Nachösterreichische Zeit in der Bukowina

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Die nachösterreichische Zeit in der Bukowina (1918-1940)


Die Folgen des Ersten Weltkrieges und die Bukowina unter rumänischer Herrschaft


Der Erste Weltkrieg führte zu dramatischen Veränderungen. Im Gefolge der heftigen Niederlagen der zentralen Regierungen in der zweiten Hälfte des Jahres 1918 entstanden separatistische Bewegungen unter den von Österreich beherrschten Völkern, insbesondere bei den Tschechen, Polen, Kroaten und Ungarn. Die Bewegungen erfassten schließlich Wien und hatten zur Folge, dass Kaiser Karl I. auf alle seine Rechte verzichtete und die Republik ausgerufen wurde. 

“Das vom amerikanischen Präsidenten Wilson versprochene Selbstbestimmungsrecht der Völker und einige Geheimklauseln des Protokolls von Brest-Litowsk vom 8. Februar 1918, die unter bestimmten Voraussetzungen die Vereinigung der Nordbukowina mit dem ukrainisch besiedelten Teil Galiziens und die Bildung einer autonomen ukrainischen Provinz vorgesehen hatten, veranlassten verantwortungsbewusste Persönlichkeiten der größeren Ethnien des Landes, eine zeitgemäße politische Vertretung aller Gruppen zu errichten, um den Selbstverwaltungsorganen das nötige Gewicht zu geben.” (10) S. 286 – (Bildung des Deutschen Volksrates im Sept. 1918) Nachdem die der ukrainischen Ethnie gemachten Zusagen zurückgezogen wurden, verhärteten sich die Fronten zwischen Rumänen und Ukrainern. “Da die Regierung in Czernowitz ihre Geschäfte weiterhin mit viel Umsicht führte, war der überwiegende Teil der Bevölkerung für einen Verbleib der Bukowina im Habsburger Reich.” (10) S. 287 

Am 13. Oktober 1918 fand in Czernowitz eine Beratung der ukrainischen Ethnie statt, bei der die Anwesenden – nachdem bereits frühere Zusammenkünfte und politische Beschlüsse dieser Volksgruppe vorangegangen waren – für eine Aufteilung der Bukowina in rumänisches und ukrainisches Territorium stimmten.—- Da die Möglichkeit, dieses Vorhaben auf diplomatischem Wege zu regeln, an der  Weigerung rumänischer Abgeordneter scheiterte, begannen die Ukrainer,  nachdem sie am 25. Oktober aufgrund eines gemeinsamen Beschlusses mit den Ukrainern in Galizien und Transkarpatien eine Bukowiner Sektion des Ukrainischen Nationalrates gebildet hatten, mit den Vorbereitungen zur Machtübernahme. (16) sh. S. 305-306 –

Am 27. Oktober 1918 hatte sich unter Baron Flondor eine rumänische Nationalversammlung in Czernowitz konstituiert und den Anschluss an Rumänien beschlossen. 

„Der ukrainische Nationalrat seinerseits berief sich auf das unantastbare Prinzip der freien Selbstbestimmung der Völker, das nicht mit Gewalt beschnitten werden kann und drückte aus, dass er sich völlig bewusst sei, dass die Entscheidung über die territoriale Aufteilung des Landes in den Händen von Richtern einer Friedenskonferenz liegen müsse.“ (Siehe schriftlicher Aufruf vom 5. November  1918 (16)  S. 312).

“Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie besetzten zuerst ukrainische Legionäre das Gebäude der Landesregierung in Czernowitz und erhoben Anspruch auf die Nordbukowina, die ihnen vorher der rumänische Reichsrat- und Landtagsabgeordnete Aurel Onciul zugestanden hatte, was aber der rumänische Nationalrat unter Baron Iancu Flondor nicht anerkennen wollte.” (17) S. 43 –

Am 6. November 1918 übergab Josef Graf von Ezdorf, der damalige letzte Landespräsident der Bukowina – auf Druck – die Regierungsmacht an Vertreter der Ukrainer und Vertreter der Rumänen, “und zwar an jene, die versprachen die Macht im Interesse des Landes in gegenseitiger Verständigung auszuüben.” (16) S. 313    

