Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen


Erinnerung an die Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen (Bukowina) e.V.

– Hommage anläßlich der Auflösung des Vereins zum Jahresbeginn 2020 –

Anfang 2020 wurde die Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen (Bukowina) e.V. auf eigenen Beschluß hin nach über 70 Jahren ihres Bestehens im Registergericht gelöscht.

Die Grundlage für die Entstehung des Vereins bildeten caritative, von den beiden großen Religionsgemeinschaften (katholische und evangelische Kirche) getragene Zellen, aus denen, nach Aufhebung des von den Allierten nach dem Krieg erlassenen Koaltionsverbots, am 9. Oktober 1949 die Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen (Bukowina) e.V.” hervorging.

Diese Organisation entwickelte sich zur “zentralen Anlaufstelle, an die sich  alle diese  aus der Heimat Vertriebenen, Evakuierten und Geflohenen wenden konnten, wenn sie Trost, Rat und Hilfe benötigten, um sich in ihrer neuen Umgebung, in der sie gelandet waren, zu orientieren. Für den Einzelnen war die Lage ja nahezu aussichts- und hoffnungslos.” (Dr. Paula Tiefenthaler in: “Wer sind die Buchenlanddeutschen?”, Augsburg, Pfingsten 2005)


Das Betätigungsfeld des Vereins umfaßte:

  • Hilfen beim Zusammenschluß von Familien
  • Erwirkung von Zuzugsgenehmigungen und Beschaffung von Wohnraum
  • Vermittlung von Anschriften Angehöriger und von Freunden und Bekannten
  • Hilfe bei der Vermittlung von Arbeitsplätzen
  • Erläuterung von Gesetzen und Verordnungen für das Vertriebenen- und Flüchtlingswesen
  • Hilfe beim Umgang mit hiesigen Ämtern und Behörden
  • Übersetzungen von verschiedenen Unterlagen und Dokumenten
  • Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen, Formularen, Beantwortung von Fragen zur deutschen Volkszugehörigkeit und Einbürgerung, von der zumeist die Bemühungen zur Gründung einer neuen Existenz abhingen
  • Information über und Bearbeitung von Anträgen zum Lastenausgleichsgesetz
  • Kontaktaufnahmen, Vorsprachen und Interventionen bei höchsten Behörden und Ministerien, um Landsleuten zu ihren Rechten zu verhelfen und zu ihrer Eingliederung in den neuen Staat beizutragen
  • Einschaltung von Fachexperten der Landsmannschaft bei der Bearbeitung von Renten- und Pensionsansprüchen
  • caritative Tätigkeiten, u. a. der Versand von Weihnachtspaketen an ältere Menschen
  • kulturelle Veranstaltungen auf Landes- und Bezirksebene, die zur Förderung des Zusammenhalts der Buchenländer und zum persönlichen Austausch untereinander beigetragen haben
  • In den späteren Jahren verlagertae sich das Schwergewicht der landsmannschaftlichen Tätigkeiten auf den kulturellen Sektor, wenn auch die sozialen Aufgaben niemals aufgehört haben zu existieren


Nach dem Lastenausgleich kamen die Spätaussiedler, nach der Öffnung der Mauer nach dem Osten, die Fürsorge für die in der Heimat Verbliebenen bzw. Zurückgeschickten, sowie die Bemühung, die von uns 40 Jahre getrennten Landsleute aus der ehemaligen DDR in unseren Reihen zu begrüßen und ihnen bei der Eingliederung in die neuen  Lebensumstände ein wenig beizustehen.” (Dr. Paula Tiefenthaler in: “Wer sind die Buchenlanddeutschen?”, Augsburg, Pfingsten 2005)

Mitwirkung bei der Prospektierung und Finazierung des Buchenlandheims für ältere Personen in Darmstadt, das durch den 1960 gegründeten Verein “Buchenländer-Heim” e.V. initiiert wurde. Das Heim besteht heute unter dem Namen “Altenwohnheim Buchenlandheim e.V”.


Die Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen zählte bis zu ihrem jetzigen Ausscheiden, neben dem wichtigen Bezirk Schwaben, der 1955 die Patenschaft für die Volksgruppe der Buchenlanddeutschen übernahm und diese weiterhin inne hat, sowie der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft und der Raimund-Friedrich-Kaindl-Gesellschaft zu den Institutionellen Mitgliedern des im Jahre 1988 gegründeten Bukowina-Instituts in Augsburg.

Das Bukowina-Institut sieht seine Aufgabe in der Erforschung und Dokumentation von Geschichte, Landeskunde und Kultur der Bukowina unter besonderer Berücksichtikgung des deutschen Anteils und ist das Forschungszentraum der Bukowinadeutschen.

Die wissenschaftliche Tätigkeit der politisch und konfessionell unabhängigen Einrichtung dient der Forschung und Lehre mit einem Schwerpunkt auf der Herausarbeitung des spezifischen Charakters der multiethnischen und multikonfessionellen europäischen Region Bukowina.

1989 erwarben der Bezirk Schwaben und der Staat die Spezialbibliothek des bekannten Bibliographen Erich Beck Sie stellt einen wesentlichen Teil im Bücherbestand des Bukowina-Instituts dar und gilt als die größte über die Bukowina in Westeuropa.

