Meistgestellte Fragen zur Bukowina

Die meistgestellten Fragen zur Geschichte der Bukowina


Seit wann gibt es die Bukowina? (Von den Deutschen des Landes „Buchenland“ genannt)

Bereits im 14. Jahrhundert taucht die Bezeichnung „Bukowina“ auf. Nach dem Erwerb des Gebietes durch Österreich und genauer Absteckung der Landesgrenzen erhält das Gebiet im Jahre 1776 den offiziellen Namen „Bukowina“, der auch nach Übernahme des Landes durch Rumänien (1918) seine Gültigkeit behält.  Das von den Deutschen verwendete Wort „Buchenland“ ist eine Übersetzung aus dem Ukrainischen und blieb bis 1940 im Gebrauch. 

Wo liegt die Bukowina?

Am östlichen Karpatenbogen. Es war ein Durchgangsland zwischen Galizien und Siebenbürgen, mit Grenzen zur Moldau und Bessarabien.

Seit wann wohnten Deutsche in der Bukowina?

Es gab ein mittelalterliches Deutschtum in der Moldau (siehe die Stadt Piatra Neamtz = Stein des Deutschen). Vor 600 Jahren gab es ein katholisches Bistum in Sereth. Für Sereth und Suczawa ist die Anwesenheit von Deutschen Ende des 14. Jahrhunderts belegt. Infolge der Türkenherrschaft verschwand das Deutschtum aus diesen Gebieten. Erst in österreichischer Zeit kamen dann wieder Deutsche nach dort.

Wann erfolgte die Besiedlung der Bukowina mit Deutschen? 

Die erste Einwanderung der Deutschen erfolgte 1782 (Rosch, Molodia, Zuczka, St. Onofry  und  Czernowitz, allesamt in der Nordbukowina und Mitoka bei Suczawa in der Südbukowina). 

Woher kamen die deutschen Siedler in der Bukowina? 

Aus Südwestdeutschland (sog Schwaben) – vor allem aus der Gegend um Mannheim, Mainfranken –, aus Böhmen und aus der Zips; bürgerliche Schichten kamen aus allen Teilen der Monarchie, hauptsächlich aus den österreichischen Kernlanden und Mähren.

Welche Volksgruppen lebten in der Bukowina?

Die Urbevölkerung in der Bukowina waren im Süden Rumänen und im Norden Ukrainer. Beide Völker wurden noch bis in die österreichische Zeit hinein als Moldauer bezeichnet. Juden und Armenier gab es in der Bukowina schon in der vorösterreichischen Zeit, Polen, Ungarn und Lippowaner (eine konservative russisch-orthodoxe Glaubensgemeinschaft) erst unter Österreich.

Wie viele Deutsche lebten zuletzt in der Bukowina?

Umgesiedelt wurden im Jahre 1940 insgesamt 95.770 Deutsche und Deutschstämmige aus der Bukowina.

War die Bukowina ein Teil Galiziens, seit sie zu Österreich gehörte? (1774, Inbesitznahme durch Österreich)

Von 1786 bis 1849 war die Bukowina ein eigener Kreis im österreichischen Königreich Galizien-Lodomerien und wurde von Lemberg aus verwaltet. Von 1849 bis 1918 war sie selbständiges Herzogtum.  

Welches waren die bekanntesten Städte in der Bukowina?

Czernowitz, Storozynetz und Wiznitz in der Nordbukowina, Suczawa, Kimpolung, Radautz, Sereth, Gurahumura und Dorna-Watra in der Südbukowina. Städte mit deutscher Prägung waren Radautz, Gurahumora und Sereth.

Hatten die Deutschen in der Bukowina eigene Schulen? 

Das staatliche Schulwesen war unter Österreich multinational. Deutsch war überall Pflichtfach, in deutschen Gemeinden auch Unterrichtssprache. Seit 1808 bestand ein staatliches deutsches Gymnasium in Czernowitz, dem später solche in Radautz, Gurahumora und Sereth folgten. 1918 gab es in der Bukowina fast 500 Schulen und knapp 800.000 Einwohner. Die Amtssprache wie auch die Umgangssprache zwischen den Nationalitäten war Deutsch.

Gab es außer den Oberschulen und Volksschulen auch noch höhere Schulen in der Bukowina?

Es gab eine Staatliche Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungsanstalt in Czernowitz. Ferner gab es in Czernowitz eine Musikschule, eine Staatsgewerbeschule, eine Bauschule und eine Landwirtschaftsschule. In Radautz gab es eine Forstschule, in Kotzman und Radautz Ackerbauschulen und in Storozynetz eine Korbflechterschule bis 1918. Im Jahre 1875 wurde die 5. und zugleich östlichste – bis 1918 deutschsprachige – Universität der Monarchie eröffnet.

Wer hat die Gründung einer deutschsprachigen Universität in Czernowitz angeregt?

Die Gründung wurde 1872 einstimmig im Bukowiner Landtag beschlossen, also auch mit den Stimmen der Rumänen, Ukrainer, Juden und Polen. Im Wiener Reichsrat wurde sie dann von Prof. Tomaszczuk, einem Rumänen, durchgesetzt. Tomaszczuk wurde auch zum ersten Rektor ernannt.

