Wer sind die Buchenlanddeutschen?

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Wer sind die Buchenlanddeutschen?

Bereits ab 1782 folgten deutsche Siedler aus Südwestdeutschland, Böhmen, der Zips und der Österreichischen Monarchie dem Werberuf Österreichs und ließen sich in der seit 1774 zum Habsburger Imperium gehörenden, am östlichen Karpatenbogen liegenden Bukowina nieder, wo sie mit fast einem Dutzend Ethnien verschiedenster Religionsbekenntnisse friedlich zusammenlebten – mit ordentlicher wirtschaftlicher Versorgung, einem ausgefeilten Verwaltungs- und Schulsystem, einem blühenden Kultur- und Vereinsleben, einem breitgefächerten Pressewesen und einem Landtag mit einem Nationalitätenparlament, das dem Kronland einen Bukowiner Ausgleich erarbeitete, kurz gesagt, in einem Europa im Kleinformat auf 10.442 km² (entspricht ungefähr der Größe des österreichischen Bundeslandes Kärnten). 

Gemäß der Volkszählung von 1910 lag die Anzahl der Deutschen bei 9,2 %. Weitere Landesbewohner stellten die Ruthenen (Ukrainer) mit 38,4 %, die Rumänen mit 34,4 %, die Juden mit
12,0 % und Bewohner anderer ethnischer Zugehörigkeiten wie Polen, Armenier, Ungarn, Lippowaner, Slowaken u.a. 6,0 %.
   
Führt man den Zeigefinger auf der Landkarte Europas in den Nordosten Rumäniens, bis zur Stadt Suceava und von dort beginnend über die rumänisch-ukrainische Grenze hinaus, bis zur 40 km dahinter liegenden ukrainischen Stadt Černivci (ausgesprochen Tscherniwzi), weitere Schreibweisen: Cernăuţi (rumänisch), Czernowitz bzw. Tschernowitz (deutsch), Czerniowze (poln.) – dann quert man das Gebiet, in dem sich zwischen 1775 und 1918 das kleinste, östlichste und multinationalste Kronland Österreichs befand, die Bukowina – von den Deutschen in der Übersetzung auch Buchenland genannt.

Im Jahre 1918 übernahm Rumänien die gesamte Bukowina. Österreich musste aufgrund der Kriegsereignisse auf sein östlichstes Kronland verzichten. Während der Norden des Landes, beginnend mit der zweiten Hälfte des Jahres 1940, von den Sowjets okkupiert wurde und heute samt der ehemaligen Hauptstadt der Bukowina Czernowitz Bestandteil des ukrainischen Staatsgebietes ist, verblieb die Südbukowina bei Rumänien.   

Auf Basis des Molotow-Ribbentrop-Abkommens und einer weiteren Vereinbarung mit Rumänien wurden gegen Ende 1940 im Rahmen der Umsiedlung der Deutschen (heim ins Reich) innerhalb weniger Monate insgesamt 95.770 Personen aus der Nord- und kurze Zeit danach auch aus der Südbukowina Richtung Deutschland umgesiedelt. Sie kamen in vorbereitete Lager, von wo aus sie überwiegend in den Ostgebieten ansässig gemacht wurden und 1945 zusammen mit anderen Vertriebenen geflohen sind. Ein Teil von ihnen kam im Rahmen der Umsiedlungsaktion in die “Hermann-Göring-Werke” nach Salzgitter-Lebenstedt.

Nach Kriegsende beteiligten sich alle am Aufbau des zerstörten Landes  und gründeten bereits 1949 in der Bundesrepublik Deutschland die “Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen (Bukowina) e. V.” (Registerlöschung 2020). Nach 1989 bekamen auch die in der ehemaligen DDR angesiedelten Buchenländer Zugang zu diesem Verband. In Österreich besteht ein eingeständiger Verband unter der Bezeichnung „Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen in Österreich“.

Aufgrund der interessanten Vergangenheit der Bukowina und ihres äußerst positiven kulturellen Umfeldes – u. a. wurde in der Stadt Czernowitz 1875 die östlichste deutschsprachige Universität gegründet – etablierten sich in Deutschland (Augsburg), der Südbukowina (Rădăuţi) und der Nordbukowina (Černivci) Bukowina-Forschungszentren, die sich in Zusammenarbeit mit regionalen Universitäten der Erforschung des Phänomens Bukowina widmen und im wissenschaftlichen und interkulturellen Bereich Forschungs-, Bildungs- und Kontaktmöglichkeiten für Bukowiner und daran Interessierte bieten.

„Das Deutsche Haus“ in Czernowitz Foto: Alfred Wanza (2008)  

 

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