auch Costantin Guga sowie seine Mutter und viele andere. Frau Guga, eine ehemalige Professorin, schreibt in deutsch und rumänisch wehmütige Gedichte über die Bukowina. Sie ist mit Ihren Eltern aus Czernowitz geflüchtet und hat in Vatra Dornei ihre zweite Heimat gefunden. Ihre Bindung zu den Buchenlanddeutschen ist tief. Als Widmung in ihren Gedichtsbänden, die sie gern verschenkt, schreibt sie stets: „Das Buchenländertreffen hat uns viel Freude ins Herz gebracht. Ein Wiedersehen in der Bukowina bringt Glück. Bitte, kommen Sie wieder!“
 

Frau Guga hat gerade ein Buch mit dem Titel: „Träume der Bukowina“ neu verfasst. Wir werden versuchen, dass dieses Werk sowie die Gedichte von Frau Guga in Deutschland veröffentlicht werden. Vielleicht finden wir freundliche Helfer. Nach diesem kurzen Abschweif zurück zur Ausflugsfahrt. In Rădăuţi  haben wir das Markttreiben erlebt, die schöne katholische Kirche sowie die orthodoxe Kathedrale besichtigt. Nach einer gemeinsam eingenommenen Suppe haben wir das „Deutsche Haus“ besucht, das das Deutsche Forum Rădăuţi zurück erhalten hat. Ein mächtiges Gebäude mit vielen Räumen, in dem sich zeitweise auch ein Kino befand. Nach der Besichtigung wurde deutlich, dass noch viel Arbeit zu leisten ist, die ohne unsere gemeinsame Unterstützung nicht zu schaffen ist.  Auf der Rückfahrt haben wir das Kloster Moldova sowie die Töpferstadt Marginea besucht. Unsere Gruppe von sechs Leuten hatte nach der Rückfahrt ein Treffen mit dem Deutschen Forum in Câmpulung geplant. Dieses sollte sich als angenehme Überraschung herausstellen. Man hatte uns mit einem Kleinbus von der Ausstiegsstelle in das Forum gebracht. Hier hatte sich der Chor postiert, um uns mit schönen und gekonnt vorgetragenen alten Buchenlandliedern zu überraschen. Nachdem wir an einem von unseren Gastgebern zusammengetragenen gut gedeckten Tisch platz genommen hatten, haben wir besprochen, dass sich jeder Einzelne kurz vorstellt. Woher er kommt, welches Leid oder Glück er erfahren hat und wie es ihm heute geht. Es waren einprägsame Momente, in denen jeder noch einmal das eigene Schicksal  denen seiner Gesprächspartner gegenüberstellen konnte und vielleicht seine eigenen Schlüsse daraus zog. Da sich die meisten Deutschen mit Rumänen verheiratet hatten, kam es zu interessanten Begegnungen, wie in einer großen Familie, so dass sich am Ende auch die Zurückhaltendsten vorstellten.  Es wurde viel erzählt und gesungen. Emilan Fedorowytsch hat mit seiner Gitarre die Stimmung genauso angeheizt, wie auf der anderen Seite die Chormitglieder mit ihrem bekannten Sänger Corneliu Barbulescu. Es wurden deutsche wie auch rumänische Lieder gemeinsam gesungen. Es wurden neue Freundschaften geschlossen und Adressen ausgetauscht. Unser Zeitplan wurde abermals über den Haufen geworfen. Am Ende nahmen sich alle Beteiligen an die Hand und bildeten einen großen Kreis, um sich zu verabschieden und gemeinsam, "So ein Tag, so wunderschön wie heute" und andere Abschiedslieder zu singen. Wieder war ein schöner eindrucksvoller Tag zu Ende. Dennoch bleiben Fragen. Auch hier gibt es noch viel zu tun. Das Gebäude, das dem Deutschen Forum gehört, könnte noch weiter verbessert werden. Den Menschen an dieser und jener Stelle könnte ebenfalls noch geholfen werden. Reicht unsere  Unterstützung? Vielleicht könnte man vor Ort Strukturen schaffen, um konkrete Hilfe zu leisten, um vielleicht sogar kleine Projekte einzuleiten? Wenn man erfährt, dass einer Rentnerin nach Miete und Nebenkosten noch 15 € mtl. zum Leben verbleiben, wird man nachdenklich.       zurück zum Seitenanfang                                 

  Buchenlandreise 2006 – Unternehmungen in der Umgebung

                     Gäastehaus Sava

                           Restaurant Gästehaus Sava in Pojorâta

  Hirtenhund auf der Rarau-Alm        Zu Gast bei Freunden        Gäster vor der Pension Elena       

                                     E

Die Zeit verrann wie im Fluge. Bis zur Fahrt nach Cacica und zur Zwischenübernachtung vor der Abreise nach Vatra Dornei war es nicht mehr lang. Neben den bereits geschilderten örtlichen Exkursionen und Besuchen  fand   noch eine Fahrt nach Câmpulung mit Besichtigungen des bekannten  Holzmuseums, der Kirchen und des Marktes statt. Einen Tag später stand für einige Mitreisende ein kleines Abenteuer in Form einer Fahrt mit dem Jeep auf den 1.653 m hohen Rarău an. Auf der zum Rarău führenden Straße Izvor nahmen die Beteiligten an diesem Tag nach 6 km zuerst ein deftiges Frühstück in dem von der Familie Sava neu errichteten Gasthaus für Wanderer ein. Die Familie Sava betreibt gegenüberliegend eine Cabană (Herberge) mit wunderschön rustikal eingerichteten Räumen mit Zentralheizung und Dusche und großem Kaminzimmer für 16 Personen. Man kann sich hier bei voller Verpflegung – wie bei Muttern – preisgünstig einquartieren. Gestärkt und froh gelaunt setzten wir die Fahrt durch den dichten Buchenwald, vorbei an sprudelnden Bächen fort.  An den Lichtungen konnte man kleinere Kuhherden, die sich im Schatten unter den Bäumen ausruhten, beobachten. Für uns ein eher ungewöhnliches Bild. An der nächsten größeren Lichtung konnte man deutlich die Bergkuppe mit den bekannten Felsen sowie den 1.857 m hohen gegenüberliegenden Giumalău erkennen. Oben angekommen, machten wir vor dem neu errichteten Hotel halt, um die naheliegenden Felsen zu erklimmen. Von hier eröffnete sich ein wundschöner Panoramablick. Zu bestaunen war ferner der kräftige und gesunde Fichtenbestand sowie die üppigen und blühenden Waldwiesen.  Nach dem Abstieg zu unserem Jeep, machten wir uns auf den Weg zum lichten noch höher liegenden Gipfel mit seinen kräftigen Wiesen und einer Cirna (Almhütte). Von hier eröffnete sich nun der totale Panoramablick, der die Karpaten über die Bukowina hinaus sichtbar werden lies. Auf dem Rückweg kamen wir an einer Schafherde mit ihrem Schäfer und seinen Hunden vorbei. Das Nähern der Hunde mir ihrem 15-20 cm langem stockähnlichen Schutz gegen Wölfe am Halsband, verhinderte ein Aussteigen. Der Abgleich eines von Emilian im Vorjahr gemachten Fotos mit dem Schäfer der Herde machte nicht deutlich, ob es sich bei dem sich unserem Jeep nähernden Schäfer um die abgebildete Person handelte. Im Gespräch wurde schnell klar, dass es sich um den frate = Bruder handelte. Der Schäfer erhielt freudestrahlend die Ablichtung, um sie seinem Bruder auszuhändigen. Nach der Ankunft im Tal und nach einer kurzen Erfrischung folgten wir einer Einladung des Bruders unserer Gastgeberin. Hier haben wir zusammen mit weiteren Gästen in einer gemütlichen Blockhütte, die sich auf dem Grundstück vor dem Hintergrund von Adam und Eva befand, lang und ausgiebig gefeiert. Mit starker Unterstützung unseres Sängers Emilian sowie seiner Gitarre wurden deutsche und rumänische Lieder bis in die späten Abendstunden gesungen. Leider hatte die Konversation an den sprachlichen Defiziten etwas gelitten. Nicht unerwähnt lassen möchten wir an dieser Stelle unsere netten Gastgeber, die in zentraler Lage von Pojorâta eine kleine Pension betreiben und uns jeden Wunsch von den Augen abgelesen haben, um uns mit hervorragenden landesüblichen Speisen und Getränken zu versorgen. Ebenfalls haben unsere Gastgeber für uns eine Abschiedsfeier organisiert, zu der wir weitere deutsche und rumänische Bekannte und Freunde eingeladen hatten. Die Gastlichkeit und Gemütlichkeit mit netten Leuten beim Genuss der landesüblichen Speisen und Getränke bei ausgelassener Fröhlichkeit und Gesang werden wir sehr vermissen.     
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Buchenlandreise 2006 – Cacica und der Abschied

 

 Gäste und Gastgeber vor der Wallfahrtskirche          Altarder Wallfahrtskirche          Reisegruppe mit Gästen    

     

 Kirche            Spiegelsaal           Fußgängerzone                   

Der letzte Ausflug führte uns nach Cacica in die bekannte Wallfahrtskirche mit der “Schwarzen Madonna”. Hier hielt der deutsche Pfarrer Proschinger einen Gottesdienst. Pfarrer Proschinger ist nach dem Krieg zu Fuß die Flucht aus sibirischer Gefangenschaft bis in die Bukowina gelungen. Das Forum aus Suceava hatte seinen Chor nebst Kleinorgel in der Kirche postiert. Dieser ehrfürchtige Ort in Form der wunderschönen Kirche mit ihren Altären und der Madonnengrotte in Verbindung mit der Andacht von Pfarrer Proschinger und den einmaligen Gesängen des Chors hinterließ bei den Besuchern einen tief verbleibenden Eindruck. Nach dem Gottesdienst trafen sich die Beteiligten im neuen Restaurant der Pension Lidana, um den Tag bei Essen und Trinken gemütlich ausklingen zu lassen. Gemeinsam wurden alte Buchenlandlieder gesungen und es wurde erzählt. Und wieder war ein schöner Tag zu Ende. Am nächsten Tag hatte unsere Reisegruppe die für die Rückreise geplante Zwischenübernachtung in Vatra Dronei anzutreten. Unsere Gastgeber brachten uns nach dem Frühstück mit dem PKW nach Vatra Dornei. Hier hatten wir Gelegenheit, nach einer Rast an einem schattigen Plätzchen in einem Restaurant, uns noch ein Mal die Sehenswürdigkeiten der Stadt anzusehen. Dazu zählten der bekannte Spiegelsaal, die katholische Kirche, das Heimatmuseum und die neue Kathedrale am Park. Wir fanden sogar die Zeit für Einkäufe von Geschenken sowie für einen Spaziergang im schönen Park. Im Hotel Bradul, dass gerade seinen riesigen Anbau mit Schwimmbad und vielen Bäderabteilungen eröffnet hatte, stießen wir abends  zu den in Vatra Dornei verbliebenen Reisenden. Zur Verabschiedung waren auch Oskar Hajnakowski, Frau Guga und Sohn sowie ein Bekannter von Emilian Fedorowytsch erschienen. Emilian hatte den Zwischenstopp genutzt, um auch hier alte Bekannte zu besuchen. Nach dem gemeinsamen Abendessen und Singen von einigen Buchenlandliedern war allen Beteiligten klar, dass nun nach dem Abschied von den einheimischen Gästen die frühe Abfahrt von 4:00 Uhr früh am nächsten Tag ihren Tribut fordern würde. Die Rückfahrt, die geprägt war vom gegenseitigen Berichten über das Erlebte sowie dem Austausch von Adressen, führte uns über einen Zwischenstopp in Bruck a. d. Leitha in die Heimat zurück. Zurück bleibt leider auch die Ungewissheit, ob im nächsten Jahr genügend Teilnehmer für eine neue Fahrt in die Bukowina zur Verfügung stehen werden. Zu empfehlen ist diese Reise allemal, vor allem den Jüngeren, die die Heimat ihrer Vorfahren noch nicht kennen. Sie sollten sich die Erfahrungen mit den vielen netten Menschen und der wunderschönen einmaligen Landschaft nicht entgehen lassen. Die Globalisierung wird auch hier in Kürze ihre Spuren hinterlassen. Dennoch bleibt zu guter Letzt die Hoffnung, dass diese Region ihre Einzigartigkeit bewahrt.