„Bereits seit Anfang November stand Baron Flondor, Führer der rumänischen Konservativen und Großgrundbesitzer, in geheimen Verhandlungen mit Bukarester Entscheidungsträgern, im Bemühen um eine militärische Intervention gegen die neu eingeführte ukrainische Regierung.“ (16) S. 318  

Am 7. November überschritten Teile der Armee des General Zadik, dem König Ferdinand I. befohlen hatte, die Bukowina einzunehmen, die südöstliche Grenze der Bukowina. Am 11. November 1918 nahmen die Rumänen Czernowitz ohne nennenswerte Kampfhandlungen ein.  Die Bukowina war aufgrund der Ereignisse des Ersten Weltkrieges von Truppen entblößt. „Die ukrainischen Legionäre zogen sich daraufhin, nachdem sie den Rumänen linksseitig des Pruths zwei Wochen Widerstand geleistet hatten, nach Ostgalizien zurück“ (16) sh. S. 319, wo viele der Bukowiner Ukrainer aus nationalpolitischen  Beweggründen an der Seite ihrer dort lebenden Volksgruppe gegen die polnische Haller-Armee kämpften. Aufgrund des zeitgleichen Angriffs der Roten Armee aus der Großukraine heraus verloren die Nationalukrainer den Kampf. Die Rumänen in der Bukowina hatten nun freie Hand.  

Im eingeführten Ausnahmezustand (1918-1928) wurden die Kriegskommandanten zu Alleinentscheidenden mit unbegrenzten Rechten. “Nach der militärischen Okkupation der Bukowina folgte auch der formale Anschluss des Landes an das Gefüge Rumäniens, der unter nicht normalen Umständen und bei völliger Abwesenheit der Repräsentanten der Mehrheit der Bevölkerung stattfand.” (16) S. 321  

„Auf dem sogenannten  „Generalkongress der Bukowina“ am 28. November 1918 in Czernowitz, auf dem die Entscheidung zur „bedingungslosen und dauerhaften Vereinigung der Bukowina mit dem Königreich Rumänien“ stattfand, nahmen nur Vertreter der Rumänischen Konservativen Partei des I. Flondor, einige Abgeordnete der Polen und die Deutschen teil. Die Ukrainer und Juden, die zusammengenommen alle anderen Nationalitäten des Landes überwogen, nahmen an diesem Kongress nicht teil.”
(16)  S. 321-322

Am 19. Dezember 1918 wurde ein Gesetzentscheid über die Vereinigung erlassen und am 31. Dezember 1919 vom Parlament Großrumäniens bestätigt. Zur Sicherung der okkupierten Territorien sagte sich Rumänien von der Absprache los, die am 17. August 1916 zwischen der Entente und Rumänien vereinbart worden war und auf deren Grundlage die Bukowina nur bis zum Pruth anerkannt wurde. Auf der Friedenskonferenz von St. Germain, im Jahre 1919, verzichtete Österreich aufgrund des Artikels 59 auf seine Rechte in dem Gebiet des ehemaligen Herzogtums Bukowina, das an Rumänien grenzt. Die endgültige Anerkennung der Zugehörigkeit der gesamten Bukowina zu Rumänien fand am 10. August 1920 in Sévres statt, wo die entscheidenden Großmächte zusammen mit den befreundeten Regierungen – jedoch ohne die Teilnahme der USA – die Grenzen Polens, Rumäniens, Jugoslawiens und der Tschechoslowakei festlegten. 

Die Rumänen bemühten sich im Verlauf der 22 Jahre ihrer Herrschaft in der Bukowina alle administrativen-politischen Besonderheiten rigoros zu beseitigen und alles auf eine Linie mit der Situation in den rumänischen Provinzen zu bringen. Ihre Vorstellungen gaben sie klar und unmissverständlich zu erkennen.  

