Reisebericht von Markus Poch

Bukowinafreunde - Verbindungsplattform für Buchenlanddeutsche, deren Nachkommen und an der Bukowina Interessierte weltweit

Reisebericht von Markus Poch

Bukowina: Wie bei Freunden


Das jüngste Gericht als Weltkulturerbe: Ordensschwester Gabriela vom Kloster Voronet
erklärt die Wandgemälde auf den historischen Außenmauern.                               Poch

von markus poch

Wer herzliche Menschen mag, ist im Norden Rumäniens goldrichtig. Wer einen Sinn hat für urwüchsige Naturlandschaften und gewachsene Dörfer, für Pferdefuhrwerke auf Kopfsteinpflasterallee, der wird sich wohlführen. Wer neugierig ist auf einige der weltweit schönsten Klosteranlagen, und wer- nach einem erlebnisreichen Tag – gerne dort eigkehrt, wo kräftige Hausmannskost mit viel Gemüse und selbstgebrannten Obstschnäpsen auf den Tisch kommt, der muss in die Bukowina (deutsch: Buchenland) fahren.    Rumäniens reizvoller Norden öffnet jetzt seine Pforten für internationale Besucher, beansprucht 14 Jahre nach dem Sturz des Diktators Ceausescu sein Stückchen vom europäischen Tourismuskuchen. Von Deutschland aus ist das vielfältige Urlaubsziel an der Grenze zur Ukraine genau so leicht erreichbar -wie Südfrankreich oder Nordspanien. Es ist auch noch preiswerter.

     Die Bukowina, das alte Bauernland am Fuße der Ostkarpaten, rund 500 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bukarest, zeigt sich als Region von sanfter Schönheit und bescheidenen Ansprüchen. Die oft deutschsprachigen Rumänen rund um die Kreisstadt Suceava (sprich: Sutschawa) leben in kleinen, gepflegten Holzhäusern mit eigenen Brunnen, sind im wesentlichen Selbstversorger. Ackerbau, Viehzucht sowie die dazugehörigen Maschinen und Geräte sehen notgedrungen oft noch so aus wie in Mitteleuropa vor 100 Jahren.

    Die Erträge, die bei harter körperlicher Feldarbeit entstehen, sind entsprechend klein, aber die Familien können davon leben. So überstanden sie die ökonomische Wirtschaftskrise unter Ceausescu auch besser als die Menschen andernorts im Land.

    Der ewige Mangel an Düngemitteln wirkt sich für die Bauern der Bukowina heute positiv aus: Ihre Böden sind bestens geeignet für den Anbau biologischer Produkte. In Kooperation mit dem Rumänischen Landwirtschaftsministerium will die deutsche GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit)  neue Märkte erschließen und die Zertifizierung rumänischer Ökoprodukte nach EU-Richtlinien erreichen. In Aufbruchstimmung haben viele rumänische Familien damit begonnen, die eigenen Höfe zu gemütlichen Pensionen oder Gasthäusern umzurüsten. Manchmal ist dort ein Zimmer schon für 20 Euro zu haben.

 Wer so günstig und in so netter Umgebung wohnt, der freut sich morgens umso mehr auf die Bergwanderung, die Kajak- oder Floßfahrt, einen Ausflug mit dem Mountainbike, eine winterliche Fahrt mit dem Pferdeschlitten oder eine frühe Wildbeobachtung. Die rumänischen Karpaten sind das Zuhause für mehr als 5000 Braunbären, 3000 Wölfe und 1500 Luchse. Das entspricht 30 Prozent aller europäischen Großraubtiere, die hier in den weitläufigen, nahrungsreichen Bergwäldern leben, ohne dass es zu nennenswerten Konflikten mit der Bevölkerung käme. Die Bukowina ist für ihre Gastfreund­schaft bekannt und für ihre Kulturschät­ze. 19 einmalige Klosteranlagen aus dem 15. und 16. Jahrhundert verschlagen jedem Kunsthistoriker die Sprache. Das Besondere an den weltberühmten und von deutschen Urlaubern relativ unentdeckten Bauwerken ist vor allem deren äußere Bemalung, die es sonst nirgendwo auf der Welt so gibt. Deshalb wurden sie 1973 von der Unesco in die Liste der Kulturerben der Menschheit aufgenommen. Die Außenmauern der schönsten Klöster, egal ob nun Moldovita, Putna, Humor, Dragomirna oder Sucevita, sind nahezu komplett mit biblischen Geschichten verziert. Wer damals keinen Platz in der Kirche fand oder die (slawonische) Sprache der Gottesdienste nicht verstand, sollte auf diese Weise trotzdem an Messen teilhaben können.

