Der alte Christliche Friedhof der Stadt Czernowitz

Der Christliche Friedhof Czernowitz – seine Grabmale und Erinnerungskultur

  1. Musikalische Einleitung – Christlicher Friedhof Czernowitz
  2. Der alte christliche Friedhof Czernowitz und seine Aura
  3. Erste Eindrücke beim Betreten des Friedhofs
  4. Ausgewählte Gräber am Friedhof der Stadt Czernowitz
  5. Weitere Grabsteine und Inschriften
  6. Schlusswort

Musikalische Einleitung – Christlicher Friedhof Czernowitz


Suchst Du dereinst mich unter Gräbern,
erbeben wird mein Stein
und sagen, dass ich Dich geliebt so sehr.
Dich liebte ich, Dich lieb ich immer noch
und werd´ auf ewig lieben,
auch wenn ich weil´ in weiter Ferne.
Auf ewig werd ich Dein gedenken,
Du Engel süßen Glückes mein.

Tonaufnahme und Übersetzung aus dem Ukrainischen
Emilian Fedorowytsch, Deutschland © 2023
Alle Rechte vorbehalten!


Ukrainisches Lied
„Jesli tobi kolesj prejdetsja schukatj mene sered Mohel…“

„Suchst du dereinst mich unter Gräbern…“

Sänger: Orest Fedorowytsch

in den 30-er Jahren des vorigen Jahrhunderts
Mitglied des Czernowitzer Ukrainischen Bürgerchors

Friedhof Czernowitz – Figurengruppe mit Kreuz

Figurengruppe mit Kreuz
Friedhof Czernowitz

Der alte christliche Friedhof Czernowitz und seine Aura

Der 1866 angelegte Christliche Friedhof der Stadt Czernowitz und der mit rund 50.000 Gräbern fünftgrößte jüdische Friedhof Europas liegen sich in der Vulezja Zelena, der Grünen Straße, gegenüber.

Im Gespräch mit Besuchern der Stadt wird der Fokus größtenteils auf den jüdischen Teil des zu gleicher Zeit angelegten Areals gerichtet. Das hat sicher seine Bedeutung, sind doch die dortigen kunstvoll gestalteten Ruhestätten mit so viel geschichtsträchtiger Vergangenheit, segensreichem Wirken seinerzeitiger Czernowitzer jüdischer Bürger, Stolz, Demut, Erinnerung und Leiden verbunden. Viele Besucher aus dem Ausland, insbesondere von Übersee suchen hier Antworten auf die Vergangenheit ihrer Ahnen.

Ein besonderer Grund für die Besichtigung des jüdischen Friedhofs ist „dass er aufgrund der Auswahl und Dichte der dort vorhandenen Grabmale Entwicklungstendenzen aufzeigt, die weit über die innerjüdische Kultur hinausgehen und die vielfältigen Veränderungen in Sprache, Form und Bedeutung deutlich herausstellen. Als Minderheit neben anderen (nationalen) Minderheiten sind Veränderungen in der Sprache und Symbolik besonders bedeutsam. Auch werden die vielfachen Überschneidungen kultureller Prägungen deutlich.“ (2) * (Katharina Haberkorn)

Dagegen findet man bei Recherchen zum alten Christlichen Friedhof Czernowitz (einer von sieben noch vorhandenen städtischen Bestands-Friedhöfen der österreichischen Periode) relativ wenige Informationen im Netz. Beim Betreten des Friedhofs begeben wir  uns auf eine Zeitreise, und erhaschen einen Blick auf frühere gesellschaftliche Strukturen, Multiethnizität und kulturelle Vielfalt. Vor Ort empfängt uns eine Fülle künstlerisch gestalteter Grabstätten, die nicht nur Fotoliebhaber begeistern werden, vielmehr bieten sich hier interessante und aufschlussreiche Motive und Grabinschriften ukrainischer, rumänischer, deutscher und polnischer Provenienz, die an ehemalige Persönlichkeiten der Bukowina und deren Wirken erinnern, an Schriftsteller, Kulturschaffende, Politiker, Beamte, Geistliche, Lehrer, Professoren, Ärzte, Unternehmer, Militärangehörige u. a..

Während die an den Hauptwegen des Friedhofs befindlichen großen und repräsentativen Grabstätten aus österreichischer Zeit sich durch eine gewisse Systematik auszeichnen – jede große Nationalität hat eigene Sektoren – ist in den abwechslungsreichen Perioden der Nachfolgezeit eine klare und absolute Trennung weder an der Ausgestaltung noch anhand der Lage der Grabstätten  ersichtlich. Nur intime Kenner des Friedhofsareals dürften in der Lage sein, auf interessante Besonderheiten aufmerksam zu machen  und  private Fragen zu beantworten.

Um die Jahrhundertwende und speziell zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Bestattungs-Kultur in den österreichischen Kronländern und damit auch auf den Friedhöfen der Stadt Czernowitz ihren Höhepunkt erreicht. Sie bot  dem aufstrebenden Bürgertum Gelegenheit, sich – je nach gesellschaftlichem Stand – gebührend zu produzieren. Die Besucher tauchen in eine besondere Aura ein, in der die Bukowiner Nationalitäten Symbiose und maßgebliche Personen der Vergangenheit wieder zum Leben erwachen. Dies werden aber nur  diejenigen mitbekommen und fühlen, die sich vor einem Besuch des Friedhofs über die Geschichte der Stadt Czernowitz und das kulturelle Umfeld der Bukowina näher informieren oder das  Glück haben, auf einen exzellenten Führer und Erzähler zu stoßen. Dann werden viele den Friedhof in positiver Stimmung verlassen und dankbar dafür sein, etwas einmaliges erlebt zu haben und vielleicht wird manch einer von ihnen den ewig existierenden „Geist von Czernowitz“ spüren.

Eine qualifizierte Führung über beide Czernowitzer Friedhöfe, den christlichen wie auch den jüdischen, wird empfohlen. Setzen Sie sich mit dem an der Czernowitzer Universität angesiedelten Zentrum GEDANKENDACH in Verbindung, das Ihnen gern einen Führer vermittelt, und planen Sie einen halben stressfreien Tag für den Besuch ein.