Wodurch hatten sich die Buchenländer Professoren Raimund Friedrich Kaindl und Johannes von Mikulicz-Radecki hervorgetan?

Professor Kaindl (1868-1930) als bedeutendster Historiker der Buchenlanddeutschen und späterer Universitätsprofessor in Czernowitz, Professor Mikulicz-Radecki (1850-1905) als international bekanntester Arzt aus der Bukowina und Vater der Chirurgie sowie als Lehrer Professor Sauerbruchs.

Hatten die Buchenlanddeutschen eigene Organisationen in der Bukowina?

Ja. Deutscher Schulverein, Verein der Christlichen Deutschen (ab 1931 Deutscher Kulturverein), akademische Korporationen, Jugendverbände, Sport- und Gesangsvereine, Theatergruppen, wirtschaftliche Verbände, Raiffeisenkassen etc.

Welche Berufsschichten wies das Buchenlanddeutschtum auf?

Kleinbauern, Bauern mit Nebenerwerbssiedlungen, Handwerker, Waldbauern, Bergleute, Glasbläser und diverse freie Berufe, vor allem in den Städten (Beamte, Angestellte, und in geringem Umfang auch Gewebetreibende)

Wer war Heinrich Kipper?

Heinrich Kipper war ein schwäbischer Dichter. Sein Roman „Die Enterbten“ wurde über die Grenzen des Buchenlandes hinaus bekannt. 

Welches sind die wichtigsten Jahresdaten zur Bukowina?

  • Nach der Teilung Polens erhält Österreich 1772 Galizien für den Verlust Schlesiens zugesprochen.
  • 1774/75 Besetzung der zum Fürstentum Moldau und unter osmanischer Oberherrschaft stehenden Bukowina durch Österreich
  • In Konstantinopel unterzeichnet am 7.5.1775 die Hohe Pforte die Urkunde zur Abtretung der Bukowina an Österreich.
  • Im Jahr 1786 erhält Czernowitz das Stadtrecht und Suczawa wird zur freien Handelsstadt erhoben.
  • 1843 war Baubeginn des bis heute in Betrieb befindlichen Rathausgebäudes in Czernowitz (Fertigstellung 1848).
  • 1849 wird die Bukowina zum Herzogtum erhoben.
  • In Czernowitz wird 1860 die erste Bukowiner Sparkasse eröffnet, die heute als Museum fungiert.
  • 1866 sterben in der Bukowina mehr als 5.000 Menschen an Cholera und Typhus.
  • Im Jahr 1872 wird in Czernowitz mit dem Bau des jüdischen Haupttempels begonnen, der 1941 von SS-Soldaten in Brand gesetzt wird.
  • Im Jahr 1875 wird in Czernowitz die Francisco-Josephina-Universität eröffnet.
  • Am 18.7.1897 fährt in der Landeshauptstadt der Bukowina die erste elektrische Straßenbahn.
  • In der Hauptstadt Czernowitz wird 1905 mit dem Bau des Stadttheaters begonnen, das heute noch in Betrieb ist.
  • Das Deutsche Haus in der Herrengasse in Czernowitz wird 1910 fertiggestellt.
  • Ebenfalls im Jahr 1910 wird dem Nationalitätenparlament der Bukowiner Ausgleich beschert.
  • Im September 1918 findet in der Bukowina die Gründung des Deutschen Volksrates statt.
  • Im November 1918 übernimmt das Königreich von Rumänien die Bukowina. Ein Jahr später verzichtet Österreich nach dem Vertrag von St. Germain offiziell auf die Bukowina.
  • 1940 erfolgt der Einmarsch der Sowjets in die Nordbukowina. Aufgrund des Molotow-Ribbentrop-Abkommens folgen bereits im September die Umsiedlung der Deutschen aus der Nordbukowina und zwei Monate später aufgrund des Vertrages mit Rumänien, die Umsiedlung der Deutschen aus der Südbukowina.
  • 1940-1942 werden Buchenlanddeutsche in den Ostgebieten und im Altreich angesiedelt. 
  • 1945 erfolgt die große Fluchtwelle aller Deutschen aus den Ostgebieten.
  • Bereits 1949 wird in München die Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen gegründet.
  • Am 17.7.1955 übernimmt der Bezirk Schwaben die Patenschaft für die Volksgruppe der Buchenlanddeutschen.
  • 1988 wird das Bukowina-Institut Augsburg gegründet.
  • Im Jahr 2008 besteht Czernowitz 600 Jahre.
  • 2010 besteht das Deutsche Haus in der Herrengasse in Czernowitz 100 Jahre.

Aus dem Fundus von Alfred Wenzel (✝), Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen (Bukowina) e. V., Landesverband Niedersachsen mit Nordrhein Westfalen.

Der bisher eingetragene Verein “Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen (Bukowina) e. V.” wurde Anfang 2020 nach über 70-jährigem Bestehen im Vereinsregister gelöscht. Die Vereinsmitglieder sind jedoch bundesweit weiterhin kulturell aktiv.

Ein Zeitzeugenbereicht von Reinhold Weiser
Die Umsiedlung LEMO

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