Geschichte der Bukowina: Die Vorösterreichische Zeit in der Bukowina

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Bukowina Ende 9. Jh. bis 1774

“Das Gebiet der Bukowina (ukr. Bukovyna) liegt am östlichen Karpatenbogen, der in Galizien nach Süden schwenkt. Konkret befindet es sich im Nordosten Rumäniens, südlich von Galizien —- Die Karpaten verlaufen im rumänischen Bereich nach Süden, um sich dann inmitten Rumäniens noch einmal in Richtung Westen zu wenden. Die Bezeichnung Bukowina bedeutet Buchenland, buk ist eine alte ostslawische Entlehnung des Namens für die germanische Buche. Die Endung -vina,-vyna hat im Ukrainischen wie auch in anderen slawischen  Sprachen eine kollektive Mehrzahlfunktion.” (2) S. 114 –

Bereits seit Zeiten Fürst Oleh’s (882-912), der alle auf ukrainischem Boden angesiedelten und weitere slawische Stämme des Nordens vereinte, ist bekannt, dass das Gebiet der späteren Bukowina dem Gefüge des Reiches der Kyjiver Rus(Kiewer Rus’) angehörte. “Vom Feldzug Fürst Ihor’s (912-945) gegen Byzanz 941  (Friedensvertrag 944) berichtet der Chronist, dass daran auch die Bewohner des Bukowiner Gebietes, die Tewerzen teilnahmen.” (16) S. 95 –  Zu Zeiten Fürst Volodymyr’s I., des Großen (980-1015), der die ukrainischen Gebiete 988 von Kyjiv aus christianisierte, erstreckte sich die Kyjiver Rus’ von den Karpaten bis zur Wolga und vom Finnischen Meerbusen bis zum Schwarzen Meer und zum Kaukasus.

Anfang des 12. Jahrhunderts zerfällt dieses, inzwischen aufgrund seiner Größe schwer zu beherrschende Reich, infolge von vorhergehenden Teilungs- und Nachfolgeauseinandersetzungen (Senioratsprinzip) und der ständigen, immer heftigeren Angriffe der Nomadenvölker in mehrere eigenständige Fürstentümer. 1169 zerstört der Suzdaler Fürst Andrij Boholjubskyj die Stadt Kyjiv. 1240 wird die Stadt von Tataren verwüstet. Auch Veränderungen in den Wirtschaftsbeziehungen zu Westeuropa und schließlich, etwa um 1300, der Umzug der Kyjiver Metropoliten nach Norden – sie wollten weiteren tatarischen Anstürmen entgehen – tragen zum Niedergang Kyjivs bei. Das Schwergewicht des ukrainischen Staatswesens hatte sich schon Mitte des 12. Jahrhunderts in die ruhigere Westukraine verlagert. “Die dort im Zuge der allmählichen Aufteilung der früheren Gebiete des Großfürstentums Kyjiv entstandenen Fürstentümer vereinigen sich im Jahre 1199 und bilden Mitte des 13. Jahrhunderts das machtvolle Fürstentum Halytsch-Wolhynien, dem aus staatsrechtlicher Sicht auch das  Bukowiner Territorium  angehört.” (16) S. 103 – Bereits vor der Vereinigung gewinnt die Stadt Halyč immer mehr Bedeutung aufgrund ihrer günstigen Lage an der Kreuzung der Handelsstraßen, die vom Baltischen Meer zum Schwarzen Meer und von Kyjiv
über Krakau, Prag und Regensburg nach Westeuropa führen. Beide Wege berühren bzw. kreuzen das Territorium der späteren Bukowina. 

1241 gerät der gesamte Osten Europas und demgemäß auch das Fürstentum Halytsch-Wolhynien für fast 100 Jahre unter die Oberhoheit der Tataren. Die Bukowina verliert unter immer stärker werdendem Druck der Tataren allmählich ihre Verbindungen zum Fürstentum und wandelt sich in ein Gebiet mit vielen kleinen Gemeinden. Ein Teil davon, der auch die Nordbukowina umfasst, schließt sich zu einem größeren, politisch selbständigen Gebilde unter dem Namen „Schypyns`ka Zemlja“ zusammen. “Die ersten Spuren der rumänischen Ethnie östlich der Karpaten machen sich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts bemerkbar, als die Gebiete zwischen dem Dnister und den Karpaten noch zum Fürstentum Halytsch gehörten.” (16) S. 141 –  Ab Mitte des 13. Jahrhunderts ziehen – trotz Verbotserlasses des ungarischen Königs Bela IV. (1235-1270) – immer mehr Rumänen aus Siebenbürgen in die Südbukowina, wo sie in der Nähe der Flüsse siedeln. “Der ungarische König Lajos I., der Große (1342-1382), der häufige Kriege mit den Tataren führt, fördert diese Ansiedlungen. Nachdem es ihm 1342 gelingt, die Tataren zu schlagen und aus dem von Ungarn beherrschten Gebiet zurückzudrängen, wobei er sich vorübergehend die Bukowina einverleibt, bestimmt er den Führer der mit ihm verbündeten rumänischen Kämpfer aus dem Maramuresch-Gebiet, Fürst Dragosch, zum Administrator über die neu eroberten Grenzgebiete im Bereich Bukowina und Moldawien. Die Besetzung läuft nicht ohne Widerstand der örtlichen Bevölkerung ab.”  (16)  S. 142 – 143