Ergänzende Literatur für eine Besuchs-Vorbereitung:

  1. Universität Innsbruck, Kurt Scharr,  Gunda Barth-Scalaman,
    „Die Gegenwart des vergangenen im urbanen Raum“ (2019)
    S. 125 „Die Kultur des Todes“ (Sabine Gutwenger, Linus Konzett)

  2. * Donau-Institut, Katharina Haberkorn,
    „Steinerne Ränder gesellschaftlicher Umbrüche.
    Grabsteine und Todeszeichen in der Bukowina
    zwischen 1900 und 1941“ (2017)

Die nachfolgend abgebildeten Czernowitzer Friedhof-Fotos wurden – bis auf ein älteres Bild – in der ersten und zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts aufgenommen. Sie stellen eine persönliche Auswahl dar, versuchen den Blick auf die kulturelle Zusammensetzung der früheren Czernowitzer Bürgerschaft  und die Gestaltung ausgewählter Grabmale zu richten und wollen die Besucher mit ergänzenden Ausführungen in die Stimmung vergangener Zeiten entführen. Vielleicht regt das den Einen oder Anderen dazu an, sich mit diesem Themenkreis intensiver zu beschäftigen.


Verfasser: Emilian Fedorowytsch
– Deutschland, im August 2023 –

Erste Eindrücke beim Betreten des Friedhofs

Am Friedhofseingang erblickt der Besucher als Erstes einen rosa und dunkel gesprenkelten großen Marmorblock mit der Inschrift

In der Mitte des Blocks befindet sich ein Tatzen-Kreuz mit der kreisförmiger Beschriftung

Anfang und Ende der Schrift laufen in einem Stern zusammen. Es ist eine Abbildung des wohl ältesten Militär-Ordens überhaupt, des Militär-Maria-Theresien-Ordens, und eine Erinnerung an die Gefallenen der k. k. Armee sowie die österreichische Herrschaft in der Bukowina.

Voraussetzung für die Verleihung des 1757 von Maria-Theresia gestifteten Ordens, waren weder Adel noch katholischer Glaube oder Nationalität sondern ausschließlich besondere Tapferkeit vor dem Feind, verbunden mit tatsächlichem militärischen Erfolg.  Der Orden wurde  durch die Beschränkung auf Offiziere zum ersten Berufsorden Österreichs.  Die Einteilung der Ordensmitglieder kannte drei Klassen: Großkreuz (Generalität), Kommandeur-Kreuz (Stabsoffiziere), Ritterkreuz (Offiziere). Für die Untertanen der von den Habsburgern regierten Länder war die Zuerkennung des Ritterkreuzes des Militär-Maria-Theresien-Ordens bis 1895 mit der automatische Erhebung in den Ritterstand mit dem Titel „Ritter von“ verbunden.

Friedhof Czernowitz – Denkmal für die Gefallenen der k. u. k. Armee 1914 -1918

Denkmal für die Gefallenen der k. u. k. Armee 1914 -1918
Friedhof Czernowitz

Militär-Maria-Theresien-Orden

Militär-Maria-Theresien-Orden

Friedhof Czernowitz

Kleines Friedhofs-Panorama
Friedhof Czernowitz

Figurengruppe Friedhof Czernowitz

Dreier-Figurengruppe mit Kreuz
Friedhof Czernowitz
Grabstätte: Helene Kukurudza
1881-1940, Maria Figlewska, Jan Lopatynski

kleine Kapelle Friedhof Czernowitz

Kleine Kapelle
Friedhof Czernowitz

Friedhof Czernowitz – Heiligenfigur

Heiligenfigur mit ausgebreiteten Armen
Friedhof Czernowitz
Grobowiec Cisslow

Steinkreuz Friedhof Czernowitz

Steinkreuz mit Mohnblumen-Pflanze
Friedhof Czernowitz
Grabinschrift unleserlich

Ausgewählte Gräber am Friedhof der Stadt Czernowitz

Friedhof Czernowitz – Grabstätte der Steinmetz-Dynastie Moskaliuk
Detail Grabstätte der Steinmetz-Dynastie Moskaliuk

Der Familie entstammten Steinmetzmeister, die viele Grabmale auf dem Czernowitzer Friedhof gestaltet haben. Zur Dynastie zählt  insbesondere auch der hier noch nicht erfasste Karl Moskaliuk.  Die Signaturen der Brüder Moskaliuk findet man religions- und konfessionsübergreifend nicht nur auf den Grabsteinen der christlichen und jüdischen Friedhofsareale der Stadt sondern auch in weiten Teilen der Bukowina und teilweise darüber hinaus.

Familie Moskaliuk

MICHAEL MOSKALIUK
Steinmetzmeister
gestorben 11. Dezember 1903
im 64. Lebensjahre

RUDOLF MOSKALIUK
Beamte des Wiener-Bank-Verein
+ 13. 5. 1931
im 46. Lebensj.

MARIE PLASCHKE
+ 30./ 6. 1909
im 90. Lebensj.

Dessen Gattin
WILHELMINE MOSKALIUK
GEB. HUBER
+ 3. 7. 1921
im 79. Lebensj.

WILHELM MOSKALIUK
Stadt-Steinmetzmeister
+ 12./ 5. 1938
im 64. Lebensj.

FRANZ PLASCHKE
Postoberoffizial
+3. / 6. 1913
im 46. Lebensj.

JOHANNA PLASCHKE
+ 23. / 4. 1942
im 73. Lebensj.

Friedhof Czernowitz – Grabstätte Schmiedt und Fontin

FAMILIE FONTIN

KAISERL  RAT
WENZEL FONTIN
*28. September 1858
+15. Juli 1910

JOHANN SCHMIEDT
* 1860
+ 1887

Im Illustrierten Führer durch die Bukowina (Hermann Mittelmann, Czernowitz 1907/1908) wird die Drogen-, Apotheken-, Farben- und Parfümerie-Warenhandlung Schmiedt & Fontin, Czernowitz, Hauptstr. 12, mit Filialen Hauptstr. 2 und Rathausstr. 19 aufgeführt. Im Angebot waren u. a. sämtliche, dem freien Verkehr überlassenen Apothekerwaren, photographische Bedarfsartikel, Mal- und Zeichenutensilien sowie Laubsäge-Requisiten.

Friedhof Czernowitz – Polnische Grabstätte der Familie Podsudek

Vor 1940 unterhielt die Familie Podsudek in der Strada Iancu-Flondor (seinerzeitige Herrengasse), heute Vulezja Olha Kobyljanskoji – zu allen Zeiten Flaniermeile der Czernowitzer Bürger – ein allseits bekanntes Fleischerei-Geschäft mit hervorragendem Aufschnitt und feinsten Wurstwaren und hatte Anspruch auf den Titel eines Hoflieferanten, der den Königspalast in Bukarest belieferte.