Chemiker grübeln heute über die Zusammensetzung der alten Farben. Viele der Fresken beeindrucken auch nach fünf Jahrhunderten – nach 500 heißen Sommern und 500 eisigen Wintern – noch immer im Originalzustand mit ungebrochener   Leuchtkraft.   Ordensschwester Gabriela ist besonders stolz auf die Abbildung des Jüngsten Gerichts an der Rückwand des Klosters Voronet, in dem sie betet. Mit einem liebenswerten Sprachmix aus Rumänisch und Deutsch hat sie noch jeden Kulturbanausen für ihre heiligen Mauern begeistert: „Kommense wieda, bittescheen.”

BUKOWINA-TIPPSAnreise:
Täglich Tarom-Flüge von Frankfurt nach Bukarest/Otopeni (ca. 2,5 Stunden, ab 255 Euro), weiter von Bukarest/Baneasa nach Suceava mit Angel Airlines (ab 130 Euro). Leihwagen für Euro 30 bis 40 Euro/Tag. Alternativ: entspannte mehrtägige Autoanreise über Wien, Budapest, Satu Mare – etwa 2100 Kilometer von Hannover. Pauschale Reiseangebote bei Studiosus und Dr. Tigges.
Essen: Typische Gerichte aus der Bu­kowina (Krautwickel). Speisen generell preiswert, gutes Abendessen im Restaurant für sechs Personen (mit Wein) schon ab 30 Euro.
Souvenirs:
 kunstvoll bemalte Hühnereier, schwarze Keramik, Stickereien, Holzschnitzereien, handgewebte Teppiche.
Auskunft:
 bei der „Asociatia Pentru Turism Bucovina” (sehr freundlich u. deutschsprachig) unter E-Mail: oder beim Rumänischen Tourismusamt (Adresse siehe oben auf der Seite unter Rumänien-Tipps). 

Mit freundlicher Genehmigung von markus poch      (Nov. 2009)         

Bericht über die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum des Deutschen Hauses in der Herrengasse in Czernowitz 

Am 5. Juni 2010 beging der Österreichisch-Deutsche Kulturverein im Deutschen Haus,  in der ehemaligen Herrengasse der Stadt Czernowitz, die Jubiläumsfeier anläßlich des 100-jährigen Bestehens des Deutschen Hauses.

Bereits am Eingang erhielt jeder Besucher zur Erinnerung an diesen Tag ein Abzeichen mit dem Bild des Deutschen Hauses und der Beschriftung “Czernowitz – Deutsches Haus 1910 – 2010”.  

Die musikalische Einleitung wurde vom Vorsitzenden des Deutschen Vereins der ukrainischen Stadt Kolomyja, Sinovij  Schmidl und seinem Sohn Dieter vollzogen, die beide mit Berghörnern auftraten und für diese seltene Darbietung mit großem Applaus bedacht wurden. 

Nach dieser schönen Einleitung hielt der neue Vorsitzende des Vereins der Österreichisch – Deutschen Kultur im Czernowitzer Gebiet, Herr Alexander Schlamp, die Festrede, die von seinem Stellvertretrer, Herrn Paul Pivtorak für die ukrainischen Gäste synchron übersetzt wurde.


Der Redner richtete seine Worte “an alle heutigen und ehemaligen Czernowitzer, an alle Bukowiner und alle, die Czernowitz lieben und die Stadt in ihrem Herzen tragen” und gratulierte im Namen der deutschen Gemeinde der Bukowina zum Jubiläum. Dabei wies er auf die Geschichte dieses Hauses hin, das bei der Festigung des deutschen Nationalbewusstseins und der Entwicklung des kulturellen Lebens der Deutschen innerhalb der gesamten Bukowina eine exponierte Rolle innehatte.
 Er dankte dem Czernowitzer Stadtrat und Bürgermeister Mykola Fedoruk dafür, dass dem Deutschen Haus -analog zu den Nationalhäusern anderer Nationalitäten – die dauerhafte Nutzung des Hauses und die Wiederaufnahme der kulturellen Tätigkeit ermöglicht worden ist. Das Hauptziel des Vereins sei natürlich die Bewahrung und Wiederbelebung der Kultur, Sprache und Traditionen der seinerzeitigen Österreichisch-Deutschen Ära. 