Nach 1991 organisierte die Landsmannschaft – fast im jährlichen Turnus – Busfahrten in die Nord- und Südbukowina und ermöglichte den Teilnehmern der Fahrten Kontaktaufnahmen zu dort lebenden Deutschen, deren Nachkommen und den Ethnien der Region Bukowina. Daraus egaben sich im Laufe der Zeit auch verschiedenste Kontakte zu rumänischen und ukrainischen Behörden und öffentlichen Einrichtungen, die gemeinsame kulturelle Veranstaltungen ermöglichten.

Gedacht sei an dieser Stelle auch der früheren jährlichen kulturellen Buchenländer-Jahresteffen in Deutschland, zu denen sich in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg manchmal 2.000 bis 3000 Teilnehmer oder weit mehr einfanden.

Gedacht sei auch der unzähligen buchenländischen Frauen und Männer, sei es im Bundesvorstand, auf Landes- oder Bezirksebene oder innerhalb der Gemeinschaft aller Buchenlanddeutschen, die mit ihrem unermüdlichen und selbstlosen Einsatz für das Blühen und eine ordentliche Aufrechterhaltung der landsmannschaftlichen Organisation gesorgt haben und mit ihrem Engagement das Schiff  “Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen” Bukowina e.V. durch die Wellen der Zeit steuerten. Ihnen, deren zahlreiche Namen hier nicht aufgezählt werden können, sei – auch namens der noch Lebenden aus der Erlebnisgeneration, sowie namens aller Nachkommen – auch posthum gedankt.  Sie haben  dazu beigetragen, der Bukowina –  dem Buchenland – in Ost und West einen guten Namen zu erhalten.

Dass der demoraphische Faktor seinen Tribut fordert, läßt sich nicht abwenden. Kamen zu den Jahresversammlungen der letzten Jahre neben den weniger werdenden Lebenden der Erlebnisgeneration noch eine ganze Reihe direkter Nachkommen der fast 100.000 Buchenländer, die Ende 1940 aus der Bukowina ins Gebiet des Deutschen Reiches umgesiedelt wurden, so konnte man deren Enkel zuletzt an wenigen Händen ablesen. Man könnte sagen: “Sie haben sich zu 95 % integriert!”

Dennoch leben in der Bukowina, insbesondere im rumänischen Teil  noch heute Buchenlanddeutsche und deren Nachkommen, die sich in ihrer Insel-Situation engagiert bemühen, ihre Sprache und Kultur – auch im Kontakt mit anderen Ethnien der Bukowina – zu pflegen und zu erhalten. Sie sind das Bindeglied zum Westen, zu Deutschland und Österreich, zur Ur-ur-ur-ur-ur-ur-Heimat ihrer Vorfahren und tragen auch zur Aufrechterhaltung und zum Ausbau von politischen,  wirtschaftlichen und kulturellen Kontakten zum Westen bei. Es gibt genug Privatleute und offizielle Stellen  in der Bukowina– sei es in  Czernowitz, der früheren Hauptstadt im Kronland Bukowina – oder sei es im rumänichen Suceava, Camplung, Radautz, Sereth, Gura Humora , Vatra Dorna u. a. Orten, die dies sehr wohl zu schätzen wissen.


Was wohl auf ewig bleiben wird,  ist der so genannte “Bukowiner Geist”,  die Gesamteinstellung des Bukowiner Menschen in Bezug auf Einsatz, Fleiß, Tüchtigkeit, Ordentlichkeit, Offenheit gegenmüber dem Mitmenschen, Gastffreundschaft und Toleranz.

Obwohl seit Ende der österreichischen Periode in der Bukowina über 100 Jahre verflossen sind, steckt dieser Geist auch heute noch  in den Köpfen vieler Einwohner des Landes. Sie haben ihn von ihren Eltern und Großeltern übernommen.

Und wenn Sie, verehrte Leser, diesen Geist noch nicht persönlich kennengelernt haben – und hier wende ich mich insbesondere auch an die Enkel der Buchenlanddeutschen – dann befassen Sie sich mit der “Geschichte und Kultur der Bukowina” – z. B. Im Internetforum “Bukowinafreunde” oder – noch besser – “Besuchen Sie Land und Leute. Sie werden beide lieben lernen”.


Trotz Auflösung des Vereins der Buchenlanddeutschen gibt es in Deutschland weiterhin nicht eingetragene Regionalverbände des Vereins, in denen die Kultur des Buchenlandes in kleinerem Kreise weitergepflegt und vermittelt wird. Kontaktaufnahmen sind jederzeit möglich, Gäste sind willkommen.

Ein weiteres Bindeglied für Bukowiner ist die Buchenlanddeutsche Zeitung “Der Südostdeutsche”, Augsburg, mit ständigen Berichten über die Südostdeutschen, über und aus Südost- sowie Osteuropa und über Bukowiner in aller Welt.

Adresse: “DerSüdostdeutsche”, Alter Postweg 97 a, 86159 Augsburg.



Verfasser: Emilian Fedorowytsch
Deutschland, 30. September 2020