GROBOWIEC RODZINY
PODSUDKOW

TU SPOCZIWAJA
STANISLAW
SEMANOW
PRZEZYWCZY  Lat. 73
ZMARL  9. 6. 1933

HENRYK
PODSUDEK
ZMARL 17. LIPCA1916
V 3. ROKU ZYCIA  SWEGD

MARJA
z. KULAKOWSKICH
PODSUKOWA
MURZYNIEC
PRZEZYWSCY LAT 75
ZMARLA  15. 09. 1933

WONARODZONY SYNEK RODZICOV
ANNY i STANISLAWA
Podsudkow

MARJA
z KRUKOW
SEMANOW
PRZEZYWSZY LAT 86
ZMARLA 25. 07. 1941

Friedhof Czernowitz – Grabstätte der Familie von Majerski

Dr. Bronislaus Erasmus
Ritter von Majerski

Sekundararzt der allg. öffentlichen Krankenanstalt a. D. Besitzer des gold. Verdienstkreuzes mit der Krone und des Marianenkreuzes. Mitglied des Deutschen Ritterordens und mehrerer wissenschaftlichen Vereine etc. etc.

geboren 1843 – gestorben 28. Dezember 1917

Alexandra Olga
Edle von Majerski

geb. EDLE von FRUNZA
geboren 1868 – gestorben 1. Februar 1931

„In Czernowitz wohnte und ordinierte der1895 in die Stadt gekommene Arzt bis 1915 im eigenen Haus in der Römergasse 2. Auf einem Rezept nennt er die Apotheke, der das Arzt-Rezept vorgelegt werden sollte und die das Mittel dann präpariert hat „Apotheke Zur Vorsehung Gottes“ in Czernowitz/Bukowina, mit Datum 1907.

1916 wurde der ein Jahr vorher in Ruhestand gegangene Mediziner reaktiviert und als Generalstabsarzt zum Kommandanten des Kriegsspitals Nr. 2 in Pardubitz in Böhmen ernannt, in dessen Reservelazarett auch Verwundete aus der Bukowina oder den verschiedenen Regimentern von der Galizischen Front gebracht wurden.“ (Luzian Geier 15.05.2020 ADZ)

Grabstätte der Familie von Majerski (Polnisch)

Photo aufgenommen 2019

Dr. Bronislaw
Erazm de Majerski

emeryt. Sekundaryusz szpitala kraiowego
odznarzony Krzyzem zlotem zast. z. Korona
i Krzysem Maryanskim,
czlonek niemieckiego Rycerskiego Ordera i.t.d, i.t.d.

urodzony 1843, zmart 28. grudnia 1917

Aleksandra Olga de Majerska
z. domu de FRUNZA
urodzona 1868, zmarla
1. lutego 1931

Friedhof Czernowitz – Grabstätte der Familie Ortynski

Josep Ritter von
Ortynski

Besitzer des goldenen Verdienstkreuzes
K K

Bezirksvorsteher und Bürgermeister von Czernowitz
48 Jahre alt
gest. den 29. Mai 1858



Kalixt von Ortynski
13 Jahre alt
gestorben am 29. Juni 1860

Friedhof Czernowitz – Grabstätte von Dr. EDUARD ZOLKIEWER

Dr. EDUARD ZOLKIEWER
Universitätsprofessor
10. V. 1891 – 11. XI 1957

und seiner Gattin

VERA ZOLKIEWER
geb. PAULIUC
1. 1. 1901 – 22. IV. 1974

DIR, EDY, FOLG ICH DEINEM GEISTESLICHTE –
DER GOTTHEIT JUGEND STRAHLT IM ANGESICHTE
DIR DICHTER, DENKER, MYSTIKER DES SEINS


MIR BIST DU GATTE, BRUDER, SOHN UND VATER
BIST LEHRER, FÜHRER, EDLER FREUND, BERATER
DU BIST MIR ALLES … ICH UND DU SIND EINS


DU VERY,  HIMMELSLICHT DER SONNE
DU BIST DER EW´GEN JUGEND FRÜHLINGSSONNE
BIST GÖTTIN, ROSE, KÖNIGIN DES SEINS


MIR BIST DU MUTTER; TOCHTER; SCHWESTER
BIST TROST MIR; HELFERIN DER FREUNDE BESTER
DU BIST MEIN ALL… ! DENN ICH UND DU SIND EINS


DIR GOTT DER GUTE BRINGEN WIR UNSERE LEBEN
DU HAST DICH SELBST IN UNSER HERZ BEGEBEN
WIR GEBEN UNS ZURÜCK AM KREUZ ALL UNSERES SEINS


NIE HABEN WIR VERGEBENS DEIN GEWARTET
ALS DANKESOPFER NIMM DAS LICHT DAS LEUCHTET
DAS LIEBESHERZ … VON VERA – EDUARD

Friedhof Czernowitz – Grabstätte des Schriftstellers und Dichters Jurij Osyp Fedkowytsch

JURIJ
FEDKOWYTSCH
geb. 27. Juli 1834
+ 11. Januar 1888

Anmerkung:

In der Literatur wird als Geburtsdatum gemäß dem Gregorianischen Kalender der 8. August 1834 angegeben. Nach dem Julianischen Kalender entspricht dies dem 27. Juli 1834.

Jurij Osyp Fedkowytsch: Ukrainischer Dichter, Kulturschaffender, Klassiker der ukrainischen Literatur.

Geb. 1834 im Bukowiner Huzulen-Dorf Storonetz-Putyla als Sohn des polnisch-ukrainischen Kleinadeligen und  Landgut-Verwalters Adalbert von Horodynskyj de Fedkowytsch und der Tochter eines orthodoxen Priesters.

Fedkowytsch wurde hauptsächlich von seiner Mutter günstig erzogen. Einen entscheidenden Anteil an seiner seelischen Formung hatte seine ältere Stiefschwester Marijka, die ihm als Kind mit einer bewundernswerten Hingabe Märchen, Sagen, Fabeln und Novellen vorlas oder erzählte und unzählige Volks- und Kosaken-Lieder vorsang.  Auf dem Gymnasium in Czernowitz offenbarte  sich seine besondere Neigung zu Sprachen. 