 Im Juli 2006 – A. Wanza                                         zurück zum Seitenanfang

 

Auf den Spuren der deutschböhmischen Ahnen

 Ein Reisebericht von Irmtraud Schaper, geb. Hartinger 

 

 

Fliederstr. 21, 33175 Bad Lippspringe
Telefon: 05252 / 4119, E-Mail: adolf.schaper@t-online.de

Eine Reise auf den Spuren der deutschböhmischen Ahnen zu Beginn des 21. Jahrhunderts in den Böhmerwald, in die Südbukowina, in Orte von ehemaligen Umsiedlungslagern und nach Polen

Ein Reisebericht in 4 Teilen    

  1. Die Wiege im Böhmerwald im 18. Jahrhundert 1
  1. Siedlungen in der Bukowina ab ca. 1790 – 1940 2
  1. Umsiedlung nach Polen über verschiedene Lager von 1940 bis 1942 1,3
  1. Ansiedlung in Polen ab 1942 bis 1945 3

veröffentlicht in „Der Südostdeutsche“ Ausgaben Februar bis Mai 2006
Adresse: Alter Postweg 97a, 86159 Augsburg 

http://www.bukovinasociety.org
The Bukovina Society of the Americas, P.O. Box 81, Ellis, KS 67637, USA , Martha McClelland 

1 Spurensuche im Mai 2004

2 Spurensuche im Juni 2005

3 Spurensuche im Juli 2005

Wenn die Lebensuhr schon ein bisschen weiter fortgeschritten ist und man sich nicht mehr primär um Beruf, Kinder und Familie, Schaffung von Wohneigentum u. ä. kümmern muss, das heißt, wenn das Rentenalter naht, hat man Zeit und Muße, sich mit Erinnerungen zu beschäftigen. Dann fällt auf, dass man viele Fragen an die eigene Vergangenheit hat, die man noch nicht gestellt hat. Nun wird es Zeit, sie zu stellen, solange sie noch jemand beantworten kann. Vor diesem Hintergrund hat sich unser Interesse an der Familiengeschichte unserer Ahnen entwickelt und manifestiert.

Seit etwa zwei Jahren beschäftigen wir, Irmtraud Schaper, geb. Hartinger und Adolf Schaper, uns mit den Stammbäumen unserer Vorfahren aus dem Böhmerwald und deren Nachkommen in Pojana Mikuli und Dumbrava in der ehemaligen Südbukowina im heutigen Rumänien und wiederum mit deren Weg der Umsiedlung nach Polen.

Die schriftlichen Unterlagen wollten wir nun auch mit Leben füllen. Meine Eltern, Elfriede Hartinger, geb. Reitmajer (Tochter von „Wenzel-Ambrosn“ Rudolf Reitmajer und „Burscherl“ Rosina Baumgartner, beide aus Pojana Mikuli) und Heinrich Hartinger (Sohn von „Modheisn“ Jakob Hartinger und „Leopoldn“ Franzi Lang, beide aus Pojana Mikuli) sind noch sehr reiselustig und hatten sich bereit erklärt, mit uns gemeinsam auf den Spuren unserer Ahnen zu wandeln. Somit haben wir unseren Urlaub innerhalb der letzten beiden Jahre ganz dieser Spurensuche gewidmet und den Böhmerwald, die Bukowina und Polen besucht.

Ich möchte den Lesern dieser Zeitung unsere Eindrücke von diesen Reisen  in vier Teilen schildern. Vielleicht bekommen noch mehr „erwachsene Kinder“ Spaß daran, es uns nachzutun.       

Teil 1: Die Wiege im Böhmerwald im 18. Jahrhundert

 Im Mai 2004 begannen wir unsere Reise in die Vergangenheit mit einer Tagesfahrt nach Tschechien in den Böhmerwald (tschechisch: „Sumava“), um einen Teil der Geburtsorte unserer Deutschböhmischen Vorfahren zu finden, die wir mit Hilfe der Ahnenforschung recherchiert hatten.

Dank der offenen Grenzen nach Tschechien ist es heute unproblematisch, am Grenzübergang Freyung / Philippsreut einige Kilometer  hinter der Grenze links abzubiegen und in die Tiefen des Nationalparks Böhmerwald („Sumava“) in Richtung Kvilda einzutauchen. Die schmale, aber gute Straße führt etliche Kilometer durch viel Wald und übrige Natur. Wir kommen an wenigen kleinen Siedlungen vorbei. Dann erreichen wir unser erstes Ziel: Aussergfield, heute auf tschechisch „Kvilda“. Das kleine Dorf liegt auf einer großen Lichtung in einer sanften Talmulde vor uns und ist rundum von bewaldeten Hügeln umgeben. Wir hatten schönes Sonnenwetter, konnten aber doch das raue Klima spüren, das auf den Höhen des Böhmerwaldes herrscht. Kvilda soll die Wiege eines Großteiles der Ahnen der Familie Baumgartner in der Zeit vor 1830 gewesen sein, somit auch die Wiege der Vorfahren meiner Großmutter Rosina. 

 

In Kvilda gibt es neu errichtete Gaststätten und Hotels sowie Einkaufsmöglichkeiten mit genügend Parkplätzen. Meine Eltern waren sehr erstaunt über dieses Angebot, denn sie hatten vor mehreren Jahren bereits einige Male den Böhmerwald besucht: Da gab es außer einigen armseligen Häusern nichts.  

Man merkt heute deutlich, dass die Tschechen den Böhmerwald zu einem Anziehungspunkt für Touristen ausbauen wollen. Neben der Kirche von Kvilda gibt es ein Tourismusbüro mit einem kleinen Museum, welches über den Nationalpark „Sumava“ informiert. Ein junger Mann, der im Wald als Ranger arbeitet, konnte uns dort in deutscher Sprache behilflich sein. Wir erzählten, dass wir gekommen waren, um uns die Landschaft und Ortschaften anzusehen, wo unsere Vorfahren geboren sind, und von wo aus sie sich im 19. Jahrhundert auf den Weg in die Bukowina aufgemacht hatten, um dort zu siedeln. Mein Vater fragte nach dem Ort Hirschenstein, teilweise Wiege der Vorfahren der Familie Hartinger,  mit dem Hinweis, er müsse ganz klein sein, mit höchstens drei Häusern. Der junge Mann antwortete prompt, es seien keine drei, sondern


fünf Häuser. Erst glaubten wir an einen netten Scherz, aber der junge Mann konnte uns genaue Auskunft über die Lage und Größe von Hirschenstein  (Jelenov) geben, denn er wohnt selbst dort. Er fragte uns auch, welches Haus wir suchten, denn er wohne im Haus von Hable. Es hat uns erstaunt mit welch einer Selbstverständlichkeit und Offenheit er mit uns über die Vergangenheit sprach. Den Namen Hartinger scheint es dort heute nicht mehr zu geben.  In Kvilda aßen wir in einem Restaurant sehr gut und preiswert zu Mittag und machten uns danach weiter in Richtung Jelenov auf. Unterwegs sind wir  auf einer weitläufigen ebenen Fläche durch die Gegend von Wiederbruck (heute vermutlich „Vydri most“) und durch Innergfield („Horska Kvilda“) gefahren. Neben bewohnten Häusern haben wir auch etliche Reste von lange verfallenen grün überwucherten Häusern gesehen. Dank der netten Beschreibung im Tourismusbüro haben wir dann auch Jelenov gefunden: es gibt einen kleinen „Parkplatz“ an einem Stromhäuschen kurz vor dem Ort Svojse, dort führt ein Feldweg den Berg hinunter, dem man am besten ca. 2 km zu Fuß folgt. Die besagten Häuser haben wir gefunden. Die Lage mitten im Wald, aber an einem ziemlich steilen Abhang, ist sehr ruhig und idyllisch. Die Steilheit des Geländes ist auf Fotos und Filmen nicht einzufangen. Es war schon beeindruckend diese Gegend zu sehen und sich vorzustellen, wie die Menschen damals dort ohne Strom, ohne Radio, ohne Fernsehen, ohne den nächsten Supermarkt um die Ecke, ohne Auto, ohne Computer u. v. a. sogenannte Zivilisationserrungenschaften gelebt haben. Es muss schon sehr mühselig gewesen sein, dort die Bäume zu roden, um Anbauflächen für Getreide usw. zu bekommen, damit die immer  größer werdenden Familien ernährt werden konnten. Es herrscht auch dort ein raues Klima und der Boden macht keinen besonders fruchtbaren Eindruck. 

Anton Hartinger geb. in Hirschenstein, der Urgroßvater meines Vaters, hat Josefa Hones geheiratet, die aus dem etwa 10 km entfernten Wiederbruck stammte. Ich kann jetzt verstehen, dass die beiden, gemeinsam mit vielen anderen Deutschböhmen, in die Bukowina ausgewandert sind, in der Hoffnung, dass das Leben dort leichter sein würde. Bewundernswert finde ich ihren Mut, die vertraute Umgebung mit den vertrauten Menschen und vertrauter Kultur aufzugeben und hinter sich zu lassen, sich nur auf die eigenen geistigen und handwerklichen Fähigkeiten zu verlassen, ohne materielle Sicherheit und weit entfernt in der Fremde ein neues Leben zu beginnen.  

Im Nachhinein bin ich froh, dass wir uns für Hirschenstein genug Zeit genommen haben, die Strecke zu Fuß zu gehen. Dabei bekam man wirklich das Gefühl nicht nur auf den Spuren der Ahnen zu gehen, sondern auch mit ihren Augen zu sehen. Meist fallen solche Besichtigungen und Besuche viel zu knapp und hektisch aus, weil man zu viel in zu kurzer Zeit erledigen will. Aber das ist unser heutiger Lebensstil, nicht der unserer Ahnen. 

Im Anschluss an unseren Besuch in Jelenov besuchten wir den Friedhof in Rejstejn (Unter - Reichenstein). Meine Eltern waren ganz erstaunt, dass die noch zahlreich vorhandenen Gräber mit deutschen Namen in einem sehr guten und gepflegten Zustand waren, denn bei ihren ersten Besuchen Anfang der 90er Jahre  waren die schmiedeeisernen Kreuze auf den deutschen Gräbern alle umgebogen gewesen, vermutlich aus Frust der Tschechen gegenüber den Deutschen?! Die Gräber mit deutschen Namen stammen alle aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, somit konnten wir die Namen der Vorfahren unserer Umsiedler aus dem 19. Jahrhundert hier nicht mehr finden.  

Wir setzten dann unseren Weg in Richtung Srini (Rehberg) fort und konnten unterwegs  von der Fahrstraße aus noch mal einen Blick auf Hirschenstein auf der gegenüberliegenden Anhöhe werfen: Dies verschaffte uns einem nachhaltigen Eindruck von der Steilheit dieser Gegend. Srini macht den Eindruck eines aufstrebenden touristischen Zentrums mit großen Hotelanlagen. Über Modrava (Mader) und Filipova Hut (Phillipshütten) sind wir nach der Rundfahrt durch den engeren Lebensbereich unserer Vorfahren wieder in Kvilda angekommen und haben den Böhmer Wald auf der gleichen Strecke wieder verlassen, auf der wir gekommen waren. Es war sicher nicht unser letzter Besuch im Böhmerwald. 