Zur gleichen Zeit (1340) endet die Fürstenperiode, in deren Verlauf das ukrainische  Staatswesen fast 500 Jahre selbständig war. Hauptgründe für den Verfall des Halytsch-Wolhynischen Fürstentums waren der tatarische Andrang sowie das Tauziehen zwischen Ungarn und Polen um die Herrschaft über ukrainische  Gebiete. Das westukrainische Fürstentum verliert seine Souveränität an Polen (1340) und geht in den Folgejahren in das Gefüge des mächtigen litauisch-polnischen Herrschaftsbereiches ein (Union zwischen Polen und Litauen 14.08.1385), bei dessen Entwicklung des Führungs-, Verwaltungs- und Rechtssystems das ukrainische Element eine bedeutende Rolle spielte. “Die Schypyns´ka Zemlja anerkennt 1349 die Oberhoheit des polnischen Königs Kazymyr des Großen (1333-1370).” (16) sh. S. 143

Zur gleichen Zeit (1340) endet die Fürstenperiode, in deren Verlauf das ukrainische  Staatswesen fast 500 Jahre selbständig war. Hauptgründe für den Verfall des Halytsch-Wolhynischen Fürstentums waren der tatarische Andrang sowie das Tauziehen zwischen Ungarn und Polen um die Herrschaft über ukrainische  Gebiete. Das westukrainische Fürstentum verliert seine Souveränität an Polen (1340) und geht in den Folgejahren in das Gefüge des mächtigen litauisch-polnischen Herrschaftsbereiches ein (Union zwischen Polen und Litauen 14.08.1385), bei dessen Entwicklung des Führungs-, Verwaltungs- und Rechtssystems das ukrainische Element eine bedeutende Rolle spielte. “Die Schypyns´ka Zemlja anerkennt 1349 die Oberhoheit des polnischen Königs Kazymyr des Großen (1333-1370).” (16) sh. S. 143  

Bohdan I. (1359-1365), unter ungarischer Hoheit stehender Wojewode des Maramuresch, rebelliert gegen den ungarischen König, überschreitet mit seinem Militär die Karpaten, verjagt die ungarischen Staatsbediensteten aus der Bukowina und gründet 1359 ein neues Fürstentum, das er nach dem örtlichen Fluss Moldava “Moldawien (Moldavija)“ benennt. (16) S. 143

“In der rumänischen Geschichte wird der Beginn des Moldawischen Fürstentums, das in der Bukowina seinen Anfang nahm, als rein rumänische Gründung der nordsiebenbürgischen Rumänen dargestellt. Sie wird mit einer romantischen Jagdlegende des Gründers Dragosch-Voda verbunden, von dem eine etwa 150 Jahre herrschende Wojewodendynastie ausging.” (2) S. 114

Das neue Fürstentum etabliert sich an den Flüssen Seret, Sučava und Moldava. Nach Norden grenzt es an die Schypyns´ka Zemlja. “Um diese Schypyns´ka Zemlja gehen bis Ende des 15. Jh. die Bemühungen zwischen  Polen und  Moldawien,  dessen Oberhoheit über diese Teile der Bukowina von Polen bis dahin noch nicht endgültig anerkannt worden war.” (16) S. 110 u. S. 154 –  “Gegen Ende des 14. Jh. nimmt Moldawien den nordöstlichen Teil dieses Gebietes – bis zum Dnister – und ab 1499 den südwestlichen Teil am Čeremos in endgültigen Besitz.” (16)  sh. S. 143 u. 154 – Da die Bedrohung für Moldawien von drei Seiten kam (Türkei, Ungarn, Polen), entscheidet sich Moldawien für den Schutz durch Polen und leistet der polnischen Königin Jadwiga, der Ehefrau des litauischen Großherzogs Jogaila, 1387 den Treueeid. Die ca 100 Jahre währende Abhängigkeit war mehr formal-moralischer Natur und wurde beiderseits nicht immer eingehalten. (16) sh. S. 144-145 

Das 15. Jahrhundert war die machtvollste und berühmteste Periode Moldawiens. Eine derartige Größe verdankte das moldawische Fürstentum zwei hervorragenden Wojewoden: Alexander dem Guten und Stefan dem Großen.