Der deutsche Maler und Schriftsteller  Rudolf Rotkehl, dessen Bekanntschaft er während seiner Praktikanten-Ausbildung 1849-1851 in der Moldau macht, verschafft ihm die  besten deutschen Bücher, führt ihn in die deutsche Literatur ein und spornt ihn selbst zum Dichten in deutscher Sprache an. Dank ihm lernt er die deutschen Klassiker kennen und vervollkommnet seine deutsche Sprache.  Am 1. November 1852 wird Fedkowytsch zum Militärdienst eingezogen und dient mehr als 10 Jahre bei der damals in Siebenbürgen stationierten Bukowiner Einheit, dem “ K. K. Infanterieregiment Nr. 41“. 1859 beteiligt er sich am italienischen Feldzug, beginnt erstmals ukrainisch zu schreiben und verfasst sein erstes ukrainisches Gedicht „Nachtlager“.

Zurückgekehrt nach Czernowitz schließt er Freundschaft mit dem deutschen Gymnasialprofessor, Dichter, Schriftsteller und Publizisten Ernst Rudolf Neubauer, der ihn in die kulturellen Kreise der Stadt einführt und  den  wesentlichsten Einfluss auf Fedkowytsch ausübt. Neubauer bewundert dessen deutsche Gedichte und erzählt ihm, dass er es mit seiner Lyrik mit jedem deutschen Dichter aufnehmen könne. 1865 wird sein erstes deutsches Bändchen „Gedichte“ gedruckt. 1882 erscheint eine größere  Sammlung  seiner deutschen Gedichte unter dem Titel „Am Tscheremusch! Gedichte eines Uzulen“ im Verlag H. Pardini, Czernowitz. Erwähnenswert sind seine Übersetzungen und Nachdichtungen der Werke der Weltliteratur, insbesondere der deutschen Klassik.

Mit Hilfe befreundeter Studenten entdeckt er die Werke des ukrainischen Nationaldichters Taras Schewtschenko , die ihn sehr beeindrucken und noch mehr in der Absicht verstärken, ukrainischer Dichter zu werden. Ende 1861 erfolgt die Ausgabe einer größeren Sammlung seiner ukrainischen Gedichte in reiner Volkssprache. 1863 beendet Fedkowytsch seinen Militärdienst. In der Folgezeit ist er eine Zeit lang als Bürgermeister in seinem Heimatort Storonetz-Putyla und danach als Schulinspektor im Bezirk Wiznitz tätig. Ab 1876 wohnt er wieder in Czernowitz. Mitte der 80-er Jahre, mit der Belebung nationaler Bestrebungen der Ukrainer, verstärkt Fedkowytsch seine kulturelle und literarische Tätigkeit, wird Mitglied des Kulturvereins „Ruska Besida“ und 1885 Chefredakteur der in Czernowitz gegründeten ersten ukrainischen Zeitung „Bukovyna“.

Auszug aus der Ansprache des Herrn Dr. G. Horn, anlässlich des 120 jährigen Geburtsjubiläums des Dichters der Bukowina – Osyp Jurij Fedkowytsch

„Fedkowytsch`s Schaffen ist mannigfaltig:
In der Poesie überragt er als Lyriker. Seine lebhafte Phantasie, verbunden mit einem heftigen Temperament, finden ihren wundervollen Ausdruck in seinen lyrischen Gedichten. Er schreibt auch Lieder aus dem Soldatenleben und aus Kriegszeiten, wirft national-soziale Fragen auf, behandelt historische Themen und für Kinder bringt er originelle Sagen und Märchen.

In der Prosa befasst er sich mit Erzählungen und Novellen aus dem Volksleben. Wahre Liebe, tragische Konflikte, edle Freundschaft, Mut bis in den Tod finden anerkennenswerte Höhepunkte in seinen stilistisch einwandfreien Werken. Den Kindern schenkt er außer Sagen und Märchen prickelnde Tiergeschichten.

Auf dramatischem Gebiet sind seine mystischen Stücke „Jurko Dowbusch“ und „Der Lenker“ besonders bekannt. Daneben vermittelte er aus dem Deutschen und Englischen verschiedene Übersetzungen.

Als Volkstribun setzt er sich für die Reinheit der Sprache und Sitten, für soziale Gerechtigkeit, für Freiheit des Glaubens, der Überzeugung und der politischen Rechte und für die freie Willensäußerung in besonderem Maße ein. Fedkowytsch ist der geistige Erwecker  der Bukowyna-Ukrainer. Er selbst ist ein wahrer Ukrainer, deutschfreundlich und Europäer.“

Die 1875 gegründete, bis 1918 deutschsprachige Universität, die seinerzeitige Francisco-Josephina-Universität, heute Nationale Jurij-Fedkowytsch-Universität, trägt seinen Namen.

Im ersten Teil der Ausarbeitung wird auf Inhalte des ukrainischen Buches „Bukovyna“ jiji menule i sutschasne (Kvitkowskyj, Bryndzan, Zhukowskyj), Zelena Bukovyna 1956, Paris, Philadelphia, Detroit, zurückgegriffen.

Sein folgendes Gedicht passt gut zur Friedhofs-Atmosphäre:

Die Schipotbirken (1)

Zu Schipot am Friedhofsplane, da stehen zwei Birken grün,
und stehen im Mondeslichte, und schwanken her und hin.

Doch um die Mitternachtsstunde,– o denkt euch, Brüder, den Grauss! …
da werden die Birken zu Jungfrau´n, als sässen sie eben beim Schmauss.

Beim späten mit Ginda (2),  und sässen im funkelnden Silbergewand!
Und jede hält euch ´nen Becher in ihrer silbernen Hand.

Und nickt! … und sie nippen! … und nicken! … und nippen! … und glotzen sich an! … und beide zerfliessen im Nebel zu Schipot am Friedhofsplan.

(1) Schipot – ein Huzulendorf im Radautzer Bezirk. Die Sage von den Schipotbirken hat E. R. Neubauer in seinen Bildern aus dem Buchenland aufgezeichnet.

(2) Ginda, ein Räuberhauptmann und Geliebter zweier Schwestern, die sich dann seinetwegen gegenseitig vergiftet haben

Friedhof Czernowitz – Grabstätte der Lyrikerin Olha Kobyljanska

JULIAN KOBYLJANSKYJ
1826 – 1912

MARIJA geb. WERNER Kobyljanska
1837 – 1906

VOLODYMYR KOBYLJANSKYJ
1877 – 1909

JULIAN URYZKYJ
1854 – 1909

EVHENIA, GEB KOBYLJANSKA, URYZKA
1861 – 1917

OLEXANDR KOBYLJANSKYJ
1875 – 1933

OLHA JULIANIWNA
KOBYLJANSKA
* 27. NOVEMBER 1863
+21. März 1942

Olha Kobyljanska: Bedeutende ukrainische Schriftstellerin, Klassikerin der ukrainischen Literatur.