Das Resümee aus dieser ersten Fahrt in die Vergangenheit heißt für mich: ich bringe meinen Ahnen aus dem Böhmerwald eine hohe Achtung für ihre Lebensleistung entgegen. Ich bewundere ihre Kraft, ihre Energie und Ausdauer mit der sie ihr Leben im Böhmerwald gemeistert haben müssen und ihren Mut und Ehrgeiz für den Neuanfang im 19. Jahrhundert in der Bukowina. Ich bin stolz auf sie.       zurück zum Seitenanfang

Teil 2: Siedlungen in der Bukowina ab ca. 1790 - 1940 

Nach meinem Bericht über unsere Reise auf den Spuren der Ahnen im Böhmerwald möchte ich nun unsere Spurensuche mit einem Bericht über unsere Reise nach Pojana Mikuli und Dumbrava im Norden Rumäniens fortsetzen. 

An einem Samstag Ende Juni 2005 machten wir uns zu viert von Unterhaching aus auf den langen Weg von ca. 1500 km in Richtung Osten nach Nordrumänien auf, in den Bereich, der vor dem zweiten Weltkrieg noch Bukowina hieß. Heute verläuft mitten durch das Gebiet der ehemaligen Bukowina  die Grenze zwischen der Ukraine und Rumänien. Der Einfachheit

halber benutze ich in meinem Bericht den Begriff Bukowina, obwohl er heute politisch nicht mehr korrekt ist. Unser Ziel ist die Südbukowina. Die Fahrt durch Deutschland, Österreich und den Norden Ungarns ging zügig, auch an den Grenzen unproblematisch, voran. An einer Raststätte in Ungarn trafen wir uns mit zwei weiteren, an dieser Reise ebenfalls sehr interessierten verwandten Paaren aus den neuen Bundesländern und setzten unseren Weg gemeinsam fort.

Nach einer Übernachtung im ungarischen Nyireyghaza etwa 120 km vor der rumänischen Grenze wählten wir, auch auf Empfehlung anderer Reisender, für die Fahrt durch Rumänien die nördliche Route über Satu Mare, teilweise entlang der ukrainischen Grenze über Sighetul Marmatiei nach Vatra Dornei, unserem nächsten Etappenziel. 

Unterwegs besuchten wir den sehenswerten Friedhof „Cimitirul“ in Sapanta. Er ist einen Abstecher wert, den man gleich mit einer Pause verbinden kann. Die hölzernen Grabkeuze, fast alle renoviert, sind neben Namen und Lebensdaten mit geschnitzten, bunt angemalten Bildern versehen, welche typische Szenen aus dem Leben des Verstorbenen wiedergeben.

Landschaftlich war die Strecke durch die Karpaten sehr beeindruckend. Wir fuhren an einem Sonntag und hatten daher sehr wenig Verkehr in Rumänien; es waren auch kaum Pferdewagen auf der Straße. Leider war die zweite Hälfte der Strecke sehr „schlaglochträchtig“, d.h. auch bei einer Entfernung von nur etwas mehr als 300 km muss man für die Durchreise durch Rumänien bis zur Bukowina einen ganzen Tag  einplanen, egal, ob man über die südliche Route Oradea – Dej - Vatra Dornei oder über die nördliche Strecke fährt. Vielleicht wird es besser, wenn die Straßenreparaturen in Zukunft etwas zügiger ablaufen. Baustellen gab es unterwegs genug. 

In Vatra Dornei waren wir Gäste des katholischen Pfarrers Anton Egner, den meine Eltern noch von seiner Zeit als Pfarrer in Falticäni kannten. Nach einer erholsamen Übernachtung und großzügiger Bewirtung durch Pfarrer Egner zeigte er uns seine neu renovierte Kirche, die direkt neben dem Pfarrhaus steht und führte uns auch in die neu erbaute orthodoxe Kirche in der Nähe. Auch den schönen Sitzungssaal im Rathaus von Vatra Dornei konnten wir Dank seiner Hilfe besichtigen. 

Auf dem Weg nach Dumbrava haben wir eines der berühmten Moldauklöster in der Bukowina  „Kloster Voronet“ besucht. Es liegt kurz vor Gura Humora, nur etwa 5 km abseits von der Hauptstraße  und ist sehenswert. 

In Dumbrava wurden wir schon sehnsüchtig von unseren deutsch-rumänischen Freunden zum Mittagessen erwartet. Meine Mutter hatte dort bei ihrem ersten Besuch in Rumänien, noch vor der „Wendezeit“ vor 1989, zufällig ihre Kinderfreundin Gena aus der Zeit vor der Umsiedlung nach Polen wiedergetroffen. Gena hat in Dumbrava mit ihrem Mann Anton Grandl eine große Familie gegründet  und sich damals über das unverhoffte Wiedersehen sehr gefreut. Im Laufe der Jahre entstand zwischen meinen Eltern und der Familie Grandl eine enge Verbindung, die bis heute durch zahlreiche gegenseitige Besuche gefestigt wurde. Gena ist inzwischen leider verstorben. Dessen ungeachtet wurden wir 8 Personen als willkommener Besuch betrachtet und in „Vollpension“ von ihren Kindern versorgt. Anton war unser Fremdenführer und unterstützte uns mit seinen Sprachkenntnissen, denn von uns sprach niemand rumänisch. Meine Mutter kann sich auf polnisch und ich mich etwas auf französisch verständigen. Die deutsche Sprache hört man sehr selten. Viele junge Leute lernen inzwischen allerdings schon Englisch in der Schule. 

An dem Montag Nachmittag, als wir ankamen, wanderte eine der Töchter mit ihrem Mann und 2 Kinder nach Italien aus. Sie hatten mit ihrer Abfahrt extra noch unsere Ankunft abgewartet! Sie hatten schon länger eine Fernbeziehung geführt, da der Mann in Italien vor längerer Zeit eine Arbeitsstelle gefunden hatte. Wir hörten in Gesprächen immer wieder, dass viele junge Leute aus den Dörfern weggehen und sich in Westeuropa Arbeit suchen, denn in Rumänien haben sie zur Zeit keine Perspektive. Bei uns in Deutschland beschweren sich die Menschen immer über die billigen Arbeitskräfte, die aus dem Osten kommen, aber die Verhältnisse in Rumänien, den Blickwinkel der rumänischen Bürger kennen bei uns nur wenige Menschen. Es ist auch fraglich, ob der bevorstehende EU–Beitritt für die Menschen in den Dörfern Rumäniens ein Segen ist, oder ob dann nicht nur die vorhandenen kleinbäuerlichen Strukturen zerschlagen werden und die Arbeitslosigkeit noch weiter um sich greift?! Den Profit werden westliche Unternehmen erzielen, welche die EU–Standards mit ihrem Know How in Rumänien durchsetzen werden. Rumänische Unternehmen scheinen nicht die notwendigen finanziellen Voraussetzungen dafür zu haben um konkurrieren zu können. So sind schon riesige Werbeplakate für neu errichtete „Metro - Märkte“ im Einzugsbereich der großen Städte nicht zu übersehen.

 Auf Spurensuche

Nun zurück zum eigentlichen Ziel unserer Reise. Am Dienstag machten wir uns zu einer Rundfahrt durch die Bukowina auf. Zuerst ging es über Cornu Luncii, Paltinossa, durch Solca, Cacica, den bekannten Wallfahrtsort und Glitt bis Delau Ederi. Dieses Dorf hieß vor 1918 noch Lichtenberg und schließt direkt an Glitt an. Es ist ein langes Straßendorf und liegt auf einer Hochebene. Man hat eine schöne Aussicht auf die weitläufige Umgebung und auf den Bergrücken, welcher Lichtenberg von Pojana Mikuli trennt. Hierher soll unser Urahn Michael Baumgartner (geb. 1751 in Böhmen, gest. 1847 in Lichtenberg) etwa um 1830 mit seiner Familie  ausgewandert sein. Seine Nachkommen haben sich dann u. a. in Fürstenthal und später in Pojana Mikuli niedergelassen. Es berührte mich schon sehr, diese Landschaft mit den Augen der Ahnen anzusehen.

 Wir fuhren weiter über Marginea bis zum Ortsanfang von Sucevita, bogen rechts nach Voievodeasa (Fürstenthal) ab und suchten dort die katholische Kirche, von der wir Fotos nach Deutschland mitbringen sollten. Die Kirche war gerade innen und außen komplett neu renoviert worden. Zwei Handwerker waren dabei, letzte Hand anzulegen, und sie konnten uns auf polnisch berichten, dass die Kirche am kommenden Wochenende (3. Juli 2005) durch Bischof Petru Gherghel aus Jasi eingeweiht werden sollte. Wir haben auch den katholisch-orthodoxen Friedhof von Fürstenthal besucht und nach alten Grabsteinen

geschaut.Allgemein fiel uns bei unseren Besuchen auf, dass der Zustand der Friedhöfe in vielen Dörfern, dem Zustand der Kirchen kolossal widerspricht. Die Kirchen werden aufs Feinste restauriert und sehen sehr gepflegt aus. Die Friedhöfe werden nur in den Bereichen gemäht, wo aktuell eine Beerdigung stattfindet. Alle anderen Gräber und der ganze Friedhof sind von hohem Gras und Wildblumen überwuchert. Nur die Grabsteine oder schmiedeeisernen Kreuze ragen heraus. Manche Gräber sind mit bunten Plastikblumenkränzen geschmückt. Wir wurden vor unseren Friedhofsbesuchen auch schon mal darauf hingewiesen, dass dort eventuell Schlangen vorhandenen sein könnten.

Um nach unserem Besuch in Voivodeasa nun Pojana Mikuli einen Besuch abzustatten, wählten wir für den Rückweg die gleicheAuf den Spuren Strecke bis Paltinossa, und fuhren über Gura Humora nach Humor und ins Tal von Pojana Mikuli hinein. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Straßen in der Bukowina, die wir gefahren sind, in einem ausgezeichneten Zustand, nach westlichem Standard, waren: mit Ausnahme der Zufahrtstraße nach Pojana Mikuli. Zu Beginn dieser „Straße“ muss man wissen, dass sich am Ende dieses Weges das Ziel verbirgt, welches man sucht. Normalerweise würden sich Fremde auf eine Fahrt über so eine abenteuerliche Strecke nicht einlassen. Man fährt von Humor aus ca. 7 km bis zum Ortsschild auf einer leidlich plattgewalzten Schotterpiste, und dann ist das eigentliche Dorf noch mal 8 km lang. Für die gesamte Strecke ist Schritttempo ratsam. Somit konnten wir die eindrucksvolle Landschaft dieses engen Tales in aller Ruhe  genießen. Faszinierend waren die wunderschönen Blumenwiesen mit zahlreichen verschiedenen Blumensorten am Rande der Straße. Kurz vor dem Ortsschild von Pojana Mikuli hielten wir an einer kleinen freistehenden Baumgruppe an. Dort gibt es eine Quelle unterhalb des Baumes, die zur Zeit etwas spärlich fließt und welche die Talbewohner schon früher bei ihrem Weg nach Gura Humora und zurück stets zum Durstlöschen nutzten. Wir pflückten einige Blumen, die wir  auf den Friedhof von Pojana Mikuli zum Grab von Sebastian Hartinger brachten,  symbolisch als letzten Gruß von seiner Frau Maria, die im Juni 2005 im Alter von 85 Jahren in München gestorben ist. Auch hier hat mein Mann zahlreiche Grabsteine fotografiert.  Auf der Wiese vor der Kirche erholten wir uns bei einem Picknick von der Fahrt und genossen die traumhafte landschaftliche Umgebung. Pojana Mikuli liegt als Straßendorf in einem engen langen Tal ohne Durchfahrmöglichkeit.  