Im Jahre 1998 wurde für die deutschsprachige Czernowitzer Jugend im Deutschen Haus die Organisation “Bukowiner Phönix” gegründet. Darin haben die jungen Leute die Möglichkeit, Sprache und Sitten ihrer Eltern  und Vorfahren näher kennenzulernen. Mit Unterstützung des “Bukowiner Phönix” wird im Deutschen Haus auch ein Sonntagskindergarten “Kleiner Phönix“gegründet.

Der Vorsitzende dankte allen, die – sei es durch aktive Tätigkeit oder Mitwirkung, sei es durch finanzielle oder logistische Unterstützung – zum Werden und Gedeihen des Vereins der Österreichisch – Deutschen Kultur beigetragen haben, insbesondere Herrn Johannes Klein (seinerzeitiger Gründungsvorsitzender des Vereins), Herrn Franz Keller, dem langjährigen Vorsitzenden des Vereins, Frau Inge Wittal, der bisherigen Leiterin des Vereins, der Regierung von Kärnten, der Stadt Klagenfurt und den Herren Mag. Udo Peter Puschnig und Werner Platzer, der Georg-Drozdowski-Gesellschaft, der Gesellschaft für Technische  Zusammenarbeit und GfE Odessa und Herrn Dr. Tilman Hess, der Firma Arnika, der Firma Triumph  und Frau Direktorin Kozlowa, dem Bukowina-Institut Augsburg und Herrn Luzian Geier, dem Zentrum für Bukowinaforschungen an der Universität Czernowitz und Herrn Dr. Serhij Osatschuk , der Landesregierung, Herrn Bürgermeister Mykola Fedoruk und allen aktiven Mitgliedern des Vereins. 

Die Rede endete mit den Sätzen “Wir wissen nicht, was der Festredner, der in 100 Jahren an meiner Stelle steht, sagen wird. Diese Geschichte muß erst noch geschrieben werden. Fest steht nur, dass wir unseren Teil dazu beitragen und dafür sorgen werden, dass es – zumindest was das Deutsche Haus betrifft – eine Erfolgsgeschichte bleibt.”

Es folgte  die Präsentation des neuen  Buches “Hundert Jahre Deutsches Haus in Czernowitz”, die vom Verfasser  Dr. Serhij Osatschuk  vom Zentrum für Bukowina – Forschungen an der Jurij – Fedkowytsch – Universität Czernowitz  vorgenommen wurde. 

Den nächsten Programmpunkt bestritten zwei Mädchen der Gruppe “Bukowiner Phönix“, die  – begleitet vom Saxophonsolisten Sergij Malischtschuk – das moderne Lied “Tag der Liebe” sangen.            

Professor Dr. Peter Rychlo
 – Doktor der Philologie und Professor am Lehrstuhl für ausländische Literatur und Literaturtheorie an der Czernowitzer Universität, sowie Mitarbeiter am Zentrum für Bukowina – Forschungen in Czernowitz,  hielt eine kurze Begrüßungsrede, in der er die Gäste der Veranstaltung willkommen hieß. Er gab er einen kurzen Überblick über die Literatur in der Bukowina des 19. Jahrhunderts und zitierte aus Werken von Karl Emil Franzos, Georg Drozdowski, Rose Ausländer und weiterer Schriftsteller.  

Grüße aus Österreich und der Stadt Klagenfurt überbrachten anschließend  die Herren Mag. Udo Peter Puschnig und Werner Platzer aus Klagenfurt. Vor der Begrüßung der Anwesenden durch den Bürgermeister der Stadt Czernowitz, Herrn Mykola Fedoruk,  
und anschließender Auszeichnung mehrerer Mitglieder des Czernowitzer Vereins  der Österreichisch – Deutschen Kultur trat Frau Zoja Schmück mit drei gesungenen Liedern in Akkordeonbegleitung auf.