Alexandru cel Bun (1401-1433) bemüht sich, sein Land auf friedlichem Wege zu konsolidieren. “1408 schließt er eine Vereinbarung mit Lemberger Kaufleuten, aufgrund der er ihnen bedeutende Privilegien beim Warentransport durch moldawische Städte gewährt —-. Die diesbezügliche Urkunde ist deswegen wichtig, weil in ihr sechs Mal erstmals die Stadt Černivci erwähnt wird. Die Urkunde ist in der damaligen ukrainischen Sprache verfasst.” (16) S. 146 – Die größte Aufmerksamkeit widmet Alexandru cel Bun kirchlichen Angelegenheiten. Um die moldawische Kirche von der Halytscher Metropolie unabhängig zu machen schafft er 1401 die  selbständige Metropolie Sučava, begründet bzw. erneuert das Bistum Radautz und begründet ein neues Bistum in Roman. Zur Hebung des religiösen Prestiges lässt er den Leib des Heiligen Ivan Novij, der Patron des ganzen Landes wurde, nach Sučava überführen. Seit seiner Zeit datieren auch die ersten Schulen in Radautz und Sučava.

Stefan III. cel Mare (1457-1504) ordnet im Verlauf seiner 48-jährigen Regentschaft die Angelegenheiten seiner Vorgänger, führt das Land zur kulturellen Blüte, erweitert die Grenzen  Moldawiens, führt die Unabhängigkeit von Polen herbei und nutzt nach dem Tode des ungarischen Königs Missverständnisse in der Innenpolitik Ungarns, um auch von Ungarn unabhängig zu werden. Er war in langwierige Kriege mit den Ungarn, Türken, Tataren, Polen und Walachen verwickelt, in denen er aus nahezu allen als Sieger hervor ging.

Als 1497 der polnische König Jan Olbracht Moldawien überfällt, in der Bukowina wütet und die Stadt Sučava einen Monat lang erfolglos belagert, gerät er beim Rückzug in einen Hinterhalt Stefans und wird vernichtend geschlagen. Zur Vergeltung überfällt Stefan 1498 Podolien (ukr. Podillja) und Ost-Halytsch, unterwirft das Halytscher Vorkarpatenland Pokutien (ukr. Pokuttja) und nimmt viele Gefangene (Männer, Frauen, Kinder), die er in Moldawien ansiedelt. “Er erwies sich als Freund der ukrainischen Bevölkerung, schätzte ihre Ansiedlungen in Moldawien und war ein bedeutender Bewahrer ihrer Kultur.” (16) S 155 – 1463 heiratet Stefan  die Kiewer Fürstin Jevdokia, mit der er vier Jahre zusammen lebt. 

“Auf der Grabsteinplatte seiner Mutter, in der Klosterkirche in Putna, wo er ebenfalls begraben ist, steht eingemeißelt ein altukrainischer Text: „Hier ruht die Mutter des Wojewoden Stefan, Fürstentochter von Kicman“. Kicman liegt unweit der bukowinisch-galizischen Grenze, nahe der Ortschaft Schypynci, die mit den unter ihrem Einfluß stehenden Gebieten etwa im 12.- 13. Jh. als Schypynivs´ka Zeml´a eine eigenständige administrative Einheit darstellte. Die Spuren der alten ukrainisch-moldawischen, d. h. ukrainisch-rumänischen engen Beziehungen sind nicht nur in zahlreichen handschriftlichen altukrainischen religiösen Werken, wie Evangelarien, Apostelschriften und Urkunden nachweisbar, die in den bukowinischen Klöstern von rumänischen und ukrainischen Forschern seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert entdeckt und bearbeitet worden sind. Die alten engen ukrainisch-rumänischen Beziehungen gehen vor allem auf den gemeinsamen orthodoxen Glauben zurück. Die rumänische Kirche des Fürstentums Moldowa war bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts der Metropolie von Halytsch unterstellt. Aber auch nach der Gründung einer eigenen orthodoxen Metropolie im Fürstentum Moldowa, etwa 1400, haben zwischen den bukowinischen Klöstern und galizischen orthodoxen Zentren gute Beziehungen bestanden. Dies rührte auch von engen familiären Verbindungen zwischen ukrainischen und moldawischen Bojarenfamilien her, die bis etwa ins 17. Jahrhundert fortbestanden haben.” (2) S. 115 u. 116 –