 Reisebericht Irmtraut Schaper


Die
Wiesen steigen rechts und links des Tales ziemlich steil an. Sie werden heute noch bewirtschaftet. Ich beneide die Menschen um diese schwere Arbeit nicht. Wir sind bis zum Ende des Tales weitergefahren. Mangels Sprachkenntnissen auf beiden Seiten konnten wir uns mit den Menschen leider nicht verbal verständigen. Grüße wurden aber stets erwidert. Die Häuser unserer Ahnen existieren nicht mehr, das ganze Dorf ist im Krieg abgebrannt. Aber die landschaftliche Umgebung ist gleich geblieben, und wir ahnen nun, warum unsere Vorfahren sich immer gern an Pojana Mikuli erinnert haben. Jetzt wissen wir auch was das immer wieder erwähnte „Blai“ ist, und wie es aussieht. Die Familien meiner Ahnen (zu Beginn von Teil 1 meiner Reiseberichte beschrieben) sind Ende der Zwanziger Jahre im 20. Jh. von Pojana Mikuli nach Dumbrava umgesiedelt. Dort fanden sie die weite ebene Landschaft des Moldautales vor, die landwirtschaftlich leichter zu bearbeiten war, als in Pojana Mikuli.

Auch Dumbrava ist ein langes Straßendorf in dem unsere Familien sich bis zu ihrer Umsiedlung nach Polen für relativ kurze Zeit eine neue Heimat eingerichtet hatten. Einige der alten Häuser stehen noch. Auch in Dumbrava ist die Kirche mit Hilfe finanzieller Unterstützung von mehreren „Ehemaligen“ aus dem heutigen Deutschland, darunter auch meine Eltern, von Grund auf renoviert worden. Der katholisch-orthodoxe Friedhof ist aber genauso ungepflegt, wie in Fürstenthal oder Pojana Mikuli.  

Nach unserer Rundfahrt durch die Bukowina verbrachten wir einen gemütlichen, natürlich sättigenden und feuchtfröhlichen Abend bei Anton und seiner zweiten Frau in Cornu Luncii. ErwReisebericht Irmtraut Schaper
ähnen möchte ich noch unseren Besuch am folgenden Vormittag in Kloster Bradatel nahe Dumbrava als Insidertipp. Dort wurden wir von der Oberin empfangen und sie zeigte uns ein kunstvoll gestaltetes Kleinod von Kirche in diesem abgelegenen Winkel der Erde. Außerdem wurden wir spontan zum Essen in den Speisesaal der Schwestern eingeladen. Es gab Borschtsuppe in einer kleinen Blechschüssel und einen Teller Weiße-Bohnengemüse mit Brot. Für den Durst stand frisches Brunnenwasser in Krügen auf dem Tisch, zum Schluss wurde uns noch ein Schnaps angeboten. Außerdem führte uns die Oberin in die Nähstube des Klosters und in einige Schwesternzimmer.

Reisebericht Irmtraut Schaper
Am Nachmittag besuchten wir eine „Stina“, das ist eine Schafweide inklusive Käserei. Wir sahen den Schäfern beim Melken der Schafe von Hand zu. So naturnah werden wir wohl die Schafkäseherstellung nicht wieder erleben. Wir durften frischen Käse probieren. Der schmeckt sehr delikat und gar nicht so streng, wie er hier in Deutschland des öfteren angeboten wird. Im Rahmen der EU – Erweiterung und ihren hygienischen Vorschriften werden auch diese Schäfer sicher in absehbarer Zeit arbeitslos werden. Zur Zeit verkaufen sie ihren Käse auf den regionalen Märkten. Auch wir haben uns Käse mitgenommen. 


Als besonderes Highlight kutschierte uns Anton am Nachmittag mit einem Pferdewagen durch das Dorf Dumbrava. Es geht schneller als zu Fuß, aber langsamer als mit dem Auto. Dabei konnte man bequem filmen und fotografieren. Im Dorf sind die Pferdewagen noch ziemlich ungestört vom Autoverkehr, auf den großen Durchgangsstraßen müssen die Autofahrer jedoch sehr auf die noch zahlreich vorkommenden Pferdegespanne Acht geben.  

Bereits am 5. Tag unseres Aufenthaltes in Rumänien, einem Freitag, haben wir wieder die Heimreise antreten müssen. Für den Rückweg wählten wir die „südliche“ Route über Bistrita, Dej, Cluj und Oradea. Die Strecke war länger, als die „nördliche“ Route, teilweise besser ausgebaut, aber noch mit vielen Ampelbaustellen versehen, auch Schlaglochabschnitte gab es streckenweise. Es gab reichlich LKW – Verkehr und im Landesinnern kaum Parkplätze. Landschaftlich ist nur der Streckenabschnitt durch die Karparten reizvoll. Auf dem Rückweg haben wir in Szolnok in Ungarn übernachtet. Als wir wieder in Unterhaching ankamen, waren wir zwar erschöpft, aber glücklich, zufrieden und gesund. 

Das Fazit dieses Teiles unserer Reise heißt: Natürlich war die Zeit viel zu kurz zum Erleben und Genießen. Um diesen „Urlaub“ zu Hause nun mit eigenen bebilderten Erinnerungen an die Zeit unserer Ahnen nacherleben zu können haben wir natürlich Film– und Fotoaufnahmen gemacht. Allerdings ersetzen sie nicht das persönliche Erlebnis! Auch diesen Abschnitt unserer Reise auf den Spuren der Ahnen möchte ich nicht missen.     zurück zum Seitenanfang

Teil 3: Umsiedlung nach Polen über verschiedene Lager von 1940 bis 1942  

Im dritten Teil meines Reiseberichtes möchte ich von unseren Besuchen an mehreren Orten berichten, in denen unsere Ahnen während der Umsiedlungsphase von 1940 bis ca. 1942 in Lagern gelebt haben. 

Meine Eltern und Großeltern erzählten des öfteren von Aufenthalten in verschiedenen Lagern während ihrer Umsiedlungsphase  zwischen der Abreise aus der Bukowina und der Ansiedlung in Polen, wenn sie über die Vergangenheit sprachen. Mir sagte das lange Zeit nicht allzu viel. Erst durch unsere Ahnenforschung und damit verbundenen Gesprächen mit einigen Leuten aus Pojana Mikuli und Dumbrava wurde uns klar, dass die Zeiten in den Lagern für die umsiedelnden Menschen ein gravierendes Erlebnis waren und in ihrem Leben einen hohen Erinnerungswert haben. Uns sind aus Erzählungen Lager in Kapfenberg, Trofaiach, Mautern und Trieben in Österreich, Beneshov in Tschechien, sowie Ratibor, Zator und Waldhorst in Polen bekannt.  

Die deutschen Bewohner der Dörfer aus der Bukowina wurden großteils als Gesamtverband umgesiedelt. Daher lebten die Menschen aus Dumbrava bei Cornu Luncii, zu denen der größte Teil meiner Verwandtschaft gehört, alle einige Monate in Trofaiach in einem Barackenlager. Die Umsiedlung von Pojana Mikuli fand in zwei großen Transporten Anfang Dezember 1940 statt. Die Einwohner der oberen Hälfte des Dorfes kamen nach Mautern in Österreich und die in der unteren Hälfte nach Kapfenberg.  Die eigentliche Umsiedlung von einem Ort zum andern wurde mit Hilfe von Eisenbahntransporten durchgeführt.  

Mein Mann und ich wollten auch diesen Teil der Geschichte unserer Ahnen besser kennen lernen. Daher planten wir, wiederum mit meinen Eltern, einige Tage Urlaub in Österreich im Mai 2004 ein. Wir begannen unsere Fahrt mit einem Besuch in Graz, wo auch eine ganze Reihe von Umsiedlern nach dem Krieg sesshaft geworden sind. Franz Oswald beschäftigt sich mit der Ahnenforschung der Umsiedler nach Sibovska. Mit ihm hat mein Mann sich einen Nachmittag lang ausgetauscht. Bei einer gemütlichen Brotzeit, zu der wir von seiner Mutter Anna Baumgartner und seiner Ehefrau eingeladen wurden, konnten wir viele Erinnerungen austauschen. 

Auf dem Rückweg von Graz lag Kapfenberg als erste „Lager-Station“ auf unserem Weg. Wir fuhren direkt auf den Berg hinauf, auf dem die Burg Kapfenberg liegt. Dort hat man einen sehr schönen Rundblick auf den im langgestreckten Tal liegenden Ort. Auf Anfrage konnte sich tatsächlich eine ältere Dame an die Stelle erinnern, wo es in den 40er Jahren im 20. Jh. ein Lager für die Umsiedler gab, das aus zahlreichen Baracken bestand.  Sie zeigte uns die Gegend vom Berg aus. Heute stehen dort zahlreiche neue Wohnblocks. Vom alten Lager gibt es keine Überreste mehr. In Kapfenberg haben wir das Rathaus aufgesucht, um dort eventuell noch mehr erfahren zu können. Wir wurden an die Stadtbibliothek in der Nachbarschaft verwiesen. Dort gab es tatsächlich einige Bücher, die sich mit der damaligen Zeit befassten. Allerdings war gerade Mittagspause, so dass wir uns nicht sehr lange dort aufhalten konnten. 

Reisebericht Imrtraut Schaper
Wir fuhren weiter nach Leoben, vorbei am Krankenhaus, in dem meine Mutter während der Umsiedlungszeit in Trofaiach einige Monate als Kind wegen einer Lungenentzündung zubringen musste. Der Weg nach Trofaiach führte durch Donawitz, an einem metallverarbeitenden Betrieb, den ehemaligen Reichswerken „Hermann Göring“, vorbei, in dem viele Umsiedler während des Lageraufenthaltes gearbeitet haben. Trofaiach ist eine kleine Stadt in idyllischer Lage, rundum von Bergen umgeben. Diesmal suchten wir sofort die Gemeindebibliothek auf. Wir staunten nicht schlecht, als uns die Bibliothekarin erzählte, dass im vergangenen Jahr 2003 die „Lagerzeit“ in Trofaiach in einer Ausstellung aufgearbeitet und dargestellt worden  ist. Zusätzlich ist ein Buch erstellt worden, dass wir für 6 Euro kaufen konnten. Wir haben natürlich mehrere Exemplare auch zum Verschenken mitgenommen. Uns wurde erklärt, wo das Lager gewesen ist, so dass wir auf eine Anhöhe im Ort fahren konnten, von wo aus wir einen guten Überblick hatten. Auch hier sieht man keine Reste des alten Lagers mehr. Eine Hälfte des Geländes ist heute Ackerland, die andere Hälfte ist mit Privathäusern bebaut. Wir bekamen einen Eindruck von der besonderen Größe des Lagers, als wir die Straße, die auch heute noch am gesamten Gelände vorbei führt, entlang fuhren.  Das Lager in Trofaiach war nicht nur ein Umsiedlerlager für die Volksdeutschen von 1940 - 41, sondern wurde auch als Kriegsgefangenenlager für Engländer, Franzosen und Sowjetsoldaten genutzt, sowie als Ostarbeiter- und Zwangsarbeiterlager. Nach Ende des Krieges wurde es weiterhin genutzt für die vorübergehende Unterbringung von Flüchtlingen und sogenannten „Displaced Persons“, Menschen, die durch die Kriegswirren noch kein eigenes Zuhause hatten, dazu gehörten auch zahlreiche Juden. (bei Interesse an dem Buch: ISBN 3-9500971-4-7, Verlag Clio, Graz, Österreich) 

Unser Weg führte uns weiter auf der Autobahn nach Mautern.  Wir verließen die Straße für einen kurzen Abstecher auf einen Parkplatz auf der gegenüberliegende Talseite. Von dort hatten wir einen guten Überblick auf den Ort und machten ein Foto, denn wir wussten, dass auch hier mehrere unserer Verwandten eine Zeitlang im Kloster von Mautern gelebt haben. Ein Onkel konnte sich sofort daran erinnern, hinter welchen Fenstern seine Familie gelebt hatte, ohne dass wir ihm gesagt hatten, dass es sich um ein Bild von Mautern handelte. Diese Zeit muss bei vielen Umsiedlern sehr nachhaltige Eindrücke hinterlassen haben.  