Geb. 1863 in Gurahumora (Süd-Bukowina), väterlicherseits aus einer ukrainischen, mütterlicherseits aus einer polnisch-deutschen Familie stammend.

In der deutschen Volksschule Kimpolung (Süd-Bukowina) weckte die slowakische Lehrerin Milljer das Interesse Olha Kobyljanskas zu Büchern und schuf so die Basis für ihre spätere stark eigenständige literarische Weiterbildung.

Ende der 1880-er Jahre begann sie auf deutsch zu schreiben und publizierte ihre frühen Erzählungen und Skizzen in der „Gartenlaube“, in Westermanns Monatsheften und in der Wiener Zeitschrift „Ruthenische (ukrainische) Revue“. Ende 1891 zieht ihre Familie nach Czernowitz um. 1901 erschien in Minden Kobyljanskas deutscher Erzählband „Kleinrussische Novellen“. Eine große Rolle in ihrer geistigen Entwicklung spielten vor allem die deutsche Literatur (Goethe, Heine, Gottfried Keller, Spielhagen, Hauptmann, Eugenie Marlitt), sowie skandinavische (Hamsun, Jakobsen, Ibsen, Strindberg)) und russische Literaten (Tolstoi, Turgeniew) Zugleich reifte in ihr immer mehr der Wille, eine ukrainische Schriftstellerin zu werden, wobei das nationale Erwachen der Ukrainer im allgemeinen sowie die Werke der ukrainischen Dichter Taras Schewtschenko, Marko Vovcok, Jurij Fedkowytsch, Ivan Franko u. a., sowie die Freundschaft mit der ukrainischen Schriftstellerin Lessia Ukrainka mitprägend waren. Ab Mitte der 1890-er Jahre verfasst sie ihre Prosa hauptsächlich auf ukrainisch.

Neben Fedkowytsch nimmt Olha Kobyljanska die herausragendste Stelle in der Geschichte der Bukowiner Literatur ein.

Sie wird zu einer frühen Verfechterin der Frauenemanzipation, was merklichen Niederschlag in ihren Werken findet und gilt als Vorkämpferin der neuromantischen Moderne.

Zu den bedeutendsten Prosawerken Kobyljanskas gehört ihr Roman aus dem Bauernleben „Die Scholle“ (1902), der archetypische Modelle alttestamentarischer Gestalten von Kain und Abel auf soziale Konflikte des Bukowiner Dorfes überträgt und neben Zolas „Die Erde“ eine der besten Darstellungen diese Themas in der Weltliteratur ist. „Die Scholle“ wurde 1954 verfilmt.

Ihre Novellen und Romane werden geprägt durch die charakteristischen Merkmale der Schriftstellerin: Lyrik, Psychologie und tiefes Empfinden zur Natur, wobei letzteres das stärkste und tiefste Element ihres schöpferischen Geistes ist. Die Schriftstellerin verbindet ihre seelischen Empfindungen eng mit den Erscheinungen der Natur als deren Teil sie sich selbst sieht.  Im Zusammenhang mit der Natur verbinden sich Mystik und Symbolismus. Einen besonderen Platz in der Natur nimmt der Mensch ein. Dem Menschen, egal welcher Herkunft, sich selbst einbezogen, widmet sie viel Aufmerksamkeit.

Menschliche Probleme und allgemein gesehen die Probleme des Volkes stimulierten die schöpferische Kraft der Schriftstellerin und schlagen sich in den Inhalten ihrer Novellen und Erzählungen nieder.

Olha Kobyljanska ist die erste Impressionistin in der ukrainischen Literatur. Ihr Impressionismus verbindet sich mit tief-lyrischen Erzählungen und der Melodie der Musik.

Seit 1944 existiert in Czernowitz das Olha-Kobyljanska-Museum und ein imposantes Denkmal für die Dichterin vor dem Stadttheater Czernowitz.

Eine der schönsten Straßen der Stadt (die ehemalige Herrengasse) wurde nach ihr benannt.

Auszüge aus dem Buch „Literaturstadt Czernowitz“. Gemeinsames Buchprojekt des ehemaligen Bukowina-Zentrums Czernowitz, Petro Rychlo und Oleg Ljubkiwskyj,  Czernowitz 2007. Die Beschreibung  der charakteristischen Merkmale der Schriftstellerin entstammen dem ukrainischen Buch „Bukovyna“ jiji menule i sutschasne  (Kvitkowkskyj, Bryndzan, Zhukowskyj) Zelena Bukovyna 1956, Paris, Philadelphia, Detroit

Friedhof Czernowitz – Grabstätte Familie Vorobkewytsch

Anmerkung: In der Literatur wird als Geburtsdatum von Sydir Vorobkewytsch der 5. Mai 1836 angegeben, was mit der Abweichung vom Gregorianischen zum Julianischen Kalender zusammenhängen kann.

Stefan Simiginovici
nasc. 26 / 2 1893, rep. 19 /5 1895

Alexander Worobkiewicz                                   
k.k. Land. Reg. Conspt. Pract.
* 27. 12.1872
+ 1898 (unleserlich)

Presvitera Maria Hacman  
*12 / 10.1864
+13 / 10.1900

Archipresvyter
Isidor Vorobkiewicz
Ritter d. Fr. Jos. Ordens – Professor
* 18 / 05. 1836
+ 18 / 09. 1903


(Zusatztafel am Fuß des Obelisks in ukrainischer Sprache. Es handelt sich dabei um Isidor Vorobkiewicz – siehe oben.):

SYDIR VOROBKEWYTSCH
1836 – 1903
Namhafter ukrainischer Schriftsteller und Komponist


Auf der linken Seite des Grabmals:

Apollonia Gribovici
+ 17 / V. 1902

Leon Brandstiller
Locotenent in Reg. 5 Rosiori
+ 5 / VI. 1921 in etatet de 30 ani

Anna Sigiminovici
+ 5 /  I. 1919

Sydir Vorobkewytsch war ein namhafter ukrainischer Schriftsteller, Komponist, Pädagoge, Folklorist und Ethnograph, … „eine der ersten Lerchen ukrainischer Renaissance“ (Ivan Franko), der auch in deutscher und rumänischer Sprache dichtete.