Am 17.01.1510 gelobt Fürst Bohdan III. (1504-1517) nach verlorener Schlacht dem polnischen König die Treue und verzichtet auf das Pokuttja-Gebiet. Um sich gegen neue Ansprüche Ungarns bezüglich Moldawiens abzusichern, wendet er sich an die Türkei um Hilfe und anerkennt die Obrigkeit Sultan Selims über Moldawien. Von 1514 an unterstand Moldawien und somit auch die Bukowina, letztere allerdings nur für die Dauer von 260 Jahren (bis 1774), der Oberhoheit der Türkei. 

Diese äußerte sich darin, dass Moldawien den Türken immer höhere Tribute zahlte, die Wahl der moldawischen Wojewoden gegen entsprechende Bezahlung bestätigt werden musste, Moldawien der Türkei bei deren Kriegszügen in an Moldawien grenzenden Gebieten beizustehen hatte und die Türken berechtigt waren, Militärgarnisonen auf dem gesamten Territorium Moldawiens zu stationieren.

Von den vielen Wojewoden, die nach Bohdan III. herrschten, sind erwähnenswert Petru Rares (1527-1538 und 1541-1546), der mehrere Kämpfe gegen Polen führte, Alexandru Lopusneanu (1552-1561 und 1564-1568), der freundschaftliche Beziehungen zu westukrainischen Gebieten anknüpfte (zu seiner Zeit wurde 1564 der Regierungssitz Moldawiens von Sučava nach Jassy verlegt und der Einfluss, den die ukrainische Sprache und Kultur bei Hofe, in der Kirche, in den Schulen und allen Publikationen hatte, wurde in immer stärkerem Maße durch die rumänische Sprache ersetzt) und “Vasile Lupu (1634-1653), zu dessen Regierungszeit die rumänische Sprache die ukrainische Sprache offiziell abgelöst hatte.” (16) S 161 – 

“In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts begann ein neuer politischer und militärischer Akteur auf die geschichtliche Entwicklung Moldawiens einzuwirken, das ukrainische Kosakentum. Gegründet im 15. Jahrhundert, an der unteren Donau, von Bewohnern, die Freiheit liebten und den Druck der polnischen Herren nicht ertragen wollten, wandelte sich das Kosakentum Mitte des 16. Jahrhunderts in eine organisierte Formation, die bei der Befriedung dieses Teils Europas aktiv mitwirkte —-. Nachdem die Kosaken anfangs das Hauptaugenmerk auf den Kampf mit den Tataren und Türken richteten und deshalb – nicht nur einmal – Moldawien, den Vasallenstaat der Türkei, überfielen, bemühten sie sich später darum, ukrainische Gebiete von der polnischen Herrschaft zu befreien und ein unabhängiges Fürstentum zu gründen. Bei ihren Feldzügen gegen Polen und ihren Bestrebungen, eine neue Allianz zu bilden, die sich Polen wie auch der Türkei entgegenstellen konnte, unterhielten sie auch Verbindungen zum moldawischen Fürstentum —-“.  (16) S. 161   

“Zu Zeiten der türkischen Oberhoheit verfiel das moldawische  Fürstentum immer mehr, die Wojewoden verloren an Autorität, es entbrannten Kämpfe zwischen den verschiedenen Prätendenten im Kampf um die moldawische Herrschaft, Handel und Landwirtschaft verfielen. Fremde kamen nicht mehr nach Moldawien —-, das Volk verarmte. Es begannen soziale Unruhen, denn die Bojaren und Klosteroberen übten ständige Repressalien auf die Leibeigenen aus. Dazu kamen Überfälle benachbarter Länder, die die Städte und Dörfer ausplünderten und brandschatzten, als Rache für die Kriege, die die Türkei mit Moldawien an ihrer Seite führte. Am Ende der türkischen Herrschaft verarmten auch die Ansiedlungen in der Bukowina, viele Bewohner verließen das einst verlockende Land, Moldawien wandelte sich in ein dünn besiedeltes Gebiet.” (16) S. 158 

In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts machte sich die schwindende  Stärke des osmanischen Imperiums bemerkbar. In ähnlicher Lage befand sich auch Polen, das nach Übernahme fremder Territorien in allmählicher Selbstauflösung begriffen war. Auf Rechnung dieser zwei schwachen Regierungsformationen wuchsen zwei neue Großmächte heran – Russland und Österreich. Russland bemühte sich, dieses Mal mit der Vorgabe, ˝Beschützer des orthodoxen Glaubens und des Christentums˝ zu sein, der Türkei einen vernichtenden Schlag zu versetzten und in Polen Unruhen zu schüren und deren Besitztümer zu rauben. (16) sh. S. 204