Auch von unserem nächsten Ziel, Trieben, machten wir nur ein Foto für unser Archiv. Die vorläufig letzte Station unserer „Lagerfahrt“ war der Friedhof von Enns in Österreich, dort liegt meine Urgroßmutter, Rosalia Baumgartner, geb. Reitmajer begraben. Sie hat die Umsiedlung aus Rumänien nach Polen „heim ins Reich“ leider nicht überlebt. Es gibt dort heute keinen Grabstein mehr, der an sie erinnert. Als Abschluss dieser Reise sind wir in den Böhmerwald gefahren. Darüber hatte ich bereits im ersten Teil meiner Reiseberichte erzählt.  


I
Reisebericht Irmtraud Schaper
m August 2005, machten wir uns noch einmal  mit meinen Eltern auf den Weg, um nun die Familiengeschichte in Polen aufzuarbeiten. Diesmal fuhren wir von Paderborn in Nordrhein-Westfalen aus los. Den ersten Zwischenstopp legten wir in meinem Geburtsort Neussen, Kreis Torgau in Sachsen ein. Hierher waren meine Eltern mit ihren Familien 1945, bzw. 1947 aus Polen geflüchtet und lebten bis zur weiteren Flucht 1955 nach Westdeutschland hier. Auch heute wohnen dort noch viele engere Verwandte, die uns gern als Gäste begrüßten. Unser weiterer Weg Richtung Osten führte uns nach Görlitz, direkt an der deutsch-polnischen Grenze gelegen. Diese Stadt, die sich um den Titel der Kulturhauptstadt Europas 2010 bewirbt und zufällig auf unserer Reiseroute lag, wollte wir gern kennen lernen. Wir erhielten eine persönliche Stadtführung und übernachteten in einem Hotel. Görlitz ist einen Besuch wirklich wert. Unser nächstes Ziel war ein weiterer Ort mit ehemaligem Umsiedlungslager, in dem unsere Familien gelebt haben: Beneshov (Beneschau), bei Ostrava im heutigen Nordtschechien, nahe der polnischen Grenze. Wir wählten von Görlitz aus die Reiseroute über den Norden Tschechiens, anstatt der Strecke über die Autobahn durch Polen, welche zur Zeit noch umfassend erneuert wird. Wir nahmen uns für die Fahrt genug Zeit und konnten somit auch die schöne Landschaft des Riesen- und Altvatergebirges genießen. In Beneshov wurden wir bereits zu Kaffee und Kuchen erwartet. Meine Eltern hatten bei ihrem ersten Besuch vor einigen Jahren unsere Gastgeberin, die Tschechin Anna zufällig kennen gelernt und sind mit ihr in schriftlichem Kontakt geblieben. Sie kann gut deutsch sprechen und hat Ihnen damals bereitwillig bei der Suche nach Spuren aus der Vergangenheit in Beneshov geholfen. Sie konnte sich noch an die „Lagerzeit“ des ehemaligen, im Krieg enteigneten Rothschildschlosses erinnern. Das Schloss bestand seinerzeit aus zwei großen Herrenhäusern mit je drei Stockwerken. Die Gebäude lagen in einer von Mauern und Zäunen umschlossenen Parkanlage, so dass der Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung auf ein Mindestmaß reduziert werden konnte. Den Umsiedlern wurde damals pro Familie ein Zimmer zum Schlafen zugewiesen. Essen gab es in einer Gemeinschaftsküche. Die Umsiedler hielten sich dort einige Monate auf, bevor sie dann für eine kurze Übergangszeit in die nächsten Lager nach Zator und Waldhorst in Polen umziehen mussten. 

Heute wird das ehemalige Rothschildschloss überwiegend  als Rathaus von Beneshov genutzt. Die beiden Gebäudeteile wurden zwischenzeitlich durch einen, im Baustil angepassten Querbau verbunden, in dem ein großer Standesamtraum untergebracht ist. Dank Marias Engagement konnten wir uns einige Räume im Innern des Hauses ansehen. Die Bürgermeisterin zeigte uns bereitwillig das Standesamt und eine kleine Hauskapelle.  

Durch unseren Besuch an diesem Ort haben sich die Erzählungen meiner Großeltern für mich mit Leben erfüllt. Vor meinem geistigen Auge konnte ich meine Eltern mit den anderen Gleichaltrigen in ihrer Kindheit im Park unter den großen Bäumen spielen sehen. Allerdings muss aber auch in den „Schlafzimmern“ der Familien eine drangvolle Enge geherrscht haben. Hinter der idyllischen Lage der Gebäude verbergen sich sicher zahlreiche unbekannte Schicksale, nicht nur aus den Zeiten der Umsiedlung im zweiten Weltkrieg. Ich bin froh, heute hier nur als Gast für eine selbst bestimmte Zeitspanne sein zu dürfen.    

In einer Pension in Beneshov konnten wir preiswert übernachten und ausgezeichnet essen, bevor wir unsere Reise in Richtung Polen fortsetzten. 

Durch Ratibor in Polen nahe an der Grenze zu Tschechien sind wir nur durchgefahren, obwohl wir wussten, dass auch hier zahlreiche Umsiedler in Lagern gelebt haben, allerdings nicht meine Eltern, die auch nichts Näheres über das Lager wussten. Heute wissen wir durch Gespräche mit anderen ehemaligen Einwohnern von Pojana Mikuli, dass seinerzeit die kirchlichen Einrichtungen Nikolausheim und Herz Jesu Stift als Lagerunterkunft für die Umsiedler dienten. Mein Vater ist für eine kurze Übergangszeit in einem Lager in Zator, unweit von Auschwitz gewesen. 

Das letzte Lager vor der Ansiedlung der deutschböhmischen Umsiedler aus Dumbrava in der Bukowina hieß „Waldhorst“, im heutigen Ort Kolumna zwischen Lask und Lodz gelegen. Es war für die wechselnden Umsiedlergruppen die letzte Station vor der „endgültigen“ Ansiedlung in Polen, oder auch der Rückkehr z.B. nach Bosnien, für Umsiedler, die sich unter den herrschenden Umständen nicht ansiedeln lassen wollten, wie wir auch aus Erzählungen von Verwandten meines Mannes wissen.  In Kolumna gibt es heute keine sichtbaren Hinweise mehr auf das ehemalige Lager. 

Als Fazit bleibt: Ich bin froh und dankbar, dass ich nicht in diesen unsicheren und unruhigen Zeiten leben musste und mir viele schreckliche Erlebnisse erspart blieben. Aus dieser Perspektive weiß ich es besonders zu schätzen, dass ich in der Freiheit und Sicherheit des westdeutschen demokratischen Systems und in einem Europa, weitgehend ohne Kriege, aufwachsen durfte.        

Teil 4: Ansiedlung in Polen ab 1942 bis 1945  

Heute möchte ich Ihnen, liebe Leser dieses Artikels, in dem vierten und letzten Teil meines Reiseberichts unsere Reiseeindrücke in Polen schildern. Erster Anlass für diese Reise war die Einladung zu einer polnischen Hochzeit in Grudziadz (früher Graudenz) zwischen einem Enkel eines meiner Großonkel, welcher auch zu den ehemaligen Umsiedlern gehörte, und einem netten polnischen Mädchen.  

Wir kamen schnell auf die Idee, diese Reise mit einer weiteren Suche nach Spuren unserer Ahnen in Polen zu verbinden. Mein Mann und ich haben uns dann letztendlich neben meinen Eltern mit weiteren 7 interessierten Verwandten, die alle auch zur geladenen Hochzeitsgesellschaft gehörten, zu einem Minifamilientreffen in Dobron in Polen am 2. August 2005, nachmittags im Hotel verabredet. Einige wollten die ehemalige neue Heimat unserer Vorfahren kennen lernen und andere suchten nach den eigenen Erinnerungen.  

Im dritten Teil meines Reiseberichtes hatte ich bereits über den Beginn unserer Reise über Neussen bei Torgau, Görlitz an der Neisse und Beneshov im Norden Tschechiens erzählt. Nun fuhren wir  nach Polen, über Raciborz und die Gegend um Katowice Richtung Norden, immer geradeaus. Wir wählten, wenn möglich Nebenstrecken, um den belebten Hauptstraßen und vielen Baustellen aus dem Weg zu fahren. 

Als erste Zwischenstation wählten wir Czestochowa (früher Tschenstochau), den weltbekannten Marienwallfahrtsort Polens mit dem Bild von der schwarzen Madonna. Unterwegs überholten wir zahlreiche Pilgergruppen, die sich zu Fuß auf dem Weg nach Tschenstochau aufgemacht  hatten und zum großen Teil aus jungen Leuten bestanden. Ein Kreuzträger führte die Gruppe an. Die Pilger gingen auf der Straße und markierten die Mittellinie als seitliche Begrenzung der Gruppe mit Hilfe eines langen Seiles, das bis zum Ende der Gruppe reichte. Eine Person war mit Warnweste bekleidet und machte die Autofahrer auf die Behinderung aufmerksam. Wir wurden beim Vorbeifahren freundlich gegrüßt und winkten auch zurück. Der Besuch an der Wallfahrtstätte in Czestochowa war sehr interessant. Dort waren sehr viele Menschen unterwegs. Die Gottesdienstfeier und die Religiosität der Pilger waren sehr beeindruckend. 

Am Nachmittag  kamen wir dann gegen ca. vier Uhr am vereinbarten Treffpunkt im Hotel in Dobron an. Innerhalb von einer Stunde trafen alle Teilnehmer unseres Minitreffens ein. 

Meine Eltern hatten Polen seit der Grenzöffnung 1989 schon mehrere Male besucht, insbesondere die Gegend um Dobron und  Mogilno zwischen Lask und Lodz, die in ihrem Leben  ein wichtiger Abschnitt war. Sie versuchten auch Kontakte zu polnischen Bürgern aufzubauen, an die sie sich noch aus der Kriegszeit erinnern konnten. Sie wurden überwiegend freundlich aufgenommen. Meine Eltern bemühten sich, die neuen Verbindungen zu pflegen und haben etliche dieser Leute, die im Laufe der Zeit zu guten Bekannten und teilweise sogar zu Freunden wurden, zu einem Besuch nach Deutschland eingeladen. Sie haben ihnen die Fahrt finanziert, da die wenigsten genug Geld dafür hatten. Von diesen positiven Kontakten meiner Eltern mit den Polen profitieren wir heute bei unserem Besuch in Dobron. Meine Mutter kann noch ziemlich gut polnisch sprechen und hatte uns schon lange bei unseren jeweiligen Gastgebern angemeldet. Diese haben sich sehr auf unser Kommen gefreut (11 Personen!!!) und sich mit reichlich Esswaren und Getränken auf uns eingestellt. 

Zum besseren Verständnis für die Beziehungen zwischen den Polen und unseren Ahnen, die in Polen angesiedelt wurden, sind vorab einige Informationen wichtig. Die deutschböhmischen Umsiedler aus Dumbrava sollten nach der Odyssee durch die verschiedenen Lager nach dem Willen der politischen Machthaber in Polen angesiedelt werden. Jede Familie sollte einen Hof bestimmter Größe zugewiesen bekommen. Die Menschen haben nicht gewusst, dass dafür die bisherigen polnischen Besitzer von  sogenannten „Räumungskomanndos“ einfach aus ihren Häusern vertrieben wurden und teilweise nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. Andere polnische Familien konnten in ihren Häusern wohnen bleiben, mussten aber für die neuen deutschen Besitzer der Höfe inklusive des Landes als Knechte, Mägde oder Kindermädchen arbeiten.