Geb. 1836 in Czernowitz. Aus einer Familie eines griechisch-orientalischen Priesters und Theologielehrers stammend. Nach seiner Priesterweihe wirkte er fast sieben Jahre lang als Pfarrer in den Bukowiner Dörfern Davideni und Russisch-Moldovitza. 1867 ließ sich der Dichter in Czernowitz nieder, wo er viele Jahre Musik und Gesang im Priester- und Lehrerseminar, im deutschen Gymnasium und in der Realschule unterrichtete. 1875 wurde er zum Professor für den liturgischen Kirchengesang an der Theologischen Fakultät der neu gegründeten Franz-Joseph-Universität Czernowitz ernannt.

Seine Sammlung bukowinischer Volkslieder umfasst das ruthenische (ukrainische), rumänische, deutsche und jüdische Liedgut des Landes. Sie erweckte seinerzeit die Aufmerksamkeit des deutschen Komponisten Johannes Brahms, mit dem Vorobkewytsch brieflich korrespondierte.

Vorobkewytsch selbst komponierte viele religiöse und weltliche Werke und vertonte viele deutsche, ukrainische und rumänische Texte. Aus seiner Feder stammen auch Übersetzungen ukrainischer Volkslieder ins Deutsche.

Er publizierte Gedichte, Lieder, Heldengesänge, Dramen. Daneben schuf er Texte und Musik für einige Operetten und Komödien. In den Erzählungen und in der epischen Dichtung bevorzugt er ukrainische historische Stoffe.

Als Gründungsmitglied des ukrainischen Kulturvereins „Ruska Besida“ und  Vorstand des Ruthenischen literarisch-dramatischen Vereins (aus dem 1899 der Musikverein „Bukowiner Bojan“ hervorging), leistete er große Aufklärungsarbeit.

Die Czernowitzer Musikhochschule führt heute seinen Namen, ein Vorobkewytsch-Preis wird jährlich an Bukowiner Pädagogen und Künstler vergeben.

Auszug aus der Büchersammlung des ukrainischen Lehrers Ilarij Karbulytzkyj. Erweiterte Inhalte im Buch „Literaturstadt Czernowitz“  Gemeinsames Buchprojekt des ehemaligen Bukowina-Zentrums Czernowitz, Petro Rychlo und Oleg Ljubkiwskyj, Czernowitz 2007

Friedhof Czernowitz – FAMILIENGRUFT  HAUSWALD u. JAWORSKI

Friedrich Hauswald
geb. 2. Feb. 1851
gest. 4. Juli 1918

Ludwik Jaworski                                          
* 4/IV. 1855
+ 12/ I. 1927

Emilia Hauswald
22/VIII. 1851
+ 9/III. 1931

Ruhet sanft!

Adas Fredziu Jaworski

Najukochanszy synek
urodzony 8. Sierpnia 1902
zmart 11. Cserwca 1908

Pamiec zostanie nigdy nie starta
Chociaz tsa z ocz iuz dawno otarta

Hier lieg´ ich im Rosengarten
Und muss auf meine geliebten Eltern warten
Zu früh sank ich für Sie ins Grab hinab
im Himmel ging ein Engel ab

Friedhof Czernowitz – Familie Bauer

EMIL FRIEDRICH BAUER
*24. V. 1900 + 10. VI. 1908

ANNA BAUER
*15. X. 1897 + 16. 06. 1939

Friedhof Czernowitz – FAMILIENGRUFT FERDINAND KISSLINGER

ELISABETHA KISSLINGER
1874 – 1906

ISIDOR KISSLINGER
1899 – 1918

FERDINAND KISSLINGER
1865 – 1934

Friedhof Czernowitz – Grabstätte der Familie Dobrowolski

RUHESTÄTTE
DER FAMILIE
JOSEF DOBROWOLSKI

AMALI  DOBROWOLSKA
+ 24. 05. 1899 im 22. Lebensj.

JOSEF DOBROWOLSKI
+ 14. 12. 1930 im 60. Lebensj.

WILHELM MACH
+ 2. 10. 1927 im 74. Lebensj.

IGNATZ DOBROWOLSKI
+ 22. 11. 1914 im 42. Lebensj.

Rumänisches Grabdenkmal der Familie Ungureanu

FAMILIA UNGUREANU

IOAN UNGUREANU
PLOT. MAJ. I. P.
Nasc in Cacica Jud. Suciava
*30.9.1865
+ 20.10.1938

JULIANA UNGUREANU
Nasc DOVHANCIUC
*29.12.1878

GRECUL NEKOLAI
1886 -1950

KAROLINA
1888 – 1956

ROMAN – STEFAN
FIF. UTARINA USOARA!

Friedhof Czernowitz – Rumänisches Grabdenkmal der Familie Ungureanu

Grabstätte Familie Ungureanu
Friedhof Czernowitz
Photo aufgenommen 2019

Friedhof Czernowitz – Grabstätte des Großgrundbesitzers und Czernowitzer Bürgermeisters Petrovici

IACOV CAVALER DE PETROVICI
PROPRIETAR MARE
intaile PRIMAR AL CERNAUTILOR
*25. JULIE 1815
+ 1.  NOIEMBRIE 1869

Jakob Ritter von Petrowitz wurde 1815 im Dorf Bossance (Bezirk Suceava) in der Familie eines armenischen Grundbesitzers geboren. 1832 beendete er seine Schulzeit am Czernowitzer Lyzeum.

Nach seiner Heirat mit Antonia von Mikuli, Tochter aus angesehenem Hause, ließ er sich im Dorf Wereczanka nieder, wo er es im landwirtschaftlichen Bereich in relativ kurzer Zeit zu einem ansehnlichen Vermögen brachte.   

1864 wurde er 1. Bürgermeister der Stadt Czernowitz. In seine Amtszeit fiel die Erbauung des Czernowitzer Bahnhofs (1865-1866) mit dem Anschluss Lemberg – Czernowitz. Die Amtsgeschäfte, die er mit großem Einsatz führte,  nahmen ihn voll in Anspruch, so dass er keine Zeit mehr für die Bewirtschaftung seiner Landgüter aufwenden konnte.

Für seine Landesverdienste erhielt er vom König den Orden mit der Eisernen Krone. Am 1. November 1869 starb Jakob Ritter von Petrowitz.

