Spurensuche

Spurensuche in Polen (Oberschlesien), der Slowakei (Zips) und in der Bukowina (Ukraine und Rumänien)

Unsere kleine Reisegruppe bestand aus Familienmitgliedern, die sich erst vor kurzem zufällig zusammengefunden haben. Sie entstammen den Familien Reindl, Loy, Wanza, Timinger, Rückl, Jaschusch, Schmegner u.a.. Anfang September begaben wir uns mit unseren Pkw’s auf die Spurensuche nach der eigenen Herkunft und der Heimat unserer Vorfahren. Auf der gut vorbereiteten Reise stand neben dem Aufsuchen der Geburts- und Herkunftsstätten vor allem die Begegnung mit den dort lebenden Menschen im Mittelpunkt. Aufgrund bestehender Kontakte wurde die Gruppe an den verschiedenen Zielorten bereits erwartet. Die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen war uns aus früheren Reisen noch in guter Erinnerung. Erster Zielort war Żywiec in Polen (Saybusch in Oberschlesien). Hier und in Lesna lebten deutsche Familien nach der Umsiedlung aus der Bukowina. Einige Reisemitglieder wurden hier geboren. Ein junger Mann, der gut deutsch sprach, erwartete uns in Żywiec. Seine Familienangehörigen waren Nachbarn von umgesiedelten Deutschen, deren Ortsteil in den 60er Jahren in einem neu geschaffenen Stausee unterging – heute ein wunderschönes Erholungsgebiet. Die guten Ortskenntnisse und Kontakte des jungen Freundes führten schnell zur Auffindung von Orten und Menschen, die uns interessierten. Trotz der bedrückenden Erlebnisse während des 2. Weltkrieges haben uns die Bewohner mit großer Herzlichkeit begrüßt. Am Ende des Tages saßen wir in großer Runde mit der Familie unseres jungen Freundes bei Kaffee und Kuchen beisammen. In der Slowakei, aus der die Zipser Vorfahren stammen, begaben wir uns in der schönen Natur von Spisská Stará Ves auf eine Floßfahrt, um anschließend die historische Altstadt von Levoca aufzusuchen. Eine tiefere Spurensuche war hier nicht möglich. Der darauf folgende Reiseabschnitt führte uns durch die Ukraine nach Cernivsti/Czernowitz, der ehemaligen Hauptstadt der Bukowina. Hier wartete Paul Pivtorak – stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der Österreichisch-DeutschenKultur im Gebiet Czernowitz – auf uns, um uns mit seinen fundierten Kenntnissen durch die Stadt zu führen. Beeindruckt waren wir von dem interessanten architektonischen Ensemble der Residenz der Metropoliten der Bukowina, in dem heute die Nationale JurijFedkowytsch-Universität Czernowitz ihren Sitz hat. Durch das wunderschöne „Olga-Kobylanska-Theater“ (früher Czernowitzer Deutsches Theater) führte uns der ehemalige Direktor dieses Theaters, Tadeus Siljatitzky. Ein Besuch im Deutschen Haus sowie ein Spaziergang in der ehemaligen Herrengasse rundeten das Erlebnis ab. Zum Abschluss traf sich die Reisegruppe mit dem Vorsitzenden des Verbandes der Österreichisch-Deutschen-Kultur im Gebiet Czernowitz, Alexander Schlamp und seiner Familie in einem schönen Ausflugslokal zum Abendessen. Der nächste Reiseabschnitt führte über die Grenze nach Rumänien zum Zielort Pojorâta, im Süden der Bukowina. Zunächst besuchten wir Suceava und trafen dort die Vorsitzende des Regionalforums Buchenland, Frau Antonia Maria Gheorghiu und den Geschäftsführer der ACI Bukowina Stiftung, Herrn Josef Otto Exner, bei der Arbeit an. Hier konnten wir auch Frau Andrea Rüthel vom Institut für Auslandsbeziehungen kennenlernen, die als IfAKulturmanagerin bei ihrer Arbeit von Frau Gheroghiu unterstützt wird. Frau Corina Derla führte uns durch die Stadt Suceava und begleitete uns bei der Besichtigung der Burgmauern und des Klosters. 2 Am Abend traf unsere kleine Reisegruppe im wunderschönen Ambiente der Pension Sava am Fuße des Rarău ein. Hier warfen die Planungen für Sonntag bereits ihre Schatten voraus. Der Sonntag war der große Tag der Begegnung mit den Chormitgliedern des Deutschen Forums aus Câmpulung unter der Leitung von Monika Gheorghian, mit Frau Maria Gheorghiu, mit einer kleinen Gruppe aus Suceava, mit den Bekannten und Freunden aus Pojorâta und Umgebung. Am Vormittag trafen drei weitere Familienmitglieder unserer Reisegruppe ein, die auf dem Flughafen in Bukarest gelandet und mit einem Leihwagen nach Pojorâta gekommen waren. Da der rumänische Pfarrer an diesem Tag verhindert war, übernahm unser Reisemitglied Irmgard Wölfel, geb. Loy, die Andacht in der katholischen Kirche in Pojorâta, die von den Chormitgliedern musikalisch gestaltet wurde. Die rund 50 Anwesenden waren berührt von dieser unvergesslichen Atmosphäre. Der Inhalt der Andacht mit einem Text aus dem 1. Buch Mose, Kapital 12, der über das Buchenlandgedicht einen großen Bogen zur Ansiedlung im Buchenland schlägt, wird in diesem Reisebericht aufgeführt. Gemeinsam zog man zur evangelischen Kirche von Pojorâta, in der Irmgard Wölfel ein Fürbitt- und Segensgebet sprach. Der Chor sang wieder einige Lieder. Das anschließende Beisammensein in der Pension Sava werden alle Beteiligten in guter Erinnerung behalten. Bei gutem Essen, Getränken und dem Gesang der Chormitglieder des Deutschen Forums aus Câmpulung kam schnell eine fröhliche Stimmung auf. Deren Sänger Corneliu Barbulescu fiel mit seinen gekonnten Einlagen besonders auf. „So ein Tag, so wunderschön wie heute, so ein Tag, der dürfte nie vergehn!“ Die nächsten Tage waren mit den Besichtigungen der bekannten Klöster und mit dem Aufsuchen von Bekannten und Freunden schnell ausgefüllt, bevor die Reisebeteiligten mit vielen neuen Eindrücken und schönen Erlebnissen die Heimreise antraten. Wir bedanken uns herzlich bei allen Beteiligten, die zum Gelingen unseres Reiseaufenthaltes an den verschiedenen Orten beigetragen haben. Wir wünschen ihnen viel Erfolg bei allen ihren persönlichen Vorhaben sowie gute Gesundheit und Zuversicht. Möge sich die Zukunft für sie und ihre Länder weiterhin positiv gestalten und letztendlich zu einem Zusammenwachsen der Völker führen.

Alfred Wanza, September 2012

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