Meine Großeltern und viele andere Umsiedler aus der Bukowina waren sehr empört über diese Behandlung der Polen, konnten aber wenig dagegen tun. Der Weg zurück in die Bukowina war keine Alternative mehr. Es blieb ihnen aber, die Menschen alle gut zu behandeln und mit ihnen nicht so menschenunwürdig umzugehen, wie es die politische Führung verlangte. Als sie aus der Bukowina aufbrachen, wussten sie nicht, was sie in Polen erwartete, und unter welchen unvorstellbar grausamen Umständen sie das versprochene Land bekommen sollten. So haben sie es nicht gewollt. 

Über die Zeit unserer Vorfahren und  unserer Eltern in Polen und die Flucht 1945 gäbe es noch viel zu berichten, aber das würde hier zu weit führen. Außerdem bin ich überzeugt, dass viele Leser dieses Artikels ähnliche Schicksale kennen. Trotzdem bin ich mir sicher, dass unsere Vorfahren durch ihr korrektes Benehmen den Polen gegenüber die Grundlage für eine deutsch-polnische Versöhnung unserer Familien nach dem Krieg und der deutschen Wiedervereinigung gelegt haben. Wir sind dankbar, dass wir von den polnischen Familien bei unserem Besuch im Jahr 2005 so freundschaftlich und herzlich aufgenommen worden sind.

 Nun wieder zurück zu unserer Reise: an unserem ersten Abend in Dobron waren wir bei der Tochter der ehemaligen Magd unserer Großeltern in Dobron Maly (Klein Dobron) eingeladen. Auch für ihre Söhne und die Schwiegertochter war es selbstverständlich uns auf das Herzlichste zu bewirten. Meine Mutter hatte sich Grützwurst (Kaschanka), eine bekanntes Nationalgericht,  gewünscht. Außerdem gab es heiße Riesenkrakauer Wurst und zusätzlich kalte Platten mit Brot und  als Nachtisch sehr schmackhafte Miniapfeltaschen. Wir konnten zwar kein polnisch sprechen, bis auf meine Mutter, aber die Verständigung klappte auch mit Händen und Füssen und sonstiger Gestik, inklusive Wörterbuch. Die jungen Eheleute gingen mit meinem Mann und mir hinüber zum Nachbarn, der seit einiger Zeit in dem Haus wohnt, in dem meine Großeltern von 1942 bis Januar 1945 gelebt haben und fragten ihn, ob wir uns dort ein wenig umsehen könnten. Ins Haus sind wir nicht hineingegangen. Trotzdem kann ich jetzt die Erzählungen über die Zeit kurz vor der Flucht mit dem Pferdewagen besser nachempfinden. Die Pferde wurden im Rahmen eines Tieffliegerangriffes noch im Hof vor dem Haus getötet, so dass meine Großeltern mütterlicherseits mit ihren Kindern erst 1947 nach Deutschland ausreisen konnten.  Im Hotel hatten wir uns später reichlich zu erzählen und mussten das viele Essen verdauen. Am folgenden Morgen hatten wir uns für 9 Uhr zu einer Rundfahrt durch die für uns relevanten Ortschaften in der Gegend verabredet: Klein- und Gross-Mogilno, Klein-, Gross- und Alt-Dobron. In Mogilno Maly (Klein Mogilno) haben wir die Häuser gesehen, in denen meiner Großeltern und Urgroßeltern väterlicherseits gelebt haben. Meine Eltern erkannten einen älteren Mann, den sie schon von früheren Besuchen her kannten und sprachen ihn an. Er heißt Jurek und lud uns alle (11) sofort zu sich in sein Haus ein und nahm sich die Zeit, mit uns durch Mogilno zu fahren, da er sich noch sehr gut an die Zeit erinnern könne, als die Deutschen da gewesen seinen. Er kannte fast alle noch mit Namen und wusste, wo einzelne Familien gelebt hatten und wer bei wem z.B. Kindermädchen war. Er ging mit uns zu den Leuten, die uns alle auch sehr freundlich empfingen und sich tatsächlich noch an unsere Leute erinnern konnten. Klein- und Groß-Mogilno sind ca. ein km und drei km lange Straßendörfer, wobei die meisten Häuser auf einer Seite, nahe an der Dorfstraße stehen, das Land gegenüber und hinter dem Haus wird für die Landwirtschaft genutzt.
Am Ende unserer Rundfahrt lud uns Jurek noch zum Mittagessen zu sich nach Hause ein. Bevor er mit uns weggefahren war, hatte er seiner Familie schon aufgetragen, uns alle mit einem gedeckten Tisch bei der Rückkehr zu empfangen.Eigentlich waren wir aber schon zum Mittagessen bei dem ehemaligen „Kindermädchen“ meiner Mutter in Klein-Dobron eingeladen. Da wir die Einladung aber auch in Klein Mogilno nicht ablehnen konnten, mussten wir also an diesem Tag zwei mal Mittag essen! In Klein Dobron haben uns die Tochter und Enkelin des Hauses, die aus Krakau in den Ferien zu Besuch gekommen waren ebenfalls aufs Feinste
bewirtet.

   

KircheAm Nachmittag fuhren wir nach Pabianice um die Kirche zu besichtigen, in der meine Mutter und ihre Schwester Anna zur ersten hl Kommunion gegangen sind. Auf dem Rückweg zum Hotel besuchten wir noch die Kirche in Alt-Dobron. Meine Mutter wollte den zuständigen Pfarrer nach einer Todesurkunde von der Großmutter meines Vaters aus dem Jahr 1946 fragen und war tatsächlich innerhalb sehr kurzer Zeit erfolgreich und kam mit einer beglaubigten Abschrift zurück. Zum Abschluss unseres Besuches in Dobron besuchten wir den Friedhof, auf dem die Großmutter und eine Schwester meiner Mutter sowie eine Cousine, beide im Säuglingsalter gestorben, begraben sind. Die Gräber sind allerdings nicht mehr vorhanden. Das Aussehen des polnischen Friedhofes hat mich sehr beeindruckt. Er besteht fast nur aus Gräbern, die von Marmorplatten eingerahmt, mit großen Marmorplatten abgedeckt und mit einem großen Marmorgedenksteinen versehen sind. 

Am folgenden Tag machten wir uns früh morgens auf den Weg Richtung Norden nach Gruziadz, um dort eine schöne polnische Hochzeit, natürlich mit überreichlichem Essen und genug Getränken zu feiern. 

Zum Abschluss dieses Berichtes möchte ich meinen Eltern ein recht herzliches Dankeschön aussprechen dafür, dass sie in ihrem etwas fortgeschrittenen Alter diese Strapaze der Reisen mit einer Gesamtreichweite für Hin und Rückfahrten von etwa 10.000 km auf sich genommen haben. Ohne sie und ihre im Laufe der Vergangenheit geknüpften Beziehungen hätten wir diese Reisen vermutlich nie unternommen und wären damit um etliche Erfahrungen ärmer geblieben. 

Als Gesamtfazit dieser nun doch gemachten Erfahrungen bleibt für mich ein gewisser Stolz auf meine Vorfahren und eine besondere Hochachtung vor ihrer Lebensleistung über mehrere Generationen hinweg. Sie haben immer wieder, teils aus freien Stücken, teils gezwungen ihre Heimat verlassen, bzw. verlassen müssen und sind ohne materielle Sicherheiten in eine ungewisse Zukunft gezogen. Sie haben aus dem Nichts immer wieder von vorn angefangen. Sie haben sich überall, wo sie gelebt haben problemlos integriert und die Achtung ihrer Nachbarn und anderer Mitmenschen erworben und sich durch eigener Hände Arbeit immer wieder einen relativen Wohlstand geschaffen. Sie haben uns durch ihr gelebtes Vorbild als besonderes Vermächtnis eine enorme psychische Stärke hinterlassen, welche einerseits in einer tiefen Religiosität wurzelt und andererseits in einem besonderen Selbstvertrauen in die eigenen körperlichen und mentalen Fähigkeiten. Vor Schwierigkeiten kapitulieren kam nicht in Frage. Solch ein Erbe nehme ich gerne an. Danke!


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Seletin - am Ende der Nordbukowina

 

 

Als ich im September 2006, innerhalb von 14 Monaten, zum 4. Mal nach Czernowitz fuhr und diesmal zum 2.Mal mit dem Auto, was ich nur empfehlen kann, wollte ich unbedingt den Ort Seletin (heute auf ukrainisch Селятин gesprochen:Seljatin) besuchen, da dort für einige Jahre meine Urgroßeltern, Mathilde (geb. Feigel) und Wilhelm Kubiczek,  lebten und meine Großeltern Aurelia (geb. Kubiczek) und Emil Wimmer dort am 22.08.1909 sich das JA-Wort in der katholischen Kirche gaben.

In einigen Büchern, wie z.B.- Czernowitz, eine Stadt im Wandel der Zeit-  ist mein Großvater auf der Seite 62 als Frankonia mit Pater Sonntag zu sehen.)

Anschließend hatten meine Großeltern dann in Czernowitz, in der Pfarrer-Kunz-Gasse, später in der Arbeitergasse und vor der Umsiedlung in der Dr. Rothgasse gewohnt.
Die Autofahrt von Czernowitz nach Seletin war einfach, die Strassen waren bis auf ca. 20 Km vor Seletin in Ordnung und führte uns durch folgende Orte:  Storozynetz (am Sereth), Berhometh, Schipoth (am Sereth) und Ruska (am Sereth).


Wie schon erwähnt waren die Straßenverhältnisse auf den letzten Kilometern schlecht und sehr staubig, so dass mein schwarzes Auto eher wie ein hellgraues aussah. Die letzten Serpentinen , Kurven und Steigungen waren hinter uns, als wir das Ortsschild von Seletin passierten.
Seletin ist heute ein Ort direkt an der Grenze zu Rumänien und man kann hinter dem Grenzzaun das Leben auf der anderen Seite beobachten.
Als ich mit meiner Begleiterin, es war Oksana Nakonechna, die ich bei meinem 1.Besuch in Czernowitz  kennengelernt habe, am Spätnachmittag in den Ort fuhr, kam er mir ziemlich groß und langgestreckt vor. Ich hatte mit einem kleinen Bergdorf gerechnet und war in dieser Weise erstmal überrascht, da ich an die Erzählungen meiner Mutter dachte, die dort als Kind die Ferien verbrachte.


Möglicherweise ist der Ort im Laufe der Zeit größer geworden.Ich hatte vor, den Friedhof zu besuchen und die Kirche, in denen meine Großeltern geheiratet hatten, denn eine Adresse bzw. ein Hinweis zum Wohnhaus meiner Urgroßeltern fehlte mir.Sie betrieben in Seletin eine „Säge“ (kleines Sägewerk).

Auf den Friedhof hoffte ich das Grab meines Urgroßvaters zu finden, denn meine Urgroßmutter ist 1942 in Radautz verstorben und auf den dortigen Friedhof begraben. Da wir weder den Friedhof, noch eine Kirche sahen, fragte meine Begleitung Leute die am Wege standen und uns als Fremde begutachteten.