Im Herbst 1768 begann Zarin Katharina II. (1762-1796) einen neuen Krieg mit der Türkei. Ihr Ziel waren die Donaufürstentümer Moldawien und die Walachei. Das russische Militär eroberte zunächst die von den Türken gehaltene Festung Chotyn und besetzte ohne großen Widerstand ganz Moldawien und die Walachei. Im Herbst 1769 rief Russland seine Oberhoheit über diese Länder aus.  Von 1769 an hielt sich russisches Militär in der Bukowina auf und unterhielt die Kommandantur in der Stadt Černivci. Der schnelle Sieg der Russen über die Türkei und die Vorbereitungen zum Vorrücken auf den Balkan beunruhigten Österreich und daher nahm es im Jahre 1771 den Vorschlag der Türkei willig auf, zwischen den kämpfenden Parteien zu vermitteln. Grund für die Einmischung Österreichs in die Angelegenheiten Moldawiens wie auch der Walachei war, dass diese Länder noch vor der türkischen Oberhoheit über sie, von den ungarischen Königen abhängig gewesen sind.  

Maria Theresia (1740-1780), als Königin Ungarns, protestierte daher gegen die russische Besetzung dieser Gebiete. Im Juli 1774 fand zwischen den kämpfenden Parteien die Friedensabsprache von Kücüc Kainarca statt, in der die Türkei die Unabhängigkeit der Krimtataren anerkannte und sich von ihren Besitztümern am Nordufer des Schwarzen Meeres lossagte und Russland im Gegenzug sein Militär aus Moldawien und der Walachei zurückzog. 

Joseph II. (1780-1790), der Sohn Maria Theresias und Mitregent ab 1765, erkannte zu jener Zeit die großen strategischen und politischen Möglichkeiten, die eine Einnahme der Bukowina für Österreich bieten würde und setzte in geschickten Verhandlungen mit der Türkei und vorherige Schaffung vollendeter Tatsachen eine Übernahme der Bukowina durch Österreich durch.

Der österreichische Botschafter in Konstantinopel, Freiherr von Thugut, bekräftigte seine Forderungen auf die Bukowina vor dem Hintergrund, dass diese früher, zu Zeiten des Halytsch-Wolhynischen Fürstentums rechtmäßiger Bestandteil des Fürstentums war. “Mit diesem Akt anerkannte die österreichische Seite die Zugehörigkeit der Bukowina zum Halytsch-Wolhynischen Fürstentum und zwar zur so genannten Fürstenzeit wie auch zu Beginn der moldawischen Periode.” (16) S. 207 

Bereits im März 1775 willigte die Türkei ein, Österreich denjenigen Teil des nördlichen Moldawiens abzutreten, den Österreich für die militärisch-strategische Verbindung Galiziens und Siebenbürgens benötigte.  Am 7. Mai 1775 wurde diese Absprache in Konstantinopel in einem gesonderten Vertrag zwischen dem Freiherrn von Thugut und dem Großwesir Izet Mehmet Pascha bekräftigt. Die Absprachen endeten am 2. Juli 1776 mit der Unterzeichnung der Abgrenzungsurkunde von Balamutka, in der alle Grenzen des Österreich zugefallenen Gebietes abgesteckt und anerkannt wurden und in der Österreich dem Territorium die bereits im 14. Jahrhundert zu findende Bezeichnung “Bukowina” gibt. 

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Die vorab gemachten Ausführungen stützen sich auf Inhalte des 1956 in ukrainischer Sprache erschienenen Werkes “Bukovyna“  dessen Verfasser, Dr. Denys Kvitkowskyj, Prof. Théophil Bryndzan und Arkadij Zhukowskyj dem Bukowiner Kulturkreis entstammen und dieses Land 1940 verlassen haben. – Übersetzungen E. G. F. 

Die kursiv hervorgehobenen Teile der vorösterreichischen Periode entstammen einer kulturhistorischen Darstellung  « DIE BUKOWINA EINST UND HEUTE », deren in Deutschland lebende aus der Südbukowina stammende Verfasserin Dr. Anja-Halja Horbatsch (emeritierte Slavistin der Universität Frankfurt/Main, namhafte Übersetzerin ukrainischer Literatur und Verlegerin) uns diese Zeilen freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

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