Im Anschluss daran verlieh der Bürgermeister den Vereinsmitgliedern Edmund Wittal und Alexander Schlamp die Medaille “Zum Czernowitzer Ruhm” (Na Slavu Czernivziv)                                                                                                 Frau Katharina Schlamp sowie die Herren Konstantin Grigel und Paul Pivtorak erhielten Ehrenurkunden.
Seitens der Gebietsverwaltung überbrachte der Leiter für Kultur und Tourismus der Stadt Czernowitz Grüße. 

Von den Vorsitzenden des Polnischen und des Rumänischen Vereins der Stadt wurden Grüße und Geschenke übermittelt.


Der ortsansässige Kunstmaler 
Oleg Ljubkiwskij schenkte dem Deutschen Haus eines seiner Bilder, das erals Vorlage für die Titelblattgestaltung der Jubiläumsfestschrift gemalt hat.Vom Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien, Regionalforum Buchenland, Suczawa, waren acht Mitglieder unter der Leitung von Frau Corina Derla angereist, die Grüße überbrachtenund die Festgemeinschaft mit ihren Liedern sowie einem Geschenk an den Verein überraschten. Bei dem Lied “Wir sind die Buchenländerleut” (Oskar Schäfer) sangen viele der Gäste begeistert mit.

Zum Schluss trug Corina Komolova von der Kindergruppe “Kleiner Phönix” Friedrich Schillers “Ode an die Freude” vor. 

Die Deutschen Vereine “Deutsches Heim” aus Lwiw (Lemberg), “Deutsches Kulturzentrum im Lwiwer Gebiet”, Verein “Deutsche der Ukraine” (Iwano – Frankiwsk), “Deutscher Verein” (Kolomyja)  und der Verein “Wiedergeburt” (Shitomyr) hatten Gastdelegationen entsandt. 

Nach Beendigung des offiziellen Teils begaben sich die Gäste zum im Restaurant “Kärnten” (“Karintija”) angerichteten Bufé wo Teilnehmer und Gäste nähere Kontakte knüpfen konnten und wo der inoffizielle Teil der Veranstaltung den Abend bei Speise und Trank sowie Gesang und guter Stimmung bis in die Nacht verlängerte.  

Die Gäste und Vereinsmitglieder bedankten sich für die Einladung und waren von der  Festveranstaltung  begeistert. Aus Städten der Ukraine und aus Rumänien trafen eine Reihe von Briefen ein, in denen die schöne und gute Organisation der Feier gelobt wurde.  

Czernowitz, Frühjahr 2010  – F/P

Die „Austria“  kehrt zurück !

Zusammenfassung der Ereignisse um die Austria-Statue von Czernowitz (Bukowina) und die künstlerischen– und kulturellen Aktivitäten des Instituts für Kulturresistente Güter aus Österreich.Anlässlich der Hundertjahrfeier der Zugehörigkeit der Bukowina zu Österreich am 4. Oktober 1875 erlebte Czernowitz einige bedeutende Ereignisse, wie die Gründung der Franz Josef Universität und am damaligen Hauptplatz der Stadt, welcher 1790 angelegt und zuerst Holzmarkt, später „Criminalplatz“ hieß, die Enthüllung der Austria-Statue. An dieser Feier sollte auch der Kaiser Franz Josef teilnehmen, aber aus irgendeinem Grund war er verhindert und an seiner Stelle kam der Bildungsminister Karl Stremeier nach Czernowitz. Von ihrem Standort konnte die „Austria“ über die ganze Stadt blicken, denn der Platz, welcher fortan in Austria-Platz umbenannt wurde, war die höchste Stelle von Czernowitz, mit einer Höhe von 218 m ü. d. Meeresspiegel.   Das Austria-Denkmal, eine Allegorie der Mater Austria, die auf einem dreigeschossigen Aufbau stand, wurde von dem in Wien geborenen Bildhauer Karl Peckary (1848 – 1996), der bereits mit 24 Jahren, nach Arbeiten für das Wiener Arsenal und die Weltausstellung 1873 zum Professor an der k. u. k. Staatsgewerbeschule (Neue Weltgasse) in Czernowitz ernannt wurde, geschaffen. Ihm zur Seite standen bei der Gestaltung und Fertigstellung des Denkmals der Bildhauer Carl Worak (in einigen Quellen als Carl Morak bezeichnet), der Architekt Carl Hofer, der Steinmetz Carl Hoffmannn und der Gießer Carl Turbain.Die Statue hatte eine Gesamthöhe von etwa 8,2 Meter. Das Denkmal bestand aus einem Sockel, der aus einem grünen Stein bestand, welcher im Gebirge der Bukowina abgebaut wurde,  einem Basisrelief und der Hauptfigur, die etwa 2,37 Meter hoch war. Die Statue wurde aus einem Block Cararischen Marmor herausgehauen, welcher aus Neapel stammte und 184 Zentner schwer war. Die „Austria“ trug antike Kleidung und manche sagten, dass der Gesichtsausdruck wie der von Maria Theresia sei, zu deren Regierungszeit die Bukowina an Österreich angeschlossen wurde. In der linken Hand trug sie das lorbeerumrankte Schwert und in der rechten Hand hielt sie die Friedenspalme segnend über die Stadt. Dieser Palmenzweig ist auf Fotoaufnahmen nach 1905 schon nicht mehr zu sehen.

Nach der Machtübernahme im Jahre 1918 durch das Königreich Rumänien verschwand die Statue (wahrscheinlich 1919) auf seltsame Weise und niemand wusste wo sie abgeblieben war.In dieser Zeit wurden durch die Rumänen viele Denkmäler demontiert, die die Donaumonarchie symbolisierten. Zum Glück sind aber noch einige Denkmäler aus dieser ruhmreichen und für die Bukowina bedeutendsten Zeit erhalten geblieben, wenn auch einige davon nicht mehr komplett sind. Die „Austria“ blieb Jahrzehnte verschollen, bis man sie zufällig bei Bauarbeiten unter dem Betonboden auf dem Hof des ehemaligen Bukowina Gewerbemuseums, an der Ecke Liliengasse / Mickiewiczgasse, heute die UkrSozBank (Ukrainische Soziale Bank), am 8.Mai 2003 wieder gefunden hat, allerdings ohne Kopf.

Eine eingesetzte Kommission sollte entscheiden, was mit der Statue passieren soll.Wenn man die Fotos betrachtet, die bei der Bergung gemacht wurden und die „Technik“, die dabei verwendet wurde, um die „Austria“ zu transportieren, muss ich an meine Kindheit zurückdenken, wo in den  fünfziger Jahren auch noch Rundhölzer für schwere Lasten benutzt wurden, was für den Transportgegenstand nicht vorteilhaft war. Wie ich von der bildenden Künstlerin, Frau Barbara Zeidler, erfuhr, hat sie zusammen mit dem Künstler Abbé Libansky eine internationale Aktion ins Leben gerufen, welche die Bedeutung dieser wieder gefundenen Statue als eine Brücke zwischen den Völkern und Kulturen darstellen soll. Die 2003 wiederentdeckte Statue der Czernowitzer Austria soll als Beispiel und Ausgangsbasis für eine künstlerische und wissenschaftliche Auseinandersetzung über politische Symbole und europäische Identitäten werden.International anerkannte Kuratoren wählten 10 KünstlerInnen aus Österreich, Ungarn, der Slowakei, Polen und der Ukraine, die je eine Kopie der Statue in Originalgröße erhielten  und aufgefordert wurden, sie mit den unterschiedlichsten künstlerischen Ideen neu zu interpretieren und zu gestalten.

Die Stadt Czernowitz hat in diesem und in anderen Fällen Glück, eine Partnerschaft mit Österreich zu besitzen, denn ansonsten glaube ich nicht, dass viel Interesse herrscht, solche Projekte ins Leben zu rufen. Bei vielen Restaurationen kann man leider feststellen, das die Farbe viel zu dick auf das zu Erhaltende aufgetragen wird und so die Ornamente und Figuren nicht mehr das feine und graziöse Aussehen haben, wie es durchaus hätte sein können.

Wie man auch aus Czernowitz erfährt, lässt man Auszubildende (Lehrlinge) diese Arbeiten verrichten. Leider!   
 

Reinhold Czarny Zusammenarbeit mit Oksana Nakonechna
Quellen: Institut für Kulturresistente Güter,               Czernowitzer Archiv               Tageszeitung „Molodyj Bukowynez´“               16.10.2006

Die Charitas von Czernowitz: Mens sana in corpore sano“ – „ein gesunder Verstand in einem gesunden Körper”

Für das 600-jährige Bestehen der Stadt Czernowitz im Jahr 2008 wurden viele Maßnahmen zur Erhaltung und Verschönerung des historischen Stadtkerns durchgeführt. .In diesem Zusammenhang wurde den Denkmälern, die aus der Zeit der Donaumonarchie stammen, Beachtungen geschenkt, die ihnen sonst nicht zuteil kommen würden. Eines dieser Denkmäler, die restauriert werden, ist die in der ehemaligen Wolan-Gasse (heute Bukowiner Str.) gelegene Statuengruppe „Charitas“ auf dem Gelände des Fischer´schen Kinderspitals in Czernowitz.

Der Grundstein für dieses Krankenhaus wurde am 25.Juni 1908 gelegt und das Denkmal der „Charitas“ wurde nach der Eröffnung des Spitals im Dezember 1910 feierlich enthüllt.Die Skulpturengruppe wurde vom Wiener Bildhauer Theodor Stundl (1875 – 1934) geschaffen, was ein Meisterwerk darstellt. Im Zentrum dieser Gruppe befindet sich die Charitas, das Symbol der Jugend und Gesundheit. Dieser Name bedeutet „schenkende Liebe“ bzw. „Nächstenliebe“, nicht umsonst schmiegen sich die dargestellten Kinder an sie, in der Hoffnung mütterliche Wärme und Zärtlichkeit zu bekommen. Die ganze Komposition ist mit Harmonie erfüllt, die nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch körperlich ist. Das wird durch die gut leserliche Inschrift auf der Rückseite des Obelisken hervorgehoben „Mens sana in corpore sano“, was aus dem Lateinischen übersetzt heißt „ein gesunder Verstand in einem gesunden Körper”.

Die Skulpturengruppe ist aus Bronze und hat das knappe Jahrhundert gut überstanden, so dass sie ohne großen Aufwand restauriert werden kann. Es muss nur der Schmutz und die Oxydation beseitigt werden, danach kann die Statuengruppe an den alten Platz zurück.Wenn man die Skulptur betrachtet, gewinnt man den Eindruck, dass sie aus einem Stück gegossen und nicht aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt wurde. Während ihrer Herstellung in Wien, haben ihre Schöpfer perfekt alle Teile der Skulptur mit Schrauben, ebenfalls aus Bronze, verbunden, so dass keine einzige Fuge zu erkennen ist.Im Gegensatz zur Skulptur hat der Sockel die lange Zeit schlecht überwunden. Er besteht aus dem Gestein Dolomit, welches auf die Umwelteinflüsse anfälliger reagierte und in Folge dessen sehr beschädigt wurde, so dass mehrere Details nicht mehr erkennbar sind.  Das Denkmal hatte weitere sehenswerte Details anzubieten, die heute nicht mehr Bestandteil des Denkmals sind und dadurch in Vergessenheit gerieten.

Dazu gehörten das Medaillon mit dem Abbild von Franz-Josef I, sowie die Kaiserkrone an der Spitze des Obelisken, welche durch die Russen entfernt wurden,wie durch die Überlieferung zu hören ist. Man möchte hierbei hoffen, dass der alte Zustand wieder hergestellt wird und das Denkmal in voller Pracht dem Betrachter erscheint. 

Oksana Nakonechna         (Czernowitz)           31.10.2006

Genug der Zurückhaltung – Integration der Buchenländer in der neuen Heimat –

Haben wir unseren Kindern und Enkeln genug weitervermittelt? oder „Wie halte ich’s mit der Bukowina?

Anlässlich des diesjährigen gelungenen Buchenländer-Bundestrefffens in Frankenthal bereicherte eine sozial engagierte junge Dame mit Bukowiner Vorfahren die Veranstaltung mit einem spontanen Wortbeitrag, der besonders erwähnenswert scheint und nachdenklich stimmt.

Sie schilderte anschaulich, wie sich ihre -Eltern und Großeltern in den Nachkriegsjahren um eine rasche Integration in den südwestdeutschen Kulturkreis bemühten, indem sie streng darauf bedacht waren, ihre zum Teil abweichenden Lebensgewohnheiten, die sie aus der Bukowina mitgebracht hatten, vor den Einheimischen tunlichst zu verbergen, um sich von jenen nicht zu sehr abzuheben. Dies betraf sogar das gewohnte Mamaliga-Essen.