Diese waren sehr freundlich und erklärten uns den Weg zur Kirche.Als wir dann nach einer kurzen Fahrt vor der Umzäunung der Kirche standen, sahen wir schon einige Gräber, die gleich neben der Kirche waren, aber man sah, dass die Zeit
viele Beschriftungen unlesbar gemacht hat und genauso viele hatten gar keine Tafeln mehr.Wir gingen trotzdem von Grab zu Grab, aber wir fanden keinen Hinweis auf meinen Urgroßvater.
Die Kirche war verschlossen, aber wir hatten hier auch wieder Glück und vorbeikommende sagten uns, wer die Schlüssel zur Kirche besitz und wo sie wohnten.


Es war nur eine Strasse weiter und wir fanden das Haus und gerade als ich am Haus klopfte kamen sie, eine ältere Frau und ihr Mann, von der Feldarbeit nach Hause. Oksana erklärte ihnen unser Anliegen und sie waren sofort bereit mit uns zur Kirche zu gehen.


Sie stellten nur ihre Geräte weg, machten sich etwas frisch und begleiteten uns zur Kirche.Ich betrat die kleine Kirche  97 Jahre nach der Trauung meiner Großeltern Aurelia und Emil Wimmer, welche am 22. August 1909 hier durch den Pfarrer Luczko getraut wurden. Es war ein schönes, aber auch zugleich ein trauriges Gefühl und in Gedanken sah ich beide vor dem Altar stehen. Beim Betreten der Kirche konnte man zuerst den Eindruck gewinnen, es handelt sich um eine orthodoxe Kirche, da dem Eingang gegenüber, wo sich sonst der Altar befindet, eine Wand mit Durchgang war, so wie in einer orthodoxen Kirche, wo sich die Popen dahinter aufhalten.Diese Wand war auch mit Bildern geschmückt, die auch von der Art her in einer solchen Kirche vorzufinden sind. Diese Bilder wurden von einem Lehrer gemalt, wie man uns sagte.
Aber einige Meter vor dieser war ein  moderner, schlichter Altar und an den Seitenwänden hingen noch die alten Gemälde mit den Kreuzwegstationen und den alten deutschen Texten darunter.


Das Küsterehepaar zeigte uns auch noch die alte Krippe mit den Figuren, die bereits über 100 Jahre alt waren.Sie erzählten uns, dass die Russen aus der Kirche eine Sportstätte gemacht hatten und die Einwohner aber vorher die Bilder und anderen Gegenstände aus der Kirche holten,  ver -steckten und damit retteten.


Erst jetzt nach der Unabhängigkeit der Ukraine, wo die Zeit der Russen abgelaufen war, brachten die Leute die Gegenstände wieder in die Kirche zurück. Ein Lehrer malte, wie schon erwähnt, zusätzlich neue Bilder. So konnten viele der alten Gegenstände ihren alten Platz wieder einnehmen, darunter waren Gemälde, Fahnen, Wimpel und auch eine Monstranz.

Diese Kirche teilen sich die ukrainisch Orthodoxen mit den Katholiken. Das Ehepaar, es war selber nicht katholisch, sondern machte das alles aus Liebe zu Gott, wie es uns erklärte. Schon ihre Vorfahren gingen in diese Kirche, da sie in der Nähe war. Ich machte Videoaufnahmen und Oksana fotografierte, dabei bat uns das Ehepaar ihnen einige Fotos zu schicken, da sie keinen Fotoapparat besäßen, was wir auch gerne einige Tage später von Czernowitz aus taten.


Wie uns das Ehepaar auch noch berichtete, sei der alte Friedhof von den Russen zerstört worden und es gäbe neben der ukrainisch orthodoxen, auch eine russisch orthodoxe Gemeinde, dessen Priester (Pope) nicht gerade christlich auf seine Gemeinde einwirkt und ihnen sagt, dass sie ja nicht in diese Kirche gehen sollen, denn dort wohnt der Teufel. Das bestätigten uns auch in der Nähe stehende Leute.


Der Priester, der hier die katholische Messe liest, kommt aus Putilla.


Wir bedankten uns für die aufgebrachte Zeit und gaben ihnen ein Geschenk und verließen abends wieder Seletin.

Die Gedanken waren noch lange bei diesem kleinen Ort in den Karpaten, der mich in die Zeit meiner Familie versetzt hat und wenn ich auch nicht das Grab meines Urgroßvaters fand, so hat es sich doch gelohnt diese Menschen kennen gelernt zu haben.


Für den Rückweg nahmen wir eine andere Route, die uns durch folgende Orte führte: Ploska, Putilla, Wiznitz (Wischnitz), Waschkowitz (am Czeremosch) , Luzan und Czernowitz.

Dieser Ausflug in die Vergangenheit hat mich noch weiter beschäftigt und es werden mit Sicherheit noch andere folgen, denn auch in der Südbukowina hatte ich Verwandte
.

Reinhold Czarny  

29.11.2006

                                             

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Zum ersten Mal in Czernowitz
Ein Reisebericht und Spurensuche
Von Gabi Schwarz - April 2011

Die Schwestern Maria und Gabi vor dem Deutschen Haus an der Czernowittzer Herrengasse bei Eingang ins Haus und zum Café KärntenUnser Vater Josef Manasterski wurde 1930 in Komaresti im Kreis Storojinetz unweit von Tschernowitz geboren. Er lebte dort bis zur Umsiedlung im Jahre 1940 mit seinen Eltern und Großeltern auf einem schönen Hof. Zeit seines Lebens hat er seine alte Heimat nicht vergessen und uns Kindern immer wieder von seinem Leben dort erzählt. Neugierig geworden, machten meine Schwester Maria und ich uns im April dieses Jahres auf die Reise in die Bukowina. Wir wollten einerseits natürlich gerne die Stätten aufsuchen, an denen mein Vater und seine Vorfahren gelebt haben, uns interessierte aber auch sehr, wie die Menschen dort heute leben. Wir entschlossen uns daher, unsere erste Reise mit dem Reiseunternehmen Ex Oriente Lux zu unternehmen, dessen Konzept es ist, den Reisenden realistische Einblicke in Geschichte und Gegenwart des Landes zu vermitteln und interessante Begegnungen mit Einheimischen zu ermöglichen. Wir fuhren mit dem Zug bis Posen und stiegen dort in den Nachtzug bis Przemysl. Von dort ging die Fahrt im Kleinbus über die ukrainische Grenze weiter nach Tschernowitz. Dort übernachteten wir im Hotel Bukowina und erlebten ein ausgezeichnetes Programm unseres Reiseveranstalters: Wir bummelten durch die seit der 600-Jahr Feier schön renovierte Stadt und den Park. Wir besuchten das Deutsche Haus in der ehemaligen Herrengasse, wo der stellvertretende Vorsitzende, Herr Piwtorak gerade mit einigen Helfern, den Raum für das Osterfest schmückte. Auch hier wird übrigens der Südostdeutsche fleißig gelesen. Wir besichtigten die Jurij-Fedkowytsch-Universität, die ehemalige Residenz des Metropoliten der Bukowina und hörten dort einen hochinteressanten Vortrag des Literaturwissenschaftlers Dr. Peter Rychlo, der uns in ausgezeichnetem Deutsch Tschernowitz als Literaturstadt vorstellte. Wir besuchten die ehemalige Vorstadt Rosch, in der bis 1940 viele deutsche Familien lebten, und fuhren auf den Cecinaberg, einem beliebten Ausflugsziel der Tschernowitzer Bürger damals wie heute. Für uns sehr interessant war, dass uns die Möglichkeit zu einem Gespräch mit einem Redakteur einer unabhängigen Tschernowitzer Wochenzeitung gegeben wurde. Es war bedrückend zu erfahren, dass wenige Tage vor unserer Ankunft der mehrfach demokratisch gewählte Bürgermeister von Tschernowitz ohne rechtliche Grundlage einfach abgesetzt worden ist. Traurig ist auch, wie sehr die allgegenwärtige Korruption die Entwicklung und den Fortschritt im Land behindert. Ein großes Problem in der heutigen Ukraine ist auch die Verbreitung der Drogenabhängigkeit. Die Perspektivlosigkeit der Menschen und insbesondere auch der Jugendlichen aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse ist sicherlich einer der Hauptgründe, warum die Ukraine heute die erste Stelle einnimmt, was die Geschwindigkeit der Verbreitung von Drogenabhängigkeit und HIV in Europa betrifft. Wir hatten Gelegenheit, das Drogenhilfsprojekt “нова сім*я“ zu deutsch „Neue Familie“ kennenzulernen. Wir konnten uns vor Ort in den Gesprächen mit Mitarbeitern und Betroffenen über die gute Arbeit dieser Organisation in diesem schwierigen Problemfeld überzeugen. Wer mehr über die Arbeit dieses Projektes erfahren möchte oder die Organisation unterstützen möchte kann sich an die Präsidentin der Stiftung Tanja Berezhnaya wenden. Sie spricht gut deutsch.
e-mail:T.Berezhnaya@gmx.at

An zwei Tagen nahmen wir nicht an dem von unserem Reiseveranstalter angebotenen Programm teil, sondern besuchten zunächst die Archive in Tschernowitz, um etwas über die Vorfahren unseres Vaters herauszufinden. Wir trafen dort Frau Natalia Masian. Sie spricht gut deutsch und war sehr freundlich. Sie hat uns geholfen und erklärt, wie man am besten bei der Suche in den alten Handschriften vorgeht. Sie erzählte uns, dass sie vor einiger Zeit ein Seminar der Archivare auf dem Heiligenhof mit Herrn Geier vom Bukowinainstitut in Augsburg teilgenommen und in Augsburg vieles gelernt hat, was für die Ahnenforschung wichtig ist.

Es ist ein besonderes Erlebnis, in den 200-Jahre alten Handschriften zu blättern!

Der absolute Höhepunkt unserer Reise war für meine Schwester und mich jedoch unser Ausflug in die Dörfer Komaresti, Jadowa und Petroutz, in denen mein Vater und seine Familie vor 80 Jahren lebten. Über unsere Spurensuche und die Begegnungen mit den Menschen dort habe ich einen eigenen Bericht geschrieben.


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                        Czernowitz - Empfehlungen für Individualtouristen
                                                                  von Emilian Fedorowytsch 

Im Oktober 2004 besuchte ich die seit dem Zweiten Weltkrieg  zur Ukraine gehörende ehemalige Hauptstadt der Bukowina und Heimat meiner Eltern, die Stadt Czernowitz (Cernivci / Cernauti)  auf eigene Faust. Aufgrund von Empfehlungen entschied ich mich für die rumänische Fluggesellschaft Carpatair, die mit robusten zweimotorigen Saab-Maschinen (50 bzw. 35 Sitze) von mehreren deutschen Flughäfen aus vor allem Städte im Nordbereich Rumäniens anfliegt, wobei auf dem Flughafen von Timisoara eine Zwischenlandung mit Umstieg in eine andere Maschine derselben Airline erfolgt. Bei dem 30 - 45 minütigen Aufenthalt wird das Gepäck automatisch verladen. Mein Flug führte mich bei 3 Std. 20 Min. reiner Flugzeit von Düsseldorf via Timisoara nach Iasi. Nach dortiger Übernachtung erreichte ich am nächsten Tag nach zweistündiger Zugfahrt die Stadt Suceava (die Fahrkarte für den Rapid - Schnellzug hatte ich wegen der Platzreservierung bei Bekannten in Iasi vorbestellt) und von dort aus, mittels eines Minibusses die ca. 80 km entfernte Stadt Czernowitz. (Grenzübergang Rumänien/Ukraine nach ca. 50 km).Meine Abholung vom Bahnhof Suceava und die Vermittlung des Platzes im Minibus war eine organisatorische Meisterleistung der rührigen Regionalvorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in der Bukowina, Frau Antonia Maria Gheorghiu ( Büro: Tel. 0040 230 521150, 10 - 13 Uhr ), der ich hiermit nochmals ausdrücklich danke.
 

