Erläuterungsteil Kyjiver Rus’

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Eräuterungsteil zur Bukowina

Kyjiver Rus’ 


Mit dem Erscheinen normannischer Waräger begann im Umfeld der zu damaliger Zeit bereits existierenden Stadt Kyjiv (Kiew) und deren Einflussbereich – es herrschten dort bereits Regionalfürsten mit ihren Gefolgsleuten – ein organisiertes Staatsleben, das den Zeitraum von Mitte des 9. Jh. bis zur Mitte des 14. Jh. umfasst und als “Fürstenperiode” bezeichnet wird. Die Skandinavier stellten zu Beginn deses Zeitraumes die Herrschaftsdynastie. Der erste historisch belegte Fürst dieser Periode war Askold (856-882), der mit seinen Gefolgsleuten Kyjiv von den Chasaren befreite und später den Anstoß zur Aufnahme von Handels-und Kulturbeziehungen zu Byzanz gab. Als Nachfolger Askolds folgten Fürst Oleh (882-912) und Fürst Ihor (912-945). Auch zu westeuropäischen Gebieten und Zentralasien bestanden Handelsbeziehungen. Allmählich assimilierten sich die Waräger mit den Bewohnern des Landes und die Zahl der slawischen Gefolgsleute in der Regierung stieg an. “Zu Zeiten Fürst Jaroslavs des Weisen (1019-1054) überwogen im Staatsapparat regionale slawische Landesbewohner. Die Zahl der einstigen normannischen Erobererschicht sank rapide und schwand schließlich gänzlich.“ (16) S. 102

“Der Kyjiver Herrschaftsbereich führte zu Zeiten der Kyjiver Fürstenperiode die Bezeichnung “Rus”. Dazu zählte anfänglich nur das von Poljanen besiedelte engere Kyjiver Gebiet. Allmählich dehnte sich der Name auf den gesamten von Kyjiv beherrschten Bereich aus. Nach der Bezeichnung “Rus'” nannte man deren Bewohner Russenen oder Rus’ki, Benennungen, die sich zwecks Definition ukrainischer Einwohner bis in die heutigen Zeiten, auch in der Bukowina, erhalten haben.” (16) S 102 – Die Regierungsmacht befand sich in den Händen des Fürsten, der auch oberster Heerführer, höchster Regierungsrepräsentant und oberster Richter war. Wie seinerzeit in ganz Europa hatte das Fürstentum  militärischen Charakter. Dem Fürsten zur Seite stand der Rat der Bojaren, der sich aus älteren Gefolgsleuten, mit Regierungsgeschäften betrauten verdienten Beamten und der Höheren Geistlichkeit zusammensetzte.

Zum Fürstentum Moldawien (16) sh. S. 174-178

Wojewode 

“An der Spitze des moldawischen Staates stand der Wojewode, der sich auch als Hospodar (Hausherr/Bewirtschafter) der moldawischen Gebiete bezeichnete. Diese ukrainische Bezeichnung rührt daher, dass der Wojewode zu jenen Zeiten Eigentümer des gesamten Landes, insbesondere auch der nicht besiedelten Gebiete war. In seinen Händen vereinigte er die gesetzgeberische, richterliche und ausführende Gewalt. In Kriegszeiten führte er das militärische Oberkommando. Im Laufe der Zeit änderte sich der Machtumfang der Wojewoden; ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mischten sich die Bojaren in immer stärkerem Umfang in die Kompetenzen der Wojewoden, wodurch deren frühere Machtfülle begrenzt wurde.”—- (16) sh. S. 174 

Bojaren 

“Die Besitzer großer Ländereien und die höheren Regierungs-beamten bildeten die Oberschicht der Bojaren. Der Wojewode bedachte diejenigen, die sich im Kampf ausgezeichnet hatten oder höhere Beamte, die sich bei Regierungsgeschäften positiv hervorgehoben hatten mit Grund und Boden. Die Bojaren herrschten über ihren Grundbesitz mit Hilfe von Ansiedlern (Kolonisten) oder Sklaven, die sie vorwiegend aus Kriegsgefangenen rekrutierten……..” (16) sh. S. 176                      

Sklaven 

Sklaven in der Bukowina waren nur Zigeuner und Tataren. Sie gehörten zum absoluten Besitz ihrer Herren und wurden in der Regel als Hausangestellte oder Schmiedehandwerker beschäftigt. Waren sie in Fälle von Totschlag verwickelt, richteten die Herren höchstpersönlich über sie.                

Leibeigene 

Die Bauern stellten die größte Zahl an Leibeigenen. Mit der Zuteilung von Land durch den Wojewoden gingen alle dort angesiedelten Leibeigenen an den neuen Besitzer über, waren an Grund und Boden gebunden und hatten keine Rechte, diesen aus eigenen Stücken zu verlassen. Auch in Nachbarländern erbeutete Kriegsgefangene wurden Leibeigene. Der Grundbesitzer konnte sie zusammen mit seinen Untergebenen jederzeit verkaufen. Zu letzteren zählten auch freiwillige Siedler aus Nachbarländern, die auf Wunsch der Bojaren oder Klöster ins Land kamen. Ihnen wurden anfangs bestimmte Freiheiten zugesichert. Anmerkung: Das 1782 für ganz Österreich erlassene Patent über die Aufhebung der Leibeigenschaft betraf auch die Zigeuner der Bukowina. Sie wurden besitzlose Bauern. An die Stelle der Leibeigenschaft trat der Frondienst.                                                                                                            

Bürgerschaft  

Eine Bürgerschaft befand sich zu Zeiten der Moldawischen Periode der Bukowina nur in drei Städten – Černivci, Seret, Sučava – wo sie sich überwiegend mit Großandel und Gewerbe befasste. Anfang des 16. Jahrhunderts hatte Sučava etwa 2000 Wohnhäuser und war das Handelszentrum des gesamten Landes Die Aufwärtsentwicklung der drei Städte währte bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts und verfiel im Laufe der türkischen Oberhoheit und aufgrund der unklugen Politik der Wojewoden.            

Die Geistlichkeit

Anfang des 15. Jahrhunderts gewann die herrschende Orthodoxe Kirche in der Bukowina ihre Selbständigkeit und verfügte über eine eigene Organisation. In der Zeit davor war sie der Metropolie von Halytsch unterstellt. Während die höhere Geistlichkeit, wie Bischöfe und Klostervorsteher über große Ländereien verfügte, an den Regierungsgeschäften teilnahm und den Bojaren rechtlich gleichgestellt war, befand sich der niedere Stand der Geistlichkeit in gleicher Situation wie die untergebenen Bauern. Da diese Geistlichen keine reguläre Bezahlung bekamen, mussten sie bei den Herren Land pachten und es bearbeiten. Nur von Zeit zu Zeit erhielten sie Geschenke von Gläubigen. Ein ähnliches bzw. noch schwereres Schicksal trugen die Mönche, von denen es eine ziemlich große Anzahl gab, denn in jener Zeit existierten in der Bukowina 31 Klöster.          

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