Friedhof Czernowitz – Grabstätte der Familie Kochanowski

VICTORIA KOCHANOWSKA
geb. SYRZISTIE
Regierungsratswitwe
1840 – 1928

Hier ruhet in Gottes ewigem Frieden
Josef Kochanowski
Regierungsrath der Bukowina` er k. k.
Landesregierung, Landtagsabgeordneter
und Ehrenbürger der Stadt Kimpolung
geb. 1832,  gest. 1892

„Und als er schloss die Augen zu Da fand er endlich Rast und Ruh“

Friedhof Czernowitz – Gruft der Familien Aksentowytsch / Karbulytzkyj

Photo von 1977

ILARIJ KARBULYTZKYJ
Schuldirektor und Kulturschaffender
17. IX. 1880 – 30. I.  1961

und seine Ehefrau – Lehrerin

Ottilia
10.XI.1879  – 24. VI. 1963

ALBIN AKSENTOVYTSCH
PENSIONIERTER VOLKSSCHULDIREKTOR
* 17. I. 1863 – + 21. IV. 1938

IOANA  AKSENTOVYTSCH
GEB. SCHMIDT (schlecht leserlich)
+ 12. VII. 1880  + …

Ilarij Karbulytzkyj war ein Tribun, ein Kämpfer für sein Volk und ein bekannter Politiker. Am Tag des russischen Ultimatums an Rumänien, die Nord-Bukowina mit der Stadt Czernowitz bis zum Fluss Sereth binnen 24. Stunden zu räumen, sprach der Schuldirektor i. R. die Worte:

„Bis jetzt konnten wir einer dem anderen helfen, von jetzt an wird jeder von uns auf sich selbst gestellt sein. Wir müssen bleiben. Unser Leben lang hatten wir das Volk geschult und geführt.  Was würden die Menschen sagen, wenn wir in die Fremde ziehen und es seinem Schicksal alleine überlassen ? Es können doch nicht alle Intellektuellen die Heimat verlassen.

Auf der Lehrerversammlung verlangte die neue Behörde von den Lehrern, der Schuljugend beizubringen, dass es keinen Gott gibt. „Wie sollen wir dies tun ?“ fragte Karbulytzkyj „Wir haben bis jetzt täglich von Gott gesprochen. Was werden die Schüler dazu sagen ?“ 

Hatte er ein Opfer gebracht ? Die Flucht seines Sohnes nach Deutschland sowie seine oppositionelle Haltung bei der Lehrerversammlung brachten ihm 9 Jahre Verbannung in Russland ein. Der Sohn hatte keinen Mut, vor die Eltern zu treten und vor seiner Reise von ihnen Abschied zu nehmen. Das war ein schwerer Schlag für sie. Vielleicht war es die Strafe des Allmächtigen, dass der Sohn, seine Frau und seine kleine Tochter beim Bomber-Anflug der Westmächte auf Dresden ihr Leben verloren.

Als nach dem Tode Stalins die Verbannten in ihre Heimat zurückkehren durften, kehrte auch der Schuldirektor Karbulytzkyj zu seiner Frau nach Czernowitz zurück, doch aus dem starken Mann war eine trockene Kartoffel geworden. Es waren ihm nur noch wenige Lebensjahre vergönnt.

Bohdan Fedorowytsch (+ 2001) – Persönliche Erinnerungen

Friedhof Czernowitz – Gruft der Familie Ipolit und Zenowia Omelskyj

IPOLIT OMELSKYJ
pensionierter Schuldirektor und Reserveoffizier
Träger des Goldenen Verdienst-Kreuzes mit Krone und weiterer Auszeichnungen
* 18. XI. 1873

ZENOWIA OMELSKA
geb. ORSA
pensionierte Lehrerin
* 13. VIII. 1886

Friedhof Czernowitz – Ruhestätte der FAMILIE ZALOZIECKI

PER ASPERA AD ASTRA

Wladimir Zaloziecki
k. k  SANITÄTSRATH
PRIMARARZT
RITTER HOHER ORDEN
* 1. März 1842
+ 5. Juni 1898

(Vorname auf dem Photo nicht sichtbar)
Zaloziecki, geb. (unleserlich)
* 26. Oktober 1855
+  4. Mai 1912

Volodymyr Zalozec´kyj war einer der bedeutendsten ruthenischen (ukrainischen) Akteure der Bukowina. Er stammte aus einer ruthenischen Pfarrersfamilie. Nach dem Besuch des Czernowitzer Gymnasiums studierte er Medizin an der Josephinischen Militärakademie in Wien. Im Anschluss an sein Studium arbeitete er im k.k. Institut in Wien beim renommierten Chirurgen Christian Albert Theodor Billroth. Ab 1879 lebte Zaloziec`kyj wieder in Czernowitz, wo er 1883 zum Leiter der Medizinischen Gesellschaft gewählt wurde.

„Er genoss eine herausragende Stellung unter der Ärzteschaft. Keine größere Operation in Czernowitzer Spitälern lief ohne seine Mitwirkung oder zumindest Beratung ab. Von den russischen Behörden hatte er die Dauergehmigung, die russisch-österreichische Grenze zwecks Durchführung von Operationen Visum-frei zu überschreiten.“ (Theophil Bryndzan)

Zuletzt war er Leiter der chirurgischen Abteilung im 1886 eröffneten Czernowitzer Landesspital. Vlolodymyr Zaloziec`kyj nahm am gesellschaftlichen Leben in Czernowitz teil und  unterstützte sowohl finanziell als auch ideell die Gründung des Ukrainischen Hauses in der Stadt. Er wurde mehrmals als Abgeordneter in den Czernowitzer Stadtmagistrat gewählt. Sein Sohn Volodymyr Sergej Zaloziec`kyj (1884 -1964) war ein bekannter Politiker, Kunsthistoriker, Künstler und Schriftsteller.

Friedhof Czernowitz – Philip und Maria Fedorowytsch
Detail Gruft Philip und Maria Fedorowytsch

DIRECTOR
PHILIPP FEDOROWICZ  
* 23. X. 1867 +  5. V. 1936

MARIA FEDOROWICZ
*13. IX. 1867 + 21. XII. 1936


Grabstätte der Eheleute
Philip und Maria Fedorowytsch

links unten Plakette des Steinmetzes
ERICH MOSKALIUK

Bei meinem ersten  Besuch des Czernowitzer Friedhofs suchte ich die Grabstätte meines Groß-Onkels, des Lehrers Philip Fedorowytsch auf, der während des Ersten Weltkriegs Vertreter des Bürgermeisters in Czernowitz, danach Stadtrat für die ukrainische Minderheit und zu rumänischer Zeit Direktor der Comenius-Privatschule in Czernowitz war. Die Gruft stammt aus der Zeit Ende der 30-er Jahre und liegt in der zur Friedhofsverwaltung führenden Hauptallee, nicht mehr wie 100 Meter vom Verwaltungsgebäude entfernt. Sie befindet sich – im Gegensatz zu neueren Gruften der 90-er Jahre, bei denen der Zement schon bröckelt, in noch relativ gutem Zustand.