Seit 2010 fliegt die Carpatair von deutschen Flughäfen via Timisoara auch Czernowitz an. Abflug ab Düsseldorf 11,40 Uhr / Ankunft Czernowitz 16,40 Uhr (Sommer 2011)

(Benutzen Sie bei der Anfrage die englische Bezeichnung “Chernivtsi”)
 

Für die Unterbringung in Czernowitz bietet sich das nicht weit von der Stadtmitte gelegene renovierte Hotel “Bukovyna” an. Bei der Besichtigung des Hotels gewann ich einen positiven Eindruck. Für Buchungen empfehle ich die Klasse Semi-Lux, die gegenüber den Standardzimmern unseren Vorstellungen von einem ordentlichen Hotelzimmer eher entspricht und im Oktober 2011 gemäß telefonischer Auskunft preismäßig bei etwa  26 Euro pro Nacht für ein Einzelzimmer und etwa 43 Euro für ein Doppelzimmer (jeweils incl. Frühstück) lag. Lux-Suiten kosteten etwa 70 Euro, egal ob für ein oder zwei Personen (incl. Frühstück). (Adresse:  Hotel Bukovyna, vul. Holovna 131, Tschernivzi, Ukraine, 58022, Tel/Fax 0038 0372 585-626).
 

Am Ringplatz (pl. Zentralna) erblickt der Besucher das in den Jahren 1843 – 1847 erbaute Rathaus mit seinem 50 Meter hohen Turm. Auf dem Platz hat sich im früheren Hotel „Schwarzer Adler“ das Reisebüro “Nawkolo Switu” etabliert, das neben der Besorgung von Tickets jedweder Art, eine große Palette touristischer Leistungen anbietet. Dort ist ein 25-seitiges, gegen geringe Bezahlung erhältliches Prospekt vorrätig, in dem die Stadt Czernowitz auf über 50, meist farbigen Hochglanzfotos mit entsprechenden Textbeiträgen m. E. nach sehr gut dargestellt wird. Im Folder, das in deutscher, englischer, ukrainischer oder russischer Sprache erhältlich ist, ist ein Stadtplan mit eingezeichneten, sehenswerten öffentlichen Gebäuden integriert. (Adresse: “Nawkolo Switu”, pl. Zentralna 7 - 8, 58000 Tschernivzi, Ukraine, Fax: 0030 0372 55-16-77, Tel: 0038 0372 58 52 63 oder 58 52 64)
 

Geht man vom Ringplatz in die Herrengasse (vul. O. Kobyljanskoji) hinein, tauchen nach knapp 50 Metern linkerhand die Restaurants “Dnjister” und “Watra” sowie  auf der gegenüberliegenden Seite das Restaurant “Koleso” auf. Das in einem Untergeschoß gelegene Restaurant “Watra” eignete  sich hervorragend für zeitsparende Mittagessen. Es wurden in täglichem Wechsel jeweils drei Menüs (kleine Vorspeise, Suppe, Fleischgericht und als Nachspeise meist Kompottsaft) angeboten, die sehr schmackhaft, preisgünstig und nicht zu groß portioniert waren (ideal für kleine Treffs). Die Begleitung durch eine der Landessprache mächtige Person sowie Reservierung erscheinen sinnvoll, da das Lokal gut besucht ist. Abends speist man „a la carte“. Es gelten höhere Preise.

Im Restaurant “Koleso”, zu dem man durch einen Hofeingang gelangt, trug die Bedienung Tracht, die Portionen waren größer und die  Preise höher. Serviert wurde an urigen Holztischen. Mir schmeckten besonders die mit Kartoffelpüree gefüllten und mit Speck und Zwiebeln abgeschmolzenen Pirogen (gefüllte Teigtaschen). Gegen Ende der Herrengasse befindet sich das “Wiener Cafe”, in dem zusätzlich eine breite Palette von Speisen angeboten wird. Bei den  Angeboten stellt sich dieses Lokal allmählich auf West-Touristen ein, auch was die Preise anbelangt.
 

In der Herrengasse Nr. 53 findet der Besucher das aus den Spenden der Bukowiner Deutschen im Jahre 1910 erbaute “Deutsche Haus”, in dem die Österreichisch-Deutsche Kulturvereinigung “Wiedergeburt“ ihren Sitz hat. Die Mitglieder treffen sich nach dem Stand vom Frühjahr 2011  sonntags, ab 12,00 Uhr, in einigen der ihnen überlassenen Räume des Hauses. Sie bleiben in der Regel nicht allzu lange. Wie ich hörte, kommen in der Regel ca. 15 – 20 Personen zusammen. Bei Geburtstagen wächst die Zahl an und kann zu Weihnachten auf bis zu 200 Besucher ansteigen. Das Deutsche Haus ist anlässlich seines 100 – jährigen Jubiläums im Jahre 2010 innen und außen frisch renoviert worden und macht im Straßenbild einen repräsentativen Eindruck. Vorsitzender des dreiköpfigen Vorstands war viele Jahre der inzwischen verstorbene Rechtsanwalt  Franz Keller. Neuer Vorsitzender ist seit Mitte 2010 Herr Alexander Schlamp. Sein Stellvertreter ist Herr Paul Piwtorak. Falls Sie beabsichtigen, Czernowitz zu besuchen, können Sie ihn gern ansprechen. (Tel. ab 18,00 Uhr:  00380372-516816)
 

Im Bukowina – Forschungszentrum der Jurij - Fedkowytsch - Universität (im Haupttrakt der ehemaligen Residenz der bukowinischen Metropoliten) fand der Besucher bis zum Jahre 2010 ohne Probleme deutsch sprechende Ansprechpartner. Nach acht Jahren Förderung durch den Einsatz wechselnder, aus Deutschland  und Österreich stammender Kulturmanager – engagiert war vor allem die Bosch Stiftung – wurden die dortigen Aufgaben im Sommer 2010 in lokale Hände übergeben.
 

Hauptamtlicher wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bukowina Forschungszentrums war der inzwischen ausgeschiedene Dr. Serhij Osatschuk, der speziell die ethnosoziale Entwicklung der Bukowina des 19. und 20. Jahrhunderts verfolgt und durch Veröffentlichungen über das deutsche Vereinswesen, das deutsche Kulturleben, die interethnischen Beziehungen und den Ersten Weltkrieg in der Bukowina bekannt ist. So ist u. a. 2002 sein in ukrainischer Sprache geschriebenes Buch “Die Deutschen der Bukowina” erschienen. Das Projekt wurde gefördert durch Prof. Dr. Dr. R. J. Bartha (München) und die Österreich-Kooperation (Wien).
 

Die im Bukowina – Forschungszentrum angesiedelt gewesene Österreich – Bibliothek, mit einem Bestand von derzeit über 10.000 Bänden und Neuen Medien, wurde 2011 aus Platzgründen in die Universitätsbibliothek überführt. Die Österreich – Bibliothek, die auch Literatur für die Bukowina – Forschung beinhaltet, wird von Universitätsprofessor Dr. Peter Rychlo, Dr. der Philologie und Professor am Lehrstuhl für ausländische Literatur und Literaturtheorie an der Czernowitzer Universität, geleitet. Durch den neuen Bibliotheksraum wird  - wie ich höre – den Lehrenden und Studierenden, aber auch einer breiten Öffentlichkeit ein geräumiges und gut ausgestattetes Arbeitsumfeld bereitgestellt.
 

Empfohlen wird auf jeden Fall eine geführte Besichtigung des Residenzkomplexes,  des ehemaligen Sitzes der Bukowiner Metropoliten, in dem sich heute die Universität befindet..


Adresse: Jurij - Fedkowytsch – Universität, vul. Kotzjubynskoho 2, 58012 Tschernivzi, Ukraina (Termine für Führungen erfragen).
 

Kunstliebhaber lockt der Besuch des Kunstmuseums im Gebäude der früheren Sparkassenverwaltung am Ringplatz (pl. Zentralna 10). Die Gemäldegalerie enthält interessante Werke von Bukowiner Malern, so z. B. der Künstler Hugo von Rezzori (Kirchen, Klöster, Außenansichten), Eusebius Lipetzky (Portraits), Panteleimon Wedeniwskyj (Portraits), Justin Pihuljak, Auguste Kochanowska, Mykola Iwasjuk, Leon Kopelman etc. Volkskunst ist im 2. Stock ausgestellt.

Das Landeskundliche Museum  in der Herrengasse (vul. O. Kobyljanskoji Nr. 28) ist mit rund 80.000 Exponaten beachtenswert. In einem großen Raum sind Trachten der Bukowina ausgestellt.
 

Sehenswert sind unter den orthodoxen Kirchen die mächtige „Kathedrale des Heiligen Geistes“ (vul. Holowna 85) und die „Paraskewa-Kirche“. Bummelt man vom Ringplatz ausgehend durch die Russische Gasse (vul. Ruska) passiert man nach einiger  Zeit die rechterhand gelegene griechisch-katholische „Mariä - Himmelfahrts - Kirche“ und kurz darauf die auf der linken Straßenseite befindliche orthodoxe „Nikolaus-Kathedrale“. Deren Besuch ist allein wegen der besonderen mystischen Atmosphäre während der Messe zu empfehlen. Geht der Besucher die stetig leicht bergab führende Straße weiter, überquert nach einer längeren Strecke eine kleine steinerne Brücke und wendet sich nach links in die Zelena-Straße (vul. Zelena), so ergibt sich für ihn die Gelegenheit, den Flair eines Marktes zu erleben, auf dem neben Nahrungsmitteln auch Gebrauchsartikel aller Art und diverse Kleintiere begutachtet und gekauft werden können.
 

Einige Meter weiter liegen sich der christliche und der jüdische Friedhof (einer der größten Europas) gegenüber. Nach Durchquerung des jüdischen Friedhofs vom Haupteingang aus bietet sich ein Panoramablick auf die Stadt. Wer genug Zeit hat und die auf beiden Friedhöfen befindlichen Gräber und Grüfte aufmerksam studiert, wird viele Namen wiederfinden, die in der Bukowiner Vergangenheit, in Politik wie Kultur, eine maßgebende Rolle gespielt haben. Hier manifestiert sich die Zusammensetzung der multinationalen Bevölkerung, die die Basis für kulturelle Vielfalt bis zum Jahre 1940 gewesen ist. Besonders auf dem christlichen Friedhof gibt es viele interessante Grabmäler aus der Epoche Ende des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts, deren Schöpfer bekannte deutsche, ukrainische, polnische und rumänische Bildhauer und Künstler gewesen sind.
 

Zurück im Stadtzentrum ist die Besichtigung des Olha - Kobyljanska -Theaters (des früheren Schiller – Theaters) angesagt. Dies gilt besonders für das Innere des Theaters. Interessant dürfte neben einer Theater- oder Philharmonie - Vorstellung eine Kontaktaufnahme zum städtischen Kulturzentrum (Palaz Kulture) sein, das sich im Gebäude des ehemaligen Jüdischen Hauses (Teatralna pl. 5) befindet. Hier laufen die Fäden für Chöre, Tanzensembles, Theatergruppen etc. zusammen. Ein Teil der Räume steht der Czernowitzer Jüdischen Gemeinde für gesellschaftliche und kulturelle Zwecke zur Verfügung.

Abschließend sei gesagt, dass meine Empfehlungen nur einige ausgewählte Möglichkeiten der Stadterkundung aufzeigen.
 

Was der Einzelne letztendlich sehen und erleben will, muss er sich anhand von Geschichtsbüchern, Zeitschriften, Prospektmaterial, mündlichen und schriftlichen Reiseberichten zum Thema Czernowitz und Bukowina selbst erarbeiten. Eine gute Vorbereitung verschafft doppelten Genuss.
  

Emilian Fedorowytsch - im April 2011

Aktualisiert im Oktober 2011

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