Die Buchenlanddeutschen, die zu österreichischen Zeiten die staatstragende Basis der Bukowina bildeten, waren plötzlich auf sich allein angewiesen. Im September 1918 war in der Bukowina als oberste Stelle für alle politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Angelegenheiten der„Deutsche Volksrat“ gebildet worden, der sich nach Kriegsende zur „Nationalversammlung der Deutschen“ konstituierte. Diese Vereinigung umfasste alle Deutschen des Landes ohne Unterscheidung ihrer politischen und konfessionellen Richtung. Berücksichtigt man, dass die ungarischen Teile der Donaumonarchie, Siebenbürgen und Banat, Rumänien zugeschlagen wurden und sich  auf diese Weise die Möglichkeit ergab, sich mit den dort lebenden Deutschen eventuell zusammenzuschließen, im Osten dagegen Revolution das Geschehen bestimmte, so scheinen die Gründe für die Zustimmung der Buchenlanddeutschen zum Anschluss an Rumänien verständlich zu sein, zumal ihnen vor Vertragsunterzeichnung am 28. November 1918 die Erfüllung fast aller ihrer Wünsche und Forderungen zugesagt wurde. Diese Verpflichtung hat Rumänien nicht erfüllt.  (17) sh. S. 45-46

Durch den Fortgang qualifizierten Lehrpersonals – viele Professoren verließen die romanisierte Universität – Reduzierung der Lehrstühle für deutsche Sprache und Literatur, Entfernung der ukrainischen Sprache aus der Universität – auch an der Theologischen Fakultät – wie auch aus allen öffentlichen Institutionen und Schulen, sowie Einführung des Rumänischen als offizielle Landessprache verlor die Universität allmählich ihr freies und übernationales Gepräge. Nur den rumänischen Studentenverbindungen war es zu verdanken, dass die Studentenkorporationen der Deutschen, Ukrainer, Juden und Polen bis zur Diktatur König Carols II. (Ausnahmezustand und totale Zensur ab 12.02.1938) erhalten blieben. “Die Theologische Falkultät der Universität Czernowitz behielt ihre führende Stellung …… Die Metropolie von Czernowitz verlor indessen ihre Bedeutung, da ihr seit 1918/1919 nur noch die die Orthodoxie der Bukowina unterstand.” (18) S. 331

“In der Kirchensatzung und der Bezeichnung der Bukowinischen Orthodoxen Kirche wurde eine Änderung von “griechisch-orientalisch”  auf “orthodox-rumänisch” durchgedrückt, obwohl dieser Kirche die griechisch-orthodoxen Rumänen und Ukrainer angehörten.“ (16) sh. S. 372

“Die mit aller Macht einsetzende Politik rücksichtsloser Assimilation traf das ukrainische, deutsche und jüdische Schulwesen mit voller Härte, denn das von einem Nationalstaat durch Angliederung der neuen Provinzen zu einem Nationalitätenstaat gewordene Rumänien glaubte, durch Zwangsrumänisierung alle Probleme lösen zu können.” (10) S. 288 

Verwaltung und Gerichtsbarkeit waren nach 1918 solange noch ehemalige österreichische Beamte, auch rumänischer Nationalität, tätig waren, tolerant. Diese Toleranz schwand durch Versetzungen von Beamten ins rumänische Altreich und ihre Ersetzung durch Beamte, die aus diesem Gebiet kamen. Zusätzlich holte die rumänische Verwaltung rumänische Siedler in die Bukowina und lockte ukrainische Bauern ins Altreich.

“Gegen die Bemühungen, die Bukowina durch Zwang an die Art rumänischen Lebens anzugleichen, sperrte sich die Mehrheit der Bewohner des Landes. Nicht nur auf Kongressen der „Abteilung Minderheiten“ bei der Liga der Nationen, wo bedeutende Bukowiner Politiker auftraten, sondern auch im englischen und französischen Parlament wurden die Rechte der Minderheiten der Bukowina – auch von Fremden – verteidigt.” (16) S 329

Die Lage der Deutschen verbesserte sich mit dem Erstarken Deutschlands von selbst. Wirtschaftliche und sicherheitspolitische Probleme Rumäniens schienen nur zusammen mit Deutschland lösbar. Deshalb schien es opportun, den Deutschen in der Bukowina, wie auch innerhalb Gesamtrumäniens, entgegenzukommen. Als auch die Buchenlanddeutschen aus der Verbesserung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Rumänien und Deutschland Nutzen zu ziehen begannen, folgte 1940 die sowjetische Besetzung der Nordbukowina und in deren Gefolge die Umsiedlung der Buchenlanddeutschen nach Deutschland.  (17) sh. S. 47

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