Die beiden Emaille-Porträts der Eheleute Philip und Maria Fedorowytsch sind unbeschädigt. Für die Inschrift wurde die deutsche Sprache gewählt, denn einige Zeit nachdem die Rumänen die Herrschaft übernommen hatten wurde die Verwendung ukrainischer Schrift auf den Grabsteinen untersagt. Verwendet werden durften nur die rumänische, deutsche und polnische Schrift. Der Anteil der ukrainischen Bevölkerung in Czernowitz lag zu jener Zeit bei über einem Drittel!

– Emilian Fedorowytsch, Deutschland 2022 –

Philip und Maria Fedorowytsch mit Kindern Orest (links), Alma und Demeter Andenken 8. IX. 1935

Philip und Maria Fedorowytsch mit Kindern Orest (links), Alma und Demeter Andenken 8. IX. 1935

Trauerzug anlässlich des Todes von Philip Fedorowytsch im Jahre 1936

Trauerzug anlässlich des Todes von Philip Fedorowytsch im Jahre 1936 in der Innenstadt von Czernowitz

Weitere Grabsteine und Inschriften

Friedhof Czernowitz – Ukrainische Grabstätte Familien Bryndzan, Andrijtschuk und Kvasnytzky

LEHRER
KWASNITZKYJ VIKTOR
*1876 + 16. VI. 1956

und Ehefrau
KWASNITZKA ASPASIA
*1883 + 1960


KORNELIJ BRYNDZAN
PFARRER 1859 – 1912

ILARIA BRYNDZAN
1864 – 1941

DR. VOLODYMYR BRYNDZAN
PROFESSOR 1885 – 1922

AVRAMIJ ANDRIJTSCHUK
EXARCH 1834 – 1891

AGLAJA ANDRIJTSCHUK
1843 – 1886

KORNELIJ ANDRIJTSCHUK
PFARRER 1862 – 1916


ARZT
KVASNYTZKYJ  IVAN VIKTOROVYTSCH
1907 – 1973

Friedhof Czernowitz – Rumänische Grabstätte des ZAHARIA VORONCA

CONSILIER CONSISTORIAL
ZAHARIA VORONCA
*30. 09. 1851
+ 17. 07. 1920

Rumänisches Grabmal
des Zaharia Voronca
Friedhof Czernowitz
Architekt: V. Mironescu 1921


DETRUNCHIATUL
DORMI TICINIT IN ARBOROASA
NU MAI SUNTEM DETRUNCIATI!
TE-AU INCHIS CAI PLANS PE MAMA
AZI LA SINUI ADUNATI

Schlaf ruhig im ARBOROASA
Wir sind nicht länger mehr getrennt
Du wurdest eingesperrt weil Du um Mutter weintest heut´ sind wir hier mit ihr vereint.

Arboroasa war eine Rumänische Verbindung,
Akademischer Verein, freischlagend, 1875-1940,
blau-gold-rotes Band, bestickt „Arboroasa

Die Aktivitäten der Arboroasa waren sowohl kultureller als auch nationalistisch-patriotischer Natur. Nach Einleitung eines politischen Prozesses 1877 gegen die Führungspersonen der Gruppe, zu denen neben Zaharia Voronca auch auch der Komponist Ciprian Porumbescu gehörte, erfolgte nach elfwöchiger Haft, in der Porumbescu an Tuberkulose erkrankte, die 1883 zu seinem Tode führte, ein einstimmiger Freispruch. Dennoch wurde das Führungskomitee durch die österreichischen Behörden überwacht und aufgefordert, sich auf kulturelle Manisfestationen zu beschränken.

Friedhof Czernowitz – Familie Zelgin

JOHANN
1852 – 16.  X. 1919

JULIA
6. II. 1859 – 29. I. 1939

MAX
26.VI. 1880 – 29. I. 1899

HELENE
26. II. 1883 – 19. IX. 1909

Friedhof Czernowitz – Apotheker Ladislaus Terlecki

Hier ruhet
Ladislaus
TERLECKI

Apotheker
gest. am 21. / 11. 1906
im 40. Lebensjahre

„Dieses Denkmal widmet Dir in Dankbarkeit Deine tief trauernde Gisia“

Friedhof Czernowitz – Ruhestätte der FAMILIE M0ROSZKIEWICZ

Franz Josef
Moroskiewicz

Juliana
Moroskiewicz

Geburts- und Sterbedaten unleserlich

Friedhof Czernowitz – Gruft der Familie Romankiewicz

Familie Romankiewicz

AGENOR
1860 – 1901

STEFANIE
31. X. 1879 – 20. 01. 1920

HELENE u. FERDINAND ENDER
+ 1906

Friedhof Czernowitz – Gruft mit Tatzen-Kreuz

(angehobene Grabplatte, bröckelnde Zementverfugung)

Gruft-Überschrift:
Familie Nikolaus K…(?) (schlecht leserlich) darunter auf schwarzem Hintergrund:

NIKOLAUS
geb. 18. XII. 1859
gest. 1. XII … (unleserlich)

EDMUND FRIEDRICH
geb. 20. X. 1909
gest. 5. II. 1910

REINHARD
geb. 15. XII. 1919
gest. 23. VIII. 1920

INGRID GERTRAUD NESTMANN
geb. 13. II. 1937
gest. 10. III. 1939

FELIX POHORECKI
geb. 1873

ANGELA POHORECKA
geb. 1888

JOSEFA POHORECKA
geb. 1907

Friedhof Czernowitz – Grabstätte der Familie Skribinski

EMILIE SKRIBINSKA
* 1816
+1901

FERDINAND SKRIBINSKI
K.K. Regierungsrath,
K.K. Sanitätsrat u. Professor
* 1816
+ 1902


Engel mit gesenktem Blick
Grabstätte der Familie Skribinski
Friedhof Czernowitz

Schlusswort

– Emilian Fedorowytsch –
Deutschland, 1. August 2023
aktualisiert: 11. Juni 2024