Die Deutschen der Bukowina

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Auszug aus der Einleitung zum Buch „НIMЦI  БУКОВИНИ“


(Die Deutschen der Bukowina) von Serhij Osatschuk, Czernowitz 2002

In der Periode Ende des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts – im Verlauf der Zugehörigkeit des Landes zum Habsburger Imperium – war das Schicksal der Bukowina gekennzeichnet durch eine positive dynamische Entwicklung in allen Lebensbereichen. Die harmonische geschichtliche Entwicklung der Bukowina führte zur Entstehung einer multiethnischen, multikonfessionellen Gesellschaftsstruktur. Sie war ein Konglomerat, in dem jede nationale Gruppe ihre nationalen Besonderheiten bewahrte  und ihre geistige und materielle Kultur entwickelte. Die Heterogenität der Bukowiner Kultur würde offensichtlich nicht so ein Interesse hervorrufen, wenn sie nicht zugleich gekennzeichnet wäre durch eine Integrationsidee,  ständigem Streben nach gegenseitigen Kontakten, jederzeitiger Bereitschaft zur Zusammenarbeit, mit einem Gesamterwachen und – nicht vom Verfasser: „mit dem Entlehnen von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen, geistig oder kulturell befruchtenden Beispielen und Ideen.“ Die deutsche nationale Kultur hat in der geschichtlichen Genesis der Bukowina eine bedeutende Rolle gespielt. Ihr gebührt ein besonderer Platz inmitten der anderen Akteure, die wesentlichen Einfluss auf die Formung der weltanschaulichen Positionen und die europäische Mentalität der Bukowiner genommen haben.

Die günstige Entwicklung des Deutschtums in der Bukowina ist dem Zustand zuzuschreiben, dass sich die Deutschen, erfüllt von altösterreichischen josephinischen liberalen Überzeugungen, unermüdlich ihrer Kulturarbeit gewidmet haben und weder nach einer Stellung strebten, die sie absonderte, noch sich um einen Schutz ihres nationalen Bestandes bemühten. Auf diese Weise gelang es ihnen,  Situationen zu vermeiden, die Widerstände seitens der autochtonen Bevölkerung hätten hervorrufen können. In der Bukowina gab es auch nicht jene scharfen Widersprüche zwischen den Autochtonen  und den Deutschen, die im Verlauf der Jahrhunderte in Ungarn und Galizien auftauchten.  Die Geschichte der Bukowina Ende des 18. – 19. Jh. hat sich mit nicht allzu starken sozialen Konflikten zwischen den nationalen aristokratischen Großgrundbesitzern und der überwiegenden Mehrheit der untergegebenen Bauern ausgezeichnet. Dadurch hat der durchaus wichtige soziale Faktor hier die nationalen Beziehungen nicht vergiftet. Die Deutschen waren fraglos die politisch dominierende Bevölkerung der Bukowina, aus ihrer Mitte kamen die leitenden Verwaltungskader, dennoch haben sie weder große Grundbesitzer gestellt noch waren sie Repräsentanten einer nicht vorhandenen Großindustrie. Auf diese Weise besaßen sie keine nationale „Überlegenheit“, sieht man von der Nutzung im ökonomischen Bereich ab. Durch die Herrschaft der deutschen Sprache, die als Amtssprache und allgemeine Umgangssprache galt, war die Stellung der Deutschen weitaus besser, als in anderen Teilen der Monarchie.

Solange das österreichische Imperium zum Deutschen Bund gehörte, war die  vorherrschende Stellung der Deutschen innerhalb der Monarchie abgesichert. Die österreichische imperiale Politik hatte ihrem Grunde nach deutschen Charakter, dank dem  sich die Deutschen des Habsburger Reiches freiwillig mit Österreich identifizierten. Nach dem 4. Prager Friedensschluss vom 23. August 1866, der den für Österreich nicht erfolgreichen Krieg gegen Preußen abschloss, anerkannte  Österreich die Auflösung des Deutschen Bundes und erklärte sich mit der Neuorientierung Deutschlands ohne eigene Beteiligung einverstaden.(Anmerkung: 1871 entstand das Deutsche Reich) Statt nach einer prodeutschen Einstellung orientiert sich Österreichs Staatsgedanke vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts an der übernationalen „großösterreichischen“ Idee eines Vielvölkerstaates. Die politische Herrschaft der Deutschen in Österreich war von jenem Zeitpunkt an für immer verloren und sie mussten zusammen mit anderen cisleithanischen, d. h. in der österreichischen Region der Habsburger Monarchie ansässigen Volksgruppen im Rahmen ihrer nationalen Gleichberechtigung (de jure – S. O.) einen anstrengenden Kampf für ihre nationalen Interessen führen und zwar auf kultivierte  Weise  und nicht mit politischen Methoden von Verboten und Vernichtungen. (6) sh. S. 12-17 –

Übersetzung aus dem Ukrainischen: –  E. G. F. –

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