Dass sie mit diesem Handeln zwar integrationsmäßig sozusagen „den Vogel abgeschossen haben”, ist die eine Seite der Medaille, dass sie dadurch aber auch dazu beigetragen haben, ihren Kindern einen Teil ihrer Identität vorzuenthalten und – unbewusst die Rolle, die die Bukowina in ihrem eigenen Leben gespielt hat, zu schwächen, mögen sie damals, nach der Stunde Null, nicht voll bedacht haben. Wer könnte es ihnen verdenken? Und so kann man es einer Reihe von Bukowiner Nachfahren nicht übel nehmen, wenn sie für das Land ihrer Vorfahren keine tieferen Empfindungen hegen – eben weil sie diese manchmal nicht weitervermittelt bekamen.

Derartige Fälle sind wahrscheinlich dort vorgekommen, wo Bukowinaer Familien nicht im Verbund mit mehreren Landsleuten gelebt haben. Bukowiner Gemeinden im Gebiet Salzgitter-Lebenstedt, in dem rund 5.000 Buchenländer angesiedelt wurden, oder im Augsburger Raum boten ihre Mitgliedern mannigfaltigere Möglichkeiten bezüglich der Pflege der Bewahrung der Bukowiner Sitten, Gebräuche und der Lebensart. Doch auch dort nagt inzwischen der Zahn der Zeit und das Interesse an der Heimat der Vorfahren läuft bei Kindern und Enkeln auf Sparflamme. Denn wie könnte man es sonst erklären, dass diese wenig Bereitschaft zeigen, ihre Eltern bzw. Großeltern einmal jährlich zum Bundestreffen zu begleiten.

Handelt es sich wirklich um Desinteresse? Ist vielleicht der sogenannte heutige Zeitgeist schuld daran oder haben manche Eltern und Großeltern es versäumt, diese zarte Pflanze Heimat zu hegen, zu pflegen und den Bukowiner Gedanken an die Nachkommenschaft weiterzugeben. Dies wäre in der Tat ein Fauxpas.

Ich traue mir nicht zu, eine definitive Antwort darauf zu geben, da noch andere Gründe für dieses Abstinenzverhalten ursächlich sein mögen. Da gehe jeder Einzelne in sich und stelle sich die Frage. Dann wird ihm sicherlich eine Antwort zuteil.

Tatsache ist, dass ich an vielen Bundestreffen teilgenommen und stets mitbekommen habe, wie sehr die Buchenländer ihre Heimat, die sie Ende 1940 verließen, liebten, an ihr hingen und wie ein Leuchten über ihre Antlitze huschte, wenn von der Bukowina gesprochen wurde. Dieses mit Gefühlsduselei zu bezeichnen würde der Sache nicht gerecht werden und wäre auch zu einfach. Es muss also „etwas dran gewesen sein” an diesem Ländchen und an der Gemeinschaft der Bukowiner. Gab es ein Geheimnis? Bestimmt nicht nur eines!

In der am Anfang dieses Artikels festgehaltenen Schilderung manifestiert sich ein tiefer Wunsch, dem ich mich ohne zu zögern anschließe:

Wer noch Zeitzeuge aus der Bukowina ist und wer das Glück hatte, von seinen Eltern oder Großeltern vieles über die Bukowina erfahren zu haben, möge dieses unschätzbare und besondere Wissen an seine Nachkommen weiter geben. Sie werden es Ihnen danken.

Das Internetportal www.bukowinafreunde.de leistet eine Hilfestellung. Geben Sie diese Adresse an Kinder, Enkel, Verwandte und Freunde weiter.

Letztendlich sei noch hinzugefügt, dass die Bukowina auf den  Gebieten Literatur, Musik, Kunst, Tourismus und vielem anderen noch weit mehr bietet. Dies ist ein Grund dafür, dass sich mehr und mehr Nichtbukowiner für dieses Land interessieren.

In seiner Festrede ging der der Schirmherr und „Pate” der Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen, Jürgen Reichert, Präsident des Bezirkstags von Schwaben/Augsburg, sehr detailliert auf die Beziehungen Schwabens zur Bukowina ein, wobei er in seine mit Engagement gemachten Ausführungen einfließen ließ, wie sehr er im Laufe der Jahre das Land samt seinen Bewohnern und deren Kultur zu schätzen gelernt hat. Einen besseren Fürsprecher können wir uns nicht wünschen.

Emilian Fedorowytsch, Oktober 